Zwangspause.

Vorläufig werde ich hier nichts mehr schreiben können. Falls es mir wieder möglich ist, zwischendurch, wenn auch nur kurz, dann werdet ihr es bemerken. Oder auch nicht. (Wehe, wenn nicht.)

Bleibt artig. Ich bin es auch. (Bis auf einzelne Ausnahmen.😬 Die Verlockung ist manchmal einfach zu groß..🤓)

©Netti

Trotz allem was kommen wird.

Er ist mein persönlicher Teddybär. Er ist der, in den ich mich verliebt habe. Er ist der, der mir Mut gibt und Kraft. 

Ich bin aufgeregt und angetrunken und ich klingel und warte bis er durch die Freisprechanlage spricht, und der Summer ertönt. Wie immer fahre ich Fahrstuhl, denn auf Treppe habe ich keine Lust, dann bin ich wieder so rot wenn ich oben ankomme. Er wartet diesmal an der Tür, aber das sehe ich erst später, mein Kopf ist auf den Boden geneigt. „Kuhl, ist das Geld!?“, denke ich und sage es auch. Mein Blick fixiert ein gefaltetes Stück Papier auf dem Flurteppich. Dieser Flur besitzt tatsächlich einen roten Teppich. Ein Lacher aus meinem Mund und auch aus seinem. Der Teppichboden gibt dann doch keinen Lottogewinn her, sondern nur benutzte Fahrkarten. Zu dumm. Nun stehe ich ihm gegenüber und ich könnte schmelzen, zerschmelzen und sterben. Er fehlt mir so! Diese Augen. Dieser Blick. Er ist geknickt, wirkt sehr, sehr traurig. Ich gebe ihm das Shirt, sein Shirt und sage: „Hier, Dein Shirt.“ Er nimmt es und gibt mir mein Massageöl. Wir halten nun die Sachen in den Händen, die als Vorwand dienen, damit man sich bitte nochmal sieht. Er braucht das blöde Shirt nicht mehr. Auch ich brauche das Öl nicht mehr. „Magst du noch bleiben? Also… wenn du magst?“, er schaut hoffend und wartet auf meine Reaktion. Ich weiß es wie immer nicht. „Ich weiß es nicht. Ich wollt nur kurz..“ Doch eigentlich weiß ich es. Alles in mir schreit: JA, JA, JA! Ich möchte seine Nähe, sein Lachen, seinen Duft, ihn. Wir stehen uns hilflos gegenüber. >Sag was! Mach was!“<, denke ich und möchte ihn am Liebsten schlagen. Wo ist die Musik die so schnulzig Halleluja schreit, wo ist der Konfettiregen aus glitternen Herzchen, wo ist der Mann der einfach macht, ohne zu denken. Er nimmt mich in die Arme, hält mich ganz fest, beinahe bleibt mir die Luft weg zum Atmen, ich muss blinzeln, denn in meinen Augen sammeln sich Tränen. Mein Herz ist zugeschnürt so wie der Hals, ich spüre den Kloß und einen Schluchzer, den ich mühsam unterdrücke.

„Also ähm. Wenn du bisschen Sekt hast, bleib ich noch.“, jetzt lache ich doof.

„Natürlich.“, er freut sich sichtlich. Erleichtert läuft er los den Sekt holen.

Wir trinken nur ein Piccolöchen, den teilen wir uns und wir stoßen an auf was auch immer, und ich trinke, sitze ihm gegenüber und schwitze und friere, alles zusammen, es könnten noch zwei weitere Menschen zwischen uns sitzen, oder drei, so groß ist der Abstand zwischen ihm und mir, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als ihn ein letztes Mal zu berühren. 

Wir führen Smalltalk und er berichtet kurz von seinen Vorbereitungen. Er fragt wie es mir geht, aber ich wiegele ab, er soll gechillt nach Amerika fliegen, es ist mein Problem, soll nicht zu seinem werden. 

