…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

Wie es begann…………

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft- Es setzt aus. 1/2

 

Noch immer kannst du es einfach nicht fassen, diese Dreistigkeit. Du kannst nicht fassen wie sehr man dir ins Gesicht lügen kann. Sein Bild auf dieser „Liebes“-App. Eindeutig er. Er, der Fotograf. Du kennst ihn, ihn und dieses Bild, was er auch im Whats App zur Schau stellt. Im „Suchfeld“ hast du deine Heimatstadt eingegeben. Von ihm persönlich weißt du, dass er umziehen wollte. Eigentlich. Eigentlich schon seit gestern. Viel mehr seit nun mittlerweile 4 Monaten. Und zwar weg. Weit weg. Weg aus deinem Sichtfeld. Weg von deinem Empfinden. Warum ist er also noch immer hier!? Und warum trifft man ihn in einer sinnlos App, anstatt ihm persönlich gegenüberzustehen, ausversehen. Zu gern hättest du ihm in sein Gesicht gesagt wie sehr erbärmlich du das Ganze findest, ihn, sein Verhalten, seine Unehrlichkeit, sein Auftreten. Zu gern hättest du ihm deine Hand ins Gesicht gedrückt, all deinen Ärger über ihn, der sich nun wieder anstaut in dir drin, wie eine tickende Zeitbombe, Luft gemacht. Aber nein, nein, du siehst nur sein Foto in dieser App, dieser beschissenen App die angeblich Leute vereinen soll, doch sie vereint nicht, sie zerstört und manipuliert, sie (ver)höhnt und vor allem wertet sie ab, den Mensch und die Person anhand eines Profiles, anhand eines Fotos. Du hast nur ein Rückenfoto drin, und eines mit nur einem halben Gesicht. Dein Profil lässt du frei, du möchtest selber entscheiden, wer was von dir erfahren darf, oder ob du überhaupt auch nur ansatzweise etwas von dir preisgeben magst, denn du erinnerst, du willst dich ja nur kurz mal umschauen und ein wenig schreiben, auch wenn du hinsichtlich eines Kennenlernens das persönliche Treffen bevorzugst, schließlich lebst du in keiner virtuellen Welt, in der man nur via Schriftverkehr miteinander kommuniziert. Du möchtest den jenigen welchen gegenüber stehen, im Angesicht zu Angesicht, Fragen stellend und Antworten gebend. Du weißt dass du von dieser App eigentlich nichts erwarten kannst.

Als du dich ein paar Tage von diesem ersten Schrecken erholt hast und du jegliches Wischen, sobald sein Foto aufkreuzte, umgangen bist, folgt sogleich der nächste Schock. Er war auf deinem Profil. Auf deinem Profil, auf dem es nichts zu sehen gibt, außer deine Rückansicht und dein halbes Gesicht. Deine Rückansicht, die er kennt. Dein Gesicht, das er kennt. So nah ist er gewesen, deine Tränen hat er dir aus dem Gesicht gewischt. Das Bild, welches er kennt, weil auch du dies auf deinem WhatsApp Profil spazieren trägst. Dein Herz stoppt wieder kurz, eine Sekunde nur, doch dann plustert es sich auf. Es pumpt, und pumpt sich voll mit Wut und Hass und Unverständiss. Vor allem das. Du könntest platzen jetzt gerade, hat er doch damals so sehr betont dass du ihn nie wieder sehen wirst, du nie wieder auch nur ansatzweise von ihm etwas wirst sehen und hören müssen. Warum? Du fragst dich was das soll, diese Art der Provokation. Du fragst dich was er damit bezwecken möchte. Aber besonders fragst du dich, weshalb er dich anlügt und dich hat so sehr begossen stehen lassen, hinter deiner eigenen Tür, die du ihm vor der Nase zuschlugst. Weshalb hat er nicht einfach eine stinknormale Aussprache gesucht!? Du weißt du hättest damals vollstes Verständnis für ihn aufgebracht, wahrscheinlich noch heute, du wärst ihm nicht einmal böse gewesen. Du hasst nur Unehrlichkeit, ewiges Hoffen und Nichtverstehen. Du magst es nicht dich in einer Schwebe zu befinden, keine Antworten auf all die Fragen in deinem Kopf. Du hättest ihm verziehen wenn er geht, ehrlich und mit erhobenem Haupt, doch nicht aber schleichend und mit Dreck werfend. Du hättest ihm verziehen wenn du Gründe gehabt hättest, die sein Verhalten erklären und dir sagen dass es einfach nicht an dir liegt, sondern an ihm selbst, weil er es ist. Er ist das Problem. Damals wusstest du das aber noch nicht, dieser Prozess hat gedauert bis heute und noch immer kommt es dir vor wie eine minimalistische Art des Schönredens, doch innerlich weißt du, dass er es ist, das Problem und dass er vor allem eines ist: erbärmlich, weil er nicht einmal zu dem stehen kann, was er ist, um daran und damit arbeiten zu können. Stattdessen strotzt er nur so vor Selbstmitleid, das ist dir nun so klar wie der Himmel, wenn es mal nicht regnet und die Sonne strahlend hell am Himmel steht. Er bemitleidet sich Selbst. Wahrscheinlich noch immer. Du kannst jetzt einfach nicht anders.

