Alles was fehlt..

..ist dein Lachen und die Augen die strahlen weil das Glück aus ihnen spricht.

..ist die Ruhe in der deine Kraft liegt mit der du mich stärkst.

..sind all die Kleinen Pünktchen, verteilt auf deinem starken Körper, sie sind braun, beinahe schwarz, und jedes von Ihnen schaut anders aus, jedes ist ein Teil von dir. Im Gedanken habe ich einen Stift in der Hand, um all die kleinen Pünktchen miteinander zu verbinden, so wie das Leben, wenn man es von außen betrachtet, aus einzelnen Momenten besteht, die sich alle miteinander verbinden lassen.

..ist deine Stimme deren Klang mich so sehr fasziniert dass ich ganz viel erfahren möchte von dir und deinem Leben, ganze Momente und Geschichten die mich berühren.

..sind deine Haare am Kopf wenn sie in eine Richtung abstehen, die für sie nicht vorgesehen sind. Die Unvollkommenheit macht dich perfekt.

..sind deine fast pechschwarzen Augen die so tief blicken lassen bis hinein in deine Seele. Und doch können sie die Sicht verschleiern unter Tränen, welche salzig zu Boden tropfen.

..ist dein Humor, welcher mich in jeder Sekunde zum Lachen bringt, denn Lachen ist die beste Medizin, Lachen ist Glück.

..sind deine langen Hände, welche mein Gesicht ertasten und jede Stelle an meinem Körper erfühlen. Sanft sind sie und zart, sie strahlen Wärme aus und Schutz.

..ist der Halt den du mir gibst während du mich im Arm hältst, dann fühle ich mich beschützt und sicher, weil mir nichts auf der Welt  passieren kann. Das Glück liegt in meinen Armen.

..ist dein Duft, so natürlich und wunderschön, er benebelt meine Sinne und lässt mich empfinden.

..sind deine Lippen, so zärtlich und sanft und so voller Gefühl, ich schmecke Leidenschaft und Glück, Verlangen nach mehr und den Augenblick der zählt. Ich schmecke dich, und du schmeckst wundervoll.

..ist deine Umarmung und den Schutz den du mir gibst, darin spüre ich soviel Kraft, ich spüre  Halt der größer nicht sein könnte.

..ist deine Ehrlichkeit und die Worte die meinen was sie sagen, auch wenn es keine Worte sind sondern eine Träne, welche in salzigen Spuren über deine Wange rinnt, denn in diesen Tränen sehe ich Schmerz und ich weiß dass du fühlst und empfindest.

..ist dein Herz was sich nicht verschließt, sondern schlägt, nur für mich.

..ist dein wunderschönes Ansehen, deine Augen, der Mund, ich betrachte ihn so gern und spüre ihn auf den meinen, deine Nase, sie ist so perfekt wie deine Zähne in Reih und Glied. 

..ist deine Schulter und deine Brust an der ich mich anlehnen kann, ich kann deinem Herzschlag lauschen, den Tönen die dein Herz aussendet.

..ist dein Blick der manchmal mehr sagt als tausend Worte dann könnte ich dich auffressen und festhalten für immer.

..sind die Momente die uns miteinander verbinden, die Vertrauen schaffen und Sicherheit, eine Basis auf deren ein Wir heranwachsen kann.

..ist die Hoffnung die mir sagt dass alles gut wird, wenn du zurück bist, ich möchte so gern glauben daran dass es nur dich geben wird und mich.

..ist das Vertrauen in einen Neubeginn, in einen Restart, zurück in Deutschland musst du wieder Fuß fassen, vielleicht fällt es dir schwer dich an mich zu erinnern, dass es da mal irgendwann jemanden gab, der ja ziemlich nett war. Und irgendwie ein bisschen süß.

..ist das Wissen was geschehen wird in diesem Jahr deiner Abwesenheit, in deinem Leben und in meinem. 

..ist das Vergessen was niemals eintreten kann, denn du existierst in den Gedanken und im Herzen, nur da, wo du auch bleibst. Trotzdem werde ich leben, die Momente, und glücklich sein, ohne dich.

..bist du.

©Netti

Unaufhaltsam.

