Deleted.

Beim Fotoshooting warst du mein Fotograf. Du warst albern, hinreißend und auf einer gewissen Art und Weise charmant. Deine Fotos authentisch und stilvoll. Auch wenn deine Witze so schlecht waren wie eine schwarze, schon längst vergammelte Banane im Verwesungsprozess, hast du mich zum Lachen gebracht. Mit deiner Art, die ich ab dem ersten Moment mochte. Das Shooting war vorüber und ich glaubte dich niemals wiederzusehen. Hättest du es nicht darauf belassen können?

Stattdessen suchtest du via Facebook den Kontakt zu mir. Inzwischen ist mein Profil aufgelöst, deleted, entfernt. Kontaktaufnahmen dieser Art ertrage ich kein zweites Mal. Du teiltest mir deine Handynummer mit, um mich ab da an immerzu mit Nachrichten zu bombardieren. Natürlich fand ich das gut. Ich wollte dich kennen lernen, hab ich mir doch seit dem Fotoshooting nichts sehnlicher gewünscht. Von Anfang an hast du mir falsche Signale gesandt, Signale, die auf Nähe hindeuten und Symphatie, Schicksal und einem Kennenlernen mit Option auf mal schauen was sich ergibt. Warum hast du mir nicht, gleich in deiner ersten Nachricht an mich, zu verstehen gegeben, dass es Freundschaft war, welche dich zu einer Kontaktaufnahme hat bewegen lassen!? Also ging ich zu unserem ersten privaten Treffen, natürlich in der falschen Annahme es sei ein aufregendes Date zwischen Mann und Frau. Ein Kennenlernen, Fragen stellend, Antworten abwartend, leichte Anziehung und ein gewisses Kribbeln beiderseits entstehend. Offenbar bestand dies nur einseitig und ich machte mir in dieser Hinsicht Hoffnungen. Kann man mir das ernsthaft verübeln? Ich erfuhr, dass etwas nicht stimmt mit dir, du irgendein dreidimensionales Päckchen mit dir herumträgst, ein Päckchen viel zu schwer, für dich kaum zu tragen. Meinst du wirklich dass Menschen deine Päckchen tragen können, wenn sie selbst dir schon zu schwer sind? Man kann dir diese Last nicht abnehmen, man kann dir nur die Schwere erleichtern. Das musst du doch verstehen. Versteh doch bitte, dass jeder seine Päckchen zu tragen hat. Noch erfuhr ich nicht warum dein Päckchen so unsagbar schwer zu tragen war, ich erfuhr nicht, was es mit all dem auf sich hatte. Doch spätestens da wäre der Moment gewesen, reinen Wein einzuschenken. Aber du schenktest mir nur Sekt ein, und redetest um den heißen Brei herum. Hoffnung die keimte und zu einer unbeschreiblichen Stärke heranwuchs. Hast du eigentlich eine Ahnung was du damit in den Menschen anrichten kannst? Der Fahrradunfall, an dem Abend unseres ersten Dates. Was war es denn für dich? Ein Zeitvertreib? Nur mal was schickes Essen gehen und Trinken? Du hast mich unbedingt nach Hause begleiten wollen, obwohl ich das nachdrücklich ablehnte, doch du konntest nicht hören. Wie du das geschafft hast weiß ich nicht, aber du hast mich dazu überredet mich auf die Fahrrad-Stange zu setzen. Es war beschissen da zu sitzen und die Balance zu halten, noch dazu mit ein paar Gläsern Sekt intus. Ich warnte dich, doch du hieltest nicht an, also