Der mit dem heißen Arsch.

Du zwinkerst. Irgendwas ist da in deinem Auge, aber vielleicht ist auch nur die Kontaktlinse verrutscht. Dein Kumpel neben dir redet Dünnschiss und diesmal beklagst du dich nicht drüber, du nickst, und lachst immermal ganz dümmlich, während deine Augen einen Punkt visieren. Nebenbei schielst du in die Karte, doch du kannst dich einfach nicht entscheiden, auf was du Appetit haben sollst. Der Punkt aus der Ferne, den du bis eben gerade noch anvisiert hast, bewegt sich plötzlich leichten Schrittes auf euch zu. Schnell schiebt dein Blick sich wieder in die Karte. Dein Kumpel beklagt sich plötzlich, dass du ihm heute alles durchgehen lässt, er erzählt dir Müll, kann dir alles erzählen, du hörst ihm gar nicht zu. Du gibst nur genervte Antworten, auf seine Fragen, die nicht mal welche sind. Irgendwie ist dir heute jegliche Konversation zu viel. Der Punkt aus der Ferne bleibt stehen, direkt vor eurem Tisch. Ein leichtes Lächeln blickt auf euch nieder. „Darf ich euch schon was bringen?“ Du lächelst ihn an, besonders freundlich und wünschst dir eine Sprite, während der Kumpel ein alkoholfreies Hefe bestellt. Du schaust den Kellner an, mit deinen großen Augen und er schaut zurück, den Mund zu einem leichten Lächeln geformt. Immerwieder läuft er an euch vorüber in seinem schwarzen Dress mit seinen hellbraunen Haaren, ihn umgibt ein männlicher Duft. Du kannst die Augen einfach nicht von ihm losreißen wahrscheinlich musterst du ihn sehr penetrant und plötzlich kannst du den Bahnfahrer verstehen, denn wenn man etwas Schönes erblickt muss man einfach immer wieder hinsehen, ohne den Blick abwenden zu können, man wird übermannt von der Faszination, die einen umgibt. Der Kellner wirft dir hin und wieder ein paar Blicke zu, doch du vermisst das Lächeln, was ihn so sympathisch wirken lässt. Irgendwann wählt ihr und du nimmst das Schnitzel während dein Kumpel Pasta nimmt. Ihr betreibt leichte Konversation, ansonsten genießt du einfach nur das schöne Wetter. Das Essen geht fix und steht dampfend vor euch. Der Kellner lächelt und wünscht einen guten Hunger. Du blickst ihn an, versuchst es wieder, deine Augen öffnen sich und du musst blinzeln, die Wimpern machen zaghafte Wusch Geräusche, doch du kannst seinen Blick den er dir zurück wirft einfach nicht deuten. Wahrscheinlich hast du verlernt wie das funktioniert, das mit dem Flirten. Du vermisst die Majo und brummelst das in deinen Bart, dein Kumpel verlangt vom Kellner Majo nach. „Na toll. Jetzt kann er mich bestimmt nicht mehr leiden! Wegen dir. Und der Majo!“ Du denkst an den Mann in der Bahn, kurz nur, und du weißt, dass du immer auf dein Bauchgefühl hören kannst, du bist froh dass du nun erkannt hast, was dieses Bauchgefühl aussagen möchte, wie es sich bemerkbar macht und vor allem, wie du es erhörst. Dein Bauchgefühl bei eurem ersten Treffen sagte dir, NEIN, es sagte nein und schrie danach, dass das mit ihm irgendwie gar nicht geht. Du fühltest dich nicht wohl in deiner Haut, es war ganz anders als mit ihm den Fotografen, soetwas wünschst du dir nochmal, nur schöner, freundlicher, weniger schmerzhaft und tränenreich. Zum ersten Mal in deinem Leben bist du froh die richtige Entscheidung getroffen zu haben, eine Entscheidung die sagt: >>Dich möchte ich nicht wieder treffen, auch für eine Freundschaft nicht, und Freunde habe ich, selbst mit denen bin ich schon überfordert, was mir fehlt ist Nähe zu einem Menschen, der meiner würdig ist, ein Mann, mit dem ich mich austauschen kann, ein Mann, der… Fotograf… <<, wieder springen die Gedanken davon wie ein Flummiball und dein Kumpel fragt: „Hast du mich gerade angezwinkert!?“ „Bestimmt!“ Du rollst mit den Augen und fragst dich was mit ihm los ist heute, plötzlich ruft er dich Schatzi und du möchtest am Liebsten die Faust heben, denn als du siehst wie der Kellner an euch vorüberläuft muss Hasi grinsen. Das bekommt er zurück. Kosenamen. Sein scheiß Ernst? Du verabscheust diese ganzen Kosenamen-um-sich-werfenden-Pärchen, nie wieder möchtest du mit einem Kosenamen angesprochen werden. „Was soll der scheiß!? Lass das!!!“, deine Augen sprühen Funken. „Ernsthaft, das ist dein Typ, ja?“, er fragt nach was er haben sollte, dein Typ Mann, und du beschreibst ihn, den Fotografen, als du auf die Gasse blickst erkennst du Menschen die vorüber gehen, wie auf einem Laufsteg, und egal wo du hinblickst du siehst ihn, den Fotografen. Dein Kumpel unterbricht gelegentlich sein Essen und lehnt sich leicht zurück, du hast Lust auf das was er isst, dein Schnitzel hängt dir grad der Quere im Hals, du hast jetzt Bock auf die Lachswürfel, die lachen dich schon die ganze Zeit an. „Tauschen?“, also tauscht ihr eure Teller. Dein Kumpel lehnt sich zurück, muss kurz pausieren, von dem dicken Schnitzel, du aber bist fertig nach wenigen Bissen, der Teller ist leer, also schiebst du den leeren Teller von dir. Der Kellner schaut zu euch, kommt leicht näher und Hasi nimmt das Besteck um weiter zu essen. Das wiederholt er einmal, zweimal, und macht dich darauf aufmerksam: „Immer wenn er herkommen will, esse ich weiter.“, dabei lacht er, als hätte er einen richtig guten Witz gemacht. „Samma! Hakts!? Wie alt bist du? Zwölf!? Lass den Scheiß! Wegen dir guckt der jetzt nur noch so böse! Der ist schon total genervt!“, langsam reicht es dir echt. „Jetzt mal im Ernst..“, er schluckt, schaut dich dann an, „der ist nichts für dich! Ohne Mist! Der nicht! Such dir einen Anwalt, oder einen Ingenieur, aber doch keinen Kellner, das passt nicht. Das geht nicht. Nicht zwei aus derselben Branche.“ „Woher willst du denn wissen, dass er nicht nur Aushilfskellner ist!? Er studiert bestimmt gerade Jura, Architektur oder, oder,..sowas halt.. Das macht der doch nicht hauptberuflich, heutzutage macht das doch keiner mehr freiwillig.“ Ihr diskutiert noch ein wenig weiter, bestellt noch was zu trinken und haltet euch eine Weile auf. Als du zur Toilette gehst und zurück zum Tisch läufst siehst du wie der Kellner gerade abkassiert hat, dich nervt das. Dein Kumpel fragt noch nach einem Bewirtungsbeleg, du erkennst dem Kellner an, dass er gerade sehr genervt ist von ihm, und das kannst du ihm nichtmal verübeln, aber vielleicht ist er auch von dir genervt, von euch beiden. Du fragst dich ob man flirten verlernen kann. Kann man? Er holt den Bewirtungsbeleg und wünscht Euch noch einen schönen Abend!“ Das euch scheint er extra zu betonen. „Hast du einen Kuli? Gib mir mal bitte!“, dein Kumpel schaut dich fordernd an. „Häh? Wieso? Musst du das jetzt schon ausfüllen? Warum denn das?“ „Gib mir mal bitte einen Kuli!“ „Aber das musst du doch jetzt gar nicht ausfüllen, mach das doch später.“ „Bitte. Kuli!“ Du wühlst in deiner Tasche, in der alles mögliche ist, nur ein Kuli nicht. „Hab keinen!“ Er stöhnt. Na dann nicht und drückt dir den Beleg in die Hand. Nun bist du komplett verwirrt? „Häh? Wieso gibst du mir deinen Beleg? Den brauchst du doch.“ „Man, ich wollte deine Nummer drauf schreiben!“ Du schaust wie ein Auto. „Ähhh!? Nein!? Komm wir gehen.“