Sie spürt diese Schwere in ihrer Brust, und auf den Schultern, auch da. Es zieht sie nach unten, irgendwie. Sie errichtet all diese Dinge, die sie am Leben teilhaben lässt und dennoch ist sie so unsagbar müde, sie sehnt sich nach einem kuschelweichen Bett in dem sie schlafen kann. Es drückt in ihrem Kopf, all die Gedanken drängen sich beisammen. Sie hat es satt dieses Gedenke, sie hat es satt, dieses Geheule. 

In der Bahn bemerkt sie diese Blicke auf sich, starrend, mitleidig fast schon. Die Leute werden sich fragen, warum dieses schöne Geschöpf all diese Tränen vergießt. Sie werden sich wundern, wie so viele Tränen kein Ende nehmen können. Unaufhaltsam tropfen sie auf diesen Boden, auf denen unzählige Füße stehen und Halt suchen. Die Füße des Mädchens schlackern und rutschen, fester Halt ist ihr nicht gegeben. Ihr Kopf ist ihr so schwer sie möchte ihn am Liebsten fallen lassen, er würde dann durch all die Füße purzeln, slalomähnlich. Vielleicht aber würden ein paar zugehörige Menschen zu Boden gehen. „Strike!“, würde sie dann rufen, und ihrem Mund würde ein Lächeln entweichen, zum allerersten Mal, während alle Zehne einfach so umfallen. Zehn Menschen am Boden liegend, so wie sie. Diese Vorstellung findet sie irgendwie lustig, sie lacht ein fieses Grinsen und erschrickt als ihr das eigen Ebenbild im Fensterglas entgegenblickt. Verheulte, rote Augen mit gequollenen Lidern. Spuren salziger Verzweiflung auf ihren Wangen. Sie spürt die Blicke des Mannes, er ist nicht so schlank wie sie, er wirkt sehr stark und gefasst, wie ein (Teddy)Bär der sie zu beschützen vermag. Nette Augen blicken ihr zu. Unter Tränen erwidert sie den Blick, sie fühlt sich plötzlich aufgefangen und beschützt und doch schreit ihr scheuer Blick nach Hilfe. Nach Rettung. Nach einem Ort an dem sie sich fallen lassen kann. Nach einem Ort an dem sie verstanden wird. Ihre Gedanken brüllen ihm zu. 

>>Bleib hier.<< 

Sagen sie. 

>>Geh nicht.<<

Flehen sie. 

Bettelnd haftet ihr Blick unter Tränen an seinem bärtigen Gesicht. Die Tür schwingt auf und der Mann wendet sich ab von ihr, einfach so. Sie blinzelt und verliert eine Träne an der sie sich zu klammern versuchte. Sie schiebt sich durch die Massen, keine Entschuldigung, kein Verzeihung. Ihre schmale Gestalt prallt gegen all die Körper, sie will doch nur noch, sie will nur noch.. nur einen Blick..

Der Mann, hinter denen die Türen schließen, schaut zu ihr zurück. Er dreht sich um, sein Blick wirkt verwirrt, durcheinander, dann suchend.. ein berührtes Augenpaar blickt suchend an dem Punkt an dem das Mädchen gerade stand. Doch sie ist weg. Enttäuscht  wandert sein Empfinden durch die anfahrende Bahn. Da sieht er sie!

Das Mädchen reißt die Augen auf, ihm ist als möchte sie etwas sagen, ihr Mund bewegt sich langsam, doch er kann nicht vernehmen was es ist, durch die Türen dringt kein Ton. Sie drückt sich an die Tür und ihre Hand berührt das keimige, verschmierte Glas der schneller werdenden Bahn. Er versteht nicht. Irgendetwas hat das Mädchen an sich, so sehr hat ihn noch nie etwas bewegt, jemand. 

Ein letztes Mal treffen sich ihre Blicke, bevor die Bahn aus seinem Blickfeld verschwindet. 

Das Mädchen ist nun nur noch eine Erscheinung, die sich einfach nicht benennen lässt. Umherkreisend in seiner Erinnerung. War diese Person jemals existend, oder entstand dieses Wesen seiner reinen Gedankenkraft!?