Er streichelt mich, sucht meine Nähe, streichelt mein Gesicht, schaut mir tief in meine Seele: „Wie geht es dir? Bitte sag es mir.“ Er umarmt mich, als er sieht dass ich meine Tränen nicht mehr halten kann, ich schluchze und weine Tränen. So viele davon. Auch in seinen Augen glitzert es. Er nimmt mich in den Arm und wir halten uns fest. So fest, so fest. Am Liebsten möchte ich ihn nie wieder los lassen, aber ich muss. Ich lasse ihn los und bitte ihn mir zu folgen, ich möchte ihm gern was sagen. Ich bin krank geschrieben, schon eine Weile. Und er sollte erfahren was mit mir los ist. Dass ich kein gebrochenes Bein habe, das kann er ja sehen.

Wir sitzen auf dem Balkon und schauen in den Sternenhimmel, während ich Tränen und Schmerz in den Himmel puste. Dann beginne ich zu erzählen. Er nimmt mich in den Arm, hört mir zu und macht mir Mut. Er hat vollstes Verständnis und er ist das was ich mir schon immer gewünscht habe, ein Mann der mir zuhört, ein Mann der mich begehrt, ein Mann der meine Schwächen sieht und damit umgehen kann. Ein Mann der fühlt und es auch zeigen kann. Ich berichte ihm den Großteil der mich bewegt, und ich erzähle ihm mein Vorhaben. Meine Entscheidung die ich treffen musste. Für mich. Ich treffe auf sein vollstes Verständnis. „Das schaffst du. Du bist doch so stark!!“

Wir schauen den stummen TV-Bildschirm an und hören nebenbei Musik. Er sucht meine Nähe, doch ich kann mich ihm nicht öffnen, bin krampfig und verletzbar. Er streichelt meinen Rücken, meine Hände, küsst meinen Nacken und streichelt mein Gesicht, wischt die Tropfen weg, die heiß zu Boden perlen. Er schaut mir in die Augen, fragt: „Darf ich dich küssen, bitte?“ Wir küssen uns zwischen den Tränen, die meinen Mund benetzen und wir schmecken eine salzige Mischung aus Hoffnung und Glaube. Ich glaube, jetzt gerade glaube ich, dass das nur echt sein kann, und bleiben wird, egal wie alles ausgeht. Er fragt ob er mich massieren darf, er möchte mir so gern etwas Gutes tun. Nach meiner Zustimmung holt er das Massageöl und ich ziehe mir das Oberteil über den Kopf. Seine langen Finger streichen über meinen kleinen Rücken. Er streichelt mich, und verteilt das warm duftende Öl auf meinem Rücken. Seine Hände kneten kräftige Massagebewegungen und lassen mich für einen Bruchteil vergessen. Sorgen, Anspannungen Ängste, ich kann mich locker machen. Kurz abschalten. Er küsst mich und verteilt am ganzen Körper einen kleinen Wärmehauch. Er küsst meine Wange, meinen Hals, mich. Ich richte mich auf, küsse ihn gierig und heiß, während mich inniges Verlangen durchströmt. Ich setze mich auf ihn und er hebt mich an und hoch, trägt mich küssend ins Schlafzimmer und setzt mich sorgsam ab: „Bitte versuch zu entspannen.“ Er macht mich soso glücklich.

Noch als ich ihn leicht stöhnend auf mir spüre, und er mich überall mit Küssen bedeckt, weil auch ich ihn soso glücklich mache, fange ich an mit Beben, denn ein Schluchzer den ich nun nicht länger unterdrücken kann, verlässt meinen Mund. Ich zittere und schluchze und weine und entschuldige mich dafür. Ich weine während er auf mir liegt und er streichelt mein Gesicht, küsst mich auf den Mund, auf die Wange und auf den Kopf immer und immer wieder, so lange bis die Tränen verebben. Er umarmt mich lange während wir uns schweigend in den Armen liegen, damit mein Herz und mein Puls sich wieder beruhigen kann.