Du bist geladen. Auf 180. Möchtest Teller zerkloppen. Ihn. Du greifst dein Handy. Suchst seinen Namen bei WhatsApp und tippst wütend: „Du Arsch! Gehts no…“ Nein halt, du löschst. Nochmal.. „Weißte, du bist einfach nur erbär…“ Ach scheiße nee. „Ey! Du Vollhorst! Umgezogen!? Verarschen kann ich mich all…..“ Man! Du fährst dich kurz mal runter, denn du möchtest keinen Krieg, sondern eine Antwort, eine Antwort auf seine Doofheit. Also atmest du tiiiiiief durch, einatmen, ausatmen, hineinatmen in dein YEAH Powerhaus, und wieder ausatmen und dann tippst du völligst entspannt: „….Du gehst auf mein Profil obwohl deine letzte Aussage war: >Du wirst nie wieder was von mir hören und sehen!< Aha!? Ist mir aber gerade nicht so.. Du bist offenbar noch immer in der Stadt!?“ Du rechnest nicht mit einer Antwort, und doch lässt eine Nachricht an dich nicht lange auf sich warten: „Ja. Da muss ich sagen, dass man dich so sieht: Kein Kopf. Weiß ich aber davor nicht, dass es jemand ist, den ich kenne bzw den ich scheiße behandelt habe. Ich gehe demnächst weg. Korrekt.“ Eine schwammig daher geschriebene Aussage, die dir nur noch mehr Unverstädnis einbringt. Aber du belässt es dabei und schickst ihn wieder weg. Freundlich, aber bestimmt: „War ja kein Vorwurf, nur eine Verwunderung, nicht gleich garstig werden..!“ Du musst lachen. Nicht hysterisch sondern kopfschüttelnd, es ist einfach zu lächerlich, wie sehr er im Selbstmitleid versinkt. Dieses Lachen hilft dir, dich loszulösen, von ihm, den Gedanken an ihm und den Momenten die ihr miteinander hattet. Es hilft dir, dich zu befreien, endgültig, von ihm, den Fotografen.

Bevor du deine Spuren dieser App beseitigst, schickst du deine Nummer an einen Mann, der dich nett unterhalten hat, in der Zeit die du da anwesend warst. Sieben Tage lang. Ein Mann welcher zeitintensiv mit dir schrieb. Nett, authentisch, charmant und sehr, sehr humorvoll. Du hast keine Hoffnungen auf irgendwas, aber wenn es sein soll bleibt der Kontakt bestehen, wenn nicht, nicht. Er liest die Nachricht, und dann löschst du dich aus dieser App. Du kehrst ihr den Rücken und ihm, den Fotografen und du lebst einfach dein Leben mit allem was kommt, der Schmerz aus vergangenen Zeiten hat dich stärken lassen, du bist dir selber bewusst und gehst achtsam durchs Leben. Dein Bauchgefühl wird dich in Zukunft rechtzeitig auf Respektlosigkeiten und Fehlverhalten hinweisen. Es werden keine Tränen mehr fließen, denn du stehst da einfach drüber. Du wirst lachen, und weiter gehen, denn du kennst den Weg den du gehen willst, und der Weg ist das Ziel. Dein Ziel.

©Netti

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3 Gedanken zu “…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

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