Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

Wo lernt man heute denn schon noch normale Menschen kennen, wenn nicht auf der Straße!? Normale Menschen.. gibt es das überhaupt!? Klarer Fall von Nein. Mit dem Alter kommen die Päckchen. Die Päckchen, die jeder Einzelne von uns sinnlos mit sich herum schleppt. Der Eine kann besser mit den Päckchen umgehen, als vielleicht der Andere. Und was ist heutzutage schon normal!? Wie definiert man denn das Normalsein?

Du lernst also einen Mann kennen, bei einem Fotoshooting. Er greift durch dein langes Haar, richtet es. Du beobachtest ihn genau. Wagst es dir nicht, zu atmen. Dein Herz, was pocht. Schnell. Laut. Kann er es hören!? Er beobachtet dich genau, während er durch die Kamera blickt und den Moment der Perfektion abpasst. Ein Klicken. Der Auslöser, welcher gedrückt wird. Von ihm, den Fotografen. Du fühlst dich mit ihm auf einer Ebene. Eine Ebene, die passt. Seit langem lachst du mal wieder von Herzen. Seit langem lachst du überhaupt mal wieder. Dieser Mann schafft es dich völlig frei bewegen und dich selbst sein zu lassen. Gedanklich bist du dir sicher, dass es nicht zu einer Kontaktaufnahme kommen wird. Denn er hat nur seinen Job getan. Er war nett zu dir. Weil er es sein musste. Wahrscheinlich nur deshalb. Kann man sich Symphatie einreden? Dann kommt es zu einer Kontaktaufnahme via Facebook. Damit hättest du nicht gerechnet. Bist überrascht. Freust dich. Dann wird direkt über Handy Kontakt aufgenommen. Bald schon trefft ihr euch zum ersten Mal wieder. Seitdem ihr euch begegnet seid. Das Date ist toll. Du fühlst dich wohl. Ihr könnt euch über alles unterhalten. Zusammen Lachen. Spaß haben. Dann lässt er blicken, dass etwas in ihm nicht so ist, wie es soll. Er ein Päckchen mit sich herum schleppt. Wahrscheinlich rießengroß. Du malst dir alles aus. Und nichts. „Finde es heraus, wenn du möchtest!“ Ja.

Er begleitet dich mit dem Rad nach Hause, weil er nicht möchte dass du alleine durch die Dunkelheit läufst. Du setzt dich auf die Stange obwohl du das noch nie getan hast. Gemeinsam fahrt ihr durch die Nacht. Die Kälte umgibt dein Gesicht, deinen Körper, so dass er zittert an dem Seinen. Du spürst seine Körperwärme an deinem Rücken. Du fühlst dich wohl, möchtest den Moment nicht enden lassen. Doch jeder Moment geht vorüber. Leider oftmals viel zu schnell. Gerade dass du ihn als solchen überhaupt erst wahrgenommen hast. An der Ecke nahe deines Wohnhauses passiert es. Dein Bein gerät in die Speichen des Rennrades. Es wird still um euch herum. Viel zu still. In Zeitlupe stürzt ihr über den Lenker. Was du in dem Moment denkst, weißt du nicht mehr. Irgendwie ist dir alles entfallen. Ihr knallt direkt auf die Straße. Du spürst wie er mit seinen Händen deinen Kopf umschließt, bevor er auf den Asphalt krachen kann. Sachte. Liebevoll. Reflexartig. Dann liegt ihr da. Mitten auf der Straße. Er halb auf dir drauf. Keiner wagt sich zu rühren. Zuerst findet er seine Bewegungsfreiheit wieder. Hektisch beugt er sich über dich. Seine Hände umgreifen deinen Kopf. Sanft streicht er dir deine wirren Haare aus dem Gesicht. Den Augen. Weg vom Mund. Du öffnest deine Augen. Er ist dir jetzt ganz nah, denn du spürst ganz leicht seinen Atem. Ihr blickt euch an. Noch immer wagst du es nicht, dich zu bewegen, wagst nicht irgendetwas zu sagen. Bist du im Himmel? Kurzzeitig weißt du nicht was passiert ist. Du spürst nichts mehr. Er redet auf dich ein, doch du antwortest nicht. Er wird panisch, möchte wissen, ob du okay bist. „Geht es dir gut!? Tut dir was weh? Sprich mit mir!“ Du sagst ihm dass du deinen Arm nicht spürst, gerade. Du rappelst dich auf, er zieht dich sachte nach oben. „Scheiße wie geht es DIR? Bist DU okay!?“, willst du nun aber von ihm wissen, jetzt wo du halbwegs realisierst. Deine Beine sind wie Gummi. Hastig fällt dein Blick auf sein Rennrad. Geschockt schlägst du die Hand vor dem Mund. „Oh Gott dein Rad! Es tut mir so Leid!“ Das Vorderrad besteht aus einer Acht. Spontan fällst du ihm in die Arme, weil du deiner Entschuldigung Ausdruck verleihen möchtest. Es dir Leid tut. Von Herzen! Noch immer befindet ihr euch halb auf der Straße. Die Autos rasen vorüber. Keiner schert sich um das, was soeben geschieht. Wieder fragt er dich ob du okay bist. Es dir gut geht. Eigentlich spürst du gar nichts. Dein Arm ist okay. Es war nur der Schock. Deine Hand blutet, doch das bemerkst du nur nebenbei. Lustig, wie ein rotes Rinnsal an deiner Hand hinabläuft. Eine Spur hinterlässt, und sich in dich einbrennt. Du hast ein schlechtes Gewissen. Denn du bist ja schuld. Weil du ein Trottel bist. Du hast sein Rad geschrottet. Mit Gewissensbissen bietest du ihm deine Couch an. Scheiße! Das war so nicht geplant! Bei dir angekommen bereitest du ihm die Couch vor. Du bist nervös. Was soll er nur von dir denken. Ihr setzt euch noch kurz in die Küche, redet über den Unfall. Wieder fällst du ihm in die Arme, entschuldigst dich bei ihm. Dann wünscht ihr euch eine Gute Nacht. Du machst dich bettfertig. Nochmals gehst du zu ihm. Er sieht dich ungeschminkt und du denkst dir Ach scheiße, nun ist dir alles egal. Du umarmst ihn, entschuldigst dich ein letztes Mal und wünschst ihm eine Gute Nacht.