Er zwingt mich zum Essen und ich sehe seine lauten Gedanken die aber nicht sprechen zu mir, sondern schweigen. Sein Blick geht ins Leere. „Was denkst du jetzt von mir?“, möchte ich am Liebsten fragen, „Hältst du mich für bekloppt?“

Ich ziehe mich an und mache mich bereit für den Abschied, einen Abschied für immer? Wir stehen uns gegenüber, nur halb lächelnd und ich frage: „Meldest du dich wenn du wieder zurück in Deutschland bist?“ Er schaut mich an, verwirrt, geschockt, traurig. „Natürlich melde ich mich!“, er schweigt kurz, fügt an: „Ich melde mich auch schon früher, wenn du magst, wenn das okay für dich ist!?“

„Ich weiß nicht.“, sage ich, weil ich es einfach nicht weiß. „Ich meld mich morgen!“, sagt er und ich nicke und möchte gern daran glauben.

„Du schaffst das. WIR schaffen das.“, korrigiert er und betont das wir. Dann küsst er mich auf den Mund.

Das verstehe ich nicht. Aber ich habe auch keine Kraft mehr um zu  fragen und zu verstehen. Ich habe überhaupt gar keine Kraft mehr. Ich bin ausgebrannt und kann zum ersten Mal Menschen nachempfinden, die es auch sind, ich kann fühlen dass das Fühlen zur Qual wird und das Denken einen Punkt erreicht an dem es kein Vor gibt, und kein Zurück.

Es liegt jetzt an mir Stärke zu beweisen. Und zu kämpfen. Auch wenn es harte Arbeit wird. Verdammt hart.

©Thomas Woischnig/Bild

Mein herzlicher Dank geht an Thomas Woischnig, für die Nutzungserlaubnis seiner Fotografie.

©Netti/Text  

Haariges Biest.

Du bist entspannt und locker und liegst in deinem Bett. Deine Atmung geht langsam, einatmen, ausatmen. Du schläfst, obwohl du wach bist, du hast die Augen auf, aber Dunkelheit hüllt dich in eine sanfte Wattewolke, weich und soso flauschig! Plötzlich siehst du sie. Sie kriecht auf dich zu. Ein großes, ach du scheiße, viel zu großes, haariges Etwas auf 8 Beinen glotzt dich aus 8 schielenden Glubschaugen an. Du zögerst keine Sekunde, schreist lauthals los, wirfst die schwere Bettdecke von dir und springst auf. Licht an! Schaudernd schaust du in die Ecke wo das Monster eben noch hockte und langsam auf dich zukrabbelte, doch da ist nichts. Du atmest. Zehnmal ein und aus und nochmal. Kalter Schweiß tritt dir aus sämtlichen Poren, bis du dich wieder in die Nähe des Bettes traust. Mit einer schnellen Bewegung kramst du alles weg wodrunter es sein könnte, aber da ist kein Glubschauge. Du schaust in Winkel und Ecken, Glubschi wartet doch nur auf den richtigen Moment, aber nein. Nichts. Keine Spinne. Kein Glubschauge. Nur dein kleiner blauer Kuscheltier Hundi, den man nicht mal als Hundi erkennt. Eher als Glubschi, denn seine schwarzen Augen blicken dich treudoof an. „Guck nicht so! Die war grad noch hier!“, nölst du in Hundis Richtung. Aber eigentlich war es nur ein Traum mit offenen Augen. Ekelhaft! 


©Netti

„Mama, mach mal!“


~Manche Zeiten ändern sich eben nie.~

Man flennt weil man nicht weiter weiß. Man flennt weil etwas weh tut. Man flennt weil man sich ungerecht behandelt fühlt. Man flennt vor Trauer, Angst, Wut, Rührung, manchmal auch vor Freude.

Tränen bedeuten nicht, dass man schwach ist, sondern dass das Herz mehr fühlt, als es ertragen kann.

