Seelenfresser.

Du siehst ihn da stehen, von weiten schon, und dir ist bewusst, dass er es sein muss, der Mann von dem Profilfoto. „Hallo“, sagst du nur, und stellst dich ihm vor. Soeben sei er schon erschrocken, meint er, als eine Andere auf ihn zu kam, er dachte dass seist du, warst du aber nicht. Offenbar ist diese Person ein sehr direkter Mensch. Wie genau er das gemeint hat, erläutert er nicht, aber du liest auch nicht zwischen den Zeilen, weil es dir egal ist. Er wollte dich treffen, um dich kennenzulernen, weil er dich zumindestens optisch interessant genug findet, um dich vor seine Kamera zu bekommen. 

Ihr beschließt in ein Café zu gehen um etwas zu trinken. Du stellst dir vor dass ihr einfach nur locker ins Gespräch kommt, um zu bequatschen, wie euer Fotoshooting ablaufen wird, was er sich vorstellt und ob dies mit deinen Vorstellungen übereintrifft. Doch schon als ihr euch setzt und die Getränke bestellt, beide einen Kamillentee, merkst du dass ein Gespräch beginnt, was nachklingen wird. 

Die Unterhaltung geht nur schleppend voran, er erzählt ein wenig von sich und fragt dich aus, wie alt du bist und was du machst, und ob du allein lebst. Die Fragen findest du seltsam, trotzdem antwortest du. Er schaut dir in die Augen, und will wissen ob du so gar nichts über ihn wissen möchtest, und stellt fest dass er schon lange kein so komisches Gespräch mehr hatte, ein so ruhiges, verhaltenes. 

„Bin schüchtern.“, sagst du nur und zündest dir bereits die zweite Zigarette an. Er schüttelt mit dem Kopf, sagt: „Nein, aber verschlossen. Erzähl doch mal von dir, ich muss dich doch erstmal kennenlernen, bevor ich dich fotografieren kann. Ich fotografiere nicht einfach einen wildfremden Menschen, ohne auch nur ein bisschen was zu wissen. Erzähl doch mal was.“ 

Deine Finger schnippen hektisch an der Zigarette herum. „Was denn.. soll ich dir meinen Lebenslauf erzählen oder wie? Das kannst du knicken! Das mach ich nicht.“ „Ja.“, sagt er, doch du weißt dass er nur sagt, es aber nicht genauso meint. Seine Witze, die eigentlich keine sind, sind leicht durchschaubar.

Er erzählt noch ein bisschen was über sich, Sachen die dich eigentlich gar nicht so interessieren, denn du dachtest es geht hier nur um das Fotografieren und Model stehen und nicht darum was man macht, oder was nicht. Er kommt von Russland, erzählt er, und du sagst: „Schön.“, weil du es schön findest, aber mehr auch nicht. Du gibst nur die nötigsten Sachen über dich preis, denn alles Andere geht ihn auch gar nichts an. Warum solltest du einen Fremden bei einem ersten Gespräch so nah an dich ranlassen.. Überhaupt an dich ranlassen, wie geht das überhaupt. Du hast vergessen wie man ein funktionales Gespräch miteinander führt, ein Gespräch miteinander, anstatt gegeneinander, du hast vergessen dass ein Dialog eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen ist, die sich austauschen, stattdessen lauschst du nur seinem Monolog, was dir gerade mehr als nur Recht ist. 

Er lächelt immer mal ganz seltsam, das entgeht dir nicht. Aber trotzdem ist es schnurzegal was er denkt, das interessiert dich nullkommanullirgendwas, und wieder, schon wieder schaut er dir direkt in die Augen und es gruselt dich, du bekommst sogar ein bisschen Gänsehaut, während du den Blick standhältst und deine Zigarette im Aschenbecher ausdrückst.

„Genießt du dein Leben?“, fragt er dich mitten in dein Gesicht, was dir soeben zu entgleisen scheint. Du kannst sie hören, deine sorgfältig auferlegte Maske, wie sie laut klirrend von deinem Gesicht bröckelt, und nun in einzelnen Fetzen von deinem bereits zerschundenen Gesicht hängt. Du wendest es ab, denn was fällt ihm ein, diesem Arschloch, dir verdammt nochmal so eine Frage zu stellen, eine Frage, die du dir selber nicht einmal zu stellen wagst, aus Angst dich damit befassen zu müssen. 

„Arschloch.“, sagst du ihm, und du meinst es auch so, während stumme Tränen der Erkenntnis über deine Wangen rinnen. 

„Scheiße, entschuldigung, habe ich dich jetzt zum Weinen gebracht? Das wollte ich nicht, ich habe offenbar einen Nerv getroffen. Das passiert mir manchmal. Wir müssen da gar nicht drüber reden, also.. wir reden einfach ein anderes Mal darüber.“ 

„Das kannst du vergessen. Ich rede überhaupt nicht darüber. Das geht dich überhaupt nichts an.“, spuckst du ihm ins Gesicht, und ärgerst dich über die Schroffheit in deiner eigenen Stimme. 

