Nachts, von Schatten umgeben.

Es ist Nacht, beinahe schon früher Morgen. Der Zeiger steht auf zwei Uhr. Du sitzt auf dem Fensterbrett mit Blick in Richtung Garten. Deine Beine lässt du aus dem Küchenfenster des 3.Stocks baumeln. Tief atmest du die Luft ein. Und aus. Und ein und wieder aus. Deine Augen sind geschlossen und der Kopf ´gen Himmel geneigt. Das Licht des Vollmondes bestrahlt dein Gesicht. Du zündest dir eine Zigarette an, denn du kannst einfach noch nicht schlafen, etwas in dir lässt dich unruhig erscheinen. Du inhalierst den Rauch ein und atmest ihn wieder heraus, in der Hoffnung dass auch etwas von deiner inneren Unruhe und Angespanntheit aus dir entweicht. Nur das Glühen der Zigarettenspitze lässt deine Anwesenheit erahnen. Dein Handy macht Piepsgeräuche, es tritt soeben eine Nachricht ein. Du erwartest eine Nachricht, doch erhoffen tust du dir nichts. Du wüsstest nicht einmal was du hoffen kannst und möchtest, besonders das. Seit Wochen bist du angespannt, unruhig, doch auch irgendwie glücklich und zufrieden. Seit Tagen fehlt dir die nächtliche Ruhe, der erholsame Schlaf. Zu viele Dinge schwirren durch dein Hirn, ohne dass du sie richtig zu fassen bekommst. Ein seltsamer Nebelschleier bewegt sich um dich herum, er wirkt etwas düster, du bist den Nebel einfach nicht gewohnt. Er lässt dich frösteln und ein wenig erschaudern. Vorsichtig bewegst du einen Fuß vor den Anderen, denn du kannst ja nicht sehen wo du hinläufst. Also musst du dir und deinem Verstand vertrauen. Mit diesem Gedankengang umgeben vom Nebel sitzt du auf dem Fensterrahmen, das Handy nun mittlerweile in deiner Hand. Du liest diese Nachricht, die dich so sehr verwirrt und du tippst eine Antwort zurück, eine Antwort, die du selber nicht verstehst, weil auch du dich selber nicht verstehst. Du bist verwirrt von deinen eigenen Gedanken und du glaubst, dass die Nachrichten sich gegenseitig widersprechen, sie übermitteln nicht das was sie eigentlich aussagen sollen. Du drückst auf Senden und die Antwort geht raus. Auf den Widerspruch folgt ein Widerspruch und du fragst dich, ob man immer alles verstehen muss im Leben, hinterfragst Richtig und Falsch. Du fühlst dich genervt von deinen eigenen Gedankengängen, und der Vorsicht dahinter, aber was sollst du auch tun?

Das grelle Leuchten des Displays blendet in dein Gesicht. Draußen ist es so dunkel, dass es dir kurz vor kommt als seist du erblindet, zu intensiv hast du auf dein Display gestarrt. Deine Augen versuchen sich wieder der Dunkelheit anzupassen. Du schaust nach gegenüber, dein Blick richtet sich nach oben auf die Dachgeschoss- Nachbarwohnung, ein Balkon in deiner Blickrichtung. Da ist ein Schatten zu sehen, angestrengt kneifst du deine Augen zusammen, kann ja sein dass du jetzt rumspinnst. Doch du siehst es. Eindeutig. Da steht ein Schatten auf dem Balkon, die Türe ist weit geöffnet. Der Schatten bewegt sich. Seltsam. Sieht aus wie ein Winken. Dein Hirn braucht etwas um zu schnallen, dass da einer steht, der dir winkt. Ein Schatten. Vielleicht drehst du wirklich fast durch. Doch plötzlich spricht der Schatten zu dir. „Hallo.“ Der Schatten winkt weiter. Jetzt spricht der Schatten auch noch zu dir. Gruselig! Du schnappst dir schnell wieder dein Telefon. Nur für den Fall dass die Schattengestalt gleich noch in deiner Wohnung steht, um dich aus dem Fenster zu schubsen, so könntest du wenigstens noch flink einen Notruf raus schicken. Du tippst wieder in dein Handy und ignorierst das Geschehen von drüben, als wieder ein Rufen ertönt. „Hallo.“ Wieder das Winken. Verwirrt blickst du auf. Also irgendwie ist das albern. Trotzdem winkst du der Schattengestalt zurück, muss ja nicht sein, dass die Nachbarschaft dich für arrogant hält. Vorurteile entstehen schnell. Du starrst zu dem Schatten, und fragst dich, wie gut der Schatten dich sehen kann. Ach scheiße, du hast vergessen das Licht auszumachen, wahrscheinlich kann man dich sehr gut sehen. Und du dachtest man sieht nur deine sehr coole, sehr rötlich leuchtende Zigarettenspitze und deine wunderschöne Shilouette mit wehendem Walle-Walle-Haar. Die Illusion löst sich in Luft auf. Nur der Schatten nicht. „Halloo!?“ jetzt klingt es etwas dringender, bittender fast schon. Die Stimme scheint männlich, aber du hast keine Ahnung was das für ein Mensch sein soll, du hast kein Gesicht vor Augen. „Jaaah HALLO!“, rufst du zurück und winkst dabei. Du hast keine Ahnung ob der dich verstanden hat.