©Netti 

Tag 2. Ein bleibender Eindruck. 2/2

Dieses Mal bringst du dem kranken Manager Teewasser, ohne dass er dich zuvor drum gebeten hätte, denn du siehst ihm an, dass es ihm noch immer nicht besser geht. Heute ist der Tag der Abreise, ein wenig schade ist das schon. Man sieht morgens die gleichen Gesichter, man weiß dessen Vorlieben, wenn auch nur in Essens und Getränke Angelegenheiten, und man gewöhnt sich aneinander. Unbewusst baut man zu jedem einzelnen Gast eine gewisse Beziehung auf. Da entstehen nette Worte, gefüllt mit Respekt und Dankbarkeit. Auch hier ein Geben und Nehmen. Liebevoll stellst du die Kanne mit dem heißen Teewasser vor ihm ab, seine eigene Thermoskanne steht noch vor ihm auf dem Tisch. Dankbar lächelt er dich an, und du lächelst zurück. Die anderen Kollegen bekommen heiß aufgebrühten Kaffee. Zurück in der Küche fertigst du weitere Vorbereitungen, dein schwarzes Arbeitskleid umspielt deine schlanken Beine. Bei der Vorbereitung, als die Gäste noch nicht anwesend waren, trugst du noch deine Kittelschürze, leider hat sich dann ein bisschen Kaffee darüber verteilt, huch, wie ungeschickt von dir, sodass du sie ablegen musstest. Deine naturgewellten Haare sind mit ein paar Klammern leicht aus dem Gesicht entfernt. Dieses Mal können keine störenden Spritzer von Fett und Wasser auf deine Brille gelangen, denn die hast du heute durch Kontaktlinsen ersetzt, das ist so viel bequemer. Deine Augen wirken offener und leuchten strahlend blau, deine Lider tragen sanfte Brauntöne welche sich perfekt mit deinen Haaren ergänzen. Die Wimpern sind leicht getuscht, ein wenig Glitzer hat sich zwischen jedes einzelne Härchen verankert, kaum auffällig und doch erstrahlst du in einem kaum wahrnehmbaren Glanz, welcher nur einem besonderen Moment gegönnt sei. Mit deinem Auftreten möchtest du dem Herrn Manager danken, für das Vertrauen und die Dankbarkeit, welche er dir entgegenbrachte, und vielleicht bleibst du ihm so in guter Erinnerung. Der Anruf, den du tätigen solltest hat sich erübrigt, denn die Frau rief noch am selben Tag an und bestätigte die Kostenübernahme der Kollegen, was du dem Manager sogleich mitteiltest.

Du hörst wie Stühle scharren und Füße auf Parkett treten, jedes einzelne Stück knarzt unter den Schritten. Die jungen Herren laufen aus dem Frühstückszimmer und gehen ihres Weges, doch der kranke Manager mit dem Ziegenbart bleibt an der offenen Küchentür stehen und blickt dich an. Für einen Moment bringt keiner einen Ton heraus, es sind stille Blicke der Anerkennung, welche ihr miteinander austauscht. Eure Münder formen ein lautloses Grinsen, halbseitig, ohne aufdringlich zu wirken. Du bist die erste, die den Blickkontakt unterbricht, denn erst jetzt bemerkst du seine Thermoskanne, die nach heißem Wasser schreit. Ob dir das fehlen wird? Du setzt nochmals das heiße Wasser auf und bleibst im Profil vor ihm stehen, zu nervös dich seinen Augen erneut auszusetzen, seinem Blick der so vieles sagt, und gleichzeitig nichts. Du kommst dir albern vor, wie du da vor diesem Wasserkocher stehst und die vielen Blubberblasen beobachtest, so als hättest du das noch nie gesehen. So, als wäre es völliges Neuland für dich, wie ein Gerät Wasser zum Kochen bringen kann. Doch der Herr öffnet den Mund um etwas zu sagen, und du verstehst nicht gleich was die Töne bedeuten, dieser verdammte Kocher kocht einfach zu laut, doch nach einer kurzen Konzentration ergeben seine Worte Sinn und du bemerkst dass er eine Frage gestellt hat, auf die offenbar eine Antwort folgen sollte. Du öffnest die Lippen ganz leicht, musst jetzt wohl überlegen was du sagst und vor allem wie, und dann lachst du einfach, ohne auszulachen, dein Lachen ist herzlich und echt, denn die Vorstellung hinter seiner Frage ist einfach zu amüsant. „Nein, ich gehöre nicht zum Inventar, Gott bewahre. Ich bin nur Angestellte“, gibst du nun augenzwinkernd zurück. Er fragt dich ein bisschen über das Hotel, und über dich, ohne dir zu nahe zu treten. Im Gegenzug berichtet er dir von seiner Erkältung, welche ihn jetzt schon ein Stück weit begleitet. Fieber hat ihn etwas schachmatt gesetzt, welches aber, seitdem er hier ist, zum Glück verschwunden war. Du nickst, und nickst, fühlst mit ihm, dein Mund formt Zustimmung und Wünsche der Besserung. Als du ihm die Kanne reichst, berühren sich eure Hände für eine Millisekunde, zu kurz, als dass du es bewusst wahrgenommen hättest. Nur ein kleiner Abdruck verbleibt auf deiner warmen Hand. Du wunderst dich und hoffst, dass es keine Bazillen sind. Nur der grauschwarze Ausdruck dieser Augen bleibt etwas in dir haften. Viel Zeit zum Grübeln bleibt nicht, über die Hand, welche einen Ring spazieren trägt, denn du bist hier um zu arbeiten.

