Eigentlich.

Eigentlich fandest du ihn ziemlich cool.

Eigentlich fandest du ihn echt sympathisch.

Eigentlich war er charmant, witzig, und ehrlich.

Du  hast über seine Witze gelacht, eigentlich waren sie zum Brüllen. Zum Wegschmeißen.

Eigentlich dachtest du: Du und er. Das wird ganz großes Kino. Daumenkino. Wenn man so will. In 3D, vielleicht.

Eigentlich wirkten seine Augen fröhlich und echt, authentisch und interessiert.

Eigentlich hattest du Interesse daran ihn wieder zu sehen.

Eigentlich wolltest du ihn einfach nur kennen lernen.

Eigentlich hat er nur von sich gesprochen, und wenn er etwas fragte hattest du gerade mal zwei Sekunden Zeit um zu antworten. Dann piepste der Timer und er war schon wieder im nächsten Gedanken. Bei sich.

Eigentlich stört dich das nicht. Du hörst gern zu.

Eigentlich hattest du zu Beginn ein gutes Gefühl.

Eigentlich täuscht dich dein Gefühl nie.

Eigentlich gingen sie dir auf die Nerven, seine Nachrichten, die immer nur von sich sprachen. Eine nach der Anderen. Mit Halbherzigkeiten um sich werfend.

Eigentlich hast du nicht darauf gehofft, dass er nochmal fragen wird, nach einem Treffen, denn nach drei Tagen war das Gefühl schon kein gutes mehr. Von sich aus fragte er nicht.

Eigentlich merkst du wenn etwas komisch ist. Man hat dann einen Instikt, und der meldet sich zu Wort, eigentlich.

Eigentlich weißt du dass es nichts bringt sich Sachen schön zu reden, sich zu entschuldigen, für ihn, sich Entschuldigungen auszudenken, die sein Verhalten entschuldigen.

Er ist bestimmt krank.

Hat viel zu tun. Einfach keine Zeit für dich.

Er ist verreist. 

Oder armamputiert, deswegen kann er keine Nachrichten mehr tippen.

Er hat seine Stimme verloren, weswegen er auch nicht anrufen kann, und auch das Handy ist verloren, er hat es beim Kacken in der Toilettenschüssel versenkt und ausversehen runter gespült, zusammen mit dem Dünnschiss, den er immer schrieb. An dich.

Oder er ist gestorben.

Eigentlich ist er das auch. Für dich.

Du schaust im WhatsApp nach ob er online ist. Aber eigentlich siehst du das ja eh nicht, du hast diesen Stalkingscheiß abgestellt. Trotzdem siehst du dass er gerade online ist. Und dann siehst du plötzlich nichts mehr.

Eigentlich. Denn sein Bild siehst du noch immer. Affig irgendwie, dieses Bild. Aber eigentlich ist es das nicht.

Eigentlich geht dir das total auf die Nerven, das WhatsApp, dieser Typ, die Gedanken.

Eigentlich regt dich das nur so auf, weil der nicht mehr halbherzigen Müll schreibt, noch vor drei Tagen hatte er ganz ausversehen zwei falsche Socken an, eine war grün gepunktet, die andere blau gestreift, besser halbherzig als gar nichts, eigentlich, denkst du dir.

Aber eigentlich ist das auch wieder scheiße, denn halbherzig ist nur so halb und halb und nicht ganz und eigentlich ist das ganz schön blöd.

Eigentlich ist es an der Zeit die Nummer zu löschen. Also löschst du sie. (Nicht ohne sie dir vorher zu notieren, denn eigentlich hoffst glaubst du dass du sie nochmal wirst brauchen können.)

Eigentlich fühlt sich das echt gut an. Du bist sowas von konsequent und so sehr taff. Wahnsinn.

Trotzdem schaust du auf dein Telefon und wunderst dich, was das alles sollte, denn eigentlich war das so nicht geplant.

Aber du bist froh, dass du ihn los bist. 

Eigentlich.


©Netti

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23 Gedanken zu “Eigentlich.

  1. Ach Netti, ich könnte mir diesen Text ausdrucken und an den Kühlschrank hängen, so bekannt kommt mir das alles vor. Kopien für die Hälfte meiner Freundinnen machen und wissen, dass ihnen das nicht unbekannt ist.
    Das letzte „eigentlich“ ist das wichtigste. 😘
    Sehr schön geschrieben. Ich mags! Zeit für Sternschnuppen Nächte. Denn eigentlich sollten wir keine Nummern mehr löschen müssen.

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    1. Mitzi! Wenn du wüsstest wie sehr laut und polternd ich gerade Aaaaaaw heraus jubiliere. Mein Text an deinem Kühlschrank, und im Umlauf an deine Freunde, das wäre das wohl größte für mich, denn du weißt wie sehr ich deine Beiträge liebe. Und dass dir dieser Text gefällt und du dich damit identifizieren kannst, weil es nicht unbekannt ist, freut mich rießig, deine Meinung bedeutet mir dolle viel! Und der letzte Absatz, da kam der Kloß und beinahe Freudetränen, weil dass was du da sagtest einfach Zucker war! Und mich das zutiefst rührte! Ich danke dir von Herzen!!!😘

