Zurück in die Vergangenheit.

„Guten Morgen! Frohe Ostern!“, wünschst du den Gästen, welche vor dir den Frühstücksraum betreten. Sie lächeln dich freudig an und wünschen das Gleiche. Das Pärchen mittleren Alters begibt sich sogleich zum Buffet. Du fragst sowohl die Frau, als auch den Mann ob sie Kaffee wünschen und wartest die Antwort ab. Die Frau nickt und sagt: „Ja sehr gern!“ Nur langsam drehst du dich um, damit du gehen und deren Wünsche erfüllen kannst, doch dein Blick bleibt an dem Mann haften. Irgendetwas stimmt mit seinen Augen nicht. Er schaut dich an, und du schaust ihn an, vorsichtig, leicht fragenden Blickes, abwartend ob auch er noch eine Zustimmung verlauten lässt. Sein Gesicht irgendwie völlig ausdruckslos, seine Augen fast schon leer, emotionslos, gleichgültig. Plötzlich schnürt es dir die Kehle zu, dieser Blick! Du musst dich schnell abwenden, schnell gehen um den Kaffee zu holen, denn deine Augen werden wässrig, Tränen sammeln sich und schwimmen bedrohlich, beinahe überschwappend. Dieser Mann erinnert dich so sehr an deinen Papa, auch seine Augen trugen zum Schluss eben diesen Ausdruck. Du vermutest er könnte auch einen Schlaganfall gehabt haben, du vermutest irgendetwas hat diesen Mann innerlich zerstört. Gestern hat er dich nur einen Satz gefragt, über die Deko, die überall herum steht, ansonsten hast du keinen Ton von ihm gehört, kein Lächeln sehen können. Und nun- nun sagt er wieder nichts, gar nichts, die Frau an seiner Seite spricht für ihn. Du bringst den beiden den Kaffee und bemerkst dabei, wie sehr fürsorglich sie mit ihm umgeht. Dein Herz wird weich, in deinem Hals ein rießiger Kloß. Dieser Moment lässt dich an Papa denken, an die schwere Zeit, die du eigentlich verdrängen magst. Dein Papa konnte sich nie richtig erholen, er bekam keine Chance für Besserung, Genesung, nicht einmal Teilgenesung. Du findest es schlimm, dass diese Welt aus so viel Krankheit und Leid bestehen muss. Du fürchtest dich davor wie vor so vielem, doch diese eine Angst, die lässt dich fast lähmend nach Luft japsen, weil sie dir den Hals zuschnürt und sich panikartig in deinem Körper breitmacht. Die Angst das Erlebte nochmals durchmachen zu müssen. Der Moment ist wieder present, die Angst zurück. Papa in deinem Kopf. 

©Netti

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6 Gedanken zu “Zurück in die Vergangenheit.

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