©www.nicobartes.com

Auch wenn sie heute kein Faschingstütchen auf dem Kopf trägt fühlt sie sich in die damalige Zeit zurück versetzt. Zu der Zeit, in der das Denken noch Mutti übernahm, zu der Zeit, in der Mutti noch alle Entscheidungen traf. Zu der Zeit, in der ihr Tränen liefen, weil Tütchen auf dem Kopf einfach scheiße waren, weiße Kostümchen und pechschwarze Perrücken dagegen sehr viel cooler. Schon damals wurde ihr klar: ~Scheiße hey, man kann halt echt nicht alles haben.~ Nur das warum blieb unbegründet.

Tränen kehren das Innen nach Außen, mehr Nähe geht nicht.

©Netti

Wie cool wäre es manchmal, wenn man einfach wieder Kind sein könnte, hat man die Zeit doch viel zu unbewusst wahrgenommen, stets strebte man nach dem Alter und bewunderte die Großen. Man wünschte sich endlich erwachsen zu werden, man sehnte den Augenblick herbei in dem man selber durfte. Alleine essen. Alleine laufen. Das erste Mal ja sagen, oder nein, wahlweise vielleicht. Man wollte so gern selber Entscheidungen treffen, keiner mehr der sagte: „Du darfst nicht zappeln.“, „Das wird aufgegessen!“, „20:00Uhr bist du zu Hause.“, „Erst Hausaufgaben, dann Spielen.“, „Fernsehverbot!“ Keiner der sagte: „Jetzt wird geschlafen!“
Diese Regeln haben uns Kindern System gegeben. Durch sie lernten wir das groß werden, das zurecht finden in einer Welt die aus Regeln und Zucht und Ordnung besteht. Heute aber ist man gezwungen sich dem System gegenüber zu stehen, ohne dass uns Hilfestellung geleistet wird. Man ist erwachsen und selber in der Lage Entscheidungen zu treffen, zu handeln.

Und doch gibt es immer mal wieder Momente in denen man ein bisschen verzweifelt, dann wird man zurückversetzt in eine Zeit, die längst vergangen. 
„Mutti, mach mal!“

©Netti

Die Ecke voller Spinnen.

Es ist schwierig vor einer Entscheidung zu stehen, die in die Enge drängt. Und so fühle ich mich, in die Ecke gedrängt wie ein Wildkätzchen, welches einem brüllenden Löwen gegenüber steht. Ich hocke also in dieser komischen Ecke in denen es vor Spinnen nur so wimmelt und ich erkenne: Ihr seid so eklig. Ihr da alle, du hässliche Spinne und du auch, du brüllender Löwe. Halt die Fresse! Halt sie einfach! Und doch wünsche ich mir Frieden und Streicheleinheiten, keine Emotionen die mich zwingen zu denken und vorallem zu handeln. Aber handeln sollte ich dringend. Denn glücklich fühlt sich anders an, irgendwie, nur wie? Etwas hindert mich daran mich aus dieser Ecke zu bewegen denn ich kenne sie nicht die Richtung, es sind zu viele Möglichkeiten, welche wiederum alle Ängste hervorrufen, die so groß sind dass ich mich gefressen sehe, vom Löwen der Speichelfäden zieht,  beim Brüllen. Ekelhaft. Ich probier jetzt mal es dem Löwen gleich zu tun und fauche zurück, hervor kommt ein mickriges Geräusch was ebenso ein gesättigter Rülpser sein könnte. Mein Mund schmatzt, als er sich wieder schließt. -Na super.-, denke ich mir, schaue aus großen, weniger furchterregenden Kulleraugen und ziehe den Kopf ein wenig ein, während ich den großen Angriff befürchte. 

©Netti

Alles was fehlt..

..ist dein Lachen und die Augen die strahlen weil das Glück aus ihnen spricht.

..ist die Ruhe in der deine Kraft liegt mit der du mich stärkst.