Nachdem du gut vorangekommen bist hörst du abermals Schritte und das Schließen von Türen. Und du weißt.. der Abschied steht bevor. Es ist kein Abschied unter Freunden, und auch kein Abschied unter zweier Menschen welche sich kennen, sondern es ist eine Verabschiedung von einem Mann und einer Frau, einer ersten  Begegnung mit auf Anhieb entstandener Sympathie. Der TV Manager kommt dir entgegen, bleibt abermals vor der Küche stehen. In der rechten Hand sein Reisegepäck, in der linken sein Zimmerschlüssel. Er hält kurz inne, wieder streifen sich eure Blicke. Ein Moment der Stille entsteht. Er hebt die Hand um dir den Schlüssel zu reichen und bedankt sich bei dir, „Es war wirklich schön.“ „Ja, schön“, stimmst du ihm zu, ohne zu wissen was du damit meinen könntest. Der Schlüssel liegt nun in deiner Hand, etwas verwirrt blickst du darauf nieder, sie kommt dir gerade etwas fremd vor. Ist das deine Hand? Er setzt an um zu gehen, läuft einen Schritt der ein Wiedersehen nicht erduldet, doch dann hält er inne. Du stehst noch immer bewegungslos, etwas nutzlos und seltsam ergriffen in dieser Tür, ohne dich auch nur einen Millimeter zu rühren. Du bemerkst sein Zögern, bist verwundert und irgendwie neugierig, hat er was vergessen!? Er dreht sich um, und schaut in deine Augen, nur dieser eine Schritt liegt zwischen euch, und dann, kaum hörbar und doch so laut dass dein Verstand es wahrnehmen kann: „Entschuldigung, das.. , ich muss Ihnen das jetzt einfach sagen… Sie..,………… Sie sind wirklich zauberhaft!“

Dein Herz setzt aus, für einen Schlag, vielleicht für zwei oder drei, eine Sekunde in der er sich umdreht und die restlichen Schritte bis zur Treppe läuft und du, du bist gerührt, über diesen fremden Mann, der dir eben das wohl schönste Kompliment deines bisherigen Lebens gemacht hat. Hast du das gerade eben richtig verstanden!? Zauberhaft..* Was bedeutet das gleich noch? Du bist so verwirrt, dass dir die genaue, korrekte Bedeutung des Begriffes entfallen ist, du musst gleich dringend Google fragen. In dieser Sekunde gehen dir 1000 Gedanken durch den Kopf und du fragst dich wie das möglich ist, wie das möglich ist so viel zu denken und keinen einzigen Gedanken davon laut aussprechen zu können. Noch während du seinem Fluchtschweif hinterher blickst, rufst du ihm ein: „Oh, vielen Dank!“, hinterher, und du hoffst, dass er das noch mitbekommt.

Die Tür schließt sich mit einem lauten Knall. Ein Lächeln umspielt deine Lippen. Gleichzeitig fragst du dich, was du bitte mit dieser Info sollst, und warum er so schnell weg war. Du fragst dich, ob er das auch zu dir gesagt hätte, hättest du heute genauso kacke ausgesehen wie am gestrigen Tag. Vielleicht ist er ein Mensch, der nur auf Äußerlichkeiten bedacht ist.

Du blickst aus dem Fenster und siehst wie die vier in den großen Transporter steigen. Der Manager sitzt am Fenster. Sein Blick ist auf die Straße gerichtet, an seiner rechten Hand glänzt der silberne Ring.