passierte, was passieren musste. Mein Bein gelangte in die Speichen und wir flogen in hohem Bogen über den Lenker. Ich dachte „das war´s, Adios Amigos, Adieu du seltsames Leben, was mal das Meine war“. Doch nein. Du musstest ja den Lebensretter spielen und mit deinen Händen meinen Kopf auffangen. Wieso? Konntest du meinen verdammten Kopf nicht einfach auf den Asphalt knallen lassen? Manchmal dachte ich so, nach allem, was geschah. Doch insgeheim, in meinem tiefsten Inneren, bin ich dir unsagbar dankbar. Dankbar dafür, dass du meinen Kopf geschützt und nicht hast zerplatzen lassen, auf dem kalten, schmutzigen Asphalt. Ich schätze deine Größe, die du in dir trägst. Noch nie habe ich jemanden kennen gelernt, der das eigene Wohl hintenanstellt. Es ängstigt mich einerseits, anderseits rührt es mich. Wieder warst du es der Nachrichten schrieb und nicht aufhörte damit. An unserem zweiten Treffen warst du bei mir. Wir haben viel gelacht. Weißt du dass ich deinen Humor so unglaublich mag? Es war spät und wir schliefen ein, auf meiner Couch, du lagst direkt neben mir. Natürlich konnte ich nicht wirklich schlafen, die Aufregung in mir viel zu groß, das Herz welches so entsetzlich schnell schlug, dass es mir schon Angst machte. Du nahmst meine Hand. Nicht sehr lange, aber so lange, dass es kein Zufall gewesen sein konnte. Was hast du dir nur dabei gedacht? Du hast getan als sei nichts gewesen und auch ich schob meine blühende Fantasie und den innerlichen Wunschgedanken vor die Lücke. Irgendwann in den nächsten Tagen erfuhr ich durch einen dummen Zufall und Nachbohren meinerseits von deinen Päckchen, die nun auch mir gehörten, obwohl ich sie nie hatte annehmen wollen. Nicht so. So nicht. Du wolltest mich sehen, deine Zeit mit mir verbringen. Mir stellte sich die Frage wozu. Ich hatte einfach keine Antwort darauf. Du hast via Facebook Kontakt zu mir aufgenommen, weil du inbegriff warst, dir neue Freunde zu suchen. Hast du eine Ahnung, wie grob fahrlässig das von dir war? Ich kann das nicht verstehen, und auch wenn du ehrlich zu mir warst, wenn auch sehr spät, ist es unbegreiflich für mich, wie du das hattest tun können. Mir fehlt jegliches Verständnis um auch nur ansatzweise nachzuvollziehen, was du damit hattest bezwecken wollen, denn grundsätzlich bist du von Anfang an falsch an das Geschehen herangegangen. In meinen Augen hast du dich bewusst bei mir gemeldet, um mich zu verarschen. An unserem 3. Treffen hast du mich dann plötzlich geküsst, und wir kamen uns näher, bis du blocktest. Das hätte gereicht. Du hättest aufstehen können um zu gehen, doch stattdessen wolltest du mich am Boden sehen, gleich daneben mein blutendes Herz. Und ich sag´ dir was. Du hast es geschafft. Das blutende Herz zu deinen Füßen, hätte zerissener nicht sein können. „Verlieb dich nicht in mich!“ Weißt du eigentlich wie demütigend das war? Kannst du dir vorstellen, wie bitter dieser Moment im Abgang schmeckt? Ich frage dich, bist du zufrieden? Hast du nun was du wolltest? 

