Kontaktaufnahme: Zurück in die Zukunft. 1/2

Der Urlaub vor mir Selbst hat nun doch mal ein Ende. Kann ja nicht ewig so weitergehen. Außerdem fehlt ihr mir, und ich möcht euch knutschen, für eure lieben Worte. Ihr habt mich -wieder einmal- zu Tränen gerührt!

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Änderungen ziehen sich durch das Leben, ständig ändert sich was, manchmal so groß, dass es in das Hirn einschlägt wie eine Atombombe der fiesesten Art. Man sollte meinen irgendwann gewöhnt man sich daran, aber es trifft dann doch immer mal wieder ziemlich unerwartet. Ob manche Änderungen gut oder schlecht sind, lässt sich nicht immer zu Beginn beurteilen. Mit all den Gedanken sitzt du in der muffigen, stinkigen, wohl aber glücklicherweise, nicht ganz so vollen Bahn. Du hast dich extra auf einen freien Platz gepflanzt, neben dir all dein Taschengedöns, damit nicht noch wer auf die Idee kommt sich neben dich zu setzten um dich zwanghaft in ein Gespräch zu verwickeln. Um dich herum Menschen, nur ein paar. Du kannst deinen Abscheu und Gram gegenüber Menschen nicht unterdrücken, ja du hasst Menschen, auch wenn du selber einer bist, also schaust du ablehnend und desinteressiert aus dem Fenster, umgeben von deinen Gedanken, auch wenn es dein Plan war Urlaub zu nehmen, vor dir Selbst. Doch dass der Urlaub mit dieser Bahnfahrt enden wird weißt du schon, bevor du auch nur die Bahn betrittst. Irgendwas ist anders. Nur was kannst du einfach nicht benennen. Trotz der Gedanken hast du ein Lächeln auf den Lippen, für Andere wohl kaum wahrnehmbar, doch für dich, für dich schon, denn du spürst die Veränderung die soeben in dir wächst. Heute ist ein guter Tag. Die Bahn hält an diversen Haltestellen, Menschen steigen aus, und neue Passanten betreten die Bahn, all das weißt du, obwohl du nicht einmal deinen Kopf hebst. Wieso auch, ist ja viel interessanter raus zu schauen, wenn man drin ist. Häuser ziehen an dir vorüber, Ruinen und komische Menschen. Überall sind Menschen, eigentlich verrückt, wenn man sich das so vorstellt. Bildlich und so. Und jeder davon schaut anders scheiße aus. Jeder auf seine Art. Fasziniert hängst du deinen schnell wechselnden Gedanken nach. Dann plötzlich wird dein Hirngulasch unterbrochen, von einem irgendwie seltsamen Gefühl. Da schleicht sich was in dein Empfinden, und du kannst es noch nicht ganz herauskristallisieren, du bist dir nicht sicher, von was dieses Gefühl in dir hervorgerufen wird. Noch während du darüber grübelst, weißt du plötzlich woher es kommt. Du wirst beobachtet. Und zwar ganz, ganz gruselig, penetrant fast schon, so zumindest fühlt sich das an. Du spürst beinahe, wie sich irgendwelche Augen in dich reinfressen, aber nur ein Paar. Also zwei Augen, aber diese Augen schon alleine schauen für die Menschen der ganzen Bahn. Dir gruselt es innerlich, und du scheust dich, den Kopf zu heben. Mei, wer weiß wen oder was du dann erblickst, es gibt die gruseligsten Geschöpfe auf Erden. Irgendwann hältst du diesen Blick auf dir nicht mehr aus, und du möchtest schreien: „Ey! Samma! Hackts!??? Hab ich was in der Fresse oder was!? Schau wen anders an und hör auf mich anzustieren! Das ist sowasvon…. psycho!“ Du hebst also genervt den Kopf, wendest ihn ab vom spannenden Leben hinter Glas, und blickst geradeaus, genau dahin, wo du den starrenden Blick vermutest. Du bewegst den Mund um garstige Sprüche zu formulieren, doch stattdessen denkst du nun: „Krass! Was für Augen!“ Du erblickst die krassesten, blauen Augen die du je gesehen hast. Ertappt wendet er seinen Blick von dir ab. Vor dir sitzt ein junger (?) Mann, der nicht mehr ganz so jung scheint, wie er wirkt. Der Mann schaut fast aus, wie dein ehemaliger Arbeitskollege, nur in einer jungen Version. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Du schaust wieder weg- unglaublich was ein Hirn alles denken kann, zwischen nur 5 Haltestationen, in gerade einmal 10 Minuten Fahrt. Du stellst fest, dass er ja ganz toll sitzt, so direkt vor dir, schöne Aussichten hat der da, nur weil er unbedingt rückwärts fahren muss, der Penner. Noch während du diese Flüche denkst, ist das Gefühl wieder zurück. Der spinnt doch. Jetzt glotzt der weiter. Du überlegst dich umzusetzten, aber das ist dir dann auch zu blöd, du hast da schließlich zuerst gesessen, soll der doch den Platz wechseln, ArschArsch. Also ignorierst du das Gefühl der Beobachtung Starrerei so gut es eben geht. Du bist froh als endlich die Stimme ihre Ansage durchgibt: „Nächster Halt: Hauptbahnhof. Zentraler Umsteigeplatz.