ZeitDruck

Seitdem dein Papa nicht mehr ist, wurde abverlangt. Sofort musste man Entscheidungen fällen. Was für eine beschissene Bürokratie. Urne musste gewählt werden, die Lagestätte, Friedhof, Traueranzeige, Leute mussten informiert werden. Deine Trauer kam zu kurz. Du bist am Hetzen. Seitdem. Ständig. Immerzu will irgendwer was von dir. Du musstest Telefon kündigen, Danksagungen schreiben, Dankesanzeige setzen und Leute informieren. Noch immer trudeln Briefe ein. Was wollen die denn noch? Rechnungen und Rechnungen. Dein Kopf ist randvoll mit ToDo und Arbeit. Nebenher deine eigentliche Arbeit die dich momentan überfordert denn jetzt gerade wurdest du befördert, doch siehst du auch mehr Geld dafür? Kann es einen beschisseneren Zeitpunkt geben als jetzt, gerade jetzt, mehr Verantwortung im Betrieb zu bekommen? Du bist genervt von deinem überquellenden Hirn. Zu viele Infos und ToDos. Du selbst bleibst auf der Strecke, denn der Tag hat nur 24 h. Davon arbeitest du 9-10 oder 11. Bleiben 5h für das was du zu erledigen hast, 5h dafür deinen Haushalt zu sortieren, welcher wirrer nicht sein könnte, deine Dringend-wahrnehmen-Termine, dein Essen, was du in dich aufnehmen musst um nicht doch umzufallen, deine Telefonate mit Familie weil sie Sachen wissen wollen, um die du dich kümmerst, und die Listen welche deine Arbeit im Betrieb erleichtern sollen. Dann nach nur 5h ist deine Zeit die sich Freizeit nennt um, und du musst zu Bett, denn schlafen ist etwas was du musst, doch deine Uhr sagt dass du nach nur 7h Schlaf schon wieder bei der Arbeit sein sollst. Du würdest gern wieder Abends arbeiten, dann wärst du auch fitter, hättest einfach mehr vom Tag, redest du dir ein, aber vielleicht, vielleicht bist du auch einfach nur nicht mehr die Jüngste. Das zeigen dir deine Knochen, die zu knacken beginnen, während du deine Beine in einer ruhigen Minute, innerhalb der 5h, von dir streckst. Kann ein Tag nicht länger sein?

©Netti

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18 Gedanken zu “ZeitDruck

  1. Ob du es mir glaubst oder nicht, ich kann gerade nicht schlafen und habe an dich gedacht, und dieser Text ist der einzige, den ich jetzt gelesen habe. Dabei möchte ich letztendlich nicht groß auf deine Worte eingehen, nur dir mitteilen, dass ich an dich und deine Situation, die man in den letzten Einträgen von dir schon miterlebt hat, gedacht habe und mitfühle! Und nur… eigentlich ist das doch ein blöder Gedanke, sich mehr Stunden für den Tag zu wünschen, um mit der gleichzeitigen Belastung klar kommen zu wollen, genau so blöd der Gedanke auch ist, das alles nicht in den Stunden die man am Tag hat verarbeiten zu können. Irgendwo dazwischen mag dann nur die Möglichkeit verborgen sein, dass man auch wirklich damit klar kommt.
    Gute Nacht,
    Jim

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    1. Danke dir lieber Jim, für deine so rührenden Worte. Das gibt mir immer unglaublich Kraft, zu lesen dass man dennoch nicht alleine ist in Zeiten meines Blogs, denn ich teile mit euch , und das ist das beste was mir passieren konnte. Schade dass man sich nicht unter anderen Umständen kennen lernen konnte, aber vielleicht, vielleicht sind dass diese Weggabelungen welche sich zeigen werden, Wege die das Leben noch bereit hält. Irgendwie hätte ich euch alle gern in Wirklichkeit um mich, denn in echt gibt es all das nicht. Da ist kaum Trost vorhanden und Glaube, Hoffnung und Zusammenhalt. Da ist irgendwie nur Egoismus und das Streben nach- ja was eigentlich? Seinem eigenen Ding. Dennoch möchte ich dir danken in den Zeiten deiner stillen Gedanken an mich, danken für das mit Empfinden. Einfach Danke sagen. 🙂 Du bist ein toller Mensch, Draco. 😉
      (Eines steht fest der Hauptcharakter meines zukünftigen Romanes wird Draco heißen, ein schöner Name!) Bleib, wie du bist!
      Herzlichst Netti
      P.S.: Ich hoffe du konntest noch schlafen?

