…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

Wie es begann…………

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft- Es setzt aus. 1/2

 

Noch immer kannst du es einfach nicht fassen, diese Dreistigkeit. Du kannst nicht fassen wie sehr man dir ins Gesicht lügen kann. Sein Bild auf dieser „Liebes“-App. Eindeutig er. Er, der Fotograf. Du kennst ihn, ihn und dieses Bild, was er auch im Whats App zur Schau stellt. Im „Suchfeld“ hast du deine Heimatstadt eingegeben. Von ihm persönlich weißt du, dass er umziehen wollte. Eigentlich. Eigentlich schon seit gestern. Viel mehr seit nun mittlerweile 4 Monaten. Und zwar weg. Weit weg. Weg aus deinem Sichtfeld. Weg von deinem Empfinden. Warum ist er also noch immer hier!? Und warum trifft man ihn in einer sinnlos App, anstatt ihm persönlich gegenüberzustehen, ausversehen. Zu gern hättest du ihm in sein Gesicht gesagt wie sehr erbärmlich du das Ganze findest, ihn, sein Verhalten, seine Unehrlichkeit, sein Auftreten. Zu gern hättest du ihm deine Hand ins Gesicht gedrückt, all deinen Ärger über ihn, der sich nun wieder anstaut in dir drin, wie eine tickende Zeitbombe, Luft gemacht. Aber nein, nein, du siehst nur sein Foto in dieser App, dieser beschissenen App die angeblich Leute vereinen soll, doch sie vereint nicht, sie zerstört und manipuliert, sie (ver)höhnt und vor allem wertet sie ab, den Mensch und die Person anhand eines Profiles, anhand eines Fotos. Du hast nur ein Rückenfoto drin, und eines mit nur einem halben Gesicht. Dein Profil lässt du frei, du möchtest selber entscheiden, wer was von dir erfahren darf, oder ob du überhaupt auch nur ansatzweise etwas von dir preisgeben magst, denn du erinnerst, du willst dich ja nur kurz mal umschauen und ein wenig schreiben, auch wenn du hinsichtlich eines Kennenlernens das persönliche Treffen bevorzugst, schließlich lebst du in keiner virtuellen Welt, in der man nur via Schriftverkehr miteinander kommuniziert. Du möchtest den jenigen welchen gegenüber stehen, im Angesicht zu Angesicht, Fragen stellend und Antworten gebend. Du weißt dass du von dieser App eigentlich nichts erwarten kannst.

Als du dich ein paar Tage von diesem ersten Schrecken erholt hast und du jegliches Wischen, sobald sein Foto aufkreuzte, umgangen bist, folgt sogleich der nächste Schock. Er war auf deinem Profil. Auf deinem Profil, auf dem es nichts zu sehen gibt, außer deine Rückansicht und dein halbes Gesicht. Deine Rückansicht, die er kennt. Dein Gesicht, das er kennt. So nah ist er gewesen, deine Tränen hat er dir aus dem Gesicht gewischt. Das Bild, welches er kennt, weil auch du dies auf deinem WhatsApp Profil spazieren trägst. Dein Herz stoppt wieder kurz, eine Sekunde nur, doch dann plustert es sich auf. Es pumpt, und pumpt sich voll mit Wut und Hass und Unverständiss. Vor allem das. Du könntest platzen jetzt gerade, hat er doch damals so sehr betont dass du ihn nie wieder sehen wirst, du nie wieder auch nur ansatzweise von ihm etwas wirst sehen und hören müssen. Warum? Du fragst dich was das soll, diese Art der Provokation. Du fragst dich was er damit bezwecken möchte. Aber besonders fragst du dich, weshalb er dich anlügt und dich hat so sehr begossen stehen lassen, hinter deiner eigenen Tür, die du ihm vor der Nase zuschlugst. Weshalb hat er nicht einfach eine stinknormale Aussprache gesucht!? Du weißt du hättest damals vollstes Verständnis für ihn aufgebracht, wahrscheinlich noch heute, du wärst ihm nicht einmal böse gewesen. Du hasst nur Unehrlichkeit, ewiges Hoffen und Nichtverstehen. Du magst es nicht dich in einer Schwebe zu befinden, keine Antworten auf all die Fragen in deinem Kopf. Du hättest ihm verziehen wenn er geht, ehrlich und mit erhobenem Haupt, doch nicht aber schleichend und mit Dreck werfend. Du hättest ihm verziehen wenn du Gründe gehabt hättest, die sein Verhalten erklären und dir sagen dass es einfach nicht an dir liegt, sondern an ihm selbst, weil er es ist. Er ist das Problem. Damals wusstest du das aber noch nicht, dieser Prozess hat gedauert bis heute und noch immer kommt es dir vor wie eine minimalistische Art des Schönredens, doch innerlich weißt du, dass er es ist, das Problem und dass er vor allem eines ist: erbärmlich, weil er nicht einmal zu dem stehen kann, was er ist, um daran und damit arbeiten zu können. Stattdessen strotzt er nur so vor Selbstmitleid, das ist dir nun so klar wie der Himmel, wenn es mal nicht regnet und die Sonne strahlend hell am Himmel steht. Er bemitleidet sich Selbst. Wahrscheinlich noch immer. Du kannst jetzt einfach nicht anders.