Dein Verhalten seit jeher, und immer wieder, das Widersprüchlichste, was ich jemals erfahren musste. Auf einmal wusstest du Freundschaft und Liebe (?), oder Anziehung nicht mehr zu differenzieren, plötzlich waren das was du sagtest nur noch hohle Phrasen, sinnloses Geschwätz, was du selber nicht einmal zu begreifen wusstest. Ich wusste mit dem Kuss und deinem Satz darauf, hattest du alles zerstört, was hätte sein können. Ich wusste, du bist einfach zu weit gegangen. Dennoch wollte ich dich irgendwie nicht verlieren, als Freund, zumindest das. Mir blieb nichts anderes übrig als die vermeintliche Freundschaft zu dir, anzunehemen und das Beste daraus zu machen. Es entwickelte sich auch ganz gut, wir sahen uns recht oft. Bis zu dem Verlust meines Vaters, die bisher schlimmste Zeit meines Lebens, doch du, du warst da für mich. Du warst einfach da. obwohl ich es nicht verlangte, nicht mal ansatzweise daran dachte. Ich lernte ein neues Gesicht, deiner viel zu vielen Persönlichkeiten kennen, und ich war mir sicher, den Mann zu sehen, in den ich so viel setzte. Deine Echtheit, die liebevolle, hilfsbereite und tröstende Seite in dir kam zum Vorschein und entfaltete sich vollends. Der Silvesterabend, und somit mein sowohl körperlicher als auch geistiger Zusammenbruch. Du warst da. Und du bist geblieben. Dafür danke ich dir von Herzen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutete, so etwas hat noch nie jemand für mich getan, nicht in diesem Ausmaß. Genau diesen Mann habe ich zu Beginn in dir gesehen, nicht das Arschloch was du immer und immer wieder raushängen lässt. Aus Selbstschutz? Warum? Meinst du echt ich will dir was böses? Was könnte ich dir böses wollen ohne mir damit ins eigene Fleisch zu schlitzen? Dieser Mann, diese Seite ist tief in dir verborgen, hinter Mauern und Gittern, Stacheldraht und Zäunen und genau dahin hast du ihn zurückbefördert, denn seit dem Silvesterabend habe ich dich nicht mehr zu Gesicht bekommen und nur noch selten Antworten auf Nachrichten erhalten. Deine Mitteilungen verändert, abweisend und distanziert. Dein Unfall, ich weiß, du hattest so viel um die Ohren, es ist nur verständlich, dass da für mich gedanklich kein Platz war. Doch das Einzigste was ich wollte, war dir das zurück zugeben, was du mir in der schlimmen Silvesternacht entgegen brachtest. Mitgefühl und das Gefühl einfach nicht allein zu sein. Sondern dass da jemand ist, der sagt „Hey, das wird schon wieder. Du schaffst das.“ Nicht nur leere Floskeln sondern bleibende Empfindungen und positive Rückenstärkung. Ich wollte für dich da sein, wie du es warst für mich, aber offenbar hast du dich von mir unter Druck gesetzt gefühlt. Das wollte ich nicht. Definitiv wollte ich das nicht. Es verletzt mich so sehr, dass der Kontakt SO enden musste, es verletzt mich, dass du nicht ehrlich zu mir sein konntest. Warum sagst du mir nicht einfach, wenn du dich bedrängt fühlst, warum sagst du nicht wenn du Abstand möchtest, warum sagst du nicht, wenn es dir nicht gut geht, wenn du den Kontakt komplett abbrechen möchtest? Du weißt, ich bin die Letzte, die kein Verständnis aufbringt, auch wenn ich in den ersten Momenten hin und wieder etwas impulsiv reagiere, aber genau das bin ich, ein emotionaler und sehr gefühlvoller, impulsiver Mensch. Genau das wusstest du, spätestens seit dem Kuss. Von einem Moment auf den nächsten bekomme ich keine Antwort. Ich höre nichts mehr von dir. Gar nichts mehr. Nichtwissend, wo der verdammte Fehler ist, im Bild, woran es liegt, was ich eventuell falsches geschrieben haben könnte. Schweigen ertrage ich nicht, was sich auf meine Kindheit zurückführen lässt. Aber ich bin mir sicher auch du würdest eine Stille nicht ertragen, die so laut schreit. Wir Menschen sind einfach nicht auf Stille geeicht. Wir Menschen kommunizieren. Miteinander und nicht gegeneinander. Also bitte, was hast du dir dabei gedacht!?

