Hab kurz an dich gedacht.

Du musstest sie füllen, diese Leere in dir, die Wut und den Drang ihm zu schreiben, denn das hätte gar nichts gebracht.

Deine Gedanken schweiften also urplötzlich um zu ihm, den Fotografen, immer mal wieder taucht ein Bild von ihm auf, platziert sich in deinem Kopf. Lang ist es her. So richtige Wut ihm gegenüber hast du nie empfunden, nur unendliche Traurigkeit darüber, wie das mit ihm und dir letztendlich ausging. Heute könnte dein Verständnis ihm gegenüber größer nicht sein. Du kannst dich in ihn reinfühlen, weißt nun wie er sich fühlte damals, wie es ihm ging. Auch du warst und bist in einer ähnlichen Situation. Dir ist klar geworden, dass man manchmal nichts für sein Handeln kann, wenn der Kopf eine Sprache spricht, die man selber nicht versteht. Trotzdem hättest du dir gewünscht, dass er sich dir anvertraut, aber er konnte nicht, das verstehst du, immerhin kannte er dich nicht gut, verlor das Vertrauen in die Menschen und letztendlich Sich selbst. Du denkst an ihn, und musst ihm folgen diesem Impuls, denn dich interessiert gerade sehr wie es ihm geht, was er so macht, ob alles gut ist bei ihm. Du schreibst und schickst ab, ohne zu bereuen. Du erwartest nichts. Kurze Zeit später eine Antwort, von ihm, den Fotografen. Er sei überrascht, dich zu lesen, er dachte er höre nie wieder etwas von dir. Kurz bist du verwirrt über diese Aussage. War es eine Frage mit einem Punkt, oder eine versteckte Anschuldigung, ein verstecktes Ausrufezeichen, was eigentlich meint: „Du solltest doch nicht..!“ Dein kurzes Unbehagen darüber verdrängst du und siehst es als das an was es ist: Eine schlichte, harmlose Feststellung ohne Unterton. Du hast so viele Fragen und endlich darfst du wissen wie es ihm geht, du bist froh zu hören dass seine Nachricht so positiv ausfällt. Es geht ihm gut! Ziemlich gut! Ihr sprecht nicht über das Vergangene, es ist vergangen gehört nicht mehr ins Hier und Jetzt. Er möchte viel wissen von dir, klingt ehrlich interessiert. Du erzählst nur die die halbe Wahrheit. Es geht dir ja gut, vergangenes muss er nicht wissen, du hättest Angst, dass er sich sonst zu viele Gedanken macht, als Kopfmensch so wie du weißt, möchtest du nicht riskieren ihn runterzuziehen. Es ist vorbei.

Seine Entschuldigung überrascht dich. Und es ist schön, dass ihr die alte Wunde heilen lassen könnt. Auch wenn du nie böse warst, nur ein bisschen verletzt über seinen Abgang bist du froh, dass er einsichtig ist. Du nimmst seine Entschuldigung an, was ihn freut. 

Schade, dass nicht alles was kein positives Ende nahm in deinem Leben, wieder gut gemacht  werden kann. Es gehören zwei einsichtige Parteien dazu, aber leider gibt es die nicht immer. Oftmals kam man dir im Falle einer Aussprache mit Pöpeleien, Ignoranz oder Feigheit. Aber es ist dir wichtig dass du zumindest versucht hast das was war aus der Welt zu schaffen, damit die Wogen geglättet, und Altlasten abgewurfen werden konnten. Auch wenn es in diesem Fall keine Aussprache war, die der Fotograf mit dir führte, bat er dich um Vergebung. Und dass du diese auch Annehmen konntest bedeutet dir so unglaublich viel. 

Nach dieser Konversation per WhatsApp fühltest du dich ein Stück weit entlastet. Es würde das Leben so viel leichter machen, wenn wir öfters den Mut hätten um Verzeihung zu bitten und vergeben könnten, auch wenn man sich nicht sofort dazu in der Lage sieht, bleibt es einem Selbst doch frei zu entscheiden wann es möglich ist. 

Schade, dass nicht alle so viel Größe besitzen. Der Fotograf hat dir hiermit erneut bewiesen dass er ein Herz hat, auch wenn er selbst es damals nicht mehr spüren konnte. Du bist froh, dass du dich nicht in ihm getäuscht hast und dein Menschenverstand zumindest einmal im Leben seinen gesunden Dienst erwies.

Gehab dich wohl, lieber Fotograf.

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