KreiselKomplex

Du möchtest am Liebsten die Decke über den Kopf werfen, denn obwohl du den schlimmsten Tag deines Lebens hinter dir gelassen hast, ist er noch immer present, in dir und deinem Kopf, und in deinem Herzen, was umgeben ist von Trauer und Schmerz. Irgendwie hast du diesen Tag überstanden, obwohl du das Gefühl hattest du träumst einen nicht enden wollenden schlimmen Traum, denn so hat es sich angefühlt, als passiert das alles nicht wirklich. Als stehst du nur neben dir. So, als hast du mit dem Ganzen nichts zu tun. So, als bist du nur ein stiller Beobachter aus der Ferne, welcher sieht wie der Person mit den langen wehenden Haaren, der roten Nase, dem vor Kälte zitternden Körper und den tränendurchtränkten Augen die Hände geschüttelt werden. Umarmungen werden verteilt, Küsse und Hände geschüttelt. Hände voller Mit,- und Beileid. Doch irgendwann hatte dieser Tag ein Ende, doch der Schmerz, der hat sich schön an dich dran geheftet an deine Ferse voller Schlamm und Schnee. Du sehnst dich danach zu schlafen. Du sehnst dich danach liegen zu bleiben, nicht aufzustehen, einfach im Bett zu liegen und nichts zu tun, nichts außer essen und trinken. Du willst dich sortieren, dich und deine Gedanken, die sich im Kopf zu drehen beginnen wie Kreisel, weil einfach noch so viel zu tun ist. Weil du nun keine Ahnung mehr hast vom Leben und du nicht weißt wo der Sinn dahinter ist, hinter dem Leben, wenn du immer wieder siehst, wie Leute von dir gehen müssen die du liebst. Du weißt nicht wieso das Leben so grausam spielt und dich mit Steinen bewirft, bestehend aus Verlust. Du fragst dich, was du nun erwartest vom Leben. Wo du stehen willst, was du möchtest. Du fragst dich warum der Fotograf dich nun so sehr im Regen stehen lässt, denn du hast bisher nur erfahren, dass die OP gut überstanden ist. Nun ist er zu Hause, in seiner Heimat, weg von dir und du konntest ihn nicht einmal besuchen. Plötzlich scheint er genervt von dir und deiner gelegentlichen Fürsorge. Dabei sorgst du dich nur um ihn. Machst dir Gedanken. Er wimmelt dich ab, ist plötzlich nur noch müde. Dich lässt er im Regen stehen, damit man deine Tränen nicht sieht. Niemand kann sie sehen, denn sie vermischen sich mit dem Regenwasser. Du hast ein ganz doofes Gefühl, also meinst du nur

..Wenn du reden magst.. Erstmal gute Besserung. Gute Nacht.

Du hast das Gefühl ihn verloren zu haben. Hast das Gefühl plötzlich ganz allein zu sein mit deiner Angst und den Tränen, dem Schmerz und den Gedanken. Es macht dich wahnsinnig nicht zu wissen, was nun ist mit ihm, wie es ihm geht. Du malst dir alles aus und nichts, machst dich verrückt. Weil du Angst hast, dass du ihn nie mehr wieder sehen wirst. Dein Hirn spinnt sich Möglichkeiten zusammen, weshalb er plötzlich auf Abstand geht und du verstehst nicht wieso niemand dir je Erklärungen liefert. Du verstehst nicht, wieso man immerzu nicht mal das für dich übrig hat. Langsam beginnst du dich zu fragen, was der Fehler ist, der sich doch immer aufs Neue zu wiederholen scheint. 

Deine Gedanken kannst du einfach nicht sortieren, denn der Alltag verlangt zu viel ab von dir. Da ist Wäsche die muss, Rechnungen, Papierkram von Papa, Geschirrberge, und Wollmäuse, da ist die Arbeit die muss. Deine Lippen die ein gekünsteltes Lächeln tragen, damit die Gäste nicht checken was abgeht in dir drinnen. Du musst schauspielern  und lachen obwohl du weinen magst. Du musst lieb nicken und Ja sagen obwohl du am Liebsten einfach Nein sagen willst. Nein sagen und es genauso meinen. Stattdessen wirst du warten bis dein scheiss Wecker klingelt, um dann wieder auf der Matte zu stehen, die den Weg zu deiner Arbeit führt. Du hättest Schauspielerin werden sollen. Mit deinem lachenden Gesicht und der Maske die du trägst, dahinter verborgen dein 2. Gesicht. Du hoffst dass du diese Maske irgendwann wirst ablegen können. Denn hinter Masken schwitzt du immer zu sehr. Und es stinkt.

©Netti

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15 Gedanken zu “KreiselKomplex

  1. Hot Coffee Cool Pictures

    Oh, wie ich doch solche Gefühle kenne, nur zu gut kenne …
    egal, was andere dir sagen, keiner kann dir deine Gedanken nehmen …
    in dir bleiben sie lange lange, sehr lange …

    alles Gute und Toi Toi Toi …

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  2. »Und wieder steh ich hier im Regen,
    Tränen im Gesicht.
    Was ist schon gut am Regen?
    Man sieht die Tränen nicht!
    Ich muß da durch, durch die harten Zeiten,
    weiß noch nicht wie, aber iregenwie nach vorn.
    Mit aller Kraft, die ich nicht hab, muß ich weiter,
    ein Blick zurück, und ich bin verlor’n.«

    – Udo Lindenberg

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  3. Es tut mir so leid für dich. Ich bin sicher, dass du diese Stunden voller Schmerz überstehst. Und dem Fotografen würde ich Zeit lassen. Für ihn ist sicherlich auch gerade alles total anders und vielleicht ist er nicht so der Typ, der über seine Gefühle redet. Ich bin sicher, dass er sich nochmal melden wird!

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