Yunāchen.

„Riku, wie ist nochmal die Legende um Yunāchen und das Licht?“, frage ich.

Er seufzt, holt Luft und beginnt zu erzählen: 

>>Yunā, ein kleines sechsjähriges Mädchen, kam durch einen Brand ums Leben. Der Winter war hart und frostig. Die Eltern stellten ein paar Kerzen in der Holzhütte auf, damit sie sich an den Flammen wärmen konnten. Zusätzlich trugen sie alte, gammlige Decken um die Leiber. Die Eltern waren erschöpft vor Kälte und schliefen irgendwann ein. Yunā spielte mit dem Feuer, sie wärmte ihre Hände über der Flamme einer großen Kerze. Tränen liefen ihr über die Wange und sie schluchzte, denn es war ihr so entsetzlich kalt. Sie stieß gegen die Kerzen und die Decke fing Feuer. Schnell verteilte es sich im Raum. Das Mädchen schluchzte noch mehr und schrie nach Mama und Papa. Doch die Eltern wurden nicht wach. Erst durch den Brandgeruch wurden sie munter, doch da erlag das Mädchen schon einer Rauchvergiftung. Sie konnten nichts mehr für Yunā tun. Seitdem hört man sie noch immer qualvoll schluchzen, wenn man im KerzenLichtschein umgeben von völliger Finsternis ihren Namen ausspricht. Manchmal soll man sie auch sehen können. Ihr verweintes Gesicht. Narben und Brandmale auf ihrer verkohlten Haut. Sie kann keinen Frieden finden, denn ihre Eltern hatten ihre Rufe und das Schluchzen einfach nicht erhört.<<

„Yunāchen, bist du hier!?“

Wir sitzen im Schneidersitz vor diesem Brett. Aber eigentlich ist es kein Brett. Vielmehr sind es einzelne weiße Kärtchen, beschrieben mit Buchstaben und Zahlen. Das Alphabet und die Zahlen von 0-9 liegen im Kreis um den Tisch herum. Rechts und links das Wort Ja und Nein. 

„Yunāchen gib mir ein Zeichen!“ 

Es ist ein bisschen klamm, so als stünde im Raum der Nebel und verteile sich an der Decke. In der Mitte des Tisches befindet sich ein zierliches Glas, was sich auf dem Holztisch gut bewegen lässt. Neben uns sind zwei brennende Kerzen verteilt. Sie geben nur spärliches Licht. Unheimliche Schatten werden an die Decke geworfen. Wir schauen in die Flammen während unsere Finger das Glas berühren. Doch bisher rührt sich nichts.

„Hey du musst schon ein bisschen mehr Tiefe in die Stimme legen und Glaube in dem was du sagst.“ Riku macht es vor.

„Yunā , möchtest du dich mit uns unterhalten?“ 

Wir halten den Atem an. In der Stille unsere klopfenden Herzen. Die Kerzenflamme beginnt zu flackern, es entstehen tanzende Schatten an der Wand. 

Riku lacht sein tiefes Lachen. „Du hättest dein Gesicht sehen sollen. Das sah einfach zu bescheuert aus.“

„Halt die Klappe du Idiot und hör auf mich zu verarschen.“

Die Tür kracht mit einem lauten Knall ins Schloss, sodass der Raum erzittert. 

„Was…!?“ Wir springen gleichzeitig auf, das Herz was bis zum Hals schlägt. Riku schaut mich aus großen Augen an. Darin erkenne ich soetwas wie Panik. Ich muss schlucken. Wir sind allein in diesem Raum. Eigentlich. Denn während sich unsere Köpfe zum Tisch bewegen ist die Botschaft, die wir erkennen, unmissverständlich.

Die Buchstaben haben einen Satz gebildet und liegen mittig auf dem Tisch. 

                  ~Mir ist kalt~




©Netti

Advertisements

11 Gedanken zu “Yunāchen.

    1. Frei erfunden. Danke dir lieber Markus. Ich find Legenden ziemlich interessant. Könnte mir sogar vorstellen dass sich diese so oder ähnlich tatsächlich schon mal zugetragen haben könnte.. 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s