Wer suchet, der findet.

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Wie ne Irre suchst du. Du suchst überall. Nach deinem scheiß Handy-Akku-Ladekabel. Dabei hattest du es doch gerade noch in deiner verdammten Hand, du Bekloppte! Du suchst. Auf dem Schrank, in dem Schrank, unter dem Schrank über dem Schrank, im Bett, unter dem Bett, in deinen Wäschebergen des Zimmers, welches gerade deine Seele widerspiegelt, und nicht nur da, in der Küche, neben dem Geschirrberg, denn abwaschen müsstest du irgendwie auch mal wieder, machst du morgen, im Mülleimer, im Gefrierschrank, im Kühlschrank, in den Putzmittelschränken und sogar in deinen Jackentaschen, den Taschen im Allgemeinen, und auch in den Ecken, deiner Möbel. Du findest Wollmäuse, Knöpfe, Schmutz und Schmerz in den Ecken liegen und vor sich hinsiechen. Du findest alles nur nicht das was du finden möchtest, das Ladekabel, denn darauf bist du angewiesen, erreichbar zu sein, für alle Anderen, auch wenn es dich schrecklich annervt, immer genau das zu sein. Erreichbar. Doch heutzutage eine Welt ohne dem kaum denkbar. Du wirst irre, wenn du dir vorstellst, deiner Familie könnte etwas zustoßen und man würde dich nicht erreichen, vielleicht wärst du dann sogar Schuld daran, wenn etwas Schlimmes.. Nein, daran denken möchtest du nicht, und du suchst weiter wie doof. Inzwischen unterbrichst du dich kurz, einfach mal Pause machen, weil dir die Ideen ausgehen, zum Suchen. Du willst die Mutti anrufen, kurz, denn die wollte wohl was, nicht dass was passiert ist. Doch plötzlich geht dein Telefon nicht mehr, kein Touchscreen, da funktioniert gar nichts mehr. Auf einmal meldet sich Siri:

„Hallo, wie kann ich behilflich sein!?“

Dir plumst ein Stein vom Herzen. „Oh Gott, Siri! Siri, gott sei Dank. Mutti! Mutti rufen!“

„Ich bin nicht sicher was du gerade gesagt hast.“

„Ruf Mutti an!“

„Welche Telefonnummer für Mutti!?“

„Na zu Hause!“

„Entschuldigung, das habe ich gerade nicht verstanden. Welche Telefonnummer für Mutti!?“

„PRIVAT!“

Aaaaalter, ist die schwer von Begriff! So tief bist du nun schon gesunken, dass du dich mit deinem Handy unterhalten musst. Wahnsinn, denkst du dir, bist aber dennoch dankbar über so eine Erfindung, die den Namen Siri trägt.

Es tutet und dir fällt erneut ein Stein vom Herzen. Mutti nimmt ab und du fragst ob alles okay ist, es was wichtiges gibt, aber nein, sie will nur mal deine Stimme hören, hören wie es so geht. Du bist erleichtert und ihr plaudert kurz. Nachdem ihr aufgelegt habt bist du voller neuem Elan, und du versuchst dein Handy wieder ganz zu bekommen. Versuchst es auszumachen, aber nichts geht mehr. Also lässt du es kurz liegen und suchst derweil weiter nach deinem Ladekabel. Nochmals stellst du alles auf den Kopf. Erfolglos. Inzwischen trifft eine Nachricht ein. Von ihm, den Fotografen. Dein Handy, das geht plötzlich wieder, du solltest mal deine 1000 unnötigen Apps aussortieren. Er fragt ob du schon fit seist für Halloween. So ein Schmarrn. Fragt der das jetzt ernsthaft? Ihr schreibt kurz sinnlose Sachen hin und her, Smalltalk, ja nein scheiß Halloween und du, nein auch nicht, Michael Myers Kostüm ist nicht hier, geht gut? ja muss und dir? Auch. Verzweifelt teilst du ihm mit, dass du dein blödes Ladekabel suchst, schon überall gesucht hast. Aber es hat Beine bekommen, ganz, ganz eindeutig. Du fragst ihn, ob er einen Tipp hat, wo du noch suchen kannst. Und er antwortet: In den Ritzen deines Sofas.

