Zwischen Wissen und Nichtwissen. 3/11

Irgendwie ist es manchmal vielleicht einfach besser nichts zu wissen. Nicht zu viel zu wissen. Über eine Person. Und deren Päckchen. Denn wenn das Wissen erst da ist, kannst du es nicht mehr leugnen. Plötzlich kannst du nicht mehr so tun als ist die Wolke auf der du schwebst rosarot, und die Welt um dich herum so kunterbunt und wunderschön. Weil da nun Gewitterwolken sind, die sich immer mehr und mehr zusammenbrauen, zu einer einzigen großen Macht, bis sie über dir in Tränen ausbrechen. Und alles um dich herum zu beben beginnt.

Es dauert etwas bis ihr euch wieder seht. Denn du kannst ja nicht immer Zeit haben. Doch er, er hat Zeit. Nur für dich? Inzwischen schreibt ihr viel. Zum nächsten Treffen ist er wieder bei dir. Noch immer ist da ja das Rennrad, welches bei dir rumsteht und die Küche ziert.

  
Immer wenn du in die Küche musst, fällt dein Blick auf das Rad und ein Hochgefühl durchfährt deinen Körper. Inzwischen hoffst du fast, dass er dass Rad nur als Vorwand benutzt, um dich so oft wie möglich sehen zu können. Du hoffst, dass er es absichtlich so lang bei dir hat stehen lassen. Du wünschst dir, dass es noch ewig, und ewig, ewig so weiter gehen wird. Denn du hast ihn gern um dich herum. Unglaublich gern möchtest du ihn kennen lernen. Noch näher, noch besser. Du magst alles von ihm wissen. Doch du weißt, dass das Rad alles andere als ein Vorwand ist. Irgendwie spürst du das. Wahrscheinlich ist es dein Instinkt, der dir sagt. Irgendwas ist komisch. Irgendetwas soll so nicht. Noch immer kannst du dieses minimalistische Bauchgefühl nicht zuordnen, denn es ist noch zu klein. Du verdrengst es, schiebst es noch mehr in die Versenkung, um von dem guten Gefühl noch ein bisschen mehr zu haben. Es fühlt sich doch gut an. Die Kerzen brennen, weil es so viel gemütlicher ist. Die Musik läuft, um sich besser mit ihm unterhalten zu können. Denn den Fernseher, den findest du eigentlich ganz schrecklich doof. Triefend steht er vor deiner Tür, Schweißtropfen rinnen ihm über das Gesicht. Seine braunen Haare, leichte Strähnen, die ihm lose ins Gesicht fallen. Durch seine schwarze Brille blickt er dich an. Geschafft schaut er aus. Im Badezimmer spritzt er sich Wasser ins Gesicht. Wortlos reichst du ihm ein Handtuch und schmunzelst dabei. Du schaust zu ihm auf. Mit 1,93 m überragt er dich um einiges. Denn du misst nur 1,54 m. Im Wohnzimmer unterhaltet ihr euch über Gott und die Welt. Irgendwann bemerkst du wie seine Stimmung kippt und er in sich kehrt. Du möchtest wissen was ihn bedrückt. Fragst ihn, ob er drüber reden möchte. Beinahe unbemerkt schüttelt er den Kopf und lenkt ab. Er beklagt sich über die Musik, die du hörst, es sei nur Musik die im Hintergrund dudelt, sagt er. Dabei hast du sie nur an um besser mit ihm sprechen zu können, überhaupt mit ihm sprechen zu können. Also machst du den Fernsehr an. Das seltsame Gefühl, dass dich beschleicht ignorierst du. Wieder albert ihr herum, denn das könnt ihr gut. Verdrengen, maskieren, täuschen. Ihr haut euch mit Kissen die Köpfe ein. Er hat angefangen! Nicht du. Du nicht. Eindeutig. Er sucht die Nähe zu dir. Kneift dich in die Hüfte. Ihr blödelt. Wälzt euch auf dem Sofa rum. Bis er plötzlich auf dir sitzt. Auf deinem Hintern. Er beginnt dich zu massieren. Ungefragt. Drückt dich fast schon gewaltsam auf das Sofa. Seine Hände umgreifen deinen ganzen Körper. Du spürst die Kraft, die von ihm ausgeht. Dein Körper glüht vor Leidenschaft. Seine langen Finger nehmen die Hitze auf, die von dir ausgeht. Du bist dir sicher, dass er sich verbrennen wird. Noch immer ahnst du nicht, dass nicht er es ist, der verbrennt, sondern du. Wieder schlaft ihr ein, auf der Couch. Wie immer musst du früh raus, denn die Arbeit, die ruft, wenn auch sonst keiner. Aber die Arbeit. Irgendwann weckt er dich, auch er ist eingeschlafen. Er holt schnell sein Rad aus der Küche und läuft eilig die Treppen hinab. Wieder trottest du ihm hinterher. Eine Umarmung, flüchtig. „Wir schreiben.“

Keine Nachricht von ihm. Am nächsten Nachmittag wird dein ungutes Gefühl, diese Ahnung immer größer. Sie wächst in dir heran und du musst es jetzt einfach wissen.