Während ihr lauft, schaust du immer wieder zurück zu dem Kellner, doch er bemerkt dich nicht. Du seufzt. „Der war schon süß.“  „Kopf hoch!“, sagt dein Kumpel und nimmt dich in den Arm. Du findest jemanden. Während du einen letzten Blick über deine Schulter wirfst, hoffst du dass du keinen bedürftigen Eindruck machst. Hoffentlich kommst du nicht verzweifelt rüber. Du bist es eigentlich auch nicht, du magst es, wie es im Moment ist, und doch fehlt dir die Zweisamkeit, Nähe, Liebe. Du hättest nie gedacht dass du das mal sagen würdest aber doch, du sehnst dich nach Nähe und Geborgenheit. Du setzt dir auf deine ToDo Liste im Kopf eine Notiz die besagt:

-Nochmal zu der Bar mit dem anziehenden Kellner gehen, er hatte einen süßen Arsch, das hast du gesehen, als er direkt vor dir stand, mit seinem Hintern zu dir, welch ein schöner Anblick. Geh dahin, aber nimm nicht deinen Kumpel mit. Schnapp dir am besten eine deiner Freundinnen und geh einen trinken und dann gib alles und flirte auf Teufel komm raus. Auch wenn du mehr männliche Freunde hast als weibliche, lass die Jungs mal Jungs sein, sonst wird das einfach nichts. Damn it. Warum hast du auch keine weiblichen Freundinnen!? (Oder nur drei an der Hand!?) 



©Netti

 

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11 Gedanken zu “Der mit dem heißen Arsch.

      1. weil er für dich immer noch auf dem podest steht. das wird noch dauern, so lange, bis da jemand anderes steht. versuch dem – auch wenns schwer ist – nicht ZUviel bedeutung beizumessen. wichtig ist, dass du wieder siehst dass es auch noch anderes gibt. ehrlich.

        Gefällt 1 Person

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