Trotz allem was kommen wird.

Er ist mein persönlicher Teddybär. Er ist der, in den ich mich verliebt habe. Er ist der, der mir Mut gibt und Kraft. 

Ich bin aufgeregt und angetrunken und ich klingel und warte bis er durch die Freisprechanlage spricht, und der Summer ertönt. Wie immer fahre ich Fahrstuhl, denn auf Treppe habe ich keine Lust, dann bin ich wieder so rot wenn ich oben ankomme. Er wartet diesmal an der Tür, aber das sehe ich erst später, mein Kopf ist auf den Boden geneigt. „Kuhl, ist das Geld!?“, denke ich und sage es auch. Mein Blick fixiert ein gefaltetes Stück Papier auf dem Flurteppich. Dieser Flur besitzt tatsächlich einen roten Teppich. Ein Lacher aus meinem Mund und auch aus seinem. Der Teppichboden gibt dann doch keinen Lottogewinn her, sondern nur benutzte Fahrkarten. Zu dumm. Nun stehe ich ihm gegenüber und ich könnte schmelzen, zerschmelzen und sterben. Er fehlt mir so! Diese Augen. Dieser Blick. Er ist geknickt, wirkt sehr, sehr traurig. Ich gebe ihm das Shirt, sein Shirt und sage: „Hier, Dein Shirt.“ Er nimmt es und gibt mir mein Massageöl. Wir halten nun die Sachen in den Händen, die als Vorwand dienen, damit man sich bitte nochmal sieht. Er braucht das blöde Shirt nicht mehr. Auch ich brauche das Öl nicht mehr. „Magst du noch bleiben? Also… wenn du magst?“, er schaut hoffend und wartet auf meine Reaktion. Ich weiß es wie immer nicht. „Ich weiß es nicht. Ich wollt nur kurz..“ Doch eigentlich weiß ich es. Alles in mir schreit: JA, JA, JA! Ich möchte seine Nähe, sein Lachen, seinen Duft, ihn. Wir stehen uns hilflos gegenüber. >Sag was! Mach was!“<, denke ich und möchte ihn am Liebsten schlagen. Wo ist die Musik die so schnulzig Halleluja schreit, wo ist der Konfettiregen aus glitternen Herzchen, wo ist der Mann der einfach macht, ohne zu denken. Er nimmt mich in die Arme, hält mich ganz fest, beinahe bleibt mir die Luft weg zum Atmen, ich muss blinzeln, denn in meinen Augen sammeln sich Tränen. Mein Herz ist zugeschnürt so wie der Hals, ich spüre den Kloß und einen Schluchzer, den ich mühsam unterdrücke.

„Also ähm. Wenn du bisschen Sekt hast, bleib ich noch.“, jetzt lache ich doof.

„Natürlich.“, er freut sich sichtlich. Erleichtert läuft er los den Sekt holen.

Wir trinken nur ein Piccolöchen, den teilen wir uns und wir stoßen an auf was auch immer, und ich trinke, sitze ihm gegenüber und schwitze und friere, alles zusammen, es könnten noch zwei weitere Menschen zwischen uns sitzen, oder drei, so groß ist der Abstand zwischen ihm und mir, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als ihn ein letztes Mal zu berühren. 

Wir führen Smalltalk und er berichtet kurz von seinen Vorbereitungen. Er fragt wie es mir geht, aber ich wiegele ab, er soll gechillt nach Amerika fliegen, es ist mein Problem, soll nicht zu seinem werden. 

Er streichelt mich, sucht meine Nähe, streichelt mein Gesicht, schaut mir tief in meine Seele: „Wie geht es dir? Bitte sag es mir.“ Er umarmt mich, als er sieht dass ich meine Tränen nicht mehr halten kann, ich schluchze und weine Tränen. So viele davon. Auch in seinen Augen glitzert es. Er nimmt mich in den Arm und wir halten uns fest. So fest, so fest. Am Liebsten möchte ich ihn nie wieder los lassen, aber ich muss. Ich lasse ihn los und bitte ihn mir zu folgen, ich möchte ihm gern was sagen. Ich bin krank geschrieben, schon eine Weile. Und er sollte erfahren was mit mir los ist. Dass ich kein gebrochenes Bein habe, das kann er ja sehen.

