NachDem. (2/2)

Leidvoll quälst du dich zur Arbeit. Mühsam vollbringst du deinen Job, das Loch im Bauch wird größer und größer. Deine Chefin sieht, dass es dir nicht gut geht. Deine Kollegin erschrickt über die Leichenblässe, die du aussendest. Du sollst langsam machen. >>Lassen Sie die Azubine mehr machen. Die muss jetzt ranklotzen.<< Du machst ruhig. Dennoch ist dir einfach nur elend. Gelegentlich füllen sich deine Augen mit Tränen, denn die Last die du grad auf deiner Schulter trägst, und in deinem Magen, ist einfach zu groß für deine doch so zierliche Gestalt. Irgendwann ist die erste Hälfte des Tages überstanden und zum Frühstück zwingst du dir deine kleine beschmierte Bemme rein. Und du hoffst sie zu behalten. In dir drin. Nach dem Frühstück merkst du, wie es langsam, ganz langsam besser zu werden scheint. Allmählich kannst du wieder etwas atmen, hast nicht mehr das Gefühl an diesem Stressball zu ersticken. Somit überwindest du auch den Rest dieses schrecklichen Neujahrstages.

Als du deine Haustür aufschließt erinnerst du dich an deinen Zweitschlüssel, der nun eventuell in deinem Briefkasten liegen dürfte. Aber vielleicht, so überlegst du, denn möglich ist alles, ist er auch noch da. Eventuell ist der Fotograf noch in deiner Wohnung. Im Briefkasten liegt er, einsam und allein, dein Zweitschlüssel. Seufzend schlürfst du die Treppen nach oben. Dir fällt das Chaos wieder ein, was in deinen Wänden herrscht, eigentlich magst du nur noch ins Bett. Dein Schlüssel zur Haustür dreht sich im Schloss. Du wirfst dein Zeug zu Boden und deine Augen blicken suchend um sich. Wo sind deine Hausschuhe? Du findest sie zusammengesteckt (?) in deinem Schuhregal stehend. Achselzuckend gehst du ins Wohnzimmer. Und dich trifft der Schlag. Alles weg. Nichts deutet auf einen Silvesterabend hin. Der Tisch leer geräumt. Keine Gläser, welche rumstehen. All die Luftschlangen, weg. Deko weg. Auf dem TV Tisch liegt die DVD von Krömi, die hat er dir hier gelassen. Sollst du ja noch weiter schauen. Deine Blei gießen Figur liegt auf dem Bonbon-Naschteller. Seine Figur hat er mitgenommen. (Weggeworfen?) Seine Schoki hat er dir da gelassen. Die Decken gefaltet. Fein säuberlich. Du bist baff. Dein Mund klappt auf. Auf dem Schreibtisch liegen deine Schokobons. Traurig vermutest du dass er die Bons und deinen Zettel übersehen hat. Du nimmst den Zettel und erkennst- eine Antwort.

Hey! Du musst mir nicht danken! Ist selbstverständlich! Hab soweit alles i.O. gemacht. Hoffe, es passt alles so?! Die Schokobons essen wir gemeinsam! Außerdem möchte ich etwas auf die Linie achten!☺ Kopf hoch, Kleine.<<

Deine Augen füllen sich mit Tränen, doch du lächelst. Wie in Trance gehst du in dein Schlafzimmer. Das Bett gemacht. So schön kannst das nicht mal du. Alle Kissen liebevoll aufgereiht. Mühsam unterdrückst du einen Schluchzer. Badezimmer. Handtücher aufgehangen. Deinen nassen Lappen, welchen du für deine Stirn brauchtest hängt nun über der Heizung. Küche. Du hältst die Luft an, während du die Küchentür öffnest. Vorsichtig trittst du ein. Es ist, als wäre die Nacht des Silvesterabends komplett ausgelöscht. Nur kleine Hinweise deuten darauf hin, dass jemand hier war. Kein Geschirr steht mehr dreckig auf der Ablage, alles was sonst noch rumlag ist weggeräumt. Selbst die Handtücher als Dreckschutz für den Fußboden vom Fahrrad, hat er im Badezimmer gefalten und hingelegt. Dein Blick fällt auf die Heizung und nun überfällt es dich, du kannst deine Rührung nicht mehr länger unterdrücken. Auf die Heizung hat er in Reih und Glied ein Teil des Geschirr´s aufgestellt. (Wahrscheinlich das, was er nicht zu sortieren wusste, oder das, was noch trocknen musste.) Tränen der Freude und Rührung strömen dir über die Wangen. Du schluchzt und lachst und lachst und weinst, beides zusammen. Du stellst dir vor wie er ausgeschlafen hat, und dann dein Bett gemacht. Aufgeräumt, Abgewaschen und das Geschirr aufgestellt hat, zum Trocknen. Du musst dich erstmal setzen und dich sammeln, um zu verdauen, was deine Augen gerade erfahren haben. Noch nie hat dich etwas so sehr gerührt. Selbst dein damaliger Freund hat deine Wohnung, die ihm nicht gehörte, nichtmal SO hinterlassen. Das kennst du gar nicht, diese Ordnung und Sauberkeit von einem Mann und du weinst, weil du immer wieder neue Seiten entdeckst, an ihm, den Fotografen. Seiten, welche dich rühren und treffen im Herzen. Seiten, die du so sehr an ihm schätzt. Was verbirgt sich noch hinter seinem gelegentlich zu harten Kern? Du würdest dir gerne Hoffnungen machen, über seine liebevollen Worte, gerichtet an dich. Du würdest gerne Hoffen, dass eventuell irgendwann alles gut werden kann. Du würdest einfach gerne hoffen. Aber es fällt dir unglaublich schwer. Denn es gibt Momente, in denen haut die Hoffnung dir immer wieder aufs Maul. Und davor hast du schreckliche Angst.

Dankend schreibst du ihm via WhatsApp wie sehr du dich freust.

>Du Guter! Ich dank dir von Herzen. Du hast echt toll aufgeräumt. Ich freu mich! Jetzt hab ich ja gar nichts mehr zu tun.☺…….<<

 

 

Erster Teil des Beitrags: Frohes Neues? Hauptsache gesund!

©Netti

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7 Gedanken zu “NachDem. (2/2)

  1. Netti, es tut mir alles so leid für dich. Ganz viel kraft wünsche ich dir. Für das loslassen habe ich leider kein Patentrezept. Aber jemand der mir sehr hilft hat mal gesagt “ an der Angst geht es entlang“ und wenn ich etwas los lassen will, dann schaue ich warum ich Angst habe es loszulassen und versuche dann in die andere Richtung zu blicken, das macht es manchmal einfacher. Die Angst anzunehmen und dann sein Herz zu öffnen und sie loszulassen.

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