Scheißpille, du hast mein Hirn geklaut.

Jawohl! Ich hab sie herbeigewünscht, die Stille, in meinem Kopf. Nun ist sie da. Sind sie da, die Nebenwirkungen, die auch das Schreiben blockieren. Leute, es tut mir Leid. Derzeit kann ich nur mit Schweigen dienen, denn ich kann sie nicht mehr finden, die Worte, welche sich sonst so leicht aus den Händen schütteln ließen, und drauf aufs Papier, einfach niedergeschrieben. Immermal wieder teste ich, probiere, fluche, könnte kotzen. Mein Hirn produziert nur noch Bullshit. Ob es an den Tabletten liegt? Diese kleinen Mistdinger, die alles Andere ein bisschen okayer macht.

Die Ecke voller Spinnen.

Es ist schwierig vor einer Entscheidung zu stehen, die in die Enge drängt. Und so fühle ich mich, in die Ecke gedrängt wie ein Wildkätzchen, welches einem brüllenden Löwen gegenüber steht. Ich hocke also in dieser komischen Ecke in denen es vor Spinnen nur so wimmelt und ich erkenne: Ihr seid so eklig. Ihr da alle, du hässliche Spinne und du auch, du brüllender Löwe. Halt die Fresse! Halt sie einfach! Und doch wünsche ich mir Frieden und Streicheleinheiten, keine Emotionen die mich zwingen zu denken und vorallem zu handeln. Aber handeln sollte ich dringend. Denn glücklich fühlt sich anders an, irgendwie, nur wie? Etwas hindert mich daran mich aus dieser Ecke zu bewegen denn ich kenne sie nicht die Richtung, es sind zu viele Möglichkeiten, welche wiederum alle Ängste hervorrufen, die so groß sind dass ich mich gefressen sehe, vom Löwen der Speichelfäden zieht,  beim Brüllen. Ekelhaft. Ich probier jetzt mal es dem Löwen gleich zu tun und fauche zurück, hervor kommt ein mickriges Geräusch was ebenso ein gesättigter Rülpser sein könnte. Mein Mund schmatzt, als er sich wieder schließt. -Na super.-, denke ich mir, schaue aus großen, weniger furchterregenden Kulleraugen und ziehe den Kopf ein wenig ein, während ich den großen Angriff befürchte. 

©Netti

Unaufhaltsam.

Sie spürt diese Schwere in ihrer Brust, und auf den Schultern, auch da. Es zieht sie nach unten, irgendwie. Sie errichtet all diese Dinge, die sie am Leben teilhaben lässt und dennoch ist sie so unsagbar müde, sie sehnt sich nach einem kuschelweichen Bett in dem sie schlafen kann. Es drückt in ihrem Kopf, all die Gedanken drängen sich beisammen. Sie hat es satt dieses Gedenke, sie hat es satt, dieses Geheule. 

In der Bahn bemerkt sie diese Blicke auf sich, starrend, mitleidig fast schon. Die Leute werden sich fragen, warum dieses schöne Geschöpf all diese Tränen vergießt. Sie werden sich wundern, wie so viele Tränen kein Ende nehmen können. Unaufhaltsam tropfen sie auf diesen Boden, auf denen unzählige Füße stehen und Halt suchen. Die Füße des Mädchens schlackern und rutschen, fester Halt ist ihr nicht gegeben. Ihr Kopf ist ihr so schwer sie möchte ihn am Liebsten fallen lassen, er würde dann durch all die Füße purzeln, slalomähnlich. Vielleicht aber würden ein paar zugehörige Menschen zu Boden gehen. „Strike!“, würde sie dann rufen, und ihrem Mund würde ein Lächeln entweichen, zum allerersten Mal, während alle Zehne einfach so umfallen. Zehn Menschen am Boden liegend, so wie sie. Diese Vorstellung findet sie irgendwie lustig, sie lacht ein fieses Grinsen und erschrickt als ihr das eigen Ebenbild im Fensterglas entgegenblickt. Verheulte, rote Augen mit gequollenen Lidern. Spuren salziger Verzweiflung auf ihren Wangen. Sie spürt die Blicke des Mannes, er ist nicht so schlank wie sie, er wirkt sehr stark und gefasst, wie ein (Teddy)Bär der sie zu beschützen vermag. Nette Augen blicken ihr zu. Unter Tränen erwidert sie den Blick, sie fühlt sich plötzlich aufgefangen und beschützt und doch schreit ihr scheuer Blick nach Hilfe. Nach Rettung. Nach einem Ort an dem sie sich fallen lassen kann. Nach einem Ort an dem sie verstanden wird. Ihre Gedanken brüllen ihm zu. 