Wir sitzen auf dem Balkon und schauen in den Sternenhimmel, während ich Tränen und Schmerz in den Himmel puste. Dann beginne ich zu erzählen. Er nimmt mich in den Arm, hört mir zu und macht mir Mut. Er hat vollstes Verständnis und er ist das was ich mir schon immer gewünscht habe, ein Mann der mir zuhört, ein Mann der mich begehrt, ein Mann der meine Schwächen sieht und damit umgehen kann. Ein Mann der fühlt und es auch zeigen kann. Ich berichte ihm den Großteil der mich bewegt, und ich erzähle ihm mein Vorhaben. Meine Entscheidung die ich treffen musste. Für mich. Ich treffe auf sein vollstes Verständnis. „Das schaffst du. Du bist doch so stark!!“

Wir schauen den stummen TV-Bildschirm an und hören nebenbei Musik. Er sucht meine Nähe, doch ich kann mich ihm nicht öffnen, bin krampfig und verletzbar. Er streichelt meinen Rücken, meine Hände, küsst meinen Nacken und streichelt mein Gesicht, wischt die Tropfen weg, die heiß zu Boden perlen. Er schaut mir in die Augen, fragt: „Darf ich dich küssen, bitte?“ Wir küssen uns zwischen den Tränen, die meinen Mund benetzen und wir schmecken eine salzige Mischung aus Hoffnung und Glaube. Ich glaube, jetzt gerade glaube ich, dass das nur echt sein kann, und bleiben wird, egal wie alles ausgeht. Er fragt ob er mich massieren darf, er möchte mir so gern etwas Gutes tun. Nach meiner Zustimmung holt er das Massageöl und ich ziehe mir das Oberteil über den Kopf. Seine langen Finger streichen über meinen kleinen Rücken. Er streichelt mich, und verteilt das warm duftende Öl auf meinem Rücken. Seine Hände kneten kräftige Massagebewegungen und lassen mich für einen Bruchteil vergessen. Sorgen, Anspannungen Ängste, ich kann mich locker machen. Kurz abschalten. Er küsst mich und verteilt am ganzen Körper einen kleinen Wärmehauch. Er küsst meine Wange, meinen Hals, mich. Ich richte mich auf, küsse ihn gierig und heiß, während mich inniges Verlangen durchströmt. Ich setze mich auf ihn und er hebt mich an und hoch, trägt mich küssend ins Schlafzimmer und setzt mich sorgsam ab: „Bitte versuch zu entspannen.“ Er macht mich soso glücklich.

Noch als ich ihn leicht stöhnend auf mir spüre, und er mich überall mit Küssen bedeckt, weil auch ich ihn soso glücklich mache, fange ich an mit Beben, denn ein Schluchzer den ich nun nicht länger unterdrücken kann, verlässt meinen Mund. Ich zittere und schluchze und weine und entschuldige mich dafür. Ich weine während er auf mir liegt und er streichelt mein Gesicht, küsst mich auf den Mund, auf die Wange und auf den Kopf immer und immer wieder, so lange bis die Tränen verebben. Er umarmt mich lange während wir uns schweigend in den Armen liegen, damit mein Herz und mein Puls sich wieder beruhigen kann.

Er zwingt mich zum Essen und ich sehe seine lauten Gedanken die aber nicht sprechen zu mir, sondern schweigen. Sein Blick geht ins Leere. „Was denkst du jetzt von mir?“, möchte ich am Liebsten fragen, „Hältst du mich für bekloppt?“

Ich ziehe mich an und mache mich bereit für den Abschied, einen Abschied für immer? Wir stehen uns gegenüber, nur halb lächelnd und ich frage: „Meldest du dich wenn du wieder zurück in Deutschland bist?“ Er schaut mich an, verwirrt, geschockt, traurig. „Natürlich melde ich mich!“, er schweigt kurz, fügt an: „Ich melde mich auch schon früher, wenn du magst, wenn das okay für dich ist!?“

„Ich weiß nicht.“, sage ich, weil ich es einfach nicht weiß. „Ich meld mich morgen!“, sagt er und ich nicke und möchte gern daran glauben.