Findest du das fair, ja!?

 

 

Aus einer Stunde Textverfassung, bleibt 1 Zeile, 1 Satz und 5 Wörter. Eine Frage, welche Antwort abverlangt. Ein Satz, welcher all das auf den Punkt bringt, was du ihn am liebsten um die Ohren geschleudert hättest, aber irgendwie…, irgendwie bringst du es einfach nicht über dich. (Noch nicht.) Das wäre zu viel. Und er wäre direkt wieder überfordert. Männer brauchen einfach und direkt. Somit erhoffst du dir eine ehrliche Antwort. Ohne viel Palaver, sondern endlich mal etwas, womit du auch was anfangen kannst, etwas, das erklärt, und entschuldigt. Etwas, womit du gegebenenfalls abschließen kannst und verdrengen. Einfach nur Vergessen.

Du drückst auf Senden.

©Netti

Wie alles begann: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

 

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33 Gedanken zu “Deleted.

    1. Weiß ich hab ich nicht bewusst getan für euch, das Durchstreichen nur so wunderbar passend, denn gelöscht ist gelöscht, wie sonst via Blog rüberbringend? Freut mich wenn du es als gut geschrieben ansiehst, ich bin mir sicher, der Fotograf hätte durch diesen langwierigen Text, einen Grund mehr sich nie wieder bei mir zu melden. Danke, Nörgelfritze. 😉

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      1. Soll er auch nit tun,auch wenn du nen unausstehlicher hitzkopf mit eigenartigen fetischen bist ( mit toten fischen zu spielen etc. Etc.) Hast du es als mensch nicht verdient so behandelt zu werden,bzw zum weinen zu bringen.

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  1. hört sich an als hättest du dir das dringend von der seele schreiben müssen. als hätte er verdient, all das zu hören zu bekommen. ich frage mich auch oft, warum menschen das tun, zweideutige signale senden. wie manche so rücksichtslos mit den herzen anderer sein können.

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      1. ja das stimmt. eigentlich ist es ja blöd, dass man immer so gehemmt ist dem anderen ins gesicht zu sagen was er zu hören verdient hätte. aber wenn es einem wichtig ist bekommt man diese chance. ich musste bei meinem exfreund über 3 jahre warten, aber es hat so gut getan es dann endlich dort deponieren zu können, wo es hingehörte.

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      2. ich drücke dir die daumen. aber meiner erfahrung nach bekommt man immer die chance, wenn man sie braucht. und wenn man sie nciht bekommt, ist es einem irgendwann nicht mehr wichtig genug. so oder so, irgendwann wird es vorbei sein!

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      1. Naja… Wenn ich frage „findest du das fair?“, wird denk ich schon was kommen, aber möglicherweise wieder nur irgendein Palaver.. Aber das wird dann dennoch meine Antwort sein. Und Grund genug ein Haken hinter zu machen. Also.. Ich bin gespannt..

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  2. Ich frag mich ja oft ob der Kerl das liest was Du hier über ihn schreibst… Auch die Texte aus der Vergangenheit. Es ist eine Sauerei. Klar, wir kennen nur Deine Seite aber die ist echt eindeutig. Aber tu mir nen Gefallen und übertrage das nicht auf alle Männer dieser Welt, es gibt auch gute Jungs 😉

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    1. Nein das liest er definitiv nicht. Interesse mir gegenüber ist ja nichtmal im Normalverhältnis vorhanden. Und nein-keine Sorge ich übertrage das nicht auf alle Männer. Es gibt halt leider solche, und solche..

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  3. „Interesse mir gegenüber ist ja nichtmal im Normalverhältnis vorhanden.“ Irgendwo kommt mir das alles ein wenig bekannt vor… Kopf hoch! Man muss lernen loslassen zu können… (Und das sage ich nur, weil ich es selbst nicht kann und mir ständig einreden muss.)

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  4. Tja , da kommen wir Berufsknipser ja mal so richtig schlecht weg…gut geschrieben trotzdem …es geht übrigens auch umgekehrt…irgendwie hat der Mensch eine fiese Seite und ich möchte dir nur wünschen sie nicht zu oft kennenzulernen…
    Grüsse von jemandem hinter der Kamera, Jürgen

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