Wollen, was man nicht haben kann. Haben, was man nicht will. 4/11

Ein verdammter Teufelskreis! Warum möchte man immer das, was man nicht haben kann? Wieso ist das unter Umständen so reizvoll? Und vorallem, wo ist denn die Logik dahinter, wenn das jeder so machen würde? Da würde es doch gar keine Beziehungen mehr geben, es wäre ein stetiges Hin und Her und Her und Hin. Wie sinnlos ist das denn? Und Besonders: Ab welchem Kindergartenalter hört denn so ein ScheißdrecksGespiele endlich mal auf? Wo leben wir denn bitte?

Nach seiner letzten Nachricht, die mit dem Bitte, bitte, bitte nicht zu viel reininterpretieren und nicht böse sein Bitte, bitte, bitte. Nach dieser Nachricht gehen dir unmengen an Dinge durch den Kopf. Viel zu viele. Du versuchst sie zu sortieren und fragst ihn per Nachricht wieso dann das Ganze, was er denn von dir möchte. Du erinnerst ihn, dass nicht du Kontakt zu ihm aufgenommen hast, sondern er. Eigentlich magst du nicht hören was er meinen wird, denn du kannst es dir denken. In etwa vermutest du zu wissen, was gleich kommen wird. Freundschaft, schreibt er dir. Er sucht eine ganz normale Freundschaft. Warum gibt es denn immer nur schwarz oder weiß? Leben oder Tod? Dunkel oder Hell? Jetzt will er dich verarschen. Und so fühlst du dich auch. Irgendwie ein bissal verarscht. Was geht denn bei dem? Wo sonst kann er Leute kennen lernen, mit denen er Sachen unternehmen kann!? Zum mal rauskommen. Was machen. Wie sonst, wenn er nicht auf Leute zugeht!? ZUGEHEN. Innerlich lachst du dich halb tot. Und bist dabei hysterisch. Aggressiv. Gekränkt. Sein Ernst? Er schreibt dich via Facebook an, ohne dir SCHON DA mitzuteilen, dass er nur Freundschaften sucht!? Und dann regt er sich drüber auf, weil es nur schwarz oder weiß gibt? Musst du ihm jetzt wirklich deine Weltanschauung erklären? Musst du ihm jetzt wirklich erklären, wie das eigentlich funktioniert, zwischen Mann und Frau? Musst du ihm das echt jetzt alles auf die Bemme schmieren? Du bist so satt. Und du resignierst. Auf Vorwürfe hast du keine Lust. Dein Schädel droht zu bersten. Deine Gefühle zu zerfallen. In Asche und Staub. DRECKIG! Oh schreien möchtest du, Dinge zerschlagen, du musst dich beherrschen all deine Wut nicht mit einer sinnlosen Nachricht an ihn zum Ausdruck zu bringen. Du hasst es, so etwas via Nachricht zu klären, du hasst es, dass er dir diesen scheiß nicht einfach in die Fresse sagt. Per Nachricht gehst du auf Distanz und sagst ihm, dass du das Ganze erstmal irgendwie fressen musst, und schlucken. Dass dir einfach gerade zu viel durch den Kopf geht, und bevor du etwas schreibst, was du hinterher bereust lässt du es jetzt einfach. Achso, und sorry! Sorry, sorry, sorry. Das bitte, bitte, bitte nicht böse sein verkneifst du dir jedoch in letzter Sekunde. Du fühlst dich so bescheuert, naiv und gutgläubig. Bist geschockt über deine schlechte, menschliche Auffassungsgabe. Irgendwie dachtest du, dass da irgendwas sei, zwischen euch. Irgendwie hattest du das Gefühl, dass da eine Anziehung herrscht. Und irgendwie dachtest du, dass er dich auch ein bisschen mag.

Du lässt das sacken für einen Tag und er schreibt dir dennoch. Ob du jetzt sauer bist. Und weil nichts kommt, vermutet er, dass du jetzt anscheinend wirklich böse bist. Und ein skeptisches Smiley. Kein trauriges. Keines was Tränen weint. Nein, ein doofes, dummes, hässliches, gelbes, skeptisches Smiley! Über WhatsApp. Kein Anruf. Nicht mal das. Nachdem du all den Mist geschluckt hast, machst du einen auf verständnisvoll. Denn Verständnis ist gut. Keine Vorwürfe. Zeig ihm, dass du ihn dennoch magst, du ihn verstehst, mit ihm mitfühlst. Sei ihm einfach ein guter Freund. Denn zu etwas anderes scheint er ja gerade nicht in der Lage zu sein. Du bietest ihm dein Ohr an. Wenn er möchte könne er ja rum kommen. Aber weggehen möchtest du heute nicht. Du willst heute einfach nicht mehr vor die Tür.