„Du schaffst das. WIR schaffen das.“, korrigiert er und betont das wir. Dann küsst er mich auf den Mund.

Das verstehe ich nicht. Aber ich habe auch keine Kraft mehr um zu  fragen und zu verstehen. Ich habe überhaupt gar keine Kraft mehr. Ich bin ausgebrannt und kann zum ersten Mal Menschen nachempfinden, die es auch sind, ich kann fühlen dass das Fühlen zur Qual wird und das Denken einen Punkt erreicht an dem es kein Vor gibt, und kein Zurück.

Es liegt jetzt an mir Stärke zu beweisen. Und zu kämpfen. Auch wenn es harte Arbeit wird. Verdammt hart.

©Thomas Woischnig/Bild

Mein herzlicher Dank geht an Thomas Woischnig, für die Nutzungserlaubnis seiner Fotografie.

©Netti/Text  

HerzSchrumpeln 1/2

Es war einmal ein Mädchen. Sie glaubte an die Liebe, auch wenn sie keine Ahnung hatte wie man diese definiert, kannte sie doch nur die Schreie und das Schweigen der Eltern, was folgte, nach einem Streit. Sie fragte sich wieso. So oft wusste sie nicht wie so etwas die große Liebe sein konnte. Dieses Wort verstand sie nicht, egal wie oft sie ihre Blicke im Duden unter dem L umherschweifen ließ. Sie fragte, egal wen sie traf, sie fragte nach der Liebe. Was das ist die Liebe. Und wie man sie bemerkt. Durch Schweigen etwa!? Sie mochte die Liebe nicht, wenn sie keine Antworten geben konnte. Sie fand die Liebe scheiße. Das Mädchen sehnte sich nach Sicherheit und ein bisschen heile Welt. Also schuf sie sich eine Bude aus Wörtern und Schriften, und so erzählte sie sich in eine eigene Welt. Voller Hoffnung und Zuversicht.

Sie ward größer und reifer und noch immer war ihr die Liebe fremd. Sie tauschte den Duden gegen Google und Wikipedia, sie las und las, aber begreifen konnte sie nicht.

Das Mädchen traf sich mit jungen Männern und schenkte denen ihr Herz, verschenkte es ohne es ordentlich zu verpacken. Kein Geschenkpapier. Kein Schleifenband. Sie hielt das rohe, schlagende und pulsierende Herz in den Händen. Die Männer erschraken und nahmen reißaus. Natürlich verstand sie nicht. Sie schenkte ihr Herz. Das ist es doch, die Liebe, das nennt sich doch verliebt, dem war sie sich sicher.

Immer wieder verschenkte sie ihr rohes Herz und wunderte sich über die Kälte die sie empfing. Sie kam einfach nicht dahinter. Die Kälte ließ sie frösteln und zittern, so derbe bis ihr der ziehende Schmerz die Tränen in die Augen trieb. Also musste sie etwas ändern, um nicht zu erfrieren und ihr kam eine Idee.

Sie klebte ein wenig Fell direkt um ihr kleines Herz, das sollte sie vor der Kälte schützen, so dachte sie. Doch mit der Zeit wurde das Fell immer dünner und die Kälte berührte es erneut. Zitternd schlugen ihre Zähne aufeinander und sie verlor an Gewicht.

Ihre hagere Gestalt schwebte durch die Zeit und traf nicht auf die Liebe sondern auf die Angst. Ihr Herz zerschrumpelte zu einer Rosine, denn wie sollte es sich nähren, wo doch in Kälte nichts gedeihen konnte!?

©Netti

>>I wish I could be your Princess.<<

Es bricht mir fast das Herz, zu wissen dass unsere Zeit begrenzt ist. Ein verdammtes Jahr! 

Drei Monate die verbleiben. Ich werde sie nutzen, nicht an den Abschied denken, keine Tränen vergießen, ihm ein schönes Gefühl vermitteln, keine Traurigkeit, sodass er fahren kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ohne Schuldgefühle. 