Wieder blickt er dich an, mit diesem Blick, den du jetzt schon kennen und fürchten gelernt hast. 

„Wenn du so bist, also die Tränen, wenn du so vor der Kamera….., das wäre grandios.“, das scheint er tatsächlich ernst zu meinen, keinerlei Regung zeigt sich in seinem Gesicht. Also das findest du jetzt echt scheiße, nutzt der hier gerade deinen Gefühlsausbruch aus? Versucht er dich gerade irgendwie hinzustellen?, fragst du dich, doch dir fällt nicht ein wie, wie er dich hinstellt, denn offenbar will er einfach dich. Und das sagt er auch. Er möchte dich mit der Kamera einfangen, deine Person, dein Wesen. 

In dir tobt ein Kampf, ein Streit zwischen Gut und Böse. Du möchtest aufstehen, und ihm sagen was für ein rücksichtsloser, unsensibler Trottel er ist, doch stattdessen bleibst du schweigend sitzen, das Kinn hochgereckt, während die letzten deiner Tränen über deine nassen Wangen verenden. Euer Blick hält stand. 

„Ich hoffe, ich darf dich trotzdem noch fotografieren. Sonst.. ich könnte mir das nicht verzeihen. Ich wäre enttäuscht. Von mir. Nein. Wütend über mich.“ 

Ihr haltet den Augenkontakt, aber du antwortest nicht. Lässt nur ein bedrücktes, kaum sichtbares Nicken zu. 

„Ich muss pinkeln.“, sagt er nun, gerade als du dachtest, dass du pinkeln musst. 

„Ich auch.“, meinst du und stehst Tasche greifend auf, um loszustürmen, zur Toilette, erstmal weg, von ihm, atmen, Luft holen. 

„Und warum gehst du jetzt zuerst?“, ruft er dir nach, was dich ein wenig zum Lächeln bringt, zeitgleich erstirbt es wieder, als dir seine Worte im Kopf nachhallen. >Genießt du dein Leben?< Vier lächerliche Worte, die dich so sehr zum Wanken bringen. Du schließt die Toilettentür hinter dir, greifst mit beiden Händen aufs Waschbecken und schaust deinem gehetzt wirkenden Gesicht entgegen. Sie wollen nicht rein in dein Kopf, diese Worte, diese Frage, die du einfachso unbeantwortet im Raum hast stehen lassen. Noch immer geschockt von dem Nachhall.

Während du die Treppen runter steigst, überlegst du wegzurennen, blickst dich nach einem Notausgangsschild um, eines wo ein weißes Männlein auf grünem Hintergrund zur Tür heraushetzt, eine Tür welche durch einen Pfeil in die richtige Richtung weist. Doch hier ist kein verdammtes Schild, stattdessen wackelst du auf deinen noch immer zittrigen Beinen zurück zur Tür, von wo aus du ihn schon an dem Tisch sitzen siehst. Als du ankommst steht er auf. 

„Bis gleich.“

 Noch immer stehend schreit alles in dir: >Renn weg! Lauf!<, doch dein Arsch setzt sich wieder auf dieses blöde Sitzkissen drauf, wahrscheinlich schon voller Angstfürze benetzt, von alterschwachen Damen und rotzigen Kindern oder Frauen, welche Fragen gestellt bekommen, die sie einfach nicht hören wollen.

Als er zurück kommt lauft ihr in die Richtung, in die du gehen musst, dann sagt er:

„So, hier trennen sich unsere Wege. Wir sehen uns! Wir schreiben uns!“, auch das Fragezeichen dahinter schwingt in seiner Aufforderung mit, die leise Angst dass das Shooting zerplatzen könnte, so wie die Seifenblase, bestehend aus farbigen Regenbögen, wenn zuviel Luftdruck ihr Sein ins Nichts auflöst. Er schließt dich in die Arme. Diese Nähe. Wie seltsam. So komisch. Irgendwen zu umarmen. Dass es sich auch ein bisschen schön anfühlt möchtest du nicht wahrnehmen, denn du möchtest diese Nähe nicht, sie ist dir einfach zu viel. Jetzt gerade. Und überhaupt. 

„mhhh.“, nuschelst du, nichtwissend was es ausdrücken soll, und drehst dich auf dem Absatz um. Seinen Satz den er zum Abschluss anfügt: „Du bist seltsam, aber interessant. Sieh es einfach als Kompliment.“, möchtest du am Liebsten überhört haben, weil zu laute Kinder, Hundegebell, Straßen-Auto-Bus-Motorrad-Lärm, oder weil die Tauben zu laut gurren (rugeldigurugeldigu-Blut ist im Schuh?) und seine Worte einfach so ungehört verschlingen. Ja, hier sind eine Menge Tauben und Kinder, und Fahrzeuge, aber alle haben in diesem Einen Moment beschlossen zu verstummen. Spitze, denkst du dir, während erneute Tränen über dein Gesicht rinnen und du schnellen Schrittes in Richtung Straßenbahn eilst.

