Das kann ja so schwer nicht sein, denke ich mir.

Heute! Ja heute!, Sage ich mir und plötzlich schließt sich mein WordPress. Meine Zeilen der Wunschvorstellungen entschwinden aus meinem Sichtfeld und ich blicke ein wenig fassungslos auf die blöde Windowsstartseite. Warum? Ein wenig genervt öffne ich WordPress erneut und sehe dass meine Zeilen nicht mehr existieren. Einzig Heute. Ja heute! und ich beginne von vorn. Ok. Darin hab ich ja Übung. Im Immer wieder neu anfangen. Pah, dann schaff ich das hier ja mal eben mit Links. Einen Beitrag verfassen. Heute. Endlich. Ein Vorsatz, den ich seit Tagen, ach was, Wochen habe, schreiben egal was, es muss auch gar nicht öffentlich sein, nur für mich.

Was ein für mich eigentlich bedeutet habe ich nie gelernt. Es sind Glaubenssätze, von denen ich nicht wusste, dass sie überhaupt existieren, dass ich selber nicht gut zu mir bin in der Annahme, dass ich es nicht verdient habe. Weder Zuwendung von mir, noch von anderen. Es tut weh, das aus einem anderen Mund zu hören. Wie jemand so böse zu mir spricht, wie jemand, der mir eigentlich fremd ist, so hart zu mir ist. Es tropfen die Tränen salzig zu Boden, denn verstehen kann ich es nicht. Mir gegenüber sitzt meine Psychologin- Sie essen nichts wenn Sie meinen dass Sie es nicht verdient haben? Sie hören auf zu Essen, wenn Sie sich bestrafen wollen? Sie gestalten sich die Mahlzeiten für sich nicht liebevoll, eine Kerze anzünden vielleicht und ein Glässchen Wein dazu, ruhige Töne der Musik die im Hintergrund leise erklingt, weil Sie meinen all das haben Sie nicht verdient? Ihre Augen blicken traurig in die meinen. Ihre Gestalt verschwimmt vor meinen Augen. Die Frage. Ich verstehe die Frage nicht, und kann nicht aufhören zu weinen. Warum? Ich verstehe nicht.

Erst kürzlich habe ich, seit über einem dreivirtel Jahr Pause aufgrund eines Missverständnisses, wieder Sitzungen mit meiner Psychologin aufgenommen. Meine Schwester fragt mich gern Sachen wie ´Und? Bringt dir das was?´ Ein wenig paradox, wie ich finde, wo ich doch grundsätzlich nie weiß ob mir irgendwas was bringt oder wie sich irgendwas für mich anfühlt. Denn in mir drin tobt so vieles zusammen, dass ich all das überhaupt nicht definieren, nicht unterscheiden kann. Wenn ich ein Bauchgefühl habe, ohne zu wissen es zu besitzen und wie ich es für mich positiv einsetzen kann, wie soll ich dann wissen ob mir das was bringt. Es steht keiner neben mir, der mir sagt jetzt fühlst du dich erleichtert und jetzt bist du wütend aber auch zufrieden mit dir und jetzt bist du super gut und stolz auf dich weil du toll bist wie du bist und jetzt bist du geheilt. Es steht keiner neben mir der mir sagt dass ich geheilt bin. Es ist ein Prozess der sehr langwierig ist und sehr kräftezehrend. Immer mal wieder merke ich, wie ich in den Strudel gerate, in diese unheimliche Tiefe, die mich mit nach unten reisst, tiefer und tiefer. Und dann stecke ich fest und bin schrecklich traurig und weiß nicht weiter und alles ist ganz furchtbar schlimm, so schlimm, dass ich ganze Bäche von Tränen vergieße, in denen ich mich zu gerne ertrinken möchte. Es sind Phasen, die wieder vergehen, in der nächsten Stunde kann alles schon wieder schön sein, das Leben toll und ganz easy tragbar, aber von alleine geht das nicht, es kostet enorme Kraft, sich selbst da wieder heraus zu ziehen, aus dem Loch des Ertrinkens.

Wie anstrengend muss das für alle Beteiligten sein, wenn es mir selber schon unendlich Kraft abverlangt? Deswegen möchte ich allein sein. Deswegen bin ich allein. In Momenten wie diesen.

Mir fehlen die Worte, das Schreiben und das Klacken der Buchstaben auf der Tastatur, die ich so sehr liebe. Mir fehlen die Worte die zum Nachdenken anregen und Berühren. Mir fehlen Beiträge die unterstützen und mitfühlen und einfach halt geben in Momenten die schwierig sind. Mir fehlen Mutmachgespräche und Gleichgesinnte die sich in mich reinfühlen können und ein bisschen so sind wie ich. Mir fehlt eine beste Freundin die einfach sagt: Hey, so wie du bist, bist du voll okay. Sei einfach nur ein bisschen netter zu dir.

Auch wenn ich selbst meine beste Freundin bin.

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12 Gedanken zu “Das kann ja so schwer nicht sein, denke ich mir.

  1. Wobei es im Endeffekt ja genau darum geht, dass du keine Freundin dazu brauchen solltest. Du solltest aus eigenem Antrieb heraus „netter zu dir sein“ bzw. dir gönnen, dass es dir gut geht. Mit sich selbst im Reinen zu sein ist keineswegs leicht, aber es lohnt jeden Tag dafür zu kämpfen an diesen Punkt zu gelangen und ausgeglichen sein Leben genießen zu können.
    Dennoch: Wenn dir positiver Zuspruch fehlt, solltest es definitiv ein Ziel sein, eine beste Freundin zu finden, die dich auffängt solltest du mal stolpern :)

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  2. netter zu sich zu sein ist eine unendlich schwierige aufgabe. es hat mich jahre gekostet, das zu lernen und ich kippe immer noch immer wieder in alte muster. wenn jemand anderes so mit mir sprechen würde als ich es manchmal tue, würde ich zu dieser person vermutlich sofort den kontakt abbrechen.
    aber lass deine psychologin für den moment deine beste freundin sein. versuche nicht die frage zu beantworten, ob das was bringt. es ist arbeit, es schmerzt, es ist endlos anstrengend, aber es bringt dich weiter. von dem, was du schreibst, denke ich, dass sie dich in deiner essenz wohl schon ein bisschen versteht. was sie sagt ist hart, aber so kannst du nicht mehr davor davon laufen. und es wird besser, auch wenn man es lang und lang und lang nicht glauben kann.

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