Er bedeutet mir so viel. Schon jetzt. Er ist so authentisch, liebevoll, gefühlvoll. Er ist das, was ich mir an meiner Seite wünsche.

Damals, während meiner Ausbildung, lernte ich in dem Betrieb in dem ich arbeitete einen Mann kennen mit dem ich mich sehr gut verstand. Zwischen ihm und mir existierte eine Art Band, er war lieb, ehrlich und gab mir Hoffnung mit auf den Weg. Er war Gast im Haus und Amerikaner, mit noch fünf weiteren Kollegen blieb er 4 Wochen in dem Hotel in dem ich arbeitete. Damals war ich 20 Jahre alt. Er war 34, hatte daheim eine Frau und drei Kinder. Nach meiner Spätschicht setzten wir uns meist hinter die Bar, ich schloss alles ab und dann redeten wir die halbe Nacht bis in den Morgen hinein, tranken Bier und Sekt. Wir erzählten viel. Eines Abends sagte er:

>>You deserve a man who treats you like a princess.<<

Diesen Satz und den Ausdruck im Gesicht werde ich nie vergessen.

Als seine Rückreise herangerückt war standen wir am Auto, seine Kollegen saßen schon im Wagen und warteten auf ihn. Zum Abschied versuchte er mich zu küssen, doch ich blockte ab und war gleichzeitig traurig.

Als er fuhr weinte ich eine einzelne Träne.

Und nun fast 10 Jahre später lerne ich ihn kennen, diesen Prinzen. Und er galoppiert auf seinem beschissenen Gaul für ein Jahr genau dahin wo der Mann aus meiner Ausbildung, der diesen Satz sagte herstammt. Nach Amerika. Soll mir das jetzt irgendetwas sagen? 

Damals berichtete ich Mama vom Kennenlernen des Amerikaners. Als ich sie nun anrufe um ihr mein Herz auszuschütten, erinnert sie den Satz, ruft ihn mir ins Gedächtnis zurück.

„Der Amerikaner damals, den du mal kennenlerntest. Was hat der noch gesagt zu dir!?“

Ich sage ihr den Satz den ich nie vergessen werde. Und doch muss ich kurz über seinen genauen Wortlaut grübeln, es ist lang her..

„Das ist ein Zeichen! Das ist was gutes. Ihr schafft das, da bin ich mir sicher!“ 

©Netti

..Als hat es uns beide nie gegeben..!?

Lang ist’s her, könntest du sagen, aber du würdest lügen, denn allzu lang ist es nicht her. Du heißt sie Willkommen ohne sie Willkommen zu heißen, die Tränen sind zurück. Als die Nachricht eintrifft hältst du dich zurück denn du glaubst dich zu verhören, zu verlesen, das kann nicht sein Ernst sein, echt nicht. Trotzdem ist dir nach heulen. Ihr könnt ja gleich nochmal drüber sprechen, ganz in Ruhe, bis gleich.

Du besäufst dich schon mal ein bisschen. Und weinst dabei ein bisschen. Während du Mukke hörst die singt „Und ich bin wieder alleine…“ Nebeinbei machst du dich zurecht für den Mann der gerade dabei ist dir dein Herz zu brechen. Oder zumindest den Verstand zu rauben. Nichtwissen. Nichtverstehen. Fragen. So viele davon. Und nun!?

Du läufst zu ihm und klingelst obwohl du genauso gut wieder gehen könntest, aber den Mumm dazu hast du nicht. Weil du nicht willst. Du möchtest bei ihm sein. Jetzt. Hier. Immer.

Ihr schaut sinnlos in die Röhre, die ja läuft und keiner sagt einen Ton, auch du nicht, es ist schließlich nicht dein verdammter Part. Irgendwann bricht er das Schweigen, er wisse einfach nicht was sagen. 