Ähm! Dir wird bewusst, dass du tatsächlich überall geschaut hast, nur eben noch nicht da. Hoffnungsvoll springst du auf dein Sofa drauf und kramst mit deiner Hand in die Sofaritze rein, bis runter. Und siehe da! Dein Ladekabel, es grient dich höhnisch an. Und dir klappt der Mund auf, bis ganz nach unten. Du musst dich jetzt erstmal anlehnen, verschnaufen, Luft holen, atmen, schlucken. Denn nun, das Kabel wieder da, klopft dein Herz so laut, und schnell dass du Angst hast es würde dir aus dem Körper springen, wenn du nicht kurz innehältst. Der Fotograf taucht vor dir auf, vor deinem geistigen Auge. Und dir springen Tränen in die Augen, weil du ihn dafür hasst, dass er weiß wo dein verdammtes Ladekabel ist. Woher zum Teufel weiß er das denn, fragst du dich, während heiße Tränen deine Wangen herabfließen. Der Druck auf deiner Brust welcher sich verstärkt, das Atmen fällt dir wieder schwer und du drohst zu ersticken, du drohst zu hyperventilieren. Atmen. Atme! Warum weiß er das, wo du ihm nicht einmal gesagt hast, wo du schon überall gesucht hast. Sein erster scheiß Tipp war die Sofaritze. Und die war auch noch richtig. Treffer! 100 Punkte. Das wirft dich nach hinten, mit dem Kopf an die Wand, weil er toll ist. Weil er einfach toll ist. Wahrscheinlich würde er sogar deinen Kopf wieder finden, würdest du ihn mal verlieren. Sogar den! Du könntest ihn jetzt einfach küssen, dafür, und das schreibst du ihm auch.

Er ist dein Held, dein Retter in der Not und der Sucher deiner Dinge, wenn du sie mal nicht findest.

Dein Seil in der Dunkelheit und dein Halt, wenn es kalt ist und du schwanken musst, wenn du dich mal nicht halten kannst.

Er ist dein Comedian, der dich zum Lachen bringt, in den richtigen Momenten, er ist der, der mit dir lacht, wenn du Sachen machst, die peinlich sind.

Dabei ist er das, was man Ruhe nennt, das was die Peinlichkeit vergehen lässt.

Denn durch ihn kannst du sein wer du bist.

Er ist dein Gedanke, deine Sehnsucht, dein Anker in der Not. Er fehlt dir, und jetzt alles zu zerbrechen droht.

© Netti

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25 Gedanken zu “Wer suchet, der findet.

      1. wenn es um positives geht … was ein kerl anrichten kann … ist die antwort meistens … „DER HELD“ …

        zu den wenigen ausnahmen die trotzdem die regel bestätigen … gehört die frage nach dem schuldigen bei einem positiven SCHWANGERSCHAFTSTEST … im falle ungewollter empfängnis …

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      1. Du hast Recht, allerdings habe ich befürchtet, dass die weitere Geschichte kein Thema mehr auf deinem Blog sein wird… Wer weiß, vielleicht heiratet ihr ja eines Tages 😀 Mich würde mal interessieren, ob er weiß, dass du bloggst und das auch über ihn.

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      2. Nein. God forbit. Das wäre mein Tod. 🤕 Er weiß von alldem nichts. Wobei ich mir vorstellen kann, dass er durch Zufall mal drauf stößt, auch ein Kumpel (der jedoch den Blog verfolgt) ist durch Zufall auf einen neuen Beitrag von mir gestolpert..😵

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      1. Er weiß nur von meinem Gedichteblog, also dass ich einen schreibe, aber den Namen kennt er nicht, abgesehen davon interessiert es ihn sowieso nicht, wenn schon ich nicht, dann das erst Recht nicht. Umso besser. Für mich und den Blog.🤓

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