Zu schnell. 2/11

Auch wenn man sich fest vornimmt den einen Fehler nicht nochmal zu machen. Auch wenn man sich fest vornimmt, nie wieder die Dumme zu sein. Auch wenn man sich vornimmt nicht zu schnell zu sein. Nicht zu schnell zu fühlen. Nicht zu schnell zu empfinden. Nicht zu schnell zu Denken. Zu Hoffen. Zu Glauben. Zu Vermuten und zu Interpretieren. Und letztendlich zu schweben. Auf einer rosaroten Wolke, in der man plötzlich alles schöner, bunter und lauter wahrnimmt. Auch wenn man sich all das vornimmt. Tritt trotzdem genau DAS ein. Weil das Herz, das hört da nicht drauf. Dass du all das nicht sollst. Das hört nicht, dass ein n.i.c.h.t überhaupt existiert. Das Herz das sagt nur dass du sollst, fühlen. Empfinden. Brechen. Denn genau das macht es ganz von allein. Das Herz legt jetzt so richtig los. Ohne dass man es beeinflussen kann.

In dieser nicht enden wollenden, viel zu langen Nacht mit Gedanken, welche dir beinahe den Verstand rauben, kommst du einfach nicht zur Ruhe. Du stehst auf. Gehst ins Bad. In die Küche. Wieder ins Bad. In den Flur. Ins Schlafzimmer. Und in die Küche. In den Flur und da stehst du. Und wartest. Und stehst da. Du stehst da einfach nur blöd rum und schaust dir die Tür an. Die Wohnzimmertür. Dahinter liegt er. Der Fotograf. Deine Hand greift zur Klinke,- doch du hältst inne. Irgendwie traust du dich nicht. Obwohl du nichts lieber machen würdest, als dich neben ihn zu setzen und mit ihm zu reden. Seiner Stimme zu lauschen, seinem Lachen. Ihm. Die ganze Nacht. „Ey! Was machst´n du da!? Geh pennen jetzt!“ Du musst lachen und entschuldigst dich, du kannst nur nicht schlafen, aber alles gut. Ach noch was „Bin Morgenmuffel!“, meinst du. Durch die verschlossene Tür dringt zurück. „Das macht nichts. Ich auch. Also quatsch mich ja nicht voll!“ Lachend wünschst du ihm ne gute Nacht. Du tappst in dein Zimmer und legst dich ins Bett. Mit offenen Augen liegst du da. So lange. Bis der Wecker klingelt. Dann stehst du auf. Machst dich fertig für die Arbeit. Als du im Flur stehst, mit deinen Schminksachen öffnet sich die Tür des Wohnzimmers. Verschlafen und nur in Unterhose bekleidet blickt dich der Fotograf an. Er schaut in deine Augen und wundert sich. „Was machst du denn jetzt schon wieder?“ „Schminke ins Gesicht klatschen.“ Er stöhnt. „Ich hau mich nochmal auf´s Ohr. Weck mich dann!“

Du ziehst die Wohnzimmertür mit einem Schwung geräuschvoll auf, machst das große Licht an und läufst zum Fenster. Du reißt alle beiden Fenster komplett auf und gehst zu ihm. Er protestiert. „Bist du irre!?“ Streitwillig schnappst du dir die Decke, welche er versucht gegenzuhalten und reißt sie ihm mit einem Ruck vom Körper. „EEEY! Sage mal du bist doch..maaan. Ey wie ´ne IRRE!“ Du lachst wie doof und musterst ihn von oben bis unten. Du schmachtest. Innerlich. „Los jetzt! Mach hinne! Wir müssen!“ Du hoffst dass er nicht in deinen Kopf gucken kann. Das Fahrrad, das lässt er noch stehen. Das holt er heute Abend. Das bekommt er ja nicht weg. Mit dem Auto bringst du ihn schnell zu sich nach Hause, keine zehn Minuten von dir. Zum Abschied umarmt er dich. „Ich meld mich heute Abend bei dir.“ Kaum dass du wieder zu Hause bist erreicht dich eine Nachricht. Ihr schreibt, bis du zur Arbeit musst. Auch während der Arbeit treffen Nachrichten ein, auf welche du in unterschiedlichen Abständen eingehst. Dein Herz, es pocht. Wenn du seinen Namen siehst. Es pocht, wenn du an sein Lachen denkst. Die strahlenden Augen und den Blick. Es kribbelt, als wäre ein Brausebonbon in deinem Magen explodiert, welches sich nun in deinem gesamten Körper verteilt. Und im Herzen, da bleibt es. Und verharrt. Bis zum nächsten Einsatz. Immer wieder. Neu.