„Du hast doch alles gesagt, oder geschrieben.“, möchtest du am liebsten sagen, doch du sagst nur: „Du hast deine Entscheidung doch bereits getroffen. Das ist eine einmalige Chance. Also nimm‘ sie an!“ Er streichelt dich, sucht deine Nähe, doch dir ist gerade gar nicht nach Nähe. Du möchtest am Liebsten schreien. Um das zu umgehen kippst du dir noch ein bisschen Sekt hinter die Birne, das kann er ruhig sehen, dass dich das hier gerade nicht kalt lässt.

Ihr redet darüber, über sein beschissenes Jobangebot in Amerika mit dem beschissenen Zeitpunkt, aber nichts hat jemals einen guten Zeitpunkt. Papa ist auch gestorben. Einfach so. Da hat es niemanden interessiert dass gerade Weihnachten vor der Tür stand. Er schaut sehr, sehr bedrückt und du schaust auch sehr, sehr bedrückt und ihr beide schaut euch an, aus sehr bedrückten Augen, während sich Tränen darin sammeln. Du sitzt auf seinem Schoß möchtest ihn am Liebsten schlagen mit irgendwas, hier muss doch irgendwo.. du suchst ein Kissen findest aber nur ein paar Tempos welche du nach ihm wirfst: „Du bist ein beschissenes Arschloch!“, wirfst du ihm mit den Tempos halb lachend, halb weinend an den Kopf. Ihr redet ohne zu wissen wie es weiter gehen wird. Als er sagt: „Darf ich dich zum Mexikaner einladen, wenn ich wieder zurück bin!?“ kannst du deine Tränen nicht mehr verbergen und du schluchzt in deine Hand hinein. Enttäuschung, Traurigkeit, Vermissen, schon jetzt. Der Mexikaner war euer zweiter Date und der erste Kuss. Du wendest dich von ihm ab, so dass er deine Tränen nicht sehen kann. Wahrscheinlich hört er sie nur, wie sie plätschernd auf dem Parkett aufprallen.

Er umarmt dich von hinten, sucht deine Nähe die du gerade einfach nicht verkraften kannst. Als du dich zu ihm umdrehst laufen auch ihm Tränen über die Wange, was das alles nicht leichter macht. Er will dich nicht so sehen und er fragt sich wie er so in den Flieger steigen kann, wie er dich so hier zurück lassen kann. 

Drei Monate bleiben euch noch. Dann ist er weg. Könnte eine Beziehung, noch frisch, so eine große Zeitspanne überstehen? Über ein Jahr? Nicht sehen? 

Du weißt es nicht. Du weißt nur dass sie heiß sind, diese Tränen die du weinst.

Und ganz egal wie es ausgeht: Du möchtest dass er glücklich ist. Denn das Lachen steht ihm unglaublich gut. Viel besser als ein trauriger Mund. Es ist seine Entscheidung. Wenn er gehen möchte, dann ist das so. Du möchtest ihm gern vertrauen. Du möchtest gern glauben dass eine Beziehung das Jahr überstehen könnte.

Kackmist! Rießengroßer beschissener Kackmist!, denkst du dir als du dich angesoffen über die Gangsterstraße wagst. Ein Auto blendet dir in dein Gesicht. Es hupt und fährt vorüber. Scheiße! Du hast dein Pfefferspray vergessen.

Du möchtest an einen guten Ausgang glauben, an das Jahr, was ihr getrennt voneinander übersteht… Trotzdem aber hören deine Tränen nicht auf zu fließen, jetzt gerade, du bist allein in deiner Wohnung, wieder zu Hause, und du hast einfach keine Ahnung. Du hast keine Ahnung ob eure Gefühle füreinander ausreichen und das Jahr überstehen würden. Du weißt nicht, ob das was er empfindet ausreicht, um dir nicht das Herz aus deiner Brust zu reißen. Könntest du ihm Vertrauen, in jeglicher Hinsicht? Würde er nach dem Jahr noch der sein in den du dich vergucktest? Würde auch er dich noch mit glücklichen Augen ansehen!? Glücklich zurück zu sein, bei dir!?

 >>Und ich bin wieder alleeeine…!? Als hat es uns beiiiideee,..<<

„Halt die Fresse!“, nölst du und wünschst deine eigene Mucke zum weißichnichwohin, die dir gerade gehörig gegen den Strich geht.