Google: *Zauberhaft: sehr reizvoll und schön


©Netti

Erste Begegnung..: Tag 1: Der mit der Visitenkarte. 1/2

Kontaktaufnahme: Zurück in die Zukunft. 1/2

Der Urlaub vor mir Selbst hat nun doch mal ein Ende. Kann ja nicht ewig so weitergehen. Außerdem fehlt ihr mir, und ich möcht euch knutschen, für eure lieben Worte. Ihr habt mich -wieder einmal- zu Tränen gerührt!

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Änderungen ziehen sich durch das Leben, ständig ändert sich was, manchmal so groß, dass es in das Hirn einschlägt wie eine Atombombe der fiesesten Art. Man sollte meinen irgendwann gewöhnt man sich daran, aber es trifft dann doch immer mal wieder ziemlich unerwartet. Ob manche Änderungen gut oder schlecht sind, lässt sich nicht immer zu Beginn beurteilen. Mit all den Gedanken sitzt du in der muffigen, stinkigen, wohl aber glücklicherweise, nicht ganz so vollen Bahn. Du hast dich extra auf einen freien Platz gepflanzt, neben dir all dein Taschengedöns, damit nicht noch wer auf die Idee kommt sich neben dich zu setzten um dich zwanghaft in ein Gespräch zu verwickeln. Um dich herum Menschen, nur ein paar. Du kannst deinen Abscheu und Gram gegenüber Menschen nicht unterdrücken, ja du hasst Menschen, auch wenn du selber einer bist, also schaust du ablehnend und desinteressiert aus dem Fenster, umgeben von deinen Gedanken, auch wenn es dein Plan war Urlaub zu nehmen, vor dir Selbst. Doch dass der Urlaub mit dieser Bahnfahrt enden wird weißt du schon, bevor du auch nur die Bahn betrittst. Irgendwas ist anders. Nur was kannst du einfach nicht benennen. Trotz der Gedanken hast du ein Lächeln auf den Lippen, für Andere wohl kaum wahrnehmbar, doch für dich, für dich schon, denn du spürst die Veränderung die soeben in dir wächst. Heute ist ein guter Tag. Die Bahn hält an diversen Haltestellen, Menschen steigen aus, und neue Passanten betreten die Bahn, all das weißt du, obwohl du nicht einmal deinen Kopf hebst. Wieso auch, ist ja viel interessanter raus zu schauen, wenn man drin ist. Häuser ziehen an dir vorüber, Ruinen und komische Menschen. Überall sind Menschen, eigentlich verrückt, wenn man sich das so vorstellt. Bildlich und so. Und jeder davon schaut anders scheiße aus. Jeder auf seine Art. Fasziniert hängst du deinen schnell wechselnden Gedanken nach. Dann plötzlich wird dein Hirngulasch unterbrochen, von einem irgendwie seltsamen Gefühl. Da schleicht sich was in dein Empfinden, und du kannst es noch nicht ganz herauskristallisieren, du bist dir nicht sicher, von was dieses Gefühl in dir hervorgerufen wird. Noch während du darüber grübelst, weißt du plötzlich woher es kommt. Du wirst beobachtet. Und zwar ganz, ganz gruselig, penetrant fast schon, so zumindest fühlt sich das an. Du spürst beinahe, wie sich irgendwelche Augen in dich reinfressen, aber nur ein Paar. Also zwei Augen, aber diese Augen schon alleine schauen für die Menschen der ganzen Bahn. Dir gruselt es innerlich, und du scheust dich, den Kopf zu heben. Mei, wer weiß wen oder was du dann erblickst, es gibt die gruseligsten Geschöpfe auf Erden. Irgendwann hältst du diesen Blick auf dir nicht mehr aus, und du möchtest schreien: „Ey! Samma! Hackts!??? Hab ich was in der Fresse oder was!? Schau wen anders an und hör auf mich anzustieren! Das ist sowasvon…. psycho!“ Du hebst also genervt den Kopf, wendest ihn ab vom spannenden Leben hinter Glas, und blickst geradeaus, genau dahin, wo du den starrenden Blick vermutest. Du bewegst den Mund um garstige Sprüche zu formulieren, doch stattdessen denkst du nun: „Krass! Was für Augen!“ Du erblickst die krassesten, blauen Augen die du je gesehen hast. Ertappt wendet er seinen Blick von dir ab. Vor dir sitzt ein junger (?) Mann, der nicht mehr ganz so jung scheint, wie er wirkt. Der Mann schaut fast aus, wie dein ehemaliger Arbeitskollege, nur in einer jungen Version. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Du schaust wieder weg- unglaublich was ein Hirn alles denken kann, zwischen nur 5 Haltestationen, in gerade einmal 10 Minuten Fahrt. Du stellst fest, dass er ja ganz toll sitzt, so direkt vor dir, schöne Aussichten hat der da, nur weil er unbedingt rückwärts fahren muss, der Penner. Noch während du diese Flüche denkst, ist das Gefühl wieder zurück. Der spinnt doch. Jetzt glotzt der weiter. Du überlegst dich umzusetzten, aber das ist dir dann auch zu blöd, du hast da schließlich zuerst gesessen, soll der doch den Platz wechseln, ArschArsch. Also ignorierst du das Gefühl der Beobachtung Starrerei so gut es eben geht. Du bist froh als endlich die Stimme ihre Ansage durchgibt: „Nächster Halt: Hauptbahnhof. Zentraler Umsteigeplatz.