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      1. Vielleicht sollten wir beginnen, dass alles, was Du so treffend beschreibst, wieder in echt entstehen zu lassen. Das war vor 20 Jahren, in der prä-smartiphonen Epoche doch auch möglich, meine ich. Es liegt aber am uns selbst, dass Gespräch mit „realen“ Wesen zu suchen. Ich schließe mich da absolut mit ein. Es ist so schön einfach, etwas zu schreiben, zu veröffentlichen und darauf Antworten von [relativ fiktiven] Lesern zu erhalten. Es ist auch schön oberflächlich, denn Konflikten lässt sich dort wunderbar ausweichen. Im „richtigen“ Leben wächst man am Konflikt. Aber das weißt Du bestimmt, liebe Netti. Nur ich für mich mache (noch) zu wenig dafür, es ins reale Leben zu übertragen.
        Aufbauende Grüße aus der Komfort-Zone. (Gleich fahre ich nach Düsseldorf zu meinem 83-jährigen Vater, der vorgestern ins Krankenhaus kam. Nix Gutes. Mal hören, was die Ärzte glauben …. )

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      2. Ich freue mich, dass ich dich dadurch ein Stück glücklich gemacht habe und mich somit gleichzeitig auch. Und so schön wie du dich dafür bedankst, weiß ich, dass du auch ein toller Mensch bist und diese Aufmerksamkeit verdienst, die so selten in der realen Welt anzutreffen ist, wie du sagst „Irgendwie hätte ich euch alle gern in Wirklichkeit um mich, denn in echt gibt es all das nicht“, und leider fühle ich das auch zu oft genauso.
        Ich konnte noch die ein oder andere Stunde schlafen, aber das war so eine Nacht, in der die Gedanken vollkommen Besitz von mir ergriffen haben und so intensiv waren, dass sie mich nicht richtig schlafen haben lassen. Am nächsten Morgen aber habe ich eine sehr wichtige und vor allem richtige Entscheidung treffen können, und der Weg dahin führte eben auch über dich 🙂
        Ganz liebe Grüße,
        Jim

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  2. Guten Morgen…anstatt ein „du tust mir leid“ zu sagen eine *Umarmung* aus der Ferne…der Tod bringt neben all dem Gefühlschaos eine Menge anderer Sachen mit sich, aber Netti: wann denkst du an DICH? MUSST du das alles machen und dich fressen lassen? Was wenn du dabei auf der Strecke bleibst? Manchmal muss man loslassen und vor allem Nein sagen können, um sich selbst für das Leben zu schützen…ich wünsche dir heute einen inneren und äußeren friedlichen, ruhigen Tag!

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  3. Ich war vor nicht allzu langer Zeit in einem Gottesdienst, wo es genau darum ging: Gott erhörte die Wünsche der Menschen und verlängerte den Tag von 24 auf 25 Stunden. Das Resultat: alle stürzten sich auf diese eine Stunde plus und packten sich die Tage nur voller statt die Stunde für sich selbst zu nutzen… Und ich denke, so würde es wirklich sein 😕
    Es ist an uns selbst, auch wenn man oft nicht weiß, wie!

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  4. kaempferkind

    Liebe Netti, ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen für die nächste Zeit. Aber vor allem viel „Einsicht“ und „Durchsicht“ um das Ein oder Andere zu überdenken, was du delegieren kannst, an Familienmitglieder, Kollegen, …. damit DU ein paar Minuten vom Tag gewinnst, die dann DIR – nur DIR alleine – oder mit einem lieben Menschen gehören. Zum Durchatmen oder zum bewussten Wahrnehmen schöner Dinge,….
    Hast du schon einmal abends gearbeitet? Ich arbeite überwiegend nachmittags und abends und empfinde es eher als Last, denn man hat immer den Druck im Nacken noch los zu müssen – und das obwohl der Tag ja schon „lief“….
    herzliche Grüße und fühle dich gedrückt!

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar. 🙂 Ich habe tatsächlich schon einmal nachts gearbeitet, des öfteren, und ich muss sagen, dass ich es ganz angenehm fand, aber wahrscheinlich würde mein Körper selbst darauf nicht mehr klar kommen. 😉 Zeiten ändern sich nun mal. Alles Liebe.

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  5. Ich fühle mit Dir und ich hoffe das alles sich bald wieder zum Guten wendet. Zumindest so weit woe möglich. Mir geht es oft sehr ähnlich, nur hab ich keinen schrecklichen Verlust zu verkraften. Und wenn ich daran denke wie kaputt mich die fehlende zeit macht, zieh ich umso mehr vor Dir den Hut… Du bist stark und Du packst das!

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    1. Danke lieber Markus! Ich hoffe auch dass es bald endlich wieder bergauf geht. Muss des Öfteren an dich denken. Vergiss nicht- unser geplantes Shooting in diesem Jahr. Da freu ich mich schon drauf. 🙂

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