Du bist geladen. Auf 180. Möchtest Teller zerkloppen. Ihn. Du greifst dein Handy. Suchst seinen Namen bei WhatsApp und tippst wütend: „Du Arsch! Gehts no…“ Nein halt, du löschst. Nochmal.. „Weißte, du bist einfach nur erbär…“ Ach scheiße nee. „Ey! Du Vollhorst! Umgezogen!? Verarschen kann ich mich all…..“ Man! Du fährst dich kurz mal runter, denn du möchtest keinen Krieg, sondern eine Antwort, eine Antwort auf seine Doofheit. Also atmest du tiiiiiief durch, einatmen, ausatmen, hineinatmen in dein YEAH Powerhaus, und wieder ausatmen und dann tippst du völligst entspannt: „….Du gehst auf mein Profil obwohl deine letzte Aussage war: >Du wirst nie wieder was von mir hören und sehen!< Aha!? Ist mir aber gerade nicht so.. Du bist offenbar noch immer in der Stadt!?“ Du rechnest nicht mit einer Antwort, und doch lässt eine Nachricht an dich nicht lange auf sich warten: „Ja. Da muss ich sagen, dass man dich so sieht: Kein Kopf. Weiß ich aber davor nicht, dass es jemand ist, den ich kenne bzw den ich scheiße behandelt habe. Ich gehe demnächst weg. Korrekt.“ Eine schwammig daher geschriebene Aussage, die dir nur noch mehr Unverstädnis einbringt. Aber du belässt es dabei und schickst ihn wieder weg. Freundlich, aber bestimmt: „War ja kein Vorwurf, nur eine Verwunderung, nicht gleich garstig werden..!“ Du musst lachen. Nicht hysterisch sondern kopfschüttelnd, es ist einfach zu lächerlich, wie sehr er im Selbstmitleid versinkt. Dieses Lachen hilft dir, dich loszulösen, von ihm, den Gedanken an ihm und den Momenten die ihr miteinander hattet. Es hilft dir, dich zu befreien, endgültig, von ihm, den Fotografen.

Bevor du deine Spuren dieser App beseitigst, schickst du deine Nummer an einen Mann, der dich nett unterhalten hat, in der Zeit die du da anwesend warst. Sieben Tage lang. Ein Mann welcher zeitintensiv mit dir schrieb. Nett, authentisch, charmant und sehr, sehr humorvoll. Du hast keine Hoffnungen auf irgendwas, aber wenn es sein soll bleibt der Kontakt bestehen, wenn nicht, nicht. Er liest die Nachricht, und dann löschst du dich aus dieser App. Du kehrst ihr den Rücken und ihm, den Fotografen und du lebst einfach dein Leben mit allem was kommt, der Schmerz aus vergangenen Zeiten hat dich stärken lassen, du bist dir selber bewusst und gehst achtsam durchs Leben. Dein Bauchgefühl wird dich in Zukunft rechtzeitig auf Respektlosigkeiten und Fehlverhalten hinweisen. Es werden keine Tränen mehr fließen, denn du stehst da einfach drüber. Du wirst lachen, und weiter gehen, denn du kennst den Weg den du gehen willst, und der Weg ist das Ziel. Dein Ziel.