“ Rasch stehst du vom angewärmten Sitz auf, damit du schneller bist als der unverschämte Mensch da vor dir, und kramst dein Taschen,-Beutelzeug zusammen. Du atmest leise auf, sichtlich erleichtert, als die Bahn quietschend zum Halt ankündigt. Doch noch ehe die Bahn zum Stehen kommt und du in deiner Vorstellung den Türöffner drückst, steht dieser unverschämte Mensch, der dich die ganze Zeit angestarrt hat, direkt neben dir, und wagt es, dich auch noch anzuprechen. Blau funkelnde Augen durchbohren die Deinen. >>Sorry, dass ich dich so überfalle, aber ich muss dich jetzt ansprechen, du bist mir schon mal aufgefallen in der Bahn, darf ich fragen wie du heißt!?<< Dein Blick spricht wahrscheinlich 1000 Bände, dein Mund der aufklappt nur um wieder zuzuklappen, sprachlos, im Sinne von nicht mehr sprechen können, weil vergessen wie es geht. Du hüstelst dümmlich und presst deinen Namen hervor, natürlich nur deinen Vornamen, das muss reichen. Als die Bahn endlich hält drückst du schnell den Drücker und ein Piepen ertönt, du überlegst schnell vor diesem Menschen davonzulaufen. Aber er ist wahrscheinlich sowieso schneller, auf ein (Wett-)Rennen hast du jetzt keine Lust. Du betrittst die Haltestelle und drehst dich flüchtig um, da steht er schon wieder, direkt vor dir, würdest du die Hand aussstrecken, könntest du ihn berühren, aber du hast gerade keinen Schimmer, ob du das überhaupt wollen würdest. Diese Augen! Immerhin hast du nun die Gelegenheit ihn auch mal so scheiße zu mustern. Aber scheiße sieht anders aus. Seine Augen sind ziemlich auffällig, verdammt verblüffend und schöne Zähne hat er auch. Das ist gut. Recht klein ist er, aber naja, wer weiß was der von dir möchte. Apropos. Was redet der nur die ganze Zeit, du siehst immer nur seinen Mund, der sich bewegt, aber Töne dringen nicht hervor. Du überlegst ob du vielleicht taub geworden bist, durch diesen Überfall, eine Art Schockreaktion, aber dann nimmst du durchaus die Töne um dich herum wahr. Laute Bahnen rattern an euch vorüber, Menschen drengeln und schubsen sich an euch vorbei, Kindergebrüll und Straßenlärm der vorbeipreschenden Autos. Entschuldigend lächelst du ihn an, du hast da gerade irgendwas nicht mitbekommen. >>Darf ich dich anrufen?<< Zum zweiten Mal verschlägt es dir die Sprache, weil du eigentlich nur gemütlich Bahn fahren wolltest und nun so unverhofft und aus dem Blauen heraus zu einer Entscheidung genötigt wirst, die du in weniger als zwei Sekunden zu fällen hast. Du stammelst und stotterst um Zeit zu schinden, denn schnelle Entscheidungen waren noch nie deine Stärke. Wieder fegen Gedanken durch dein Hirn und du fragst dich, wieso er dich denn anrufen möchte, am Liebsten würdest du sagen: „Kannst du auch schreiben?“ Als das Stottern und Stammeln nicht mehr weiter herauszuzögern ist sagst du: >>Ja. Klar.<< So viel zum Thema Schlagfertigkeit. Ohne Worte schaust du ihn an, er schmunzelt, lacht und ist nervös. Komisch. Was hat er denn!? Achso. >> Huch, du willst meine Nummer, hey!?<< >>Ja, bitte, sag mal an!<< Spinnt der!? Du sollst jetzt hier deine Nummer laut ansagen, damit all die umstehenden Personen das mitbekommen? Wahrscheinlich zücken sie dann heimlich ihre Telefone und speichern flink die Nummer ein, ein gruseliger Gedanke. Trotzdem sagst du die Nummer an, vielleicht ist ja ein Zahlendreher drin. Die Menschen strömen weiterhin an euch vorüber, niemand schert sich darum, dass ein junger Mann und eine junge Frau gerade dabei sind Kontakt zueinander aufzunehmen, niemand realiesiert diese depperten Straßenbahn(mit)fahrer. Als er deine Nummer in sein Handy eingetippt hat wiederholt er sie nochmal, mehr für sich, als für dich, und du stellst fest, dass kein Zahlendreher drin ist, auch hast du keine Ahnung ob du das gut finden sollst. Wieder strahlt er dich fast schon verlegen an, seine Hände zittern leicht, seine blauen Augen machen dich nun doch etwas sentimental, oder zumindestens ist sein Verhalten irgendwie putzig. Hast du dir sowas nicht schon immer gewünscht!? Nochmals entschuldigt er sich bei dir für sein Verhalten und hofft nicht aufdringlich gewesen zu sein. >>Eigentlich ist das sonst echt nicht meine Art…<< Du lächelst nur und winkst ab. Entschuldigend verabschiedest du dich bei ihm, und er freut sich dir begegnet zu sein. >>Tschüssie.<<, verabschiedet ihr euch. Dann geht jeder in getrennte Richtungen.

