Sie hat dich.

  
Ruckartig wachst du auf, aus einem Traum den du nicht erinnerst. Dein erster Gedanke gilt ihm. Ihm, den Fotografen. In deinem Hals ein rießiger Kloß, welcher dir die Luft zum Atmen nimmt. Du hast das Gefühl, dein Herz würde zerbersten und in einer Million Fetzen an die Wände klatschen und genau da kleben bleiben. Dir schießen Tränen aus den Augen und du musst schluchzen, leise nur, denn Abdul liegt auf der anderen Seite dieser hauchdünnen Wand. Ungern möchtest du, dass er die Polizei ruft, weil Töne zu ihm durchdringen, welche ein Schwein vermuten. Ein Schwein, was man soeben abschlachtet. Qiekende, nach Luft japsende Laute verlassen das Wesen. So fühlst du dich, gerade jetzt, mit deinem Herz was inzwischen an den Wänden zu kleben scheint. Dieses Gefühl, es ist so schmerzhaft und du windest dich der Qual, als all die Bilder über dir zusammenbrechen, wogegen dein Verstand sich nicht wehren kann. Eure gemeinsame Zeit läuft in rasanter Schnelligkeit in deinem inneren Auge ab. All die gemeinsamen Stunden, die Tränen, welche du mit ihm teiltest, die Glücksmomente, die dich zu ihm hinzogen. Plötzlich wechseln die Bilder, doch die Empfindung bleibt die Gleiche. Du blickst in eine Galerie aus Momenten und Gefühlen und der Durchlauf stoppt bei einer Szene, welche du bis heute verdrengt glaubtest. Ein Szenario deiner Vergangenheit:

Das Mädchen steht vor dieser bedrückend wirkenden Tür. Sie tritt von einem Bein auf das Andere. Beinahe dreißig Minuten steht sie einfach nur da. Langes, gelocktes Haar fällt ihr ins Gesicht. Ihre Arme baumeln nichtssagend und kraftlos neben ihrem Körper. Sie überlegt was sie tun soll und fixiert das Klingelschild mit seinem Namen, ihre Augen gerötet und traurig. Lange steht sie so und kann sich einfach nicht bewegen. Irgendwann jedoch drückt ihr Finger auf sein Namensschild und seine Stimme erklingt aus dem Freisprechgerät. Tief und hinreißend.

Sie räuspert sich. >>Kommst du kurz runter bitte?<< Stille am anderen Ende.

Auch er räuspert sich, >>Ähm, wer, wer ist denn da?<<

Als sie ihren Namen sagt, ist er noch immer nicht schlauer und sie bereut hier hergekommen zu sein.

Dann- endlich.. >>Ach, ach DUUU, ich ddachte schon die häässliche Aandere, die heißt auch so wie du. Oh Gggott, auf die hätte ich jetzt echt kkkeine Lust.<<, stottert er. Auch dafür liebt sie ihn. Für seine Schwächen, die keine sind.

Trotzdem will ihr Verstand sie wegtragen, von dieser Tür, welche nur Demut verspricht. Aber die Beine versagen ihr den Dienst. Also steht sie einfach nur da. Schnell öffnet sich die Tür, vor ihr der Mann, der ihr so viel bedeutet. Er schaut überrascht, als er sie sieht. Und grinst, mit diesem schiefen Grinsen, was sie so sehr liebt.

>>Was, was machst du hier!?<<

>>Wir müssen reden! Ich muss jetzt endlich wissen wieso du so arschig zu mir bist.<<

>>Iiiich, iich bin ddoch nicht aarschig zu dir. Was? Nein, das bin ich nicht.<<

Sie zählt auf, was auf der Hand liegt, wirft ihm sein Desinteresse ins Gesicht.

>>Du ignorierst mich. Sag mir Hier und Jetzt was das alles sollte, und dann wirst du mich nie wieder sehen.<<

Seine langen Beine suchen sich einen Weg zur Treppe.

>>Setz dich!<<, er seufzt. Wow. Wie nett.

>>Iiich, iich fiind dich uuuunglaublich anziehend. Aaaber, das mit uns ddas, das kann nicht funktionieren. Du hast andere Anforderungen an das Leben, wir sind zu verschieden. Du bist meinem Alter nicht gerecht. Ich hhabe jemanden kennengelernt. Vor vier Wochen. Sie ist älter als ich, und hat auch ein Kind.<<

Ihr Herz rutscht auf die eiskalte Treppe und bleibt blutend vor ihr liegen. Klasse. Happy Patchworkfamily. Fick dich, Pisser!

Er spricht weiter: >>Wwwarum tust du dir das an? Das muss doch unglaublich schmerzhaft sein!?<<

Das Mädchen kann nicht fassen, was ihre Ohren ertragen müssen. Blut tropft aus ihrem rechten Ohr und es platscht spritzend zu Boden. Tränen vermengen sich mit dem Blut. Knallig. Rot.

>>Hey, wwwwarum gehst du nicht einfach zu hier, DDdings, der steht auf dich und würde sich freuen wenn ihr was zusammen unternehmt. Fahr zu ihm! Ich weiß, der hat Haare auf der Brust, aber ist trotzdem ein Netter.<<, er lacht über seinen eigenen Witz.

Ihre Tränen haben kein Halten mehr. Mit erstickter Stimme fährt sie dazwischen.