©Netti

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Fragen vs. Antworten: Momente des Seins.

©by a friend

Lang ist´s her und doch…..

Vielen Dank an Lockenchaos für die Nominierung, der ich hiermit gerne nachkomme.
Die Liebster-Awards erinnern mich nach wie vor etwas an diese ewigen „Kettenmails“ und „Kettenbriefe“ die damals in der Schule herumgereicht wurden. Die waren immer ein hin und her. Da die Awards jedoch in einem ganz anderen Kontext stehen, möchte ich die Nominierung annehmen und die Fragen dazu sehr gern beantworten. Man kann sich somit ein Stück weit selber reflektieren und begibt sich auf eine kleine Reise. Sie führt einen an viele Orte, bis hin zu unergründeten Gedanken und wünschenswerten Momenten.

Momente, welche ich sehr gern mit euch teilen werde, denn ohne euch würde dieser Blog nicht existieren. An dieser Stelle ein herzlichstes: Dankeschön!

Ich werde allerdings niemanden nominieren, was man mir hoffentlich nicht verübelt..

Und hier meine Antworten zu den Fragen:

 

  1. Was ist das erste, was du je geschrieben hast? Also nicht dein Name oder ein Schulaufsatz, sondern dein erster eigener Text.

Schade, ich hätte jetzt gern von meinem allerersten Schulaufsatz berichtet, den gibt es sogar noch. Es ist lustig in vergangenen Zeiten zu schwelgen. Augenzwinker!

Der erste tatsächliche Text, auch als solcher wahrnehmbar (neben Blogbeiträgen aus früheren Blogs) war ein Gedicht. Eine Art Liebesgedicht, an einen Mann, dem ich in gewisser Weise mein Herz schenkte und mein Gedicht, was wohl sehr peinlich war, denn ich hörte nie wieder was von ihm, und sah ihn auch nicht mehr. Das Leben kann manchmal echt grausam sein.

 

2. Gibt es ein Tabuthema für dich, über das du niemals schreiben würdest?

Sex: Ausführlichen und detailierten Sex. Etwas darüber lesen? Gern mal mit. Es selber schreiben, bis ins noch so kleinste Detail? Niemals. Das ist ein Thema, dass man selber lebt, und empfindet, und bis in die Haarwurzel spürt, etwas dass ich nur teilen möchte mit demjenigen, der es auch empfindet. Eben weil der Akt mit demjenigen zusammen vollzogen wird. Gemeinsam. Und alles andere als einsam.

 

3. Die BRAVO möchte eine Foto-Love-Story mit dir machen. Was wäre die Handlung?

Yeah! Bravo-Fotolovestory. Die Handlung würde sich wahrscheinlich unter Wasser abspielen. Wasser, mein Element. Gern auf Hawaaii. Mit Taucherausrüstung, oder ohne, egal, hauptsache unter Wasser. Da ist alles leicht. Bunt. Und voller Leben. Jeglicher Stress weicht von einem ab. Das Bild in meinem inneren Auge zeigt einen Action Trip mit weißen Haien, für Action bin ich immer zu haben, und der Love-story-Held, ja, der Held, der würde mich dann retten, denn Haie sind ja soso böööse und greifen an, doch der Held, der beschützt mich und am Ende, ja am Ende sind wir am Strandufer und lassen uns fallen, aufregend! Zwischen dem noch heißen Sand, welcher von den Strahlen der Sonne erhitzt wird, folgt die zweite Aufregung, es fallen die letzten Hüllen und hier ist der Schnitt. Denn den Moment, den lebe dann nur ich. Und der Held.

 

4. Musik machen oder Musik hören?

Komische Frage, wie ich finde, kann man nicht erst Musik hören, wenn jemand sie macht!? Okay, ich nehme an ich muss mich jetzt hier und an dieser Stelle entscheiden, wie so oft im Leben und ich sage: Musik machen fetzt schon, wenn man es kann. Schlagzeug“spiel ich ab und an mal“ falsch, Schlagzeug probier ich hier und da mal zu spielen, man kann Anspannungen, Wut, Frust und Ärger über die Musik raus lassen. 