Als es klingelt wird dir anders. Du bist aufgeregt, weil du ihn gleich siehst. Es wird dir schwer fallen Verständnis aufzubringen. Für die Andere, die du nicht sein kannst. Wahrscheinlich niemals wirst. Als er eintritt steht ihr nervös voreinander, bis du dem Moment ausweichst und einfach schon mal in die Wohnstube gehst. Diesmal läuft gleich die Glotze. Leise. Im Hintergrund. Bald schon seid ihr bei dem Thema, bei dem du am liebsten einfach weghören möchtest. Aber Verständnis haben, vergiss das nicht. Du hörst dir an, was er sagt, über die Andere, die er auch bei einem Shooting kennengelernt hat. Dem Mädel hat er eine Visitenkarte gegeben, und zusätzlich eine „Einladung“ via Facebook. So eine tolle Frau. Und so lieb! Gleich beim 2. Date sind sie in der Kiste gelandet. Hatten einen Monat lang eine Bettbeziehung. Wie eine richtige Beziehung, sagt er. Nur dass sie keine wollte. Eine Liebe, ist das. Nach diesem einen Monat hat sie ganz schnell einen Anderen gefunden. Mit dem sie das Bett geteilt hat. So lieb ist sie. Dir wird schlecht, weil du selber das alles ganz anders definierst. Weil du selber weißt, dass jemand alles andere als lieb ist, wenn man Menschen SO behandelt. Du vergisst die rosarote Wolke auf der du selber schwebst. So hoch hinaus. Sie sagt, sie hätte gern noch Kontakt zu ihm, und als du das hörst fragst du dich, ob sie damit den Körperkontakt meint. Du stellst sie dir billig vor. Und hasst sie schon jetzt, obwohl du sie nie gesehen hast. Ihren Namen verabscheust du. Er weiß, dass er sie nie haben wird. Sein Blick ist eher gleichgültig als traurig. Seine Gefühle sind abgestumpft. Er empfindet gerade nicht mehr viel. Aber das Schlimme, so sagt er, das Schlimme ist, dass sie einfach so ein toller, und lieber Mensch ist. Denn das ist sie noch immer! Immer noch. Du kannst es schon jetzt nicht mehr hören. „Man will immer das was man nicht haben kann!“ , betont er feierlich. Und du findest das scheiße, was er sagt. Weil es nicht stimmt. Das redet sich die Menschheit nur selber ein. Innerlich bist du schrecklich wütend. Es brodelt in dir drinne und irgendwie braut sich da grad was zusammen. Du ignorierst es und nickst mit dem Kopf. Stellst ihm Fragen und rätst ihm, was du als Frau dir wünschen würdest. „Wenn du sie liebst, dann kämpf um sie. Zeig ihr, wie sehr du sie magst.“ Verwirrt blickt er dich an. „Ich liebe sie nicht. Ich habe nur extreme Gefühle für sie.“ Jetzt bist du es, die verwirrt ist. Du fragst dich, wo denn da bitte der Unterschied ist!? Liebe weißt du ja sowieso nicht zu definieren. Aber du denkst, wenn man starke Gefühle für jemanden hat, dann ist man automatisch verliebt. Geht das Verliebtsein so weit, dass man ALLES für den Menschen tun würde, und möchte man dass es demjenigen IMMER gut geht, dann ist das Liebe. Natürlich hast du vergessen, dass es noch die sexuellen Gefühle gibt, die hast du jetzt irgendwie nicht so sehr in Betracht gezogen. Du kapierst nicht so ganz was sein Problem ist. Wieso ist er so, wie er ist, wenn er doch „nur“ extreme Gefühle für sie hat!? Du verstehst das nicht. Ist man gleich verliebt wenn man extreme Gefühle für jemanden hat?

Er legt sich dann neben dich. Sehr nah. Viel zu nah, aber dennoch sorgsam darauf bedacht, dass ihr euch nicht berührt. Seine Hand jedoch gefährlich nah an deiner. Deine Gefühle schwappen über. Eben noch fassungslos. Verwirrt. Aufgebracht. So fühlst du jetzt nur noch ein tosendes Herz in deiner Brust, welches so hart schlägt, dass dir das Atmen schwer fällt. Deine Hände kribbeln. Es juckt in dir. Am liebsten würdest du ihn berühren, ganz vorsichtig mit deinen Fingern seine braunen Strähnen aus den Augen streichen. Deine Hand zu seiner Wange führen und sie streicheln, wie bei einem Kind. Ihn trösten. Obwohl es nicht das ist was du willst. Denn trösten willst du nicht. Du möchtest deinem Gefühl Ausdruck verleihen, weil es schmerzt zu verbergen was in dir tobt. Es schmerzt, zu wissen dass er ablehnen würde was dich beinahe umbringt. Du blickst ihn an und findest ihn wunderschön. Die Seite in ihm, wenn er stark wirkt, groß, männlich, humorvoll und unglaublich attraktiv. Und die Seite, der Mann, der er ist, wenn er verletzbar scheint, traurig, sensibel, freundlich und sehr ehrlich. Doch gibt es dann noch ein drittes Gesicht. Nämlich das, was verletzt, beleidigt und demütigt. Kannst du dich in so viele Gesichter verlieben? Wer ist dieser Mann wirklich, wenn  er all diese Masken ablegt? Oder ist eins davon sein wahres Gesicht? Das Echte?

Ist es etwa schon zu spät? Bist du verliebt in einen Mann, den du nicht einmal richtig einzuschätzen weißt?

Wieder weißt du eines mit Gewissheit. Egal wer dieses Trugbild in die Welt gesetzt hat, egal wer diesem Irrglauben weiter hinterherjagd. Du weißt es besser für dich. Denn du weißt, dass du ihn schon wolltest, als du einen Teil der Leichen in seinem Keller noch nicht kanntest. Du weißt, dass du schon da nichts lieber wolltest, als dass er Kontakt zu dir aufnimmt. Du weißt, dass das was du gefühlt hast und noch immer fühlst, nicht erst entstand als du erfuhrst, dass da die Andere ist. Nach wie vor möchtest du diesen Menschen kennenlernen. Um dich haben. Nach wie vor magst du diesen Menschen ungemein. Und du würdest nichts lieber tun, als ihn zu küssen. Seine langen Finger, die in deinen Nacken greifen. Die Hand, die dein Gesicht in seine Hände nimmt. Der Kuss, der die Leidenschaft in dir zum beben bringt. Irgendwie wolltest du ihn schon vorher, obwohl du noch nicht wusstest, dass du ihn nicht wirst haben können.

© Netti

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