Sturm im Kopf. Oder auch: Papa von hier, Dings.

Ein Brausen und Getöse nicht nur draußen, sondern auch drinnen. In meinem Kopf. Aaah und oh. Du arme! Sagen die anderen. Ich sage. Ich will nich mehr. Einen Sturm in meinem Kopf spazieren tragen, der mich nicht freifegt, sondern umfegt. Setzte ich jetzt einen Fuß nach draußen, dann wahrscheinlich auch wortwörtlich. Das Ziehen im Kopf ist fast schon unerträglich. Ob es auch Tabletten gegen wetterfühligkeit gibt? Haha! Hab ich früher zu Mutti gemacht. Wetterfühlig. Haha! Du spinnst! Heute spinne ich, weil Mutti den Dreck an mich weitervererbt hat. Wobei.. ist sowas vererbbar?

Sind Gedanken es auch? Ich denke zu viel. Den ganzen Tag schon. Sämtlichen Müll. Mir gehen Gedankengänge durch den Kopf und Fragen, da kommt bestimmt sonst keiner drauf, die Sache mit der Influenzerin empfand ich als so spannend, dass ich mir sämtliche Berichte darüber reingezogen hab. Das Hirn natürlich nur am Rotieren. Ich würde gern weniger denken. Weniger über Sachen nachdenken die mir Wumpe sein sollten.

Es ist auch wieder ein mieser Brief eingegangen, adressiert an meinen Papa, zu seiner alten (unseren) Heimatadresse. Auch das hat unmengen an Gedanken, Wut, unbeantworteten Fragen und Ängsten hervorgerufen. Ob mein Hirn auch mal wieder zur Ruhe kommt? Von wem hab ich das pausenlose Gedenke? Auch bei der Arbeit habe ich wieder erschreckend festgestellt, dass ich mich währenddessen zu viele Sachen frage, ich zerlege alles und stehe mir damit selbst im Weg. Nervig! Andererseits frage ich mich.. bin ich deswegen schlauer oder dümmer als andere? Andere, die vielleicht weniger denken?

Meine Gedanken sind manchmal so laut, dass selbst meine Kunden ahnen was ich denke, und ich denke dann deren Gedanken. „Hallo! Was darf es für Sie sein!?“ (erproptes Lächeln) „Hallo.“ (zurückgelächelt, sehr lieb)

Und während ich das schreibe frage ich mich, ob man lieb lächeln kann. Kann man? Gibt es ein Gesicht was wütend lächelt? Hab’s grad probiert. Gelingt mir nicht.

„Ich hätte gern ein Brot. Gern was ohne Körner. Was weniger hartes.“ Ich empfehle mein Lieblingsbrot und bin im Kundengespräch mit dem netten Herrn. Während wir uns Gesprächsfetzen austauschen, und ich ihm sein Brot schneide und verpacke, noch etwas zum Kaffee, ein bisschen Kuchen, habe ich dieses Fragezeichen im Gesicht. Es rattert und ich denke während ich mit diesem Mann kommuniziere. Mensch. Also irgendwie, Mist. Wer ist das denn. Ich kenn Sie! Sie kenn ich doch…!, möchte ich sagen, doch noch kenn ich nicht mal meinen Feierabend, denn die Schlange ist gerade sehr, sehr lang und- scheiße sie wird immer länger.

Ich gucke ihn an, beim Überreichen seiner Waren, beim Abkassieren, das sind dann 4,50€ bitte, beim Geld entgegen nehmen, ich lasse ihn nicht aus den Augen, und als ich ihm in Zeitlupe sein Geld aushändige, ich muss wissen wer Sie sind, fällt plötzlich der Groschen. Huch! Wie ungeschickt von mir! (nun ein Strahlen über beide Ohren)

Hey! Sie! Ich weiß wer Sie sind!, möchte ich gerade am Liebsten jubilieren. Meine gedachten Gedanken bringen ihn ins Schwitzen. Sagen Sie jetzt bloß nichts! Seien Sie einfach ruhig. Und ich bin ruhig. Denn auch ich komme ins Schwitzen, als ich erneut die Schlange Menschen bemerke, die alle mit einem blöden Gesicht ihr blödes Brot kaufen wollen, und nicht dran kommen weil die blöde Verkäuferin zu blöd ist das Geld raus zu geben. Die Kuh lässt es einfach fallen. Ich falle auch. Aus allen Wolken.

Ey! Sie sind doch der Dings, hier,.. na Sie wissen schon, (ja wer eigentlich, denke ich weiter, während ich denke) na der Papa! Von Hasenzahn! Gretchen! Dr. Gretchen Hase! Sie sind doch der Papa!, möchte ich sagen. (noch breiteres Strahlen, beinahe weinen vor Freude)

Aber ich sage nur: Tschüssie! Einen schönen Tag noch für Sie.“ Drei Sekunden Pause. „Der nächste bitte! Hallo. Schönen Guten Tag, was darf es für Sie sein!?“

Und dann bin ich traurig, ich habe den Moment verpasst zu fragen ob er nicht der Papa von HASENZAHN ist. Und als meine Kollegin reinkommt und ich sie frage ob sie die Serie kennt, da schreit sie mich an: „DAS WAR DER, HEY!?“ Und ich schreie: „Ja! Und ich habe kein Autogramm und kein Foto!“, jetzt weine ich fast, weil traurig. Der Rücken des letzten Kunden wird im Abgang mit einem bösen Blick gestraft.

An solchen Tagen liebe ich meinen Job. Denn es gibt sie noch. Geduldige, sehr freundliche Menschen, die sogar ein bisschen Trinkgeld geben, auch wenn sie nicht gerade der Papa von Hasenzahn sind.

©️Netti

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4 Gedanken zu “Sturm im Kopf. Oder auch: Papa von hier, Dings.

  1. Ich bin auch oft wetterfühlig. Da möchte man manchmal in den Süden auswandern.
    Ich glaube auch, das Grübeln genetisch sein kann. Muss aber nicht.
    Die Fähigkeit zum Reflektieren möchte ich als etwas Positives sehen, einen gewissen Intellekt braucht man dazu sicher.
    Du hast einen tollen Schreibstil, sehr lebendig, als wäre man live dabei!

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    1. Das ist so lieb ganz herzlichen Dank für deine schönen Worte und deine Gedanken zum Thema. Ich mag es sehr, wenn man die Möglichkeit bekommt hier andere Sichtweisen erhalten. So schön. So hilfreich. So tröstend. Danke!😘

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  2. ach netti. ich weiß nicht, wetterfühligkeit und allgemeine sensibilität gehören vielleicht zusammen. warum man soviel denkt, wo andere doch auch ganz ohne auskommen, das hab ich mich auch schon oft gefragt und keine antwort drauf gefunden. es ist halt so. man kann nicht anders. ohne wäre man nicht der mensch, der man ist.

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