Du läufst an die Ampel, bleibst wartend stehen, bis diese auf Grün springt und du über die Straße laufen kannst, während über deinem Kopf ein rießengroßes, grell blinkendes, signal,- Ampelmännchenrotes Fragezeichen schwebt. Du bist dir sicher, dass all die Leute drumherum davon geblendet werden. Dennoch umspielt deine Lippen ein leichtes Lächeln, für Andere kaum wahrnehmbar, aber für dich, denn du weißt, heute ist ein guter Tag, und das gerade eben hat sich gar nicht mal so ganz doof angefühlt. Und nochetwas. Man hat dich gesehen. Er hat dich gesehen. Gesehen und wahrgenommen.

©Netti

 

 

Zurück in die Vergangenheit.

„Guten Morgen! Frohe Ostern!“, wünschst du den Gästen, welche vor dir den Frühstücksraum betreten. Sie lächeln dich freudig an und wünschen das Gleiche. Das Pärchen mittleren Alters begibt sich sogleich zum Buffet. Du fragst sowohl die Frau, als auch den Mann ob sie Kaffee wünschen und wartest die Antwort ab. Die Frau nickt und sagt: „Ja sehr gern!“ Nur langsam drehst du dich um, damit du gehen und deren Wünsche erfüllen kannst, doch dein Blick bleibt an dem Mann haften. Irgendetwas stimmt mit seinen Augen nicht. Er schaut dich an, und du schaust ihn an, vorsichtig, leicht fragenden Blickes, abwartend ob auch er noch eine Zustimmung verlauten lässt. Sein Gesicht irgendwie völlig ausdruckslos, seine Augen fast schon leer, emotionslos, gleichgültig. Plötzlich schnürt es dir die Kehle zu, dieser Blick! Du musst dich schnell abwenden, schnell gehen um den Kaffee zu holen, denn deine Augen werden wässrig, Tränen sammeln sich und schwimmen bedrohlich, beinahe überschwappend. Dieser Mann erinnert dich so sehr an deinen Papa, auch seine Augen trugen zum Schluss eben diesen Ausdruck. Du vermutest er könnte auch einen Schlaganfall gehabt haben, du vermutest irgendetwas hat diesen Mann innerlich zerstört. Gestern hat er dich nur einen Satz gefragt, über die Deko, die überall herum steht, ansonsten hast du keinen Ton von ihm gehört, kein Lächeln sehen können. Und nun- nun sagt er wieder nichts, gar nichts, die Frau an seiner Seite spricht für ihn. Du bringst den beiden den Kaffee und bemerkst dabei, wie sehr fürsorglich sie mit ihm umgeht. Dein Herz wird weich, in deinem Hals ein rießiger Kloß. Dieser Moment lässt dich an Papa denken, an die schwere Zeit, die du eigentlich verdrängen magst. Dein Papa konnte sich nie richtig erholen, er bekam keine Chance für Besserung, Genesung, nicht einmal Teilgenesung. Du findest es schlimm, dass diese Welt aus so viel Krankheit und Leid bestehen muss. Du fürchtest dich davor wie vor so vielem, doch diese eine Angst, die lässt dich fast lähmend nach Luft japsen, weil sie dir den Hals zuschnürt und sich panikartig in deinem Körper breitmacht. Die Angst das Erlebte nochmals durchmachen zu müssen. Der Moment ist wieder present, die Angst zurück. Papa in deinem Kopf. 