>>Das kann ich nicht, du ARSCHLO…-,<< >>Na! Jetzt werd mal nicht gleich abwertend.<<, unterbricht er sie und grinst sein halbes Grinsen.

Das Mädchen ist so wütend und traurig. Sie weint vor ihm, aber es ist ihr egal. Sie schaut ihn verzweifelt an, in ihren Augen völlige Leere.

>>Ich kann nicht zu ihm, denn immer wenn ich ihn treffe sehe ich dich!!! Ich will nicht ihn. Ich will dich!<< Sie läuft davon, kann seinen Anblick einfach nicht mehr ertragen, natürlich muss er wieder das letzte Wort haben und ruft ihr hinterher.

>>Aaaaber, iiich seh doch gar nicht aus wie der!?<<

Das Mädchen muss lachen über seinen so bescheuerten Humor, während ihr gleichzeitig Tränen des Schmerzes und Verlustes über die Wangen rinnen. Salzige Tropfen streifen ihre Lippen. Schluchzend sinkt sie an dem Wagen, welchen sie in der Straße parkt, hinab und bricht zusammen. Der Mann ist längst durch die Tür verschwunden, ohne eine Bemühung des Aufhaltens, doch das Mädchen sitzt noch immer auf der Straße an diesem Auto. Als sie plötzlich ein Fauchen wahrnimmt schreckt sie hoch. Ein Marder mit gebleckten Zähnen schreit sie an. Ängstlich steigt sie in ihr Auto und startet den Motor. Mit quietschenden Reifen verlässt sie die Straße, in der er wohnt. Mit noch immer verschleierten Augen fährt sie ziellos durch die Gegend.

 

…..Die Bilder der Vergangenheit ziehen an dir vorüber, nie in deinem Leben wurdest du so sehr gedemütigt. Wieder ein Mann, der in einer damaligen, für dich sehr schweren Zeit, für dich da war. Wieder betraf es deinen Dad. Denn damals trennten sich deine Eltern von einander, und er war für dich da. Er war der Einzigste, der fragte wie es dir geht. Noch heute kannst du diesen Schmerz nicht vergessen. Denkst noch immer an ihn. Noch immer fragst du dich… Wieso?? Was du falsch gemacht hast. Denn du musst etwas falsch gemacht haben, ein Interesse verflüchtig sich nicht einfach so, wenn es einmal da war, ohne dass du etwas verbockt hast. All die Grausamkeiten findest du nun in ihm wieder. In ihm den Fotografen. Seine Ignoranz und seine Distanz und Abwesenheit, die schwammigen Entschuldigungen. Deine Vergangenheit holt dich ein, und du kannst nichts dagegen tun. Du kannst nichts tun gegen die Angst, die deine Kehle hochkriecht, kannst sie nicht von dir fern halten. Abartig, das Gefühl, was dich in die Ecke zwängt. Bist du gerade dabei durchzudrehen????

 ©Netti 

 

 

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13 Gedanken zu “Sie hat dich.

  1. also ohne witz ne…..wenn ich ma ausm ohr blute,,,dann fahr ich doch ins krankenhaus,und sitz nich auf ne treppe rum :O !!. ein mir haaren auf den zehen aus dem ohr blutender hobbit….du überrascht mich jeden tag aufs neue 😀 !“,was kommt morgen? kannse denn regenbögen rülpsen :O? -das wär ja der hammer he ^-^!!

    so genug blödsinn geschrieben,nu ma zum text_:

    menschenskind,entweder du bist hart masochistisch veranlagt,oder du machst es dir als gefühlsmensch nur unnötig hart :/, versuch doch ma dich selbst so dezent in rhage zu versetzen,gib nen fick auf alles u mach nen schlussstrich.
    ist zwar schwer,aber du kannst das,denn jeder ist sichs selbst sein glückes schmied,richter und henker.

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    1. 😂 der war guuuuuut! 😂
      Ja man ich bin halt ein scheiß Sensibelchen, und der/die/das (?) braucht nun mal immer Antworten, wenn er schon keine Liebe bekommt. Aber danke dass du dich so um mich sorgst, aber Hey- die Matte auf den Zehen wird mich schützen.😂😉

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      1. Na schau ma mal,was du noch so alles anstellst….im schlimmsten fall muss ich halt wieder ne kurz geschichte schreiben…..der hobbit ist ja bekanntlich ne trillogie. -heißt aba ned dasd nu blödsinn machen sollst !, schau lieber ma nen wenig auf dich 😉

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      2. 😬hast mich grad auf ne Idee gebracht. 😂 nein Spaß, werde artig sein- vorerst, man weiß ja nicht was noch passiert, also wenn und.. Egaaaal. Kurzgeschichte? Da bitte ich drum! Ich liiiiiiebe Kurzgeschichten. Und die deine war echt genial. Stell sie doch in dein Blog ein- meine Erlaubnis haste, die ist super. 🙂 Ich für meinen Teil bin begeistert!

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  2. Mir tut das so weh, das zu lesen… Menschen können so grausam zu den Herzen von anderen Menschen sein und sind sich viel zu oft ihrer Verantwortung nicht bewusst.

    Du bist aber nicht allein! Ganz und gar nicht allein! Verlier den Boden nicht unter den Füßen. Du wirst ihn brauchen, damit irgendwann ein Mann kommen kann, der dich verdient.

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