Zwiegespalten. 5/11

Kann man eine Freundschaft aufbauen, die unter falschen Voraussetzungen entstehen würde? Kann man eine Freundschaft aufbauen, zwischen Mann und Frau, obwohl einer von Beiden schon Gefühle entwickelt hat? Können Freundschaften funktionieren, wenn schon jetzt eine Spannung in der Luft liegt, wenn auch nur einseitig!? Kann eine Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt funktionieren? Oder ist diese früher oder später sowieso zum Scheitern verurteilt!?

Wieder verstreichen die Tage und dir kommt es vor als würdest du ihn schon ewig kennen. Gleichzeitig weißt du aber, dass du ihn eigentlich absolut nicht kennst. Du kennst ihn nicht, und es sind bisher gerade mal ein paar Tage verstrichen. Du hast aufgehört zu zählen, weil es eh nicht lohnt. Du hast aufgehört dir Dinge zu merken, die irgendwann von Bedeutung sein könnten. Denn da ist ja noch immer dieses irgendwie ungute Gefühl in dir. Etwas wie „Kann das klappen?“ „Kann sowas gut gehen?“ Gut gehen würde es nicht, da bist du dir ziemlich sicher. Du weißt nicht ob du so wie du handelst, richtig handelst, in dem Moment. Aber du möchtest ihn weiterhin kennenlernen, ihn um dich haben, ihm zeigen wie gut du zu ihm bist. Sei ihm einfach ein guter Freund, rät dir diese innere Stimme. Auch wenn dein Bauchgefühl dich langsam windet, hast du vor, es zumindestens zu versuchen. Du hast ja nichts zu verlieren. Nichts ausser deinen Stolz, deine Ehre, dein Herz. Aber das Herz, dass hast du schon oft verloren, oft schon wurde es entzwei gerissen, doch du hast es wieder und wieder geflickt. Immer wieder. Neu. Du weißt wie du mit Verlust umzugehen hast. Inzwischen weißt du das. Dein ganzes Leben besteht bisweilen aus Verlust. Also hab dich nicht so und vergiss einfach, dass du mehr für ihn empfindest als du eigentlich solltest.

Ihr schreibt in der Zeit viele Nachrichten. Du erfährst viel über ihn. Du bemerkst noch nicht, dass er über dich so gar nichts erfährt. Er fragt kaum Sachen über dich. Zeigt kein Interesse. Das fällt dir aber gar nicht auf, denn du willst ja da sein. Für ihn. Er schüttet dir sein Herz aus. Schreibt dir, dass sie heute im Studio war. Sie. Die Andere. Dein Herz setzt kurz aus und du hältst die Luft an. Er hat sie sich zur Seite gekrallt. Und sie haben geredet. Das hat ihm gut getan, sagt er. Es geht ihr auch nicht gut mit der Situation, aber dennoch besser als ihm. Die dumme, dumme Kuh, denkst du und schreibst, dass das doch schon mal ein gutes Zeichen ist. Sie sagt, dass sie den Kontakt nicht verlieren möchte, zu ihm. Und er freut sich darüber. „Wenn du meinst, dass das so gut für dich ist!?“ bemerkst du und blendest aus, dass sie wahrscheinlich auf den Körperkontakt anspielt. „Nein, wahrscheinlich nicht.“ Na immerhin zeigt er einen Hauch Einsicht.

Ihr schreibt, und schreibt und schreibt.

Dann seht ihr euch wieder. Noch einmal kommt er zu dir. Ihr unterhaltet euch und du stellst ihm Fragen, um ihn besser kennen zu lernen. Du erfährst, dass er nicht viele Freunde hat. Keiner mit ihm was machen möchte. „Machst du so langweilige Sachen!?“, fragst du ihn augenzwinkernd. Er hat keine richtigen Hobbys, sagt er, nichts was ihn interessiert. Deswegen hat er auch Kontakt zu dir gesucht. Er fand dich nett, beim Shooting. Autsch. Es schmerzt, von ihm zu hören, dass er tatsächlich keinerlei Interesse an einem intensiveren Kennenlernen hat. Inzwischen glaubst du auch, dass sein Interesse an einer Freundschaft nur oberflächlich ist. Er jemanden sucht, bei dem er sich auskotzen kann. Jemanden mit dem er seine Zeit verbringen kann. Jemanden der seine leere Lücke füllt, um nicht an SIE zu denken. „Gerade kann ich auch einfach nicht zu Hause sein.“ Du fragst nicht warum, denn es liegt auf der Hand, dass ihn zu Hause einfach alles an sie erinnert. Mein Gott, was hat sie denn nur mit dem gemacht? fragst du dich permanent. „Ich habe es satt allein zu sein. Das war ich viel zu lang. Das ist auch so ein großes Problem von mir gerade. Ich kann nicht allein sein.“ „Also musst du am liebsten 24h am Tag jemanden um dich haben, sozusagen?“ möchtest du wissen, nicht ohne dabei eine Augenbraue hochzuziehen. „So oder ähnlich.“ Trotzdem verwirrt dich, was er sagt. Du hast das Gefühl, dass er sich widerspricht, mit dem was er sagt, doch es kann auch nur ein weiteres sinnloses Gefühl von dir sein. Nichtssagend. Ihr schaut -Das Leben ist schön!- auf DVD. Euer beider Lieblingsfilm, wie sich herausstellt. Hier und da entweichen dir ein paar Tränen. Der Junge ist so süß. Auch der Dad. Tragische Geschichte. Traurig. Authentisch. Bedrückend. Und irgendwie trotzdem schön. Weil Liebe einfach größer ist als all das Leid. Liebe ist größer als alles Andere und sie lebt ewig weiter. Der Fotograf schläft ein, neben dir und bemerkt nicht, dass du traurig bist.

Doch all das, all dieses Wissen über ihn und seine Lage, seine Selbstzweifel, seinen Liebeskummer der Anderen gegenüber, ändert nichts an der Tatsache wie du ihm gegenüber fühlst. Könnte er dir nur eine Chance geben, dir würde es reichen wenn ihr euch trefft, gelegentlich, er nicht von ihr spricht, sie vergessen w.i.l.l. und ein „Wir schauen einfach was passiert, wie sich das entwickelt“, von seiner Seite. Du ahnst, dass die Chance derzeit gleich null ist. Du ahnst, dass er nur sie im Kopf hat und auch gar nicht anders will. Aber noch kannst du nicht anders, als es einfach zu versuchen. Zu versuchen ihm ein Freund zu sein. Der sich anhören darf, dass du ihn emotional wohl niemals so sehr berühren wirst, wie die Andere.

© Netti

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