Einsam.

Manchmal fühlt man sich ein bisschen verloren im Alleinsein, das Einsam lässt dich vereinsamen. Du sitzt auf deiner Decke im Park und genießt die Sonnenstrahlen, welche deine Haut zu wärmen beginnen. Du findest das Leben schön, jetzt gerade und in dem Moment, aber noch schöner wäre es, wenn du nicht so einsam wärst, denn der Platz neben dir auf deiner  Decke ist frei. Diesmal weht kein leichter Duft während einer sanften Brise zu dir herüber, welche in dir Übelkeit hervorruft. Du sitzt auf der Decke und legst dich hin, weil du bemerkst dass das Sitzen dir nicht bekommt, du möchtest viel lieber liegen. Also liegst du und du liest in deinem Buch, um dich der Einsamkeit zu entziehen, denn in dem Buch das du liest, sind alle gemeinsam einsam. Auch das Liegen bekommt dir nicht, dein Rücken schmerzt babarisch, also richtest du dich erneut auf. Seufzend musst du feststellen dass du keine zwanzig mehr bist, und das Altern, das fängt wohl mit dem Rücken an. Wie zum Protest zündest du dir eine Zigarette an. Du bläst den Rauch der Einsamkeit aus deinem Inneren heraus und blickst dich um. Auch hier ist es irgendwie einsam, du bist fast allein, aber das findest du gut, dass hier kaum Menschen sind, du kannst Menschen nicht ausstehen. Die sind immer so egoistisch und laut. Dein Blick fällt auf das Pärchen, das in naher Entfernung dir gegenüber sitzt, die beiden sind die einzigsten Leute hier im Park, zumindest so weit wie du blicken kannst. Die Beiden sind nicht einsam, die haben sich. Vielleicht sind sie auch kein Paar und führen keine Liebesbeziehung, aber irgendeine Beziehung haben sie zueinander. Sie unterhalten sich gemeinsam, wohingegen du dich mit dir selber unterhältst, einsam. Du hältst dich mit Selbstgesprächen bei Laune um die LangeWeile und Einsamkeit von dir wegzuschnipsen, wie die viel zu große Spinne die sich gerade einen Weg auf dich zubahnt, auch sie ist einsam. Du beschimpfst die Spinne und sie fliegt in hohem Bogen ins Grüne zurück. Verpiss dich Spinne, das ist die Decke der Einsamen Denker, vielleicht bist du einsam aber kannst du auch Denken? Du bist dir sicher die Gedankengänge der Spinne fokussieren sich fast ausschließlich aufs Fressen und Erschrecken. Du machst mir Angst, Spinne! Da bist du lieber einsam als mit Spinne zweisam. Inzwischen fummelt der Typ an dem Mädchen rum, jetzt wird es spannend, aber nicht für dich denn in deinem Kopf blinkt ein rotes „einsam“ auf. Also doch eine romantische Beziehung. Immerhin führst du eine romantische Beziehung mit dir Selbst. Du liegst im Bikini auf der Decke und machst Sachen, die dir Gut tun, die du gerne machst, auch einsam. Du liest ein gutes Buch, du trinkst Wasser mit einem Schuss Apfelsaft, und du rauchst. Du isst wunderbar gesunde Weintrauben und Knäckenbrot, auch wenn diese dir gleich wieder hoch kommen, weil besagtes Pärchen sich ziemlich eng aneinander kuschelt, du möchtest gar nicht wissen was die dort machen, denn sonst möchtest du das auch gern machen, aber Möp! Du bist ja einsam! Du könntest dich jetzt hier Selbst umarmen und loslegen aber das hebst du dir für später auf. Deine Beziehung zu dir Selbst ist so romantisch, dass du dir heute Abend eine heiße Wanne einlaufen lässt, mit Kerzen, die brennen nur für dich! Neben dir ein Gläschen Sekt, das hast du dir verdient, und dann, während dein Kopf ins Wasser gleitet, und deine Haare schwerelos zu schweben beginnen wirst du wissen: Einsam ist niemals wirklich einsam. Denn auch wenn dein Herz dir sagt, dass du einsam bist, weil da gerade niemand ist, der dir den Rücken einseift, dich so anblickt wie man jemanden anblickt der sein Ein und alles ist. Auch wenn da gerade niemand ist, der deinen Kopf in seine beiden Hände nimmt, und dich hemmungslos und gefühlvoll küsst, ist da noch immer dein Verstand, der das Herz beruhigt. Der Verstand spricht dem Herzen gut zu und sagt zu ihm:

>>Gib nicht auf kleines Herz! Schlag weiter! Hauptsache für dich! Und irgendwann, sehr bald schon, sind deine Narben der Tritte, Schüsse und Schläge verblasst und die Splitter fügen sich wieder zusammen. Zu einem Ganzen und du kannst all deine Liebe aus dir hervorbringen. Und die, mein kleines Herz, ist dann eben doch für die Ewigkeit.<< 

Du bist nicht einsam, weil das Herz und der Verstand miteinander arbeiten, da ist das Herz was dich am Leben hält, und der Verstand, der das Leben unterstützt. Und nur wenn beides zusammen wirkt öffnet die Liebe ihre Türen. Manchmal klemmen sie ein wenig, diese verdammten Türen, sie öffnen sich nur sehr, sehr langsam, doch dann schwingen sie auf mit einem Quietschen und Knarren, es erinnert an den Liebesakt der folgen wird. Und dann wenn die Tore offen sind, wirst du geblendet von dem Licht der Liebe, die gekommen ist um dich zu holen.

©Netti

Im Fokus des Nichtbegreifens. *

Menschen bewegen sich hektisch um dich herum. Eine Mutter schreit ihr Kind an, weil es nicht hört. Quengelnd reißt es eine Schokolade nach der Anderen aus den Regalen. Eine Flasche Sekt zerknallt in 1000 Scherben auf dem dreckigen Fliesenboden. Kein Mensch kümmert sich darum. Alle laufen achtlos daran vorüber. Du schiebst deinen Einkaufswagen lustlos durch die Regale der FressFiliale. Eigentlich lohnt es nicht, für sich selbst einzukaufen und zu kochen, nur für sich alleine. Warum Essen, wenn der Magen nichts aufnehmen kann? Wieso Mahlzeiten zubereiten, wenn allein der Geruch in dir ein Gefühl des Würgens hervorruft? Dein Herz klopft bis zum Hals und du fragst dich, ob es schlimmer werden kann. Ist es möglich dass ein Herz von zu vielen Schlägen, durch die Brust preschen kann? Ein unsichtbarer Stacheldraht legt sich um deine Kehle. Einmal komplett herum. Und mit jedem starken Herzstoß bohren sich die Spitzen des Drahtes immer tiefer hinein in die Haut des zarten Halses. Plötzlich weißt du dass es immer schlimmer geht. Die Menschen um dich herum lösen sich beinahe in Luft auf. Verschwommene Gestalten schwirren durch die Gänge. Verzerrt und verzogen. Deine Augen fokussieren einen Mann, den du bis gerade eben noch dein Eigen nanntest. So zumindest kommt es dir vor. Die Trennung, welche gerade mal eine Woche zurück liegt. Kurt. Dir ist als springen die Fliesen unter dir auf. Ein Riss bildet sich nach dem Anderen und der Boden beginnt zu beben. In Kurt seinen Armen eine große, modisch gekleidete Blondine mit WalleWalle Haar. Sie kuschelt sich an ihn ran und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Kurt lächelt liebevoll.

