Eine Zugfahrt die ist lustig.

Der Zug fährt ein mit quietchenden Reifen. (oder Bremsen?) Ich hasse dieses Geräusch. Da rollen sich mir die Zehennägel ein. Und mir geht das Messer in der Tasche auf. Und.. na auf jeden Fall ist es ekelhaft. Menschen quetschen sich aus dem Zug und ich frage mich ernsthaft wie viele Leute eigentlich in so einen IC passen? Ob die sich stapeln mussten? Hoffentlich muss ich mich nicht auch gleich stapeln. Genervt rolle ich mit meinem viel zu großen Koffer zum Einstieg, während mich jemand anrempelt. Samma. Hackts!? Schon jetzt habe ich die Schnauze voll. Ich hasse Menschen. 

Nun endlich hebe ich meinen wuchtigen, viel zu schweren Koffer in den Zug und rolle ihn vor mich her. >Sitzplatz. Sitzplatz. Verdammt ich möchte sitzen.<, innerlich fluche ich vor mich hin. Logisch, wie nicht anders zu erwarten, der Zug ist gerammelte voll und ich habe alles, nur keine Sitzplatzreservierung. Danke Schwesterherz. Beim nächsten Mal höre ich lieber auf meine Intuition, nicht auf deine. Ostern. Ich hasse Ostern.

Der Zug fährt los und irgendwie stehe ich und komme nicht voran. >Sind die denn alle bescheuert?<, denke ich mir und könnte kotzen. Schwitzend und triefend stehe ich irgendwo im Gang und es geht einfach nicht vorwärts. Hinter und neben mir quengeln Kinder, ein anderes schreit. Ich hasse Kinder. 

>Spitzenmäßig. Das kann ja eine wundervolle Zugfahrt werden. Stehend bis München.< Nun bin ich auf alles gefasst und wappne mich für das was mir bevorsteht. Erstaunlicher Weise geht es nach einer gefühlten Stunde, obwohl nur zehn Minuten, endlich weiter. Die Menschenmasse vor mir bewegt sich und gibt den Weg durch die Gänge frei. Langsam rollt der Koffer mit mir voran und meine Augen blicken suchend um sich. Aber nein. Kein Sitzplatz. Als ich vor dem Scheißhaus stehe stoppt die Schlange. Na toll. Genervt schiebe ich meinen Rollkoffer ein wenig zur Seite, damit die Idioten nicht drüber stürzen und lasse meinen Hintern auf die Treppen der Ausstiegstüren plumpsen. Nun meldet sich auch mein Magen zu Wort und er knurrt erbärmlich vor sich hin. Seufzend krame ich mein Lunchpaket hervor und fange an zu essen, während sich just in dem Moment die Tür zum Scheißhaus öffnet. >Kackfahrt!<, denke ich und sehne mich nach einem Platz zum Sitzen, damit ich in Ruhe mein Buch lesen kann. Der Traum zerplatzt vor meinem inneren Auge, wie ein Luftballon wenn Kleinkinder mit Karacho draufspringen, und dann heulen weil der Knall zu laut ist. Immermal wieder weht dieser unglaublich frische und leckere Duft aus der WC Kabine zu mir rüber, während Leute kommen und gehen. 

Eine Stunde ist bereits vergangen, als der Schaffner vor mir stehen bleibt. >>Fahrkahrten bitte.<< Suchend krame ich in meiner Tasche rum und reiche ihm diese, ohne etwas zu sagen, auf Konversation habe ich keine Lust. Und Luft habe ich auch nicht, denn inzwischen ist der Muff im kleinen Gang noch intensiver. Die stickige Luft wird von zwei weiteren Leuten weggeatmet, welche sich mir gegenüber hocken. Auch sie wirken genervt. Die blöde Zwischentür direkt vor mir geht permanet auf und zu, weil Leute zur Toilette müssen, oder sich die Beine vertreten möchten. Gelangweilt beobachte ich das Auf und Zu der Türen und bemerke einen Mann dessen Blicke ich auf mir spüre. Die Schiebetür geht wieder zu. >Ähm!?<, mich wundernd greife ich zum Spiegel und schaue vorsichtig in mein ungeschminktes Gesicht. Durch die Fenster der Schiebetür spüre ich noch immer diesen fremden Blick auf mir. Wieder schaue ich in den Spiegel. Einzelne Fusseln meines Haares stehen vom Kopf ab. Mein Dutt beginnt sich langsam aufzulösen. Müde Strähnen hängen in mein Gesicht. Der Mund ein genervter Strich. Wieder das Auf -huch- jetzt bleibt sie länger auf, und oha, der Mann schaut immer noch. Er lächelt. Lächelt er zu mir? Ich schaue nach, ob er vielleicht jemand anderes gemeint haben könnte, aber nein, die zwei Mädels die hier hocken sind nicht in seiner Sichtweite. Zaghaft lächle ich zurück. Und weil ich sonst nichts anderes zu tun habe -es ist mir zu blöd hier vor dem Scheißhaus mein Buch zu lesen-, lächeln wir uns an, sobald die Tür sich öffnet, um sich wieder zu schließen. 

Dümmlich geht unser Lächeln in ein Grinsen über, manchmal tauschen wir uns auch mitleidvolle Blicke aus. Wenigstens habe ich jetzt etwas zu tun. Inzwischen habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Wieder öffnet sich die Tür. Diesmal gehen keine Leute vorüber, doch der junge Mann von hinter dem Glas blickt lächelnd zu mir herunter und im Gehen sagt er etwas. Was er sagt kann ich leider nicht verstehen. Warum eigentlich? 

Fasziniert beobachte ich seinen ziemlich schönen Mund. Und dann schaue ich in seine dunkelbraunen Augen. Oder schwarz? Gibt es schwarze Augen? Seine braunen Haare, wahrscheinlich bin ich farbenblind, sie schimmern auch ein bisschen schwarz, hängen ihm seitlich über die Stirn. Neidisch blicke ich auf seine schwarze Lederjacke. Saucool! Ob die mir auch stehen würde? Dann ist der Moment vorüber und die Lederjacke mit dem Mann verschwunden. Blöd. 

Etwas traurig nun keinen Zeitvertreib mit albernem Grinsen mehr zu haben, beobachte ich die Mädchen die mit mir diesen Raum teilen. Die beiden zeigen sich ihre Telefone und lachen über irgendwas. Auch ich überlege mir mein Telefon aus der Tasche zu kramen um über irgendwas zu lachen, doch stattdessen stehe ich auf und schaue durch die Glasscheiben der Schiebetür. Gerade sehe ich noch wie seine Jacke aus dem Abteil verschwindet. >Soll ich ihm hinterherlaufen?<, frage ich mich und blicke auf meinen viel zu großen, grasgrünen Rollkoffer herab.

©Netti

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7 Gedanken zu “Eine Zugfahrt die ist lustig.

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