Zwischen Illusion und Wirklichkeit.

Da kommt plötzlich einer daher, der lange, lange nachtragend war. Damals hast du ihn versetzt. Zu Recht, du wolltest ihn in die Schranken weisen. Denn nur wer Potter heißt, darf sich nicht gleich automatisch scheiße benehmen. Zuletzt war der Respekt eher etwas karg ausgeprägt. Blieben nur seine eigenen Waffen, die, von dir angewandt, etwas anrichten konnten. Es wäre eure dritte Verabredung gewesen. Irgendwann hatte er sich mal wieder eingekriegt. Er lobte deine Haare auf deinem Whatsapp Bild, du befandest seine als eher nicht so cool, weil einfach zu lang. Er trägt Dutt. So wie du. Wobei.. Sagt man auch bei Männern Dutt? Oder nennt sich das dann irgendwie anders!? Immer mal wieder sind es nur diese kurzen Austausch-Worte welche sich auf eure Bilder beziehen. Kein zusätzlicher Smalltalk, nichts. Für beide völlig okay.

Damals zerrte er dich auf die Bühne. Der Magier und Illusionist kurzum: Potter. Du kanntest ihn nicht. Bewundertest ihn nur heimlich aus der Zuschauermasse. Der Lichtkegel zeigte auf dich und dir schwante bitterböses. Du machtest dich so klein im Sitz wie irgend möglich. Er kam zu dir. Blieb stehen. Und nahm deine Hand. „Nee jetzt oder!?“, dachtest du und sagtest es laut. Potter hatte Großes mit dir vor, und du machtest dich richtig schön zur Feile. Du standest ihm auf der Bühne gegenüber, hattest keine Lust darauf, warst angespannt und genervt von dem Präsentierteller auf welchem du dich soeben zwangsläufig befandest. Sanft nahm er deine Hände und hielt sie fest. Er erzählte dir was gleich deine Aufgabe sei und er befahl dir deine Augen zu schließen. Du warst zu ungeduldig. Schautest. Und auch er schaute. Deine Augen. So blau. Seine Augen. So schwarz. Ihr ward euch so nah. „Schließ deine Augen!“, befahl er grinsend. Du gehorchtest, konzentriertest dich auf seine unsinnig mystischen Worte die er nun erzählte. Dann plötzlich überkam es dich, dieser Lacher, der sich die ganze Zeit schon in deinem Bauch wandt und kringelte, es platzte aus dir heraus, zu blöd war dir dieses Gezaubere, so ein Quatsch, aber eigentlich warst  du einfach nur nervös. Du hast so sehr laut und herzlich gelacht, dass die Tränen liefen, und du die Nase hochziehen musstest. Das Puplikum grölte vor lachen und fiel beinahe von den Sitzen, so lustig fanden sie dich, hahah. Alles wieherte und niemand konnte sich beruhigen, auch du nicht, dabei wusstest du nicht einmal warum. Der Magier, also Potter, versuchte das ganz clever zu umschiffen: „Ich weiß ja nicht was Sie gerade für Fantasien haben, aber..“

Applaus Applaus.

Froh warst du als sein Trick für welchen er dich „missbrauchte“ beendet war und du wieder auf deinen Platz durftest. Er führte dich, Hand in Hand, an all den fremden Gesichtern vorbei. Alberner Schmarrn. Aber irgendwie fandest du das toll. Deine damalige Chefin meinte Amor spielen zu müssen und in deiner Gleichgültigkeit hast du sie einfach machen lassen. „Wir finden ihn für Sie! Ich weiß wie er heißt! Ihr ward so süß!“ Sie hinterließ im Saal deine Nummer an ihn, Potter. 

Keine drei Tage später schrieb er. Und ihr habt euch bald getroffen, da er nicht mehr lang in der Stadt gewesen wäre. Ein schönes Treffen was in einem Desaster endete. Beidseitig. Der Kontakt danach blieb schwammig, beiderseits. Trotzdem habt ihr euch längere Zeit später nochmal getroffen. Ein lustiges zweites Treffen, mit einem noch immer sympathischen Mann. Aber eigentlich wusstest du nie wann er seine Kunst der Manipulation anzuwenden versuchte. Dennoch: Dieses Treffen kein Desaster, auch wenn er inzwischen Dutt trug. Ein bisschen was trinken, quatschen und Küssen. Dann Abschied. Er hielt deinen Schirm. Es regnete in Strömen. Ein Abschiedskuss, innig und heiß, auf bald, vielleicht. Beinahe vier Jahre sind vergangen.

Ich will dich treffen. Schreibt er.

Ich will dich küssen. Schreibt er. Du küsst so gut.

Deine Küsse schmecken immerzu nach mehr! Schreibt er.

Letzteres winkst du ab, die Gründe hierfür kennt er bereits vom ersten Treffen. Trotzdem interessiert er dich noch immer ein bisschen, der Mann außerhalb der Bühne, der Mann, welcher kein Scheinwerferlicht auf sich spürt. Der Mann mit seiner Anziehungskraft, seinem wunderbar bayrischen Dialekt und dem Charme, dem Humor und seinem Mund, der so gut küsst. Eigentlich ist er absolut nicht dein Typ. Eigentlich hat er alles was du eher nicht so sehr magst, z.T. optisch, wie innerlich. Und doch hat er was, was du einfach nicht benennen kannst.

Auf bald, Potter. Und lass doch bitte diesmal den Käse nicht einfach so verschwinden, mit diesem einen Wisch! (Wo war der denn nur abgeblieben, der Käsewürfel!? Blödsinn!) Käse ist zum Essen da!

©Netti

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4 Gedanken zu “Zwischen Illusion und Wirklichkeit.

  1. Hach, einfach herrlich komisch. Nicht einmal habe ich beim Lesen lachen müssen. Einmal, noch als Kind, wurde ich auch auf so eine Bühne gezerrt. Ich wollte es wirklich nicht und ließ den Clown an mir zerren, bleib aber im Stuhl sitzen. Manchmal möchte man einfach diesen Präsentierteller nicht. Also ich hoffe nichtsdestotrotz auf eine Fortsetzung und auf noch mehr Lacher! 🙂

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