Durch deine Adern pumpt Unverständnis, Verletzung, Schmerz, und Hass auf diese Schnepfe die so anders ist als du. Du fühlst dich alleine und verloren, am liebsten möchtest du dich in Luft auflösen, verschwinden, einfach nicht mehr sein. Stattdessen musst du in dieses Elend blicken, in den Schmerz den du am ganzen Körper durchleiden musst. Die Hülle deines Ich’s, das Etwas, was noch über ist von dir, streift durch den endlos wirkenden Gang. Im Vorbeigehen erfasst du eine Glasflasche, die Größte von allen, deren Inhalt eine flüssige, rote Substanz enthält. Auf der Flasche prangt das Bild einer Tomate. Du schüttelst. Schüttelst und schüttelst, kräftig, und aggressiv. Bis es dir vorkommt als entwickelt deine Hand ein eigenes Leben. Das Paar steht mit dem Rücken zu dir, somit wappnest du dich auf das was dir bevorsteht. Deine Hände fummeln an dem Schraubverschluss und mit einem leisen PLOPP öffnet sich der Deckel der Ketchupflasche. „Ey! Du hast da was, das mir gehört! Mädchen!“ Kurt und das Mädchen schauen dich an. Tränen der Ungläubigkeit verschleiern wässrig deinen Blick. Sein Gesicht wirkt hart, der Unterkiefer angespannt. In seinen Augen der blanke Hass. Das Mädchen blickt hochnäsig auf dich herab. Deine strähnigen Haare hängen dir fettig ins Gesicht. Mausgrau fühlst du dich in deiner Jeans, um Längen zu groß. Dein Körper wirkt mager und knochig. Noch bevor das Mädchen realisieren kann was geschehen wird, schüttest du ihr den Inhalt der Flasche in ihr perfektes Gesicht, mit ihren perfekten Haaren auf ihrer perfekten Kleidung. Die Masse macht ein schmatzendes Geräusch während es sich auf ihrem Gesicht verteilt, bis in ihr Haar, auf ihre Kleidung spritzend und tropfend. Rot. Knallig. Du schüttest so lange, bis sie leer ist, die Flasche mit der roten Tomate. Du legst deinen Kopf schief und bleibst einseitig grinsend vor ihr stehen, beide Arme hängen an deinem Körper herab. Nachdem das Mädchen sich aus ihrer Schockstarre befreit, öffnet sie den Mund. Ein gellender Schrei verlässt ihre vollen Lippen. Sie sieht aus wie ein abgeschlachtetes Schwein, während nur noch ihre Hülle durch den letzten Rest Würde zu überleben scheint. Über ihr Gesicht laufen Rinnsaale von klebriger Demut und das blanke Entsetzen. Ohne ein weiteres Wort drehst du dich um und läufst schlürfend durch die Gänge. Dein Wagen mit deinem Einkauf bestehend aus Wein und Schokolade, Eis und Taschentücher, Pflaster und Beruhigungspillen, steht mitten im Weg. Einsam. Verlassen. Du läufst daran vorbei, beachtest die Menschen nicht, deren wirre, entsetzte Blicke dich streifen. Du verlässt diesen Laden. So, als wäre einfach nichts geschehen.

  

*frei erfunden

©Netti

hampelmann

Online.

Der Fotograf ist daueronline. Im scheiß WhatsApp. Du willst nicht stalken aber er antwortet einfach nicht auf deine Nachricht, die beinahe schon verjährt.

5 Tage.

Keine Antwort.