„Also hat man jetzt quasi keinen Grund mehr sich wieder zu treffen, nun wo dein Radl nicht mehr hier steht, was!?“

Du möchtest irgendwie gar nicht wissen, was er antwortet, denn dein Gefühl, das sagt dir dass da irgendwas nicht stimmt. Dass da irgendwas so ganz und gar nicht stimmt.

„Ich mag dich, natürlich kann man sich da weiter treffen und kennenlernen. Genau darüber sollten wir uns mal unterhalten.“

Die naive Seite in dir vermutet nicht das, was gleich folgen soll. Du hoffst noch immer. Denn der minimale Hoffnungsschimmer ist noch nicht erlöscht. Also ziehst du ihn etwas durch den Kakao. Kakao magst du nun mal gern.

„Du magst mich. Interessant.“ Mit einem Smiley steckst du ihm die Zunge raus.

Irgendwie läuft das gerade aus dem Ruder, bemerkst du als er endlich rausrückt. Irgendwie verstehst du plötzlich gar nichts mehr. Irgendwie bleibt die Welt um dich herum gerade für einen Moment stehen. Obwohl der Zeiger sich noch dreht. Die Autos fahren weiter, die Menschen um dich herum unterhalten sich. Doch in deinem Kopf, da ist es plötzlich totenstill. Du realisierst nichts mehr. Nicht die Worte, die dir schriftlich mitteilen, dass du da nicht zu viel reininterpretieren sollst. Bitte, bitte, bitte. Nicht den Schlag ins Gesicht, der dich an die Wand wirft, mit dem Text der sagt, da gibt es noch Eine. Eine für die er extreme Gefühle hat. Da gibt es noch Eine die er niemals haben kann. Und bitte, bitte, bitte, nicht sauer sein. Du verstehst das alles nicht. Du verstehst nicht, was du denken sollst und fühlen. Denn fühlen kannst du gerade nur den Schmerz, den du aber nicht verstehst. Wieso ist da dieser Schmerz!? Weil du hast ja nicht gleich Herzchen in den Augen, wo du eine Person ja noch nicht einmal kennst. Oder!? Ihn. Den Fotografen! Und überhaupt. Herzchen! Pah! Herzchen!! Absoluter Blödsinn!

Das Einzigste was du verstehst ist, dass man immer das haben will was man nicht haben kann. Nur das warum. Das kannst du einfach nicht begreifen.

© Netti

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7 Gedanken zu “Zwischen Wissen und Nichtwissen. 3/11

      1. Geschätzte Damen

        Das Hirn mit Verlaub
        Kann überhaupt
        Über dem Haupt
        Kann also gar nicht denken
        Wer oder was denkt ist
        Der Geist
        Weil alle guten Dinge drei sind
        Ist der Mensch eben aus Geist Seele und Körper gestaltet
        Das Hirn ist in modernistischer Sprache nur die Hartware
        Also Hirnweh kommt nicht vom zu vielen Denken
        Eher wenn Knoten gedacht werden
        Angstknäuel
        Oder so
        Halt

        Danke Euch
        Joachim von Herzen

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  1. Liebende Weise
    Der Umfang an verantwortungslosen niederen Dramen
    Auf Erden zeugt von zu vielem Wissen ohne Weisheit
    Weisheit ist herzverbundene Erkenntnis
    Meine Frau Mutter pflegte zu antworten wenn Es Ihr zu eng wurde
    Davon möchte Ich gar nichts wissen
    Denn der Umkehrschluß ist
    Erkenntnis will gelebt angewadt sein
    Wo nicht verweigert zu träge und stumpf
    Zeitigt Sie Ihr Gegenteil
    Unbewusstheit Verwirrung und Chos
    Kein Krieg kann „ausbrechen“ wenn
    Wir Menschen in Bewusstheit einander verbunden Konflikte lösen
    Sie wären einfach Wachstummsöglichkeiten
    Neues zu entdecken schöpferisch Lösungen suchen
    Wenn Wissen Macht ist
    Ist Unwissenheit Ohnmacht
    Die Philosophie des Herzen weiß immer was zu tun
    Oder lassen
    Lieben
    Oder Angst in Liebe überführend
    Ängste loslassen
    Das ist Freiheit
    Keinesfalls anstrengend
    Eher erleichternd
    Eben befreiend
    Schön

    danke
    Dir Joachim von Herzen

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