HerzSchrumpeln 1/2

Es war einmal ein Mädchen. Sie glaubte an die Liebe, auch wenn sie keine Ahnung hatte wie man diese definiert, kannte sie doch nur die Schreie und das Schweigen der Eltern, was folgte, nach einem Streit. Sie fragte sich wieso. So oft wusste sie nicht wie so etwas die große Liebe sein konnte. Dieses Wort verstand sie nicht, egal wie oft sie ihre Blicke im Duden unter dem L umherschweifen ließ. Sie fragte, egal wen sie traf, sie fragte nach der Liebe. Was das ist die Liebe. Und wie man sie bemerkt. Durch Schweigen etwa!? Sie mochte die Liebe nicht, wenn sie keine Antworten geben konnte. Sie fand die Liebe scheiße. Das Mädchen sehnte sich nach Sicherheit und ein bisschen heile Welt. Also schuf sie sich eine Bude aus Wörtern und Schriften, und so erzählte sie sich in eine eigene Welt. Voller Hoffnung und Zuversicht.

Sie ward größer und reifer und noch immer war ihr die Liebe fremd. Sie tauschte den Duden gegen Google und Wikipedia, sie las und las, aber begreifen konnte sie nicht.

Das Mädchen traf sich mit jungen Männern und schenkte denen ihr Herz, verschenkte es ohne es ordentlich zu verpacken. Kein Geschenkpapier. Kein Schleifenband. Sie hielt das rohe, schlagende und pulsierende Herz in den Händen. Die Männer erschraken und nahmen reißaus. Natürlich verstand sie nicht. Sie schenkte ihr Herz. Das ist es doch, die Liebe, das nennt sich doch verliebt, dem war sie sich sicher.

Immer wieder verschenkte sie ihr rohes Herz und wunderte sich über die Kälte die sie empfing. Sie kam einfach nicht dahinter. Die Kälte ließ sie frösteln und zittern, so derbe bis ihr der ziehende Schmerz die Tränen in die Augen trieb. Also musste sie etwas ändern, um nicht zu erfrieren und ihr kam eine Idee.

Sie klebte ein wenig Fell direkt um ihr kleines Herz, das sollte sie vor der Kälte schützen, so dachte sie. Doch mit der Zeit wurde das Fell immer dünner und die Kälte berührte es erneut. Zitternd schlugen ihre Zähne aufeinander und sie verlor an Gewicht.

Ihre hagere Gestalt schwebte durch die Zeit und traf nicht auf die Liebe sondern auf die Angst. Ihr Herz zerschrumpelte zu einer Rosine, denn wie sollte es sich nähren, wo doch in Kälte nichts gedeihen konnte!?

©Netti

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13 Gedanken zu “HerzSchrumpeln 1/2

  1. Kai

    Oh das ist heftig.
    Aber gerade in Häusern aus Worten und Schriften findet man sich heraus, was Liebe ist in all ihrer Tragweite, den Spielarten, Perversionen (wenn es sowas gibt) und vielleicht chemisch.

    Und manche Menschen mögen Rosinen, wollte ich ganz unsachlich und -passend anmerken 😉
    Ein schönes Wochenende!

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      1. Kai

        Ich mag Rosinen. Also metaphorisch gesehen vielleicht nicht unbedingt so sehr, dass ich sie in der Hand halten möchte bis wieder Trauben daraus werden aber genug, um sie zu essen (- nicht-metaphorisch!!!)!

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    1. Mitzi, ganz lieben Dank für deine Begeisterung zu diesem Text. Der hat sich sozusagen von Selbst geschrieben. Ein wahrlich trauriger Text von einem Mädchen dass mit der Kälte vorlieb nehmen muss. Eine Umarmung zurück, und ein herzlicher Gruß.

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  2. Und dann nahm sie den ganzen Schmerz, den ganzen Kummer, die ganzen schlechten Erfahrungen und wertete sie als diese. Nicht als Misserfolg sondern als Weg dahin zu gehen wo sie hin wollte. Als Erkenntnis, als wundervolle Berührung mit dem Leben. Das Stichwort heißt Akzeptanz. Trauer, Verzweiflung und auch Wut klopfen an deine Tür – lass sie hineinretten, lass sie da sein. Nur wenn du ihnen kein Gehör verschaffst, nur dann werden sie dich einnehmen. Es ist kein leichter Weg aber es könnte einer sein den man zum Leben dazu zählt.

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  3. liebe netti, das ist so traurig. aber herzen sind stärker als man oft glaubt und die liebe kann man nicht erklären und acuh nicht verstehen, das ist ihre natur. sie wird zu dir kommen wenn du dich nicht vor ihr verschließt. alles liebe für dich!

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