Trotzdem: Musik hören. Es macht glücklich, befreit und erleichtert. Und vorallem kann man wunderbar dazu tanzen und mitsingen, und das auch wenn man es nicht kann. Dazu kommt mir gerade wieder mein Eintrag in den Sinn, welchen ich kürzlich erstellte, da ging es auch um die Musik, und ein Lächeln, welches nun wieder meine Lippen erreicht. Danke durch die Frage an den Moment der kurzen Erinnerung.

 

5. Welche Serie sollte deiner Meinung nach wieder aus dem Seriengrab auferstehen?

Ocean Girl! (Allerdings war die 1. Staffel die beste! Da ging es noch mehr um den Ozean und den coolen Charley und es wurden die Aliens noch nicht so sehr thematisiert. Augenroll.)

 

6. Was bricht dir das Herz?

  • Todesfälle von Menschen, welche im Herzen fest verankert sind.
  • Unerwiderte Liebe
  • Wenn Menschen die man zu würdigen wusste aus dem Leben für immer verschwinden. Es ist das Für immer was einen angreifbar macht und verletzen lässt. Also mich. Aus der Verletzung zerspringt das Herz in tausend Stücke.

 

-> Ab hier folgt der Nachtrag, diese Frage habe ich ausversehen ausgelassen..:

7. Wenn du nur noch eine Sache auf der Welt essen dürfest, was wäre das?

Zählt Liebe auch darunter? Ich möchte mich gern nur noch von Liebe ernähren. Zählt nicht? Gemein.

Dann Kaninchen. (Mit Rotkohl und Klößen. Und Sauce!!)

 

8. Wer oder was löst in dir das Gefühl aus, mit Konfetti schmeißen und vor lauter Glück die Arme weit ausbreiten zu wollen?

Erwiderte Liebe, aber auch Momente in denen sich alles richtig anfühlt. Weil ich weiß es wird gut werden. Und wenn es dann tastächlich gut wird, gut ist, dann fühl ich mich einem Vogel gleich, welcher die Flügel schwingt, und einfach abhebt.

 

9. Wo hast du mehr Spaß: Club oder Kneipe?

Kneipe, wenn sie gesittet und weniger laut ist. In Clubs ist es in der Regel immer zu laut. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

10. Der Mensch hat ja unliebsame Pflichten. Heute ist dein Glückstag! Du darfst eine davon für immer abgeben. Welche ist es und warum?

Die Pflicht nach einem Todesfall entscheiden zu müssen wie ein Mensch, dessen letzter Wille nicht vermerkt wurde, bestattet wird. Es ist gestört in so einer Situation darüber nachdenken zu müssen. Das müsste irgendwie alles einheitlich geregelt sein, schon vorher, für alle gleich.

 

11. Der Doktor klingelt an deiner Türe und lädt dich in die Tardis ein (Jaaaa, sie ist von innen viel größer als von außen). Wohin würdet ihr in der Zeit reisen?

Welcher Doktor!? Und wo ist der Prinz..?

Jah ouhkey.. ich reise ins Mittelalter, mit dem „Doktor“. Burgen sind soso cool! Besonders die düsteren, mystischen. Viele Wendeltreppen, Keller, Verliese, lange Irr-Gänge, Turmspitzen welche sich in die Höhe strecken. Auch die Gewänder der Frauen wahnsinnig spannend, es würde mich reizen mal in solch ein Kleid zu schlüpfen und einfach zu schauen, wie es wohl so war, das Leben in ebendieser Zeit. War es möglicher Weise weniger kompliziert? Weniger bürokratisch? Gewiss eine aufregende Zeitreise..

 

©Netti

 

 

 

BlogAbschied? Nein. Aber Pause, auf unbestimmte Zeit.

