Was ist wenn du es bist?

Wenn es an meiner Tür klingelt, schrecke ich hoch, denn in meinen Gedanken stehst du davor und du drückst den Knopf meiner Türklingel so sehr durch, dass ein Schellen bis zu mir dringt. Ich kann dich sehen, obwohl ich es nicht kann, doch in meinen Gedanken stehst du vor meiner Tür, mit einem Blumenstrauß in deiner Hand, rote Rosen vielleicht und ein kleines bisschen grün dazwischen. Ich weiß nicht ob ich dir öffnen soll, denn deinen Gesichtsausdruck kann ich nicht erkennen, aber ich erkenne den meinen der von geschockt bis nervös und traurig aber auch dankbar und glücklich zugleich reicht. Und dazwischen ist da noch so viel mehr. Die Angst ob du noch der bist der du mal warst als es kein wir gab, aber ein du und ein ich. Und ein Empfinden dass so vieles versprach aber nicht halten konnte, denn es gab nur ein one way Ticket und ein Abschied der sich still und heimlich für dich und für mich alleine abspielte. Wenn es an meiner Tür klingelt schrecke ich hoch. Was ist wenn du es bist?

Plötzlich sehe ich dich überall ohne dich zu sehen, und ich schrecke hoch, denn in meinen Gedanken und in meinem Kopf zeigen sich mir Bilder, wie du in deinem Auto vor mir vorüber fährst. Und vorbei fährst, ohne zu gucken. Und ich sehe dich bei der Arbeit und verwechsle dich mit den Kunden und spreche dich beinahe an mit deinem Namen, ohne zu wissen ob du es bist. Dass du es nicht bist bemerke ich erst nach einer gefühlten Ewigkeit, es ist dann so, als ob die Zeit stehen bliebe, das Herz setzt kurz aus, kein Pumpen, nur Stille. Nichts bewegt sich. Und dann realisiere ich, dass du es nicht bist, natürlich nicht, dass du nur meiner Fantasie entsprungen bist, meinen überreizten Gedanken und meinem Kopf, der weiß, der inzwischen weiß. Du müsstest zurück sein. Du müsstest eigentlich zurück sein. Und du bist zurück. Das sehe ich wenn du online bist, auch wenn ich es eigentlich nicht sehen kann, ein Jahr lang sah ich dich nicht einmal online, Zeitverschiebung und so.

Nun bist du online. Und ich schrecke hoch. Jedes Mal. Immer wieder neu. Deine Bilder wechselst du innerhalb kürzester Zeit, was ich nicht verstehe, das hast du ein Jahr lang nur zweimal getan. Das angezeigte online taxiert mich, denn was ich auch noch nicht verstehe ist, dass du nicht schreibst. Du schreibst nicht, obwohl du es versprochen hast. Ein Jahr lang habe ich versucht dich zu vergessen. Ein Jahr lang habe ich versucht dich zu hassen. Ein Jahr lang ist es mir nicht gelungen. Es ist mir nicht gelungen mich für dich zu freuen, denn dieses eine Jahr ist mir gar nichts mehr gelungen, weil mir alles genommen wurde. Ich habe mir gewünscht, dass du dort bleibst, für immer. Und ich habe mir gewünscht dass du zurück kommst, für immer.

Ich sehe dich bei meiner Arbeit, wie du vor mir stehst mit einer hässlichen Alten, die absolut nicht hässlich ist, sondern viel besser passt zu dir, als ich es je könnte. Und ich schrecke hoch. Dabei bricht mein Herz erneut in tausend Einzelteile, was mich verwundert, denn wie oft kann ein Herz denn brechen, wo es doch schon zerbrochen ist? Wütend schlage ich auf dich ein, mit Händen und Fäusten auf deine Brust und Tränen und Geschrei. Ich hasse dich ich hasse dich. Die Kollegen sind mir dabei völlig egal. Die Kunden sind mir egal. Mein Tunnelblick verschwimmt. Ein Trugbild.

Wenn mein Handy klingelt und piept schrecke ich hoch. Alles krümmt sich in mir. Mir wird heiß. Mir wird kalt. Was ist wenn du es bist? Doch du schreibst nicht. Wieder nicht. Du rufst nicht an. Ich warte nicht darauf, dass du es tust, denn wenn du es tätest wäre ich komplett überfordert und wüsste nicht wie ich reagierte.

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7 Gedanken zu “Was ist wenn du es bist?

  1. liebe netti, es freut mich immer von dir zu lesen, ich mag deine worte, sie sind mitreißend. es bricht mir immer ein bisschen das herz, wenn ich spüre, wie deines klirrend zersplittert. hast du schonmal dran gedacht, die initiative zu ergreifen und ihm zu schreiben? auch, wenn er es versprochen hat – es besteht immerhin eine winzige chance, dass er sich nicht traut.

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    1. Danke meine Liebe Christina für deine wunderschönen Worte. Ich musste ein wenig über deine Frage nachdenken und ich muss ehrlich eingestehen- dass ich so ausführlich darüber noch nie nachgedacht habe. Grundsätzlich fühlt es sich nicht richtig an, mich bei ihm zu melden. Ich möchte nichts voran treiben, wofür die Zeit noch nicht gekommen ist. Und ich glaube, es ist noch nicht die Zeit. Ich sollte ihm den Raum geben, den er braucht bis er sich meldet. Und entweder wird er sich melden oder es ist zumindest so viel Zeit vergangen, dass ich etwas Neues in mein Leben ziehen kann. Etwas, was mehr Beständigkeit hat. Ich drück dich und Danke dir für deine Anregungen.😘

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      1. liebe netti, ich freue mich, dass du darüber nachgedacht hast. ich glaube es tut oft ganz gut, sich selber manche frage beantworten. auf jeden fall drücke ich dir die daumen, dass es für dich bald klarheit gibt <3 alles liebe aus wien!

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