Du könntest die Wände hoch gehen, es wurmt dich so sehr. Magst gar nicht daran denken mit wem er so dauerhaft schreibt. Dennoch stürzen sintflutartig tausende an Bildern über dir ein. Zeile um Zeile tauscht er sich aus mit diesem Mädchen, was er erst vor kurzem kennengelernt hat. Jung, bildhübsch. Bilder, wie beide sich treffen und Dinge mit einander machen von denen du nur träumen kannst. Spaß haben, lachen. Miteinander. Sich näher kommen, Empfinden und Sein. Auch wenn es nur in deinem Kopf existiert gibt es für dich keine andere Erklärung für sein Verhalten. Distanz kann man nicht anders definieren. Distanz entsteht nur dann, wenn Interesse sich offenbar verflüchtigt. Du kannst das nicht aktzeptieren. Du kannst das nicht schon wieder einfach nur so hinnehmen. Er bedeutet dir doch so viel! Warum hat er nicht einfach Arsch in der Hose und sagt was Phase ist? Du verstehst das alles einfach nicht. Schon wieder diese Fragezeichen, welche dir irgendwann noch den Verstand rauben. Weshalb sucht er erst Freunde, wenn er sie dann in den Arsch tritt? Da nimmst du schon hin, dass er an mehr nicht interessiert ist und dann… UND DANN? Er würdigt nicht mal deine Freundschaft, verhält sich wie ein rießen Arsch. Heult dir erst die Ohren voll von Freundschaft und fehlender Freundschaft, dabei ist er es der an jeder Hand wohl gleich ein Dutzend hat. Du sitzt auf deiner Couch und könntest Dinge zerschlagen über diese Ungerechtigkeit. Es macht dich so wütend, seine Launen, welche sich abwechseln wie Tag und Nacht, Winter und Schnee, Sturm und Hagel. Am liebsten würdest du den Silvesterabend aus deinem überquellenden Hirn löschen, seine Nähe und Zuneigung, die er dir gegenüber zeigte. Am Liebsten möchtest du verdrengen, dass er der Mann ist in den du dich verliebt hast. Du möchtest ihn vergessen und den Tag des Shootings irgendwie rückgängig machen, doch du weißt dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Stattdessen stehst du wieder vor der Wahl: Ihn loszulassen, endgültig, oder weiterhin deinen Gram hinunterzuschlucken, um darauf zu hoffen, dass er irgendwann erkennt wer du wirklich bist. Dass du nicht bist wie die Anderen und nur oberflächliche Beziehungen, hauptsächlich Sex bevorzugst, sondern dass du eine Frau bist mit Charakter und Würde und an ihm und seiner Person interessiert bist. Du bist kein Objekt, kein Wesen was man erst benutzt und dann zu Boden wirft, wenn man es satt hat. Du möchtest ihn, als Menschen, so wie er ist, mit Haut und Haar, mit Narben und all seinen Macken. Sogar als Arschloch möchtest du ihn, wahrscheinlich gerade deswegen, obwohl du dich hasst dafür. Du würdest ihn sogar noch wollen, wenn er sein Augenlicht verlieren würde. Du hast Angst zu kämpfen, denn das ist nicht deine Aufgabe. Du hast Angst davor dass dein Herz sich dieses Mal komplett auflösen wird, und niemehr wieder hergestellt werden kann. Du bist dir sicher, dass er für dich nichts mehr übrig hat, wenn es denn jemals ein Empfinden wie Freundschaft gegeben haben sollte. Du hast Angst vor einem erneuten Faustschlag, mitten in dein schon zerschundenes Gesicht. Wie lange kann man ein Gesicht wahren, ohne dass es zerbröselt wie eine vertrocknete Rose!? Vielleicht solltest du ihm einen Brief schreiben, geht dir durch den Kopf, denn das Schreiben ist wohl das Einzigste was du beherrschst. Doch du hast keine Adresse von ihm. Du hast eine E-Mail Adresse, doch du weißt nicht, ob er deine E-Mail je erhalten, auch nur ansatzweise lesen würde, wenn er nicht einmal auf eine stinknormale WhatsApp Nachricht reagieren kann. Inzwischen hasst du WhatsApp wie die stinkende Pest und du verfluchst diesen hirnrissigen Menschen diese Erfindung publik gemacht zu haben. Auch SMS findest du dämlich, obwohl du das Schreiben liebst. Die Liebe jedoch liegt im Schreiben, nicht aber im Mitteilen und schon gar nicht im Stalken oder spionieren, denn so wolltest du nie sein. Automatisch mutiert man letztendlich zu einem hysterischen Hobbit mit Funken sprühenden Augen. Yeah! Und das alles ohne abzuschweifen.

Du könntest ihm also eine E-Mail schreiben mit all deinem Hirngesafte über Freundschaft, die fehlt, niemals nicht sein wird, weil es ganz und gar nicht das ist was du möchtest. Dann aber stehst du wieder da wo der Bus dich hat stehen lassen. Fortfahrend, ohne dich eines Blickes zu würdigen. Deine winkende Hand verschwindet in den Abgasen des Auspuffes. Zurück bleibt die Hülle deiner Selbst. Du stehst da ohne ihn. Dann ist es definiert, dann weißt du dass du das, was geschrieben steht nicht wirst rückgängig machen können. Denn er hat dein Zugeständnis schwarz auf weiß, nicht nur im Kopf, welcher vergessen kann und verdrengen, sondern auf Papier eines verdammten Rechners. Du möchtest jetzt gerne mal wissen was zur Hölle du schon wieder falsch machst. Du wirfst mit Kissen um dich, an denen er seinen Kopf platt gedrückt hat, wie oft das kannst du gar nicht mehr sagen. Dein Zeitgefühl ist völlig abhanden gekommen, es kommt dir vor als kennst du diesen Menschen nicht erst seit 5 Monaten. Tränen platschen unbeholfen zu Boden, aber du lässt sie da liegen. Morgen ist sein zweiter OP Tag, eigentlich hast du gehofft dass er sich bis dahin mal gemeldet hat, denn nun liegt es schon wieder an dir ihm etwas wie „Chakkaaa!“ zukommen zu lassen.

Möchtest du das? Du bist es allmählich Leid, den Hampelmann zu tanzen, also lässt du es einfach gut sein. Fürs Erste.
©Netti

Zwischen Geben und Nehmen.