Der Kopf schmerzt und ich bin müde all der Gedanken die mich umgeben. So vieles, ungreifbar, schwer und matschig, was mich nicht loslässt, denn es krallt sich fest, wie ein ekelhafter Tumor. Vergleichbar mit einem Tornado welcher in rasanter Geschwindigkeit auf mich zubraust. Haltsuchend klammer ich mich fest an etwas, was mir Sicherheit vorgaukelt, Erlösung, Hoffnung. Doch der Tornado kommt immer näher, und ich weiß er wird alles mit sich ziehen. Auch mich. Ich möchte gern Urlaub machen. Vor mir Selbst und meinen Gedanken. Vielleicht gelingt es mir indem ich aufhöre mich irgendwem mitzuteilen. Durch Fotos oder Geschriebenes. Wieviel von dem bin denn auch ich? Ist nicht alles nur Farce? Virtuelles Leben schränkt die Lebendigkeit ein. Mich. Gerade. Im Moment. Ich habe mich dem angenommen, um den erschreckenden Wahrheiten des Lebens zu entfliehen, es gibt hier kein Schmerz und kein Leid, teils hier, doch aber zumindest auf Instagram. Ich verliere mich in den Leben der Anderen, die so viel glänzender sind als das Meine. Fotos werden gezeigt aus Allerwelt. Staunend beobachtend was all die Menschen zu sein scheinen. Fotos werden geladen nicht wissend was das Ganze eigentlich soll. Bin das ich? Ist das mein Leben? Was ist denn mein Leben? Es lebt sich schnell, viel zu rasant, diese Schnelllebigkeit zieht in jeglicher Hinsicht an mir vorüber, nicht wissend wie sie aussieht die Möglichkeit, welche die Schnelligkeit zu etwas mehr Langsamkeit machen kann. 

Ich habe einst geschworen, hier im Blog, das Thema des Egoismusses wieder aufzugreifen.. Man ist umgeben von soviel Ich. Es erschreckt mich und stößt mich ab, gleichzeitig aber ist es wenn auch nur ein klitzekleiner, Moment des Abstandes. Vor mir Selbst und den stechenden Gedanken. Ich muss nichts sagen, einfach nur zuhören, das kann ich gut, mich mit dem Leben der Anderen beschäftigen, nur nicht mit dem Meinen. Ich muss keine Fragen beantworten auf die es keine Antworten zu geben scheint, denn mein Kopf der gibt davon keine her. 

Probleme interessieren keinen. Weinende Menschen? Die haben die Pest. Also verpisst euch.

>>Wie geht es deinem Papa!?<< 

>>Papa ist nicht mehr!<< 

Langanhaltende Stille.

>>Okay!? Gut, Themawechsel!<<

Was wohl passiert wäre hätte ich plötzlich angefangen mit heulen?

Im beinahe gleichen Atemzug erfahre ich von ihrer Schwangerschaft.

Also ist es Zeit. Zeit ein kleines bisschen Urlaub zu nehmen. Urlaub vor mir Selbst. Und meinen Gedanken. Besonders das. Ob das tatsächlich möglich ist, ist fraglich, doch ein Versuch wird mich nicht gleich umbringen. Wie lange das andauern wird steht in den Sternen, doch auch die Sterne leben schnell, und im Nu bin ich zurück, aus meinem Urlaub, vor mir Selbst.

©Netti

Sag mir bitte, dass es dir gut geht.

Einmal mehr im Leben fragst du dich, was nach dem Tod geschieht. Ist dann wirklich, echt jetzt, mit einem Kawumms einfach alles vorbei? Befindest du dich dann im Nichts, Nichts Denken, Nichts Fühlen, Nicht mehr Sein, für die Ewigkeit? Oder gelangt dein Körper in die Hölle, in Form von.., ja was eigentlich? In Form einer Fledermaus? Des Teufels? Satan höchstpersönlich? Wirst du vielleicht wiedergeboren, als Fisch, vielleicht? Oder entweicht die Seele dem Körper um durch die Weltgeschichte zu schweben? Die Seele, welche achtsam und nebulös aus dem Körper kriecht, fast wie Nebelschwaden, nur eben unsichtbar.