>>Bleib hier.<< 

Sagen sie. 

>>Geh nicht.<<

Flehen sie. 

Bettelnd haftet ihr Blick unter Tränen an seinem bärtigen Gesicht. Die Tür schwingt auf und der Mann wendet sich ab von ihr, einfach so. Sie blinzelt und verliert eine Träne an der sie sich zu klammern versuchte. Sie schiebt sich durch die Massen, keine Entschuldigung, kein Verzeihung. Ihre schmale Gestalt prallt gegen all die Körper, sie will doch nur noch, sie will nur noch.. nur einen Blick..

Der Mann, hinter denen die Türen schließen, schaut zu ihr zurück. Er dreht sich um, sein Blick wirkt verwirrt, durcheinander, dann suchend.. ein berührtes Augenpaar blickt suchend an dem Punkt an dem das Mädchen gerade stand. Doch sie ist weg. Enttäuscht  wandert sein Empfinden durch die anfahrende Bahn. Da sieht er sie!

Das Mädchen reißt die Augen auf, ihm ist als möchte sie etwas sagen, ihr Mund bewegt sich langsam, doch er kann nicht vernehmen was es ist, durch die Türen dringt kein Ton. Sie drückt sich an die Tür und ihre Hand berührt das keimige, verschmierte Glas der schneller werdenden Bahn. Er versteht nicht. Irgendetwas hat das Mädchen an sich, so sehr hat ihn noch nie etwas bewegt, jemand. 

Ein letztes Mal treffen sich ihre Blicke, bevor die Bahn aus seinem Blickfeld verschwindet. 

Das Mädchen ist nun nur noch eine Erscheinung, die sich einfach nicht benennen lässt. Umherkreisend in seiner Erinnerung. War diese Person jemals existend, oder entstand dieses Wesen seiner reinen Gedankenkraft!?

©Netti 

HerzSchweigen 2/2

Das Mädchen fror nach wie vor, es war ihr so kalt ums Herz, dass auch ihre Tränen an der eisigen Luft zu frieren begannen, und es entstanden gefrorene Rinnsale aus eisigem Salzwasser. Sie sehnte sich so sehr nach Wärme und Glück, dass sie fast schon nicht mehr wusste wie sie noch weiter machen sollte, mit dem Glauben in dieser Welt, die für sie nur aus Kälte bestand.

Sie fragte sich, wie das all die Anderen machten, das Lieben und Verlieben und Zusammenwachsen, kannten die denn alle gar keine Ängste!? Gab es denn bei denen so etwas gar nicht? 

Existierte das etwa nur in ihrer Welt!? Das Einzigste was bei ihr zusammenwuchs waren all die teilzersplitterten Ängste, die sich mit der Zeit die verstrich, immer mehr zu manifestieren schienen. Wie gern würde sie darauf scheißen auf all diese hirnrissigen Ängste. Aber das war nicht so leicht, denn ihre Gedanken mischten mit. 

So gab es nicht nur das Herz mit dem Bauchgefühl, sondern auch die Gedanken, die wie scharfe Pfeile um sich schossen. Sie verfehlten das Herz, denn das war ja zerschrumpelt, eine  ekelhafte Rosine, alt und verbraucht. 

>>Hör‘ auf dein Herz!<<

Sagten die Leute, als das Mädchen wieder einmal nach der Liebe fragte.

>>Dein Bauchgefühl wird dir sagen was richtig ist, was falsch.<<

Wieder konnte sie all das Geschwätz nicht begreifen. Ihr Herz verdorrt vor Kälte. Alles Narren. Dumme Menschen, vor Liebe erblindet.

Und das Bauchgefühl!? Was sollte das sein, wo doch das Herz nicht im Bauche lag, wohl aber unter ihrer Brust schlug, schlagen sollte, denn die Frequenzen des Herzens nahm sie nun kaum mehr wahr. 

Das Mädchen verzweifelte beinahe und zerbrach sich den Kopf, obwohl ihr Verstand sich dagegen zu wehren versuchte. Niemand dachte so blödsinnige Sachen wie sie.