“ Rasch stehst du vom angewärmten Sitz auf, damit du schneller bist als der unverschämte Mensch da vor dir, und kramst dein Taschen,-Beutelzeug zusammen. Du atmest leise auf, sichtlich erleichtert, als die Bahn quietschend zum Halt ankündigt. Doch noch ehe die Bahn zum Stehen kommt und du in deiner Vorstellung den Türöffner drückst, steht dieser unverschämte Mensch, der dich die ganze Zeit angestarrt hat, direkt neben dir, und wagt es, dich auch noch anzuprechen. Blau funkelnde Augen durchbohren die Deinen. >>Sorry, dass ich dich so überfalle, aber ich muss dich jetzt ansprechen, du bist mir schon mal aufgefallen in der Bahn, darf ich fragen wie du heißt!?<< Dein Blick spricht wahrscheinlich 1000 Bände, dein Mund der aufklappt nur um wieder zuzuklappen, sprachlos, im Sinne von nicht mehr sprechen können, weil vergessen wie es geht. Du hüstelst dümmlich und presst deinen Namen hervor, natürlich nur deinen Vornamen, das muss reichen. Als die Bahn endlich hält drückst du schnell den Drücker und ein Piepen ertönt, du überlegst schnell vor diesem Menschen davonzulaufen. Aber er ist wahrscheinlich sowieso schneller, auf ein (Wett-)Rennen hast du jetzt keine Lust. Du betrittst die Haltestelle und drehst dich flüchtig um, da steht er schon wieder, direkt vor dir, würdest du die Hand aussstrecken, könntest du ihn berühren, aber du hast gerade keinen Schimmer, ob du das überhaupt wollen würdest. Diese Augen! Immerhin hast du nun die Gelegenheit ihn auch mal so scheiße zu mustern. Aber scheiße sieht anders aus. Seine Augen sind ziemlich auffällig, verdammt verblüffend und schöne Zähne hat er auch. Das ist gut. Recht klein ist er, aber naja, wer weiß was der von dir möchte. Apropos. Was redet der nur die ganze Zeit, du siehst immer nur seinen Mund, der sich bewegt, aber Töne dringen nicht hervor. Du überlegst ob du vielleicht taub geworden bist, durch diesen Überfall, eine Art Schockreaktion, aber dann nimmst du durchaus die Töne um dich herum wahr. Laute Bahnen rattern an euch vorüber, Menschen drengeln und schubsen sich an euch vorbei, Kindergebrüll und Straßenlärm der vorbeipreschenden Autos. Entschuldigend lächelst du ihn an, du hast da gerade irgendwas nicht mitbekommen. >>Darf ich dich anrufen?<< Zum zweiten Mal verschlägt es dir die Sprache, weil du eigentlich nur gemütlich Bahn fahren wolltest und nun so unverhofft und aus dem Blauen heraus zu einer Entscheidung genötigt wirst, die du in weniger als zwei Sekunden zu fällen hast. Du stammelst und stotterst um Zeit zu schinden, denn schnelle Entscheidungen waren noch nie deine Stärke. Wieder fegen Gedanken durch dein Hirn und du fragst dich, wieso er dich denn anrufen möchte, am Liebsten würdest du sagen: „Kannst du auch schreiben?“ Als das Stottern und Stammeln nicht mehr weiter herauszuzögern ist sagst du: >>Ja. Klar.<< So viel zum Thema Schlagfertigkeit. Ohne Worte schaust du ihn an, er schmunzelt, lacht und ist nervös. Komisch. Was hat er denn!? Achso. >> Huch, du willst meine Nummer, hey!?<< >>Ja, bitte, sag mal an!<< Spinnt der!? Du sollst jetzt hier deine Nummer laut ansagen, damit all die umstehenden Personen das mitbekommen? Wahrscheinlich zücken sie dann heimlich ihre Telefone und speichern flink die Nummer ein, ein gruseliger Gedanke. Trotzdem sagst du die Nummer an, vielleicht ist ja ein Zahlendreher drin. Die Menschen strömen weiterhin an euch vorüber, niemand schert sich darum, dass ein junger Mann und eine junge Frau gerade dabei sind Kontakt zueinander aufzunehmen, niemand realiesiert diese depperten Straßenbahn(mit)fahrer. Als er deine Nummer in sein Handy eingetippt hat wiederholt er sie nochmal, mehr für sich, als für dich, und du stellst fest, dass kein Zahlendreher drin ist, auch hast du keine Ahnung ob du das gut finden sollst. Wieder strahlt er dich fast schon verlegen an, seine Hände zittern leicht, seine blauen Augen machen dich nun doch etwas sentimental, oder zumindestens ist sein Verhalten irgendwie putzig. Hast du dir sowas nicht schon immer gewünscht!? Nochmals entschuldigt er sich bei dir für sein Verhalten und hofft nicht aufdringlich gewesen zu sein. >>Eigentlich ist das sonst echt nicht meine Art…<< Du lächelst nur und winkst ab. Entschuldigend verabschiedest du dich bei ihm, und er freut sich dir begegnet zu sein. >>Tschüssie.<<, verabschiedet ihr euch. Dann geht jeder in getrennte Richtungen.