©Netti

In memory

Manchmal sehe ich dein Gesicht noch deutlich vor mir. Wie bei einem Sinneseindruck, wenn der Betrachter glaubt Objekte wahrzunehmen, die nicht vorhanden sind. Kennst du das, wenn du einen Würfel vor dir hast und die Kanten, die normalerweise nicht sichtbar sind, im Gehirn ergänzt werden? Man glaubt etwas zu sehen, was nicht existiert. Ich sehe dein Gesicht, obwohl es nicht da ist. Jede Lachfalte, die du um deine Augen trägst, deine strahlenden Augen, dein Lächeln.., all das so real. Diese Momente versuche ich oftmals minutenlang festzuhalten, damit ich niemals vergesse wer du gewesen bist, als ich dich kennenlernte. Doch leider ist der Augenblick oft nur von kurzer Dauer und ich danach mit einer schrecklichen Traurigkeit erfüllt, weil dein Bild in meinem Kopf nach und nach verblasst. Kennst du das Gefühl der Traurigkeit, wenn dir etwas genommen wird, wie bei mir die Erinnerung an dich, welche mit der Zeit immer schwächer wird!? 

©Netti
*Liebesbrief an einen Mann welcher die Liebe nicht erwiderte.

FremdSein 

Die Musik ist laut. Dröhnend. Blechern. Aus den Boxen knallt laute Musik. Helene Fischer ist wie immer „Atemlos“. Das Mädchen sitzt auf ihrem Platz, vor sich eine giftgrüne Bowle. Sie fischt die in Alkohol getränkten Früchte heraus und kaut sie genüsslich. Nebenbei unterhält sie sich mit einer Frau ihren Alters, um die dreißig. Ein tiefes Lachen entweicht dem Mädchen. Beide wechseln interessierte Blicke, beide sind vertieft in ein Gespräch, was Nähe zeugt.

Der Junge beobachtet sie aus großen Augen. So dunkel, wie die Nacht dort draußen, beinahe schwarz. Wäre da nicht dieser Glanz, könnte man meinen er wäre abwesend, völlig versunken in seinen Gedanken, lebend in seiner eigenen Welt. Doch er blickt das Mädchen an, kann den Blick nicht abwenden von ihr, er stiert beinahe. Seine Lippen umspielt ein leises Lächeln, der Kopf leicht schräg zur Seite geneigt, so als würde er das Gespräch der beiden belauschen. 

Das Mädchen spürt einen Blick auf sich, durchbohrend, röntgend. Sie fühlt sich beobachtet und kann es nicht deuten, ob sie das als angenehm empfindet oder eher nicht. Der Junge unterbricht nicht ein einziges Mal seine Beobachtung.  Das Mädchen rutscht unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Vorsichtig blickt sie in seine Richtung. Für eine Millisekunde treffen sich ihre Blicke, die Augen weiten sich, kaum sichtbar, die Pupillen werden größer. Der Junge fühlt sich ertappt. Das Mädchen ist peinlich berührt. Schüchtern unterbrechen beide den flüchtigen Blickkontakt und senken den Kopf. Das Mädchen führt ihre Unterhaltung fort, während der Junge auf die Tischdecke starrt und die Krümel hin und her schiebt. Er hat niemanden, mit dem er eine Unterhaltung führen kann. Der Platz neben ihm ist frei.

©Netti