Du erinnerst dich an den schlimmsten Tag deines Lebens, es scheint als war es gestern, wie du am Bett gesessen bist, von deinem Papa, deine Stiefmutter-so nennst du sie der Einfachheit halber, ließ dich für ein paar Minuten allein zurück. In deinem Hals ein dicker Kloß. Heiße Tränen, welche in Sturzbächen aus deinen Augen strömten, kein Ende nehmend. Dein Mund staubtrocken, als hättest du seit Tagen nichts mehr getrunken. Aus verquollenen Augen schautest du deinen Papa an, du siehst ihm so ähnlich. Du hast seine Nase. Seine Mundpartie. Er hat vieles an dich weitergegeben. Du fühltest dich wie gelähmt, gefangen in einem Alptraum, aus dem du einfach nicht erwachen konntest. So unwirklich, wie er vor dir lag, die Augen geschlossen, der Mund geöffnet, so als würde er schlafen, und laut schnarchen. Doch er schnarchte nicht, kein Ton kam über seine Lippen, und auch sonst regte sich nichts mehr in diesem Raum. Gespenstische Stille umgab dich und ließ dich erschaudern, dir war schweinekalt, du hast gezittert und die Zähne schlugen klappernd aufeinander, blaugefärbte Lippen zeigten deine innerliche Kälte. Du nahmst seine Hand in die deine und hieltest sie und streicheltest sie, behutsam, sanft, zärtlich und liebevoll. Dir gingen so viele Gedanken durch den Kopf und gleichzeitig war da nichts außer unendliche Leere in dir. Da war so viels, was dir über die Lippen wollte, doch kein Wort konntest du nach außen tragen. Du weintest und weintest so viele Tränen des Schmerzes und Vermissens, deine Brust zog sich qualvoll zusammen, diese Bleischwere in dir und deinem Hirn, du atmetest schwer, bekamst kaum noch Luft, schnappartig zogst du Luft ein, um diese im nächsten Atemzug wieder rauszuweinen, und zu schreien, denn innerlich war der Schrei so laut wie ein Atombombeneinschlag. Erschütternd, ohrenbetäubend. Sekunden verstrichen, Minuten, du weißt nicht mehr wie lange du dort saßt auf diesem Stuhl, neben Papas Bett, jegliches Zeitgefühl ging dir verloren. Das Fenster angekippt, leichte Windbrisen schwebten durch den Raum. An der Decke des Heimes hingen gebastelte Sterne, welche sich leicht im Lufthauch bewegten. Sie schwangen von einer Seite zur Anderen, doch ansonsten kehrte kein Leben zurück in diese 4 Wände. Du fragtest dich, wo dein Papa jetzt wohl ist, ob er dich sehen kann, wie du bei ihm sitzt, der Ohmacht nahe und aus deinen Augen blickend, verquollen und rot. Du fragtest dich, ob er deine Tränen trotzdem noch spüren kann, welche auf seinen Körper niedertropften. Heiß, dampfend. Innerlich schimpftest du mit dir selber, wolltest du ihm doch nicht weh tun, mit deinen heißen Tränen, nicht dass er sich verbrennt. Du fragtest dich, ob er trotzdem noch bei dir war, im Raum, vielleicht vor dir saß, auf dem Bett. Vielleicht hob er sogar seine Hand, um dir die Haare, die dir ins Gesicht fielen, aus dem Gesicht zu streichen, und dann ein Stofftaschentuch reichend, um dir zu signalisieren: „Zieh deine verdammte Nase nicht hoch, sondern schnaub, Mädel!“ Bis zuletzt hat Papa das Nasehochziehen gehasst. Auch in seiner Zeit der Krankheit. Wenn du kein Taschentuch hattest musstest du nun mal Nase hoch ziehen. Dafür erntetest du dann böse Blicke. Entschuldigend „Na was denn? Nase hochziehen ist gesund! Sogar gesünder als schnauben“. redetest du dich raus. Dir liefen die Tränen, wenn du daran dachtest, du wolltest ihn nicht verärgern, das hast du nie gewollt. Du wolltest immer, dass er stolz auf dich sein kann, stolz auf sein Mädchen. Du bist dir nicht sicher, ob er je stolz sein konnte auf dich, und das was du erreicht hast im Leben, wenn auch nicht viel. Dein Papa hat es nie gesagt. Dann wurde es Zeit Abschied zu nehmen, unter Tränen hattest du ihm deine Liebe gestanden, hattest dich bedankt dafür, durch ihn erfahren zu haben was es heißt zu lieben. Was es heißt du Empfinden und zu Fühlen. Du hast dich entschuldigt dafür, nicht viel öfter für ihn da gewesen zu sein und du gabst ihm ein Versprechen. Du versprachst ihm auf seine Partnerin aufzupassen, ein Auge auf sie zu haben, Acht zu geben, und sie nicht im Stich zu lassen. Du versprachst ihm, dass du für sie da sein wirst. „Mach dir keine Sorgen Papa“! Deine Augen schmerzten all der Tränen, sie hinterließen salzige Wege des Verlustes auf deinen blassen Wangen. Du gingst ganz nah an ihn heran, nahmst jedes noch so kleine Detail in deinem Verstand auf, um niemals nie zu vergessen, wer er gewesen ist. Dein Papa. Wieder entwichen dir Schluchzer der Hyperventilation, verzweifelte Japser, um Rückkehr bittend. Du führtest deinen Mund auf Papas Stirn und gabst ihm einen herzlichen Kuss, einen Abschiedskuss. Dann klopfte es an der Tür. Die Leichenbestatter wollten ihn mitnehmen.