Da ist eine Betteltante mit ihrem Pappbecher in der Hand, welche auf ein paar Groschen hofft, an ihr läufst du vorbei, ohne sie bewusst wahrzunehmen, auch wenn dein Blick gerade aus geheftet ist, ist er doch verschleiert und schaut ins Nichts. Bis zwei junge Männer, in ein Gespräch versunken, nebeneinander laufend, deine Aufmerksamkeit zurück auf den Moment des Hier und Jetztes lenken. Das Gespräch endet abrupt, und der rechte Mann mit den dunklen Haaren und dem dunklen Blick, offenbar sind seine Augen dunkelbraun, beinahe tiefschwarz, auch wenn du dich fragst, wie du dass auf die Entfernung hin feststellen kannst, schaut dich an. Nicht dich. Sondern dich. Er sieht dein Innerstes und obwohl du längst eine neue Maske übergestülpt hast, schaut er in deine Augen. Und er sieht da was. Panisch fragst du dich, ob das auf deiner Stirn geschrieben steht, alles das, was dich hat aufwühlen lassen, alles das, was dich bewegt. Es muss blinken, wie eine Reklametafel vor sich hinleuchten, während ihr aneinander vorüber lauft. Zeitgleich dreht ihr euch nacheinander um, eure Augen noch immer ineinander versunken. Du siehst nur ihn, nimmst sonst nichts wahr. Der Mann in deinem Blickfeld, euer Blickkontakt, der dem Laufen standhält, denn noch immer setzt ihr euren Weg fort, ohne zu sehen wo ihr hinlauft, du schaust über deine Schulter nach hinten, doch deine Schritte bewegen sich vorwärts. Plötzlich spürst du einen Aufprall, und erstarrst, dein Kopf schnellt nach vorn, vor dir ein Masten. Verwirrt bleibst du stehen um zu realisieren dass du nur beinahe kollidiert wärst, mit einem Masten, der da verdammt nochmal nicht hingehört. Peinlich berührt schaust du dich suchend um, doch die beiden Männer sind verschwunden, haben sich plötzlich aufgelöst, zwischen all den Menschen die durch die Straßen wuseln.

Im Kopf taucht dieses Bild auf, von dem Mann, der dir nachläuft, nachrennt – er rennt dir hinterher,- atemlos zieht er an deiner Hand und dreht dich zu sich um, während eure Blicke nicht mehr von einander ablassen können.

Dieses Bild, der Mann wie er dir hinterher rennt, bis zur Bahn, sein suchender Blick gleitet durch die 1000 bunten Menschen, doch er sieht dich einfach nicht. Er kann dich nicht sehen.

Dann kommt die Bahn, dieses Bild, wenn die Türen der Bahn schließen, und ein lautes, grilles Pfeifen ertönt, das Warnsignal, dass die Bahn nun anfährt, und du stehst dahinter, hinter dieser Tür. Die Hände des Mannes, und die deinen berühren sich an der Tür hinter Glas.

Schnell ist es wieder weg, das Bild, ohne dass du erinnerst woher es dir bekannt vor kommt. Ein Déjà vu? Oder nur ein Trugbild deiner Gedanken?

In der Bahn checkst du die Menschen, ohne sie wirklich wahrzunehmen, sie verschwimmen immer mehr zu einer kunterbunten, schwammigen Masse, welche zähe Bewegungen vollziehen, und doch fühlst du diese Enge die dich fast zum Ersticken bringt. Diese Nähe der zusammengequetschten Massen in der Bahn ist dir einfach zu viel. Jetzt gerade. Und überhaupt. „Genießt du dein Leben?“ Das Bild im Fenster aus Glas spiegelt deine Tränen wieder.


©Netti

 

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HerzSchweigen 2/2

Das Mädchen fror nach wie vor, es war ihr so kalt ums Herz, dass auch ihre Tränen an der eisigen Luft zu frieren begannen, und es entstanden gefrorene Rinnsale aus eisigem Salzwasser. Sie sehnte sich so sehr nach Wärme und Glück, dass sie fast schon nicht mehr wusste wie sie noch weiter machen sollte, mit dem Glauben in dieser Welt, die für sie nur aus Kälte bestand.

Sie fragte sich, wie das all die Anderen machten, das Lieben und Verlieben und Zusammenwachsen, kannten die denn alle gar keine Ängste!? Gab es denn bei denen so etwas gar nicht? 