Du bemerkst, dass nicht alle Freunde in deinem Leben bleiben werden, denn die Distanz scheint immer größer. Du weißt nicht was du falsch machst, aber du merkst dass du keine Kraft mehr hast zu kämpfen. Du hast keine Kraft mehr um Freundschaft betteln zu müssen. Du hast keine Kraft mehr zu geben, wenn nichts zurück kommt. Wo ist das Miteinander geblieben von einst? Sogar die Schnelllebigkeit der Freundschaften lässt sich nicht aufhalten. Vielleicht solltest du den Rat deiner spanischen Freundin, am Ende der Welt, bestehend aus virtueller Kommunikation und Vertrauen, über Internet Seiten neue Freunde zu suchen, wahrnehmen. Echte Freunde. Beständige Freunde. Doch selbst dazu fehlt dir momentan die Kraft. Du sehnst dich nach einer innigen, ehrlichen Freundschaft mit Vertrauen und Halt. Nimmst du zu viel als dass du gibst? Ist es das? Aber was wenn du so gern geben möchtest, es doch aber nicht angenommen wird? Soll man sich etwa aufdrengen?

Auch der Fotograf ist abweisender denn je. Zwar eine Entschuldigung von seiner Seite, über sein rückkehrendes scheiß Verhalten, aber dennoch ist irgendwas anders. Auf deine Nachrichten antwortet er erst nach vergangenen zwei bis drei Tagen, er distanziert sich immer mehr. Das Geschreibe verhält sich abweisend, und kühl, kein Funke zeigt dass er dir noch vor kurzem ein großer Halt war, dir Trost spendete, während er neben dir lag und deine Hand streichelte, die ganze Nacht lang. Es schmerzt so sehr, denn er fehlt dir. Du weißt wieder nicht, was du falsch gemacht hast, wo dein verdammter Fehler lag, der sich ihm von dir entfernen ließ. Was kannst du noch tun?

Du bist ratlos und hast es so satt niemals Antworten zu bekommen, denn immer treten Menschen die du einst zu schätzen wusstest unerwartet aus dein Leben, ohne dir auch nur einen Grund zu liefern. Eine Erklärung für dein Hirn, bestehend aus lauter blinkenden Fragezeichen, nicht existent.

©Netti

Anteilnahme, unerwartet.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, wer in der Not zu dir steht. Der Fotograf meldet sich regelmäßig und fragt, wie es dir geht. Wie ihr vorankommt, mit allem. Da er sich mit dir treffen wollte, hast du ihm berichtet, was passiert ist und wie es dir geht, im Moment. Das Treffen fällt wohl erstmal flach. Trotzdem bot er dir seine Hilfe an, wollte sofort vorbeikommen. Du hast abgelehnt, da du bei deiner Familie bist. Es rührt dich so sehr, dass er sich nach dir erkundigt, das hättest du nicht vermutet, von ihm nicht. Du hast angenommen, dass du ihm egal bist, dass es ihn nicht einmal ansatzweise berühren wird, das Geschehen, was dich trauern lässt. Du hast ein „Sorry“ vermutet, ein „Das wird schon wieder.“ Doch was er dir entgegenbringt ist so viel mehr als das. Es ist echte Anteilnahme. Ein ernst gemeintes Beileid, auch wenn er deinen Papa nicht gekannt hat, was du sehr schade findest, denn du bist dir sicher, er hätte ihn gemocht, oder zumindest gerne kennen gelernt. Irgendwann.., vielleicht. Ihr kommt auf Silvester zu sprechen und du schreibst den Fotografen, dass du Silvester NICHTS machen wirst, NICHTS machen WILLST. Couchen und gammeln. Mehr nicht. „Allein?“ Wollte er schockiert wissen. „Allein.“ Daraufhin meint er, dass das doch nicht geht, er das nicht zulässt. Er wird zu dir kommen, notfalls schleift er dich raus. Wenn er meint, kann er das gerne tun. Aber du gehst NIRGENDWOHIN. Darauf freust du dich. Auf diesen Tag, an dem du einfach mal NICHTS machen wirst, am liebsten auch mit NIEMANDEM zusammen. Ausser mit ihm. Und nur mit ihm. Mit ihm, den Fotografen. Einfach NICHTS machen.

©Netti

 

 

 

Nicht mehr da.