Du erinnerst dich, wie du einmal mit Papa über das Leben und den Tod gesprochen hattest und du berichtetest ihm von deiner Oma, was seine Mama war. Die Oma hat sich damals bei dir verabschiedet, in ihrem alten Haus, an dem Tag, an dem sie hätte Geburtstag gehabt. Doch sie starb schon ein Jahr zuvor an einem schweren Krebsleiden. Das erzähltest du Papa, wie sie dich aufsuchte, du hast sie nicht gesehen, doch sie hat etwas aus dem Regal geworfen, was mit einem lauten Knall zu Boden ging. Du weißt, das war die Oma. Es war ihr letzter Gruß. Wenn du allein gewesen wärst, hättest du an deinem Verstand gezweifelt, an deinen Hirnsynapsen, die anscheinend nicht mehr rund liefen, doch du warst nicht allein, denn deine jüngere Cousine war bei dir, und ihr saht euch aus großen, erschrockenen Augen an, doch als ihr realisiertet liefen Tränen, Tränen der Freude und der Ungläubigkeit. Papa lachte dich aus, als du ihm Bericht erstattet hast, er fand das wahnsinnig komisch, dieses Märchen, welches du ihm da auftischtest, doch du wusstest es einfach besser. Papa wollte es nicht glauben, weil er nicht konnte, lässt es sich doch nicht rational erklären, alles Humbug.

Nun wünschst du dir, dass er dich aufsucht, dass auch er einen letzten Gruß an dich hat. Du bist dir sicher, dass du es diesmal wärst, die ihn auslachen würde, denn du hast es ja schon immer gewusst, doch dann würdest du weinen und einfach nicht mehr klar kommen in deiner beschissenen Welt, weil er dir einfach so sehr fehlt, und nie wieder zurückkommen wird. Er wird dir nie wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen, nie wieder über diese Märchen lachen die du ihm erzählst, die ja gar keine sind, und er wird nie wieder fragen, was es neues gibt bei dir und in deiner Wohnung mit den blöden Nachbarn und bei deinem Job. Er wird dich gar nichts mehr fragen, außer vielleicht eines: „Woher wusstest du, dass es Oma war?“

Sorry, man! 2/3

Mögliche Gründe und Antworten um nicht mit dem Fotografen zu Kurt Krömer gehen zu müssen. *