Existierte das etwa nur in ihrer Welt!? Das Einzigste was bei ihr zusammenwuchs waren all die teilzersplitterten Ängste, die sich mit der Zeit die verstrich, immer mehr zu manifestieren schienen. Wie gern würde sie darauf scheißen auf all diese hirnrissigen Ängste. Aber das war nicht so leicht, denn ihre Gedanken mischten mit. 

So gab es nicht nur das Herz mit dem Bauchgefühl, sondern auch die Gedanken, die wie scharfe Pfeile um sich schossen. Sie verfehlten das Herz, denn das war ja zerschrumpelt, eine  ekelhafte Rosine, alt und verbraucht. 

>>Hör‘ auf dein Herz!<<

Sagten die Leute, als das Mädchen wieder einmal nach der Liebe fragte.

>>Dein Bauchgefühl wird dir sagen was richtig ist, was falsch.<<

Wieder konnte sie all das Geschwätz nicht begreifen. Ihr Herz verdorrt vor Kälte. Alles Narren. Dumme Menschen, vor Liebe erblindet.

Und das Bauchgefühl!? Was sollte das sein, wo doch das Herz nicht im Bauche lag, wohl aber unter ihrer Brust schlug, schlagen sollte, denn die Frequenzen des Herzens nahm sie nun kaum mehr wahr. 

Das Mädchen verzweifelte beinahe und zerbrach sich den Kopf, obwohl ihr Verstand sich dagegen zu wehren versuchte. Niemand dachte so blödsinnige Sachen wie sie.

Also setzte sie sich in die Bahn und fuhr einfach los, egal wohin, sie hielt es einfach nicht mehr aus in ihrem Kopf, das Mädchen flüchtete vor ihren Gedanken. Vor der Kälte aus ihrem Herzen.

Ein Schrei ließ sie aufschrecken, sie musste eingeschlafen sein, die Bahn fuhr nicht mehr, komisch sie stand an einem Waldrand. Es dämmerte bereits. 

Das Mädchen hob ihren Kopf und schaute nach rechts. Sie blickte in den Lauf einer Waffe. Das wäre die Stelle an der ihr Herz hätte aufhören müssen zu schlagen, man sagte dann >>ihr rutschte das Herz in die Hose<<, aber bei ihr rutschte gar nichts, sie spürte es nicht einmal mehr schlagen. Vielleicht war sie bereits tot.

Als sie den Knall hörte und Blut floss erschrak sie zwar, aber sie wusste einfach nicht wessen Blut das war, und was das hier alles gerade sollte, während ihr Körper einfach in sich zusammensackte.

©Netti

Wenn die Motten schneller sind.

Wo sind sie, die Schmetterlinge wenn man sie braucht, im Bauch des Anderen, nicht dem Deinen. Gedanken, die man sich macht, unnötig und erschwerend. Aufkommende Fragen, gestellt, und nicht beantwortet, sind es doch zu viele, dahinschwebend in Kopf und Raum. Von Zukunft nicht sprechend, aber erwähnend das Gefühl im Bauch, was abhanden kommt bei ihm, auf einmal. Wieso? So schnell. Wieso? Es passt nicht vielleicht. Zu verschieden vielleicht. Das Er und Du und Ihr. Siehst du auch so. Vielleicht. Heute, aber morgen nicht. Morgen träumst du von einer Zukunft zu zweit. Mit ihm. Ohne Motten. 

Aber Nein..

Da sind sie. Die Motten. Sie nähern sich, du kannst sie sehen, klar und deutlich, Ihr hässlichen kleinen Bastarde. Fickt euch. 

©Netti

…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

Wie es begann…………

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft- Es setzt aus. 1/2

 

Noch immer kannst du es einfach nicht fassen, diese Dreistigkeit. Du kannst nicht fassen wie sehr man dir ins Gesicht lügen kann. Sein Bild auf dieser „Liebes“-App. Eindeutig er. Er, der Fotograf. Du kennst ihn, ihn und dieses Bild, was er auch im Whats App zur Schau stellt. Im „Suchfeld“ hast du deine Heimatstadt eingegeben. Von ihm persönlich weißt du, dass er umziehen wollte. Eigentlich. Eigentlich schon seit gestern. Viel mehr seit nun mittlerweile 4 Monaten. Und zwar weg. Weit weg. Weg aus deinem Sichtfeld. Weg von deinem Empfinden. Warum ist er also noch immer hier!? Und warum trifft man ihn in einer sinnlos App, anstatt ihm persönlich gegenüberzustehen, ausversehen. Zu gern hättest du ihm in sein Gesicht gesagt wie sehr erbärmlich du das Ganze findest, ihn, sein Verhalten, seine Unehrlichkeit, sein Auftreten. Zu gern hättest du ihm deine Hand ins Gesicht gedrückt, all deinen Ärger über ihn, der sich nun wieder anstaut in dir drin, wie eine tickende Zeitbombe, Luft gemacht. Aber nein, nein, du siehst nur sein Foto in dieser App, dieser beschissenen App die angeblich Leute vereinen soll, doch sie vereint nicht, sie zerstört und manipuliert, sie (ver)höhnt und vor allem wertet sie ab, den Mensch und die Person anhand eines Profiles, anhand eines Fotos. Du hast nur ein Rückenfoto drin, und eines mit nur einem halben Gesicht. Dein Profil lässt du frei, du möchtest selber entscheiden, wer was von dir erfahren darf, oder ob du überhaupt auch nur ansatzweise etwas von dir preisgeben magst, denn du erinnerst, du willst dich ja nur kurz mal umschauen und ein wenig schreiben, auch wenn du hinsichtlich eines Kennenlernens das persönliche Treffen bevorzugst, schließlich lebst du in keiner virtuellen Welt, in der man nur via Schriftverkehr miteinander kommuniziert. Du möchtest den jenigen welchen gegenüber stehen, im Angesicht zu Angesicht, Fragen stellend und Antworten gebend. Du weißt dass du von dieser App eigentlich nichts erwarten kannst.

Als du dich ein paar Tage von diesem ersten Schrecken erholt hast und du jegliches Wischen, sobald sein Foto aufkreuzte, umgangen bist, folgt sogleich der nächste Schock. Er war auf deinem Profil. Auf deinem Profil, auf dem es nichts zu sehen gibt, außer deine Rückansicht und dein halbes Gesicht. Deine Rückansicht, die er kennt. Dein Gesicht, das er kennt. So nah ist er gewesen, deine Tränen hat er dir aus dem Gesicht gewischt. Das Bild, welches er kennt, weil auch du dies auf deinem WhatsApp Profil spazieren trägst. Dein Herz stoppt wieder kurz, eine Sekunde nur, doch dann plustert es sich auf. Es pumpt, und pumpt sich voll mit Wut und Hass und Unverständiss. Vor allem das. Du könntest platzen jetzt gerade, hat er doch damals so sehr betont dass du ihn nie wieder sehen wirst, du nie wieder auch nur ansatzweise von ihm etwas wirst sehen und hören müssen. Warum? Du fragst dich was das soll, diese Art der Provokation. Du fragst dich was er damit bezwecken möchte. Aber besonders fragst du dich, weshalb er dich anlügt und dich hat so sehr begossen stehen lassen, hinter deiner eigenen Tür, die du ihm vor der Nase zuschlugst. Weshalb hat er nicht einfach eine stinknormale Aussprache gesucht!? Du weißt du hättest damals vollstes Verständnis für ihn aufgebracht, wahrscheinlich noch heute, du wärst ihm nicht einmal böse gewesen. Du hasst nur Unehrlichkeit, ewiges Hoffen und Nichtverstehen. Du magst es nicht dich in einer Schwebe zu befinden, keine Antworten auf all die Fragen in deinem Kopf. Du hättest ihm verziehen wenn er geht, ehrlich und mit erhobenem Haupt, doch nicht aber schleichend und mit Dreck werfend. Du hättest ihm verziehen wenn du Gründe gehabt hättest, die sein Verhalten erklären und dir sagen dass es einfach nicht an dir liegt, sondern an ihm selbst, weil er es ist. Er ist das Problem. Damals wusstest du das aber noch nicht, dieser Prozess hat gedauert bis heute und noch immer kommt es dir vor wie eine minimalistische Art des Schönredens, doch innerlich weißt du, dass er es ist, das Problem und dass er vor allem eines ist: erbärmlich, weil er nicht einmal zu dem stehen kann, was er ist, um daran und damit arbeiten zu können. Stattdessen strotzt er nur so vor Selbstmitleid, das ist dir nun so klar wie der Himmel, wenn es mal nicht regnet und die Sonne strahlend hell am Himmel steht. Er bemitleidet sich Selbst. Wahrscheinlich noch immer. Du kannst jetzt einfach nicht anders.

Du bist geladen. Auf 180. Möchtest Teller zerkloppen. Ihn. Du greifst dein Handy. Suchst seinen Namen bei WhatsApp und tippst wütend: „Du Arsch! Gehts no…“ Nein halt, du löschst. Nochmal.. „Weißte, du bist einfach nur erbär…“ Ach scheiße nee. „Ey! Du Vollhorst! Umgezogen!? Verarschen kann ich mich all…..“ Man! Du fährst dich kurz mal runter, denn du möchtest keinen Krieg, sondern eine Antwort, eine Antwort auf seine Doofheit. Also atmest du tiiiiiief durch, einatmen, ausatmen, hineinatmen in dein YEAH Powerhaus, und wieder ausatmen und dann tippst du völligst entspannt: „….Du gehst auf mein Profil obwohl deine letzte Aussage war: >Du wirst nie wieder was von mir hören und sehen!< Aha!? Ist mir aber gerade nicht so.. Du bist offenbar noch immer in der Stadt!?“ Du rechnest nicht mit einer Antwort, und doch lässt eine Nachricht an dich nicht lange auf sich warten: „Ja. Da muss ich sagen, dass man dich so sieht: Kein Kopf. Weiß ich aber davor nicht, dass es jemand ist, den ich kenne bzw den ich scheiße behandelt habe. Ich gehe demnächst weg. Korrekt.“ Eine schwammig daher geschriebene Aussage, die dir nur noch mehr Unverstädnis einbringt. Aber du belässt es dabei und schickst ihn wieder weg. Freundlich, aber bestimmt: „War ja kein Vorwurf, nur eine Verwunderung, nicht gleich garstig werden..!“ Du musst lachen. Nicht hysterisch sondern kopfschüttelnd, es ist einfach zu lächerlich, wie sehr er im Selbstmitleid versinkt. Dieses Lachen hilft dir, dich loszulösen, von ihm, den Gedanken an ihm und den Momenten die ihr miteinander hattet. Es hilft dir, dich zu befreien, endgültig, von ihm, den Fotografen.

Bevor du deine Spuren dieser App beseitigst, schickst du deine Nummer an einen Mann, der dich nett unterhalten hat, in der Zeit die du da anwesend warst. Sieben Tage lang. Ein Mann welcher zeitintensiv mit dir schrieb. Nett, authentisch, charmant und sehr, sehr humorvoll. Du hast keine Hoffnungen auf irgendwas, aber wenn es sein soll bleibt der Kontakt bestehen, wenn nicht, nicht. Er liest die Nachricht, und dann löschst du dich aus dieser App. Du kehrst ihr den Rücken und ihm, den Fotografen und du lebst einfach dein Leben mit allem was kommt, der Schmerz aus vergangenen Zeiten hat dich stärken lassen, du bist dir selber bewusst und gehst achtsam durchs Leben. Dein Bauchgefühl wird dich in Zukunft rechtzeitig auf Respektlosigkeiten und Fehlverhalten hinweisen. Es werden keine Tränen mehr fließen, denn du stehst da einfach drüber. Du wirst lachen, und weiter gehen, denn du kennst den Weg den du gehen willst, und der Weg ist das Ziel. Dein Ziel.

©Netti

Schaufelnd ins Verderbnis.

Manchmal ist man umgeben von zu viel Angst. Zu viel Gedanken. Dann handelt man gar nicht. Null. Weil man denkt man könnte falsch agieren, und im Gegenüber etwas auslösen, was Distanz entstehen lässt. Eigentlich das, was man vermeiden möchte. Doch die Distanz stellt sich im Gegenüber dann erst Recht ein, weil der Gegenüber nichts weiß davon. Von den Ängsten und Gedanken. Man schaufelt sich sein eigenes Grab, das Loch was gähnend zu einem aufblickt. Manchmal kann man Taten rückgängig machen, mit Worten, vielleicht nicht rückgängig machen aber zumindest kann man sie entschuldigen. Aber Taten welche nie ausgeführt wurden, lassen sich nicht rückgängig machen, auch nicht entschuldigen. Man hatte eine Chance welche man nicht ergriffen hat, die Angst die an einem rumfrisst. Manchmal fühlt man so viel, dass es schwer zu fassen ist und zu begreifen, man sendet Signale, die das Gegenteil ausdrücken, umgeben von der Angst die heranwächst. Da war zu viel Enttäuschung, zurückliegend, und doch noch im Hirn verankert. Man versucht sich zu schützen. Und so jagt ein Missverständnis dem nächsten. Worte bleiben unausgesprochen. Taten werden falsch gedeutet. Empfindungen und Emotionen nicht herangelassen. Man sendet etwas aus, was man nicht aussenden wollte. Man empfängt etwas was man gar nicht verdient hat. Schon zu Beginn geht man mit Vorurteilen an eine Situation heran. Die Gedanken bestimmen das Denken des Gegenübers. Es ist egal was man empfindet, weil es ja gar nicht ankommt. Es kommt nicht an, was man so sehr empfindet. Wie verquert können Signale denn sein? Man denkt, man fühlt, man handelt, und doch wird es falsch interpretiert, falsch gedeutet. Man fragt sich wie das sein kann dass man fühlt ohne es zeigen zu können. Warum kommt das Gefühl was man fühlt nicht an beim Gegenüber, wenn man es doch bei sich selber so echt und intensiv wahrnimmt!? Das Empfinden, was das Herz schlagen lässt. Was ist verkehrt an dem was man aussendet? Sowas ist doch nicht einseitig. Diese greifbaren Momente. Das Verständis über das Geschehen, über die Entwicklung ist nicht vorhanden. Wie kann etwas nur solch eine Gestalt annehmen!? Eine solche Wendung, wo doch alles auf Beginn stand, alles auf Hoffnung. Kann man noch Hoffen, wenn die Chance bereits verpasst? Kann man etwas wiederholen, was schon zu scheitern drohte, allein von hirnrissigen Ängsten welche herabstürzten!? Ist dieses erneute Wagnis realisierbar, oder wurde schon alles was je vorhanden bereits zerstört, durch unsinnige Fehlinterpretation, Fehleinschätzung und Fehlsignale, welche gesandt wurden!? Man fragt sich wie das geht, das Zeichen setzen, und Empfangen. Das Fühlen und Fühlen senden. Kann man es verlernen, das Gefühl!? Kann man verlernen Gefühl zu übermitteln? Wie geht das, dass man das was man fühlt nicht auch so rüberbringen kann, wo man es doch fühlt! So sehr! So intensiv! Warum kann man dann nicht genauso handeln, sich genauso einlassen!? Ist es das Herz was einst zerbrochen, in 1000 Splittern zu Boden lag!? Funktioniert es nicht mehr vollständig, so dass es zwar fühlen aber nicht senden kann!? Dann ist es besser das Herz zu tauschen! Wer möchte schon mit soetwas leben? Die Erde bebt und es bröckelt. Klumpige große Erdballen rutschen hinein in das Grab was man sich selbst geschaufelt, der Körper nun vergraben unter all der Matschepampe. Das Herz schlägt weiter. Wie lange noch, wo es doch nicht erhört werden kann?

©Netti

„Ich guck auch in den Zeitungen bei den Todesanzeigen nach den Jahrgängen, und ich muss sagen die Einschläge kommen langsam näher.“ *

Der Mief in dem Ärztehaus beim Urologen ist abartig. Irgendein Duft von Krankheit und Desinfektion liegt in der Luft. Du magst den Geruch nicht und du musst dich beherrschen nicht in Ohnmacht zu fallen. An der Anmeldung steht ein älterer Herr vor dir. Er braucht lange um seine Chipkarte zu orten. Derweile öffnet sich zu deiner Linken die Tür und ein junger Mann stellt sich neben dich. Wenn du nicht so sehr mit dir und deiner Angst beschäftigt wärst, würdest du jetzt wohl feststellen, dass der Herr ganz niedlich wirkt. Irgendwie ein bisschen dein Typ. Auch er versucht seine Chipkarte zu orten und kramt in seiner Hosentasche nach dem Portemonney. Als er es öffnet fallen ihm sämtliche Karten zu Boden und du musst schmunzeln und lachen, wahrscheinlich wirkt es gehässig, fast schon garstig, obwohl es liebevoll gemeint ist, aber deine Schmerzen lassen dich krampfig erscheinen. Doch der Mann lacht mit, ganz zaghaft, auch sein Mund wirkt krampfig, wahrscheinlich durchleiden ihn ähnliche Schmerzen wie dich. Nach der Anmeldung setzt du dich in den Wartebereich, und auch er folgt und nimmt auf einen der Stühle platz. Er fummelt an seinem Handy rum und du erinnerst die Geschichte von Jim, in der alle Welt nur mit dem blöden Smartphone beschäftigt ist. Vor lauter Blödheit und langer Weile möchtest du auch deines hervorkramen, aber du kommst dir doof vor, hast die Zeilen von Jim im Kopf. Du lässt die Blicke im Raum umherschweifen, die Zeit schreitet nur mühsam voran und das Sitzen bereitet dir große Anstrengung. Immermal wieder treffen sich eure Blicke, die Blicke von dem Mann und dir. Dir fällt auf dass du heute wieder unsinnig ausschaust, dir wird bewusst dass das so nichts werden kann, mit den Männern und der Liebe. Aber du willst dich auch gar nicht verlieben. Nicht heute. Nicht hier. Nicht so. Du kramst dein Buch aus der Tasche. Das mit dem glücklichen Single sein, das ist gut, es steckt an und auch du bist hin und wieder gern mal Single. Das ist toll. „Außer zu Familienfeiern. Oder an Geburtstagen. Oder wenn man sich einsam fühlt. Wenn man krank ist. Oder Montags, Dienstags, Mittwochs, Donnerstags, Freitags, Samstags und Sonnstags. Aber sonst.. Sonst ist das total toll.“ Du lachst ein bisschen während du liest, wahrscheinlich schaut man dich schräg von der Seite an. Nach zwei Stunden ruft man dich auf und dein Herzl macht einen Sprung der Angst. Der junge Mann ist nicht mehr zu sehen. Du gehst voran in das Sprechzimmer mit der Nummer zwei und klopfst an die Tür. Als ein „Herein“ ertönt gehst du herein. Du setzt dich auf den Stuhl und räusperst dich. Vor dir sitzt Stromberg und schaut dich streng an. Der schräge Mund formt ein fieses Lächeln: „Sie wollen sich also die Nieren checken lassen, einfach mal so, ja!? So nebenbei?“ „Ähem…“, wieder musst du dich räuspern, „Also..naja.. Meine Nieren die sind-also puh, die sind sehr aua, also die Schmerzen voll, also die Nieren. Das können ja wohl nur die Nieren sein, hier, direkt in der Seite, und..-“ „-Der Rücken kann es nicht zufällig auch sein!?“, treibt Stromberg dich in die Enge. „Ähem.“, wieder hüstelst du dümmlich. „Nun.. Das schließe ich fast aus. Dazu schmerzen mir die Nieren zu sehr. Das hatte ich schon mal! Aber in Verbindung mit ’ner Blasenentzündung.“ Am liebsten würdest du ihm die Zunge rausstrecken, um dein Gesagtes zu unterstreichen. Der spinnt wohl, dich hier so anzuzweifeln. Du hast Schmerzen, So! Es ist sein Job heraus zu finden, von woher die kommen, doch nicht deiner. „Kommen Sie mal mit!“ Also folgst du ihm ganz unauffällig zu der Liege, davor bleibst du stehen. Er drückt auf deinen Nieren rum, um die Stelle des Schmerzes zu ertasten. Dein Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse. „Legen Sie sich mal hin.“ „Bitte, Stromberg, das heißt bitte!“, möchtest du sagen, denkst es aber nur, deine Augen rollen genervt. Du machst jetzt deinen Bauch frei und er schmiert Gel drauf. Er nimmt sein Ultraschallgerät um mit der Untersuchung fortzufahren. Er drückt auf deinen Nieren rum und schmiert das Gel breit. Währenddessen schaut er fies grinsend auf den Bildschirm. Du fragst dich was da so lustig sein soll, an deinen Nieren. Er fragt dich was du beruflich machst, und ob du das schon öfters mal hattest. Du beantwortest seine Fragen, Letzteres bejahst du, das hast du ihm doch vorhin schon erzählt. Du legst dich auf die rechte Seite, dann auf die Linke und er wischt weiterhin mit dem Gerät auf den Nieren hoch und runter. „So! Also die Nieren sind in Ordnung. Kein Stein, kein Grieß. Nichts. Gar nichts..“ Du schaust ihn fragend an, während er fortfährt, ein halbseitiges Grinsen auf seinen Lippen, am Liebsten möchtest du ihm das aus dem Gesicht fegen. Lacht er dich gerade aus? Oder freut er sich einfach nur mit dir, über deine so hübschen Nieren, dabei weißt du aber gerade gar nicht ob du dich freuen sollst. „Ihre Wirbelsäule ist offenbar im Arsch! Das strahlt. Bis überallhin.“ Wieder dieses leichte Grinsen. „Ouh. Ouhkey!? Krass. Das.. ich dachte echt das sind die Nieren. Huh. Na zum Glück sind sie’s nicht..“ „Sie sind ein Fall für den Orthopäden! Es ist der Rücken. Nicht die Nieren!“ „Klar! Logisch. Huh! Wie dumm von mir!“ Er schmeißt dir ein paar Zewa’s-Wisch und Weg- auf den Bauch. „Zum Wegwischen.“, und geht ins Nebenzimmer. Als du sauber bist läufst du ihm nach. „Jah gut…, also dann..“ Du stehst etwas unbeholfen vor ihm, weißt nicht was du sagen sollst. Stromberg sitzt lässig in seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch und schaut ernst zu dir. Du wendest dich schon ab um den Raum zu verlassen ..“Sie könnten schwimmen gehen.“, jetzt lächelt er. „Oder Fahrrad fahren.“ Seine Hand kratzt das schwarzbärtige Kinn. Du drehst dich um. Schaust ihn an, etwas verwirrt blickst du in seine dunklen Augen. „Ähem. Jah. Danke.“ „Sie sind jung…“  „Ähem. Jah!? Ich weiß!?“, jetzt macht dir Stromberg doch ein wenig Angst. Heimlich blickst du um dich, suchend, um die versteckten Kameras, das Kamera-Team zu entlarven, welches eine Szene zu seiner neuen Serie dreht. Doch du erblickst niemanden. Nur Stromberg teilt diesen Raum mit dir. Er schaut dich an, wendet den Blick nicht von dir ab. „Gut, alsoooooo… Ich geh dann jetzt. Ich bin jetzt weg…..!“ Du läufst langsam zur Tür, das fiese Grinsen begleitet dich, auch die Kratzgeräusche an seinem Kinn. Du kannst es spüren dieses Grinsen, und das Kratzen dringt bis vor in dein Hirn. Du vermutest noch etwas. Etwas was er noch vergessen haben könnte, doch als du dich ein letztes Mal umdrehst blickt er dich noch immer an. Sein halbes einseitiges Grinsen dir zugewandt, und ein fast siegessicherer Glanz in seinen Augen. Du öffnest die Tür und schließt sie wieder. Deinem Kopf umgibt ein blinkendes Fragezeichen.

©Netti

*Aus Stromberg