©Netti

Augenblicklich.

>>Können wir…, ich meine.. 

Kannst du.. das irgendwie vergessen? Bitte?<<

Dunkelbraune Augen schauen dich an. Bittend. Flehend fast schon. Du weist wovon er spricht. Du weist was er meint. Er spricht von seiner Äußerung des Nichtwissens ob das du und er zu einem wir werden kann. Nichtpassend, unpassend. Verschieden. Zu verschieden. Schon jetzt? Begreifen konntest du das nicht.

>>Echt jetzt!?<<, hättest du am Liebsten gebrüllt.

>>Dein scheiß Ernst!?<<, in sein Gesicht geschrien.

Stattdessen sprachst du von Chillin. Druck nehmend. Laufen lassend. Aufgeben? Bevor es beginnen konnte!? Vergiss es!

„Ja. Ja, ich will.“

(Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Blöd? Blöd.)

-Dann eben:-

>>Ja. Ja, ich werde versuchen das zu vergessen!<<

Er küsst dich. Mit seinem Mund auf deinem. Du schmeckst Emotion, so viel davon in seinem Kuss.

©Netti

Die Möglichkeit des Kaputtschreibens.

Wenn geschriebene Worte die Macht haben zu zerschreiben war es nichts authentisches. Kein echtes Gefühl was Sinne benebelt und Glück hervorruft. Etwas in dir hat noch einen Funken Hoffnung, dass die Motten wieder weichen. Dein Kopf ist klar, dein Herz rein, denn bei dir sind keine Motten, nur Schmetterlinge. Noch immer. Die Motten im Gegenüber allerdings sichtbar, spürbar fast schon. Irgendetwas in dir sagt, dass sie wieder weichen werden. Diese Augen die dich anblickten mit so viel was sichtbar war, und spürbar, in ihm, den Anderen, das kann so schnell nicht verpuffen. Ausgeschlossen. Und wenn doch dann hat es nicht sollen sein. Somit würden die Schmetterlinge den Kopf einziehen, etwas traurig würden sie davon flattern, und das nächste Mal zurück kehren. Flügelschlagend. 

©Netti 

Laut. Leise. Aus.

Es gibt laute Freunde und es gibt leise Freunde. 

Die lauten Freunde, die machen Krawall und schreiben oder telefonieren oft, auch du meldest dich oft, zumindest versuchst du das. Dann hast du die Krachmacher ein bisschen besser im Griff, und ihr könnt gemeinsam Krach machen. Laute Musik hören. Your my Heart your my Soul. Mit Konfetti schmeißen und ordentlich auf die Trommel eindreschen, so lange bis beinahe das Trommelfell platzt. Daher kommt also der Name, klingt logisch, irgendwie. Die Lauten sind auch immer da. Mit denen hat man Spaß. Manchmal auch beim Gammeln. Du schätzt sie sehr.

Die Leisen melden sich manchmal wochenlang nicht, gar nicht, monatelang hörst du nichts von ihnen. Aber auch sie hören nichts von dir, es wäre jedes geschriebene Wort zu viel und jedes gesprochene Wort nur Zwang, und doch weißt du dass sie immer da sind, denn Verlass ist immer. Irgendwann hört ihr euch ja wieder. Manchmal früher, manchmal später. Du schätzt sie sehr. 

Dann gab es auch noch die Stillen. Die haben weder geschrieben noch gesprochen, und auch gesehen hast du sie nie. Aber trotzdem waren sie irgendwie da. Im Speicher des Handys. Im Speicher des Hirns. Unvergessen. Noch immer präsent, im stillen Kämmerlein der Gedanken und Erinnerungen, schön waren sie, diese Momente. Anfangs lärmend, Treffen, Nachrichten, ein reger Austausch, dann geräuschlos, keine Treffen, keine Nachrichten, Stille, ein geräuschloses Vergessen was man einfach so hinnimmt, hinnehmen muss, keine Entschuldigungen, kein Alles Liebe für dich. Vielleicht war man auch selber nicht ganz unschuldig