Manchmal hat man das Gefühl einem würde der Boden unter den Füßen weggerissen. Manchmal ist es eine einzige Nachricht, welche dieses Empfinden hervorruft. Es dauert, bis das Begreifen dein Hirn erreicht, doch wenn es dann durchgesickert ist, hast du das Gefühl, plötzlich ganz allein zu sein, mit all dem Schmerz und der Last, und dem Begreifen. Plötzlich weißt du nicht mehr wo oben ist, wo unten. Schon seit Februar diesen Jahres weißt du, dass es eines Tages schnell gehen kann. Du hast täglich mit einem Anruf gerechnet, doch letztendlich hast du es verdrengt. Man will es doch nicht wahrhaben, hofft innerlich auf Besserung, auf Teilgenesung. Trotzdem war es dein Wunsch. Du hast dir gewünscht, dass all sein Schmerz ein Ende hat. Hast dir gewünscht, dass er endlich nicht mehr leiden muss. Auch wenn dein Herz sich dagegen sträubt. Dein Verstand weiß, dass es besser ist für ihn. Andererseits: Wer kann wissen was besser ist für ihn? Wer hat die Befugnis so etwas zu behaupten? Dein Herz hat sehr zu kämpfen. Hat Mühe sich nicht vollständig aufzulösen, ins Nichts, denn der Schmerz da drin ist unbeschreiblich. Kaum auszuhalten, das Gefühl der Leere, was nun entsteht, weil er einfach nicht mehr ist. Das Telefon wird nicht mehr klingeln, mit seinem Namen darauf. Du wirst ihn nie wieder sehen können. Denn er ist einfach nicht mehr da, weil er weg ist. Er, dein Papa. Wo auch immer er sich nun herumtreibt. Du hoffst, dass es ihm jetzt besser geht, besser als in all den letzten Monaten. Das Grauen sucht dich heim.

©Netti

UnVeRsTäNdNiSs

Manchmal möchte man einfach nur in Ruhe gelassen werden, weil der i-Punkt über dem i sonst das Fass zum Überlaufen bringen würde. Manchmal weiß man selber nicht, wo einem der Kopf steht. Man bittet um Hilfe, obwohl das Einem unangenehm ist, peinlich, man fühlt sich unbeholfen, hilflos, dumm(?). Manchmal weiß man eigentlich selber schon gar nicht mehr was man eigentlich möchte. Aber die Anderen. Hauptsache die Anderen wissen das. Für dich. Sie geben dir unerwünschte Ratschläge,  Hinweise, Kommentare, Wörter die meinen und vermuten, ohne dass du sie darum gebeten hättest. Ohne dass du sie um all den Scheiß gebeten hättest. Die Einzige Bitte die du hattest war Beistand, und Verständniss um dich und deine Situation. Mehr nicht. Mehr willst du nicht. Mehr hast du noch nie gewollt. Stattdessen pisst man dir ans Knie, die Leute die deine Familie sind. Deine Freunde. Die Besten. Und genau die Leute sind es, die dich verletzbar machen, die dich zu dem machen können, was sich ein Häufchen Elend am Boden nennt, an dem man achtlos vorüber geht. Die Menschen die man liebt sind auch die, die dich am meisten verletzen können. Du erinnerst dich, warum du halt einfach doch besser nicht lieben solltest, denn das Lieben, das hat dir ja noch nie gut getan. Du bist heute besonders verletzbar und allein. Das auch. Denn keiner versteht dich. Das kann man sich ja unmöglich einreden. Das Gefühl der Bleischwere in dir, die du herumträgst, diese Last die immer schwerer wird je mehr auf dich einreden, und keiner versteht. Was in dir vorgeht und warum. Besonders das. Denn die Anderen sind einfach nicht allein, weil da wer ist, der mit denkt, für sie denkt, um einfach nicht denken zu müssen. Nicht mehr viel. Da ist halt einfach jemand der es besser weiß. Aber wenn da keiner ist, der irgendwas weiß, wenn da niemand ist, der mit dir zusammen weiß, auf wessen Meinung sollst du dann vertrauen, wenn du vor soviel Meinungsaustausch deine Eigene schon gar nicht mehr greifen kannst, sie ist zu glitschig und du kannst sie einfach nicht fassen, dein Hirn ist schmierig und verflüssigt sich zu einer gelartigen Substanz. So dass du schreien möchtest, und es auch tust, während dir Tränen der Ausweglosigkeit über die Wangen rinnen, weil plötzlich alles ein einziger KackMistHaufen ist, welcher sinnlos vor sich hinstinkt.

© Netti