In dieser Nacht tust du kein Auge zu. Er nur eine Wand neben dir. Du in deinem Bett. Allein. Am liebsten würdest du zu ihm gehen. Ihn in den Arm schließen und nicht mehr los lassen. Gedanken wirbeln durch deinen Kopf, und du fragst dich, was er vor dir verbirgt. Du fragst dich, was er von dir hält. Bist dir sicher, dass er sich nach dieser Nacht nicht mehr bei dir melden wird. Noch ahnst du nicht, dass das letzten Endes die bessere Variante gewesen wäre. Du ahnst nicht dass ihr euch wieder trefft. Du hast keine Ahnung was sich hinter seiner Person tatsächlich verbirgt.

Dass du dir wünschst er hätte niemals deinen Kopft aufgefangen, sondern ihn auf den Asphalt knallen lassen, in der Härte einer Gehirnerschütterung, sodass du vergisst, kommt dir noch nicht in den Sinn. Noch ist dein Wunsch ein Anderer. Vergebung. Und ein Funken Hoffnung. Wenn auch nur klitzeklein.

© Netti

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7 Gedanken zu “Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

  1. Ich grüße Dich

    netti will Ich Dich nicht nennen
    Jeder Mensch der Seine Gefühle verleugnet ist Norm al
    Cool schwarze Kleidung Sonnenbrille
    Stöpsel in den Ohren Handtelefon umkrampft
    Objektiv sein
    Das geht Dich nichts an
    Mein geheimes Tagebuch
    Darüber möchte ich nicht sprechen
    Ich kenn Sie ja gar nicht
    Der will mich nur ficken
    Eigentlich will Ich mit Ihm schlafen
    Mehr
    Es reicht
    Angst ist der Un Geist der unsäglichen Zeit
    Mut zur Liebe
    Freudiges lieben
    Wie in der Arbeit
    Du spinnst wohl
    Wo sonst
    Trennst Du Leben
    Lieben
    Nur an Weihnachen
    Hinter den Gardinen
    Wut Angst Trauer und Freude
    Wer Sie zurückhält wird
    Sieh Dich um
    Die Liebe ist immer guter Hoffnung
    Unsterblich
    Unendlich
    Ewig
    danke Dir
    Joachim von Herzen

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  2. Okay, das ist also der Anfang…ich werde den Teil ein wenig sacken lassen, das war schon vom Scrollen her eine halbe Ewigkeit, bis ich hier ankam…der Einstieg ist damit klar, nun schaue ich mal, was euch bis heute verbindet und doch nicht zusammen sein lässt…

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  3. Pingback: Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft. Es setzt aus. 1/2 | WolkenKuckucksHeim

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