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    2. …Achso.. Und die Schnuppis, die lassen sich hoffentlich bald mal sehen, denn bisher seh ich nur Wolken und Wolken, nix klares, nix was einen Schweif hinter sich herzieht, nichts was ein „Oohr! Eine Schnuppe!“, schreien lässt. Aber das ist auch ganz cool, so bleibt noch ein bissal Zeit mit der systematischen Wunschliste. Nicht dass ich im Moment des Sternschnuppenregens versehentlich an Schnee denke und dann schneit es keine Schnuppis sondern kalte Flocken und vor der Tür steht Typ der dann klingelt weils draußen zu kalt ist, der bringt dann all die Kälte mit in die Hütte rein, aber es ist nicht der doofe Prinz mit seinem beschissenen Gaul. Es ist Väterchen Frost, nur ohne Geschenke. Ich feile mal an der Wunschliste.😂

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      1. Wenn die Wolken bleiben, dann ist es vielleicht auch nicht schlimm. Sie sind ja da die Sternschnuppen – ob wir sie nun sehen oder nicht.
        Den Bofrost-Mann bräuchte ich auch nicht vor der Tür 😂 Formulier mal lieber vorsichtig und detailliert. 😉

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  2. Nicht umsonst ist „eigentlich“ ein Wort, welches in meinem Sprachgebrauch ziemlich häufig auftaucht. Auch, wenn ich es lieber für ewig streichen würde. Denn „eigentlich“ lässt immer alles offen. Für Hoffnungen und Zweifel. Und machmal kann man das gar nicht gebrauchen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Oh ja! „Eigentlich“ ist fast so bescheuert wie „vielleicht“! Vielleicht mach ich da auch noch nen Beitrag draus. Danke für die Gedankenstütze!!😬 Und herzlichen Dank fürs Lesen. Eigentlich hat (ich erwähnte es schon in einem anderen Kommentar) „eigentlich“ keine andere Bedeutung als „in Wahrheit“. Und die Wahrheit ist ja (eigentlich) klar definiert, warum man es dennoch in Frage stellt-keine Ahnung, denn das eigentlich klingt im Nachhall tatsächlich zweifelnd. Darüber habe auch nachdenken müssen als der Text beendet war. 😅 Darf ich dich fragen in welchem Kontext du diesen Begriff gebrauchst? 😀

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      1. Ich gebrauche es immer, wenn ich mir unsicher bin. Etwas nicht endgültig festlegen möchte. „Eigentlich war das doch so und so.“ „Eigentlich möchte ich heute mein Zimmer aufräumen.“ Oftmals ist „eigentlich“ ein Zeichen der indirekten Nachfrage bei mir.

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  3. Eigentlich ist das unnötigste Bindewort – ever!. Denn eigentlich, du lenkst davon ab und gehst voll „darauf zu“. Stylstik, Bindewort ? Mein Pc, hat so eigentlich erstmal nur den ersten Satz geladen – und ich war so voll dabei.
    Danke für das nahe, eigentliche – „dabei-sein“.
    Und es ist, wie immer ?

    Auf jedenfall hat mir der Beitrag gefallen.

    Hier etwas auf die Ohren!

    Gefällt 2 Personen

    1. Da hast du Recht, denn eigentlich ist dieses Wort absolut unsinnig, auch wenn es (eigentlich) nichts Anderes als „in Wahrheit“ bedeutet. Aber wer sagt das denn schon. Eigentlich klingt das viel cooler wenn man sagt: „Eigentlich hätte ich total Lust auf Geschlechtsverkehr“, denn sagt man „In Wahrheit hätte ich total Lust auf Geschlechtsverkehr.“, möchte man sich einfach nur an den Schädel greifen und mit den Augen rollern. Eigentlich bescheuert.😂 Danke Für’s Lesen! 🙂 Freut mich sehr dass der Beitrag gefällt!🙃

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    1. Ihr seid alle so Zucker! Ein „eigentlich“ in einem Kommentar einzufügen, zeigt mir, wie sehr ihr verstanden und genossen habt was ihr lest. Das freut mich enorm!!!! Danke dass der Text speziell dir gefallen hat. Und jah! Ja, und ja! Recht hast du, ganz schön dolle, wollte man ihm doch eigentlich zuvorkommen. Blöd! Drück dich!😀

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  4. Deja-vu… Du hast mich grad sehr an die Nina vor einigen Jahren erinnert… ☺️🙈🙈
    Eigentlich hast du jemanden verdient, bei dem du dir diese Fragen gar nicht erst stellen musst. Halt, streiche das Wort „eigentlich“. Du hast jemanden verdient, bei dem du dir nie wieder solche Fragen stellst. Weil er dich liebt. Durch und durch. Bis ins kleinste Detail. Und für immer 😃

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  5. in dem moment, in dem man eigentlich sagen muss, ist eigentlich der moment, die nummer zu löschen, wegzuwerfen und zu vergessen 🙂 ich bin übrigens ein bisschen stolz auf dich, es klingt mir, als hättest du aus der sache mit dem fotografen eigentlich etwas sehr gutes mitgenommen (dass du mehr wert bist als ein eigentlich!)

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    1. Ich hab tatsächlich was gelernt. Dass es eigentlich nicht lohnt zu warten. Weil sonst kostbare Zeit verstreicht. Das Leben ist so wertvoll, zu schade um seine Zeit mit Unsinn zu vergeuden. Unsinnige Gedanken. Unsinniges Hoffen. Unsinniges Warten. Egal ob einsam oder zweisam, eigentlich, das Leben kann jeden Moment vorbei sein..

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      1. es ist schwer umzusetzen, aber definitiv die wahrheit. man sollte im grunde IMMER auf sein bauchgefühl hören (und nicht nur eigentlich). denn das trügt uns normalerweise nicht und kennt schon lange die wahrheit, bevor wir sie akzeptieren wollen.

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