Ah hey.“, er winkt schon wieder. „Ich bin André.“

Na toll. Jetzt will der auch noch mit dir quatschen. Tu einfach so als hättest du ihn nicht verstanden, redest du dir gut zu.

Du ziehst wieder an deiner Zigarette um den Moment zu umgehen. Das Schweigen ist irgendwie auch doof, so wurdest du nicht erzogen, denn du bist ein höflicher Mensch. Du rufst deinen Namen nach drüben und hoffst dass jetzt nicht jeder weiß wer du bist, das muss ja nun auch nicht sein.

Ich seh´dich öfters da sitzen, du rauchst viel oder!?“

Was wird denn das jetzt? Du hältst Ausschau nach dem gebastelten Papierflieger, welcher römische Zahlen enthält, die dich entlarven. Der spinnt wohl.

Stalkst du mich, oder was!?“, möchtest du am Liebsten rufen. Stattdessen sagst du: „Und!!!???“ „Fall nicht runter!“, so seine Antwort. Nun, das passt jetzt irgendwie nicht so ganz auf die Frage, aber vielleicht ist die Unterhaltung ja somit beendet und es herrscht wieder Ruhe. Leider täuschst du dich.

Du bist hübsch!“, sagt der Schatten, also André.

Ähem…. „Weil du das auch sehen kannst, aus der Entfernung!?“

WAS?“, schreit es zurück, denn die Straßenbahn welche gerade vorüber fährt verschluckt deine Worte.

WEIL DU DAS BESTIMMT AUCH SEHEN KANNST AUS DER ENTFERNUNG!?“ brüllst du nun in seine Richtung.

Wie bescheuert.

Du fragst dich gerade,…..ob der Pillen nimmt.

…….Oder Gras raucht.

…….Oder Vodka trinkt.

…….Oder zu viel Spray schnüffelt.

…….Oder irgendwas anderes schnüffelt.

…….Oder zu viele Filme guckt, die wo Julia auf dem Balkon steht und ihr Haar herunter lässt, na oder so ähnlich.

Hm, aber besoffen klingt der jetzt aber auch nicht wirklich. Und stoned auch nicht, das zumindest meinst du nur, wissen kannst du das nicht.

Ich bin schüchtern, das fällt mir grad ein bisschen schwer.“

WAS!?“, du hast ihn jetzt echt nicht verstanden. „Sorry, aber die Entfernung ist einfach zu groß. Hab das grad akkustisch nicht verstanden.“, schreist du.

Euch trennen bestimmt etwas um die 20Meter, wenn dich deine Schätzung nicht arg trügt.

Soll ich rüber kommen!?“ Ouhkey, jetzt wird’s spooky.

Ähem, NEIN!?“, jetzt gähnst du extra laut, das muss der doch hören. „Ich geh jetzt pennen. Tschüssiiiiee!“

Schlaf schön!“, sagt André und winkt.

Selber.“,rufst du und lässt das Winken bleiben.

Nichtmal in Ruhe rauchen kann man hier.

©Netti

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15 Gedanken zu “Nachts, von Schatten umgeben.

      1. XD walle wallllleeeeee xD. Bist nur neidisch… xD aber da fällt mir sofort „ich einfach unverbesserlich“ ein: oooh mein gott es ist sooooo fllaaaauuuusssccchhhiiggg 😂😂😂

        Kannte das echt nit 😁😂

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      2. Schluss jetzt! Ende. Aus! Ich kenn nur die schwarzen Afros, so mega hoch und lockig und filzig. Die Perrücken. Voll gut. 😉 So Schluss. Die Anderen wollen auch noch Platz für (sinnvollere) Kommentare haben! 😋

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  1. Ich kann mir die Situation so leibhaft vorstellen, Dein genervtes Augenrollen… 😉 Aber selbst diese Geschichte erzählst Du so wunderbar lebendig das man gar nicht anders kann als direkt mitzufühlen… So herrlich! Und Walle Walle Haar kannte ich auch nicht. Aber es passt und ich wusste sofort was Du meinst 😉 Schön wenn das der Fall ist….

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    1. Augenrollen kann ich gut. 😉 Aber auch das Lächeln beherrsche ich, wenn man mich denn lässt. 😬 Schön dass du wieder einmal mehr mitfühlen konntest. Das mag ich so! Wenn ich es tatsächlich schaff.. Das bewegen in Wort und Schrift.😊

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