Du läufst an die Ampel, bleibst wartend stehen, bis diese auf Grün springt und du über die Straße laufen kannst, während über deinem Kopf ein rießengroßes, grell blinkendes, signal,- Ampelmännchenrotes Fragezeichen schwebt. Du bist dir sicher, dass all die Leute drumherum davon geblendet werden. Dennoch umspielt deine Lippen ein leichtes Lächeln, für Andere kaum wahrnehmbar, aber für dich, denn du weißt, heute ist ein guter Tag, und das gerade eben hat sich gar nicht mal so ganz doof angefühlt. Und nochetwas. Man hat dich gesehen. Er hat dich gesehen. Gesehen und wahrgenommen.

©Netti

 

 

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15 Gedanken zu “Kontaktaufnahme: Zurück in die Zukunft. 1/2

  1. Ah, OK, ich hab den Reader wohl von hinten aufgerollt 😉 Das ist also Dein Welcome-Back-Post… Und jetzt weiß ich auch wieder ganz genau, was ich vermisst habe… Deine Gabe mit Wörtern umzugehen und das teilen Deiner Gedanken aus dem Gefühl heraus… Freu mich!!!

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  2. also ich finde das richtig schön!! ich hoffe für euch beide, dass es vielleicht doch ein stückchen weitergeht und du nicht die angst über ihn entscheiden lässt, sondern dein ich!

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