Am Abend steht er vor deiner Tür- seine Jacke leuchtet. Rot. Du bittest ihn herein und ihr umarmt euch flüchtig. Dein Herz hüpft freudig. Ihr schmeißt euch auf die Couch und seid sofort im Gespräch, als hättet ihr dieses gar nicht erst beendet. Nebenbei machst du den Flimmerkasten an. Wie immer läuft nur Schrott. Trotzdem habt ihr Spaß und ihr lacht. Ihr lacht zusammen. Laut. Echt. Von Herzen. Denn das Herz, ja, das pocht. Schon wieder zu schnell. Du bist glücklich in seiner Nähe. Fühlst dich wohl. Noch nie hattest du beim fern schauen so viel Spaß. Noch nie hast du so herzlich gelacht. Er ist lustig. Du magst Humor, denn Humor ist dir sehr wichtig. Ihr blödelt. Und unterhaltet euch. Irgendwann, erschöpft, schlaft ihr ein. Nebeneinander, auf der Couch. Sein Kopf, ganz leicht auf Deinem, kaum wahrnehmbar, ganz sachte berühren seine Haare dein Gesicht. Du schläfst, obwohl du nicht schläfst. Bist müde und gleichzeitig schrecklich aufgekratzt. Du schläfst und denkst dennoch tausend Sachen. Du fühlst, obwohl du eigentlich nichts fühlen sollst. Denn plötzlich, spürst du da diesen leichten Druck auf deiner Hand. Dein rechtest Auge öffnet sich einen klitzekleinen Spalt. Natürlich möchtest du jetzt wissen ob du irrst. Doch nein- Seine Hand umschließt die Deine. Und es fühlt sich SO gut an. Das Herzl wie es puppert. Beinah aus dem Takt gerät. Das Herz mit seinen Schlägen. Außversehen musst du zucken. Sodass er seine Hand von deiner entfernt. Innerlich gibst du dir eine schallende Ohrfeige. Dumme Kuh. Also stupst du ihn an die Schulter und flüsterst, dass er wohl jetzt gehen müsse. Es ist spät. Fast schon springt er vom Sofa hoch, schnappt seine Sachen und steht schon an der Tür. So schnell kannst du gar nicht gucken, geschweige denn atmen. „Fahrrad hol´ ich später!“ Du begleitest ihn runter zur Eingangstür. Er ist dir 1000 Schritte voraus. Beschämt trottest du ihm hinterher, weil du nicht weißt was denn jetzt kaputt ist, außer dein Herz. Denn das hat irgendwie grad Aussetzer. Die Stimmung ist fast schon frostig. „Wir schreiben!“ Er setzt leicht zum Gehen an, doch du umarmst ihn noch schnell, denn so kannst du ihn jetzt echt nicht gehen lassen. Das wäre dann wirklich zu dumm. Eilig läuft er die dunkle Straße entlang zu seinem Auto. Irgendwie ein bisschen zu schnell. Ohne sich umzublicken!

© Netti

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5 Gedanken zu “Zu schnell. 2/11

    1. 🙂 weiß gerade irgendwie nicht ob ich dass gut oder schlecht finden soll. Das Gute daran: Ich bin wohl nicht allein. Das Schlechte: Das ist auch wieder kacke. Das zu Durchleben, immer wieder. Neu. :-/ Drück dich.

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      1. Den gleichen Gedanken hatte ich auch. Wollte eigentlich auch einen Smiley hinter mein Kommentar setzen, aber ich wusste nicht welchen.. Aber: „Geteiltes Leid, ist halbes Leid“ 🙂 Das macht das ganze schon ein wenig hoffnungsvoller, wenn man weiß, dass andere genauso fühlen und denken. Ich drück dich zurück!

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