..sind all die Kleinen Pünktchen, verteilt auf deinem starken Körper, sie sind braun, beinahe schwarz, und jedes von Ihnen schaut anders aus, jedes ist ein Teil von dir. Im Gedanken habe ich einen Stift in der Hand, um all die kleinen Pünktchen miteinander zu verbinden, so wie das Leben, wenn man es von außen betrachtet, aus einzelnen Momenten besteht, die sich alle miteinander verbinden lassen.

..ist deine Stimme deren Klang mich so sehr fasziniert dass ich ganz viel erfahren möchte von dir und deinem Leben, ganze Momente und Geschichten die mich berühren.

..sind deine Haare am Kopf wenn sie in eine Richtung abstehen, die für sie nicht vorgesehen sind. Die Unvollkommenheit macht dich perfekt.

..sind deine fast pechschwarzen Augen die so tief blicken lassen bis hinein in deine Seele. Und doch können sie die Sicht verschleiern unter Tränen, welche salzig zu Boden tropfen.

..ist dein Humor, welcher mich in jeder Sekunde zum Lachen bringt, denn Lachen ist die beste Medizin, Lachen ist Glück.

..sind deine langen Hände, welche mein Gesicht ertasten und jede Stelle an meinem Körper erfühlen. Sanft sind sie und zart, sie strahlen Wärme aus und Schutz.

..ist der Halt den du mir gibst während du mich im Arm hältst, dann fühle ich mich beschützt und sicher, weil mir nichts auf der Welt  passieren kann. Das Glück liegt in meinen Armen.

..ist dein Duft, so natürlich und wunderschön, er benebelt meine Sinne und lässt mich empfinden.

..sind deine Lippen, so zärtlich und sanft und so voller Gefühl, ich schmecke Leidenschaft und Glück, Verlangen nach mehr und den Augenblick der zählt. Ich schmecke dich, und du schmeckst wundervoll.

..ist deine Umarmung und den Schutz den du mir gibst, darin spüre ich soviel Kraft, ich spüre  Halt der größer nicht sein könnte.

..ist deine Ehrlichkeit und die Worte die meinen was sie sagen, auch wenn es keine Worte sind sondern eine Träne, welche in salzigen Spuren über deine Wange rinnt, denn in diesen Tränen sehe ich Schmerz und ich weiß dass du fühlst und empfindest.

..ist dein Herz was sich nicht verschließt, sondern schlägt, nur für mich.

..ist dein wunderschönes Ansehen, deine Augen, der Mund, ich betrachte ihn so gern und spüre ihn auf den meinen, deine Nase, sie ist so perfekt wie deine Zähne in Reih und Glied. 

..ist deine Schulter und deine Brust an der ich mich anlehnen kann, ich kann deinem Herzschlag lauschen, den Tönen die dein Herz aussendet.

..ist dein Blick der manchmal mehr sagt als tausend Worte dann könnte ich dich auffressen und festhalten für immer.

..sind die Momente die uns miteinander verbinden, die Vertrauen schaffen und Sicherheit, eine Basis auf deren ein Wir heranwachsen kann.

..ist die Hoffnung die mir sagt dass alles gut wird, wenn du zurück bist, ich möchte so gern glauben daran dass es nur dich geben wird und mich.

..ist das Vertrauen in einen Neubeginn, in einen Restart, zurück in Deutschland musst du wieder Fuß fassen, vielleicht fällt es dir schwer dich an mich zu erinnern, dass es da mal irgendwann jemanden gab, der ja ziemlich nett war. Und irgendwie ein bisschen süß.

..ist das Wissen was geschehen wird in diesem Jahr deiner Abwesenheit, in deinem Leben und in meinem. 

..ist das Vergessen was niemals eintreten kann, denn du existierst in den Gedanken und im Herzen, nur da, wo du auch bleibst. Trotzdem werde ich leben, die Momente, und glücklich sein, ohne dich.

..bist du.

©Netti

Unaufhaltsam.

