19/365 So! Ich verpiss‘ mich jetze!

Da war er, der schwache Moment, und es war mir sogar bewusst. Ich wollte es nicht, aber habe es trotzdem getan. Die Aufregung war einfach zu groß. Meine Freundin hat mich zur Einweihungsfeier eingeladen zu sich und ihrem Mann, und ich habe ihr versprochen dabei zu sein, auch wenn ich kurz zuvor wieder in einer sehr schweren depressiven Phase steckte. Ihr zu liebe fasste ich mir ein Herz und ging zur Party obwohl mir alle außer meiner Freundin, ihr Mann ihre Tochter und ihr Bruder fremd waren. Sie war sehr froh dass ich dabei war, denn von Ihren Freunden war ich die einzigste die da war, alle anderen hatten abgesagt. So waren bis auf ein anderes Mädel nur Männer da. Ich fühlte mich fremd und unbeholfen und fehl, doch meine Freundin tat ihr bestes bei mir zu bleiben. Was natürlich nicht die ganze Zeit möglich war. Also rauchte ich und hasste mich dafür. Wir rauchten auch zusammen. Das hat mich an früher erinnert als meine Freundin und ich noch oft zusammen an den See gefahren sind, mit Sekt und Zigaretten und über Gott und die Welt geredet hatten. Mir wurde bewusst dass nichts mehr ist wie es mal war, und vor allem ich nicht mehr bin wie ich mal war. Irgendwann im Laufe des Abends, hat mich einer von dem ich nicht einmal den Namen kenne in ein Gespräch verwickelt. Ungeschickt und ein bisschen unsympathisch, wie ich fand, aber ich merkte auch dass meine Laune mittlerweile im Keller war und ich da dringend weg musste. Natürlich kam mein Job zur Sprache (ganz dünnes Eis) den ich alles andere als liebe. Meine Antworten waren kurz und knapp und ich bin mir sicher dass viele von mir dachten ich sei unglaublich arrogant und unfreundlich. Und ja- wer mich nicht kennt der kann nur genau das vermuten, und ich habe mich in diesem Moment wieder selber gehasst dafür, aber ich hielt es nicht mehr aus. Ich musste gehen. Meine Freundin war trotzdem glücklich dass ich da war und hoffte dass ich trotzdem ein bisschen Spaß hatte und ich verkniff mir ihr meine Gedanken mitzuteilen. Ob ich wohl jemals wieder im Leben am sozialen Kontakt richtig Spaß haben werde. Ob ich jemals wieder im Leben erfahren werde, wie es sich anfühlt glücklich zu sein.

Danach habe ich genullt und neu angefangen obwohl es sich für mich nicht angefühlt hat als hätte ich wieder geraucht. In dem Moment war das nicht ich. Sondern die Angst, die von mir Besitz ergriffen hat. Heute ist sie wieder da. Und mit ihr die Übelkeit. Zwei Tage hatte ich frei. Und vieles vor. Und was habe ich getan? Ich habe nichts getan. Außer auf der Couch zu sitzen und zu tindern. Zur Psychologin zu gehen, mich zu hassen, zu einem beiderseitig sehr schlechten 15 minütigen „Date“ zu gehen, und mich zu fragen warum zur Hölle ich mir das nur antue.

Aber wahrscheinlich habe ich Angst komplett zu desozialisieren und allein zu sterben, vor allem das. Die letzten Wochen habe ich mich aus dem tiefsten Dreck gezerrt, meinen Arsch gezwungen Bewerbungen zu schreiben, die alte zu aktualisieren und meinem Traum einen Schritt näher zu kommen. Es fühlte sich verdammt gut an.

Und vor zwei Tagen dann die Absage. Und heute, eigentlich schon seit gestern geht es mir wieder scheisse. Weil ich einfach nichts geschissen bekomme im Leben. Und die Einsamkeit mir gerade sehr zu schaffen macht.

Wobei, ein was habe ich endlich getan, und es hat mich enorme Kraft gekostet beim Venenspezialisten anzurufen und einen Termin zur erneuten Venenverödung zu machen. Dass ich eine scheiss Angst davor habe, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen. Bei der letzten OP hatte ich eine schlimme Panikattacke, am liebsten hätte ich den Termin noch länger vor mir hergeschoben. Für immer vielleicht?

In meinem Kopf passiert gerade einfach zu viel und ich frage mich ernsthaft: wie soll da jemals wieder ein Mann Platz finden? Und wer verdammt kann sich jemals in eine Frau verlieben die so dermaßen Angst vor dem Leben hat?

Ein Gedanke zu “19/365 So! Ich verpiss‘ mich jetze!

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