  1. Tut mir Leid, echt Hey, aber morgen ist leider g.a.n.z. schlecht.
  2. Morgen? Ouh! Da hab ich schon was vor. Schade!
  3. Ach Krömi ist ja morgen!? Tut mir Leid, da hab ich grad mal Spätschicht.
  4. Morgen werde ich wohl keine Lust haben.
  5. Oh sorry. Mich hat da jetzt schon wer anders gefragt.
  6. Sorry hab morgen Grippe. (MagenDarm, Kopf, Rücken, Krampfadern, Schwindel…..)
  7. Flieg morgen nach Hawaaii, dort heirate ich.
  8. Sorry, bin schon verabredet.
  9. Morgen? Oh ungünstig da hab ich ein Date. Schade!
  10. Also eigentlich will ich ja schlafen.
  11. Du sei mir nicht böse aber. Nee, also.. Echt nicht! 
  12. Nee, also da würde mir echt was besseres einfallen.
  13. Nochmal so viel Geld zahlen? Nein.
  14. Danke, nein.
  15. Sorry, keine Zeit.
  16. Kann nicht.
  17. Wie schön dass du an mich denkst. Das nächste Mal mit etwas mehr Begeisterung bitte. Kann „nun“ leider nicht deine Begleitung sein!
  18. Holst du mich ab? 
  19. Lädst du mich ein?
  20. Hat sonst keiner Zeit?
  21. Die Andere möchte wohl nicht? 
  22. Sorry aber ich werde keinen schönen Abend mit dir verbringen, den du nicht zu würdigen weißt.
  23. Fährst du? Geb dir 1/4 vom Preis der Karte. Vllt auch die Hälfte. Dann bin ich dabei.
  24. Frag besser wen anders.
  25. Bin nicht dein Lückenfüller.
  26. Kenn die Show ja eh schon.

Ich tendiere zu Nummer 10.
*dazugehöriger Text in folgendem Beitrag zu erlesen: WunschLos

©Netti

Was bleibt?

Ein lauter Knall direkt neben mir. Vielleicht auch unter mir. Oder oben drüber? Ich weiß es nicht. Es klingt als ist etwas umgefallen. Etwas großes. Schweres. Ein Schrank? Vielleicht ziehen sie jetzt alle aus hier. Einer nach dem Anderen. Dann habe ich endgültig meine Ruhe. Bin alleine. NochVielMehr. Mein Kopf drückt, die Hirngewinde pulsieren, falls so etwas existiert, in mir drin. Schmerzen bei jedem Pumpzug. Ein Druckgefühl was entsteht, durch den Zwang die Augen offen zu lassen. Es tut weh das Hirn einzuschalten. Noch ein Knall. Nur dieses Mal irgendwie von aussen. Von der Straße? Vom Himmel? Es ist ein seltsamer Ton, einer, den man nur so ganz schwer deuten kann. Ein lang gezogener, lauter und unheimlicher Ton. Danach Stille. Es tauchen Bilder auf, vor meinen Augen. Ich sehe Flieger. Hauptsächlich höre ich sie. Ganz viele dunkle Jets am Himmel, welche irgendwas abfeuern. Ich sehe genauer hin und erkenne Feuerbälle. Glühend. Blendend. Rot. Gelb. BUMM! Einer trifft genau neben dieses Haus. Mein Ohr fiebt, beginnt zu dröhnen. Ich lebe, was ich fühle, nur in Gedanken, genau jetzt. Es dauert um zu begreifen, dass es nur ein erschreckender Furz ist, welcher meinem Hirn entweicht, auch wenn ich nicht weiß wo er herkommt. Tausend Fragen splittern von diesem Feuerball bis hin zu mir. Wenn eine Bombe neben mir einschlagen würde, würde ich das überleben? Überleben wollen? Können? Dürfen? Müssen? Mein Blick fällt auf die Bücher, meine große Liebe. Das, was mich irgendwie glücklich macht. Aber.. Sind es tatsächlich die Bücher? Oder nur die Texte dahinter, die Zeilen, Worte, und Buchstaben, in denen ich mein Glück finde? Die Fotos an der Wand, mein Rechner, Papier und Stift mit dem ich Schreiben kann. All die materiellen Dinge.. Wie viel von mir bin noch ich, wenn all mein Hab und Gut nicht mehr da wäre!? Zerstört, ruiniert, kaputt. Wie viel von mir bin dann noch ich? Das Gefühl, was dunkel hier herum kriecht, beängstigend und drohend, das kann doch kein Gutes sein? Oder? Plötzlich komme ich mir lächerlich vor mit dem, was ich als Liebe definiere, weil es mir nicht würdig ist lieben zu dürfen, und diese auch erwidert zu bekommen. Zumindest nicht immer. Nicht immer kommt an was ich aussende. Das Warum bleibt in den Wänden kleben, zwischen dem Gestank der sich verteilt. Rauchschwaden ziehen durch das undichte Fenster, doch in Wirklichkeit sind es meine Gedanken, die einen Weg nach draußen suchen…

© Netti