Sie spürt diese Schwere in ihrer Brust, und auf den Schultern, auch da. Es zieht sie nach unten, irgendwie. Sie errichtet all diese Dinge, die sie am Leben teilhaben lässt und dennoch ist sie so unsagbar müde, sie sehnt sich nach einem kuschelweichen Bett in dem sie schlafen kann. Es drückt in ihrem Kopf, all die Gedanken drängen sich beisammen. Sie hat es satt dieses Gedenke, sie hat es satt, dieses Geheule. 

In der Bahn bemerkt sie diese Blicke auf sich, starrend, mitleidig fast schon. Die Leute werden sich fragen, warum dieses schöne Geschöpf all diese Tränen vergießt. Sie werden sich wundern, wie so viele Tränen kein Ende nehmen können. Unaufhaltsam tropfen sie auf diesen Boden, auf denen unzählige Füße stehen und Halt suchen. Die Füße des Mädchens schlackern und rutschen, fester Halt ist ihr nicht gegeben. Ihr Kopf ist ihr so schwer sie möchte ihn am Liebsten fallen lassen, er würde dann durch all die Füße purzeln, slalomähnlich. Vielleicht aber würden ein paar zugehörige Menschen zu Boden gehen. „Strike!“, würde sie dann rufen, und ihrem Mund würde ein Lächeln entweichen, zum allerersten Mal, während alle Zehne einfach so umfallen. Zehn Menschen am Boden liegend, so wie sie. Diese Vorstellung findet sie irgendwie lustig, sie lacht ein fieses Grinsen und erschrickt als ihr das eigen Ebenbild im Fensterglas entgegenblickt. Verheulte, rote Augen mit gequollenen Lidern. Spuren salziger Verzweiflung auf ihren Wangen. Sie spürt die Blicke des Mannes, er ist nicht so schlank wie sie, er wirkt sehr stark und gefasst, wie ein (Teddy)Bär der sie zu beschützen vermag. Nette Augen blicken ihr zu. Unter Tränen erwidert sie den Blick, sie fühlt sich plötzlich aufgefangen und beschützt und doch schreit ihr scheuer Blick nach Hilfe. Nach Rettung. Nach einem Ort an dem sie sich fallen lassen kann. Nach einem Ort an dem sie verstanden wird. Ihre Gedanken brüllen ihm zu. 

>>Bleib hier.<< 

Sagen sie. 

>>Geh nicht.<<

Flehen sie. 

Bettelnd haftet ihr Blick unter Tränen an seinem bärtigen Gesicht. Die Tür schwingt auf und der Mann wendet sich ab von ihr, einfach so. Sie blinzelt und verliert eine Träne an der sie sich zu klammern versuchte. Sie schiebt sich durch die Massen, keine Entschuldigung, kein Verzeihung. Ihre schmale Gestalt prallt gegen all die Körper, sie will doch nur noch, sie will nur noch.. nur einen Blick..

Der Mann, hinter denen die Türen schließen, schaut zu ihr zurück. Er dreht sich um, sein Blick wirkt verwirrt, durcheinander, dann suchend.. ein berührtes Augenpaar blickt suchend an dem Punkt an dem das Mädchen gerade stand. Doch sie ist weg. Enttäuscht  wandert sein Empfinden durch die anfahrende Bahn. Da sieht er sie!

Das Mädchen reißt die Augen auf, ihm ist als möchte sie etwas sagen, ihr Mund bewegt sich langsam, doch er kann nicht vernehmen was es ist, durch die Türen dringt kein Ton. Sie drückt sich an die Tür und ihre Hand berührt das keimige, verschmierte Glas der schneller werdenden Bahn. Er versteht nicht. Irgendetwas hat das Mädchen an sich, so sehr hat ihn noch nie etwas bewegt, jemand. 

Ein letztes Mal treffen sich ihre Blicke, bevor die Bahn aus seinem Blickfeld verschwindet. 

Das Mädchen ist nun nur noch eine Erscheinung, die sich einfach nicht benennen lässt. Umherkreisend in seiner Erinnerung. War diese Person jemals existend, oder entstand dieses Wesen seiner reinen Gedankenkraft!?

©Netti