Also setzte sie sich in die Bahn und fuhr einfach los, egal wohin, sie hielt es einfach nicht mehr aus in ihrem Kopf, das Mädchen flüchtete vor ihren Gedanken. Vor der Kälte aus ihrem Herzen.

Ein Schrei ließ sie aufschrecken, sie musste eingeschlafen sein, die Bahn fuhr nicht mehr, komisch sie stand an einem Waldrand. Es dämmerte bereits. 

Das Mädchen hob ihren Kopf und schaute nach rechts. Sie blickte in den Lauf einer Waffe. Das wäre die Stelle an der ihr Herz hätte aufhören müssen zu schlagen, man sagte dann >>ihr rutschte das Herz in die Hose<<, aber bei ihr rutschte gar nichts, sie spürte es nicht einmal mehr schlagen. Vielleicht war sie bereits tot.

Als sie den Knall hörte und Blut floss erschrak sie zwar, aber sie wusste einfach nicht wessen Blut das war, und was das hier alles gerade sollte, während ihr Körper einfach in sich zusammensackte.

©Netti

HirnZerren.

Ekelhaft. Abartig. Gruselig.

Dieses Ziehen und Drücken. Zusammenquetschend alles noch existierende. Im Denken und Handeln eingeschränkt. Der Schmerz vergleichbar mit irgendwie gar nichts. Und doch sind Schmerzen alle gleich. Alle gleich eklig. 

Aber von welchem Schmerz man auch befallen ist, ist gerade der im Moment erleidende, immer der Schlimmste. Da sagt man: 

„Zahnschmerz!- Es gibt nichts Schlimmeres!“ Oder:

„Ein Ohr was nicht mehr hört weil vollgestopft mit Schmodder!?-Geht gar nicht!“ 

„Krampfendes Bein!? -Hilfe! Nicht dass das noch amputiert werden muss!?“

„Karussell im Kopf!? -Übel!“

„Kotzerei und Dünnschiss! -Grauenvoll.“ Wie besoffen am Wanken ist man dann. Hin und her. Und her und hin. 

„Herzschmerz!? -Das Schrecklichste ever!“ Etwas was man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünscht!

Irgendwie muss man sich aber doch immer wieder selber ermahnen: Chill mal! Das ist nur ein Kopfschmerz. Es gibt schlimmeres! 

Nur will einem dann trotzdem gerade nichts Schlimmeres einfallen. Ist alles ekelhaft. Egal was man erleidet. 

©Netti

Run through the dark.

Ein schwarzer Puma rennt durch die Nacht. Puma um den Körper, Puma an den Füßen. 

Schnell. 

Aggressiv. 

Atemlos. 

In den Ohren weiße Stöpsel. Guilty! Hell Yeah! Laute Töne durchströmen die Körpergestalt. 

Atmen. 

Schnell.

Laut. 

Stechen in den Seiten. Ziehen. Weiter immer weiter. 

Schneller.

Keine Pause.

Kein Halt. 

Verschwindet ihr Gedanken, verschwinde du halbherziger Mensch. Raus aus dem Kopf. 

Stechen. Quer durch den Körper, Atemnot. Halt! 

Arme auf die Knie und aufgestützt nach Luft schnappend, beinah schluchzend vor diesen Schmerzen aus dem Herzen. 

Der Puma trägt einen Dolch in sich.

©Netti

Augenblicklich.

>>Können wir…, ich meine.. 

Kannst du.. das irgendwie vergessen? Bitte?<<

Dunkelbraune Augen schauen dich an. Bittend. Flehend fast schon. Du weist wovon er spricht. Du weist was er meint. Er spricht von seiner Äußerung des Nichtwissens ob das du und er zu einem wir werden kann. Nichtpassend, unpassend. Verschieden. Zu verschieden. Schon jetzt? Begreifen konntest du das nicht.

>>Echt jetzt!?<<, hättest du am Liebsten gebrüllt.

>>Dein scheiß Ernst!?<<, in sein Gesicht geschrien.

Stattdessen sprachst du von Chillin. Druck nehmend. Laufen lassend. Aufgeben? Bevor es beginnen konnte!? Vergiss es!

„Ja. Ja, ich will.“

(Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Blöd? Blöd.)

-Dann eben:-

>>Ja. Ja, ich werde versuchen das zu vergessen!<<

Er küsst dich. Mit seinem Mund auf deinem. Du schmeckst Emotion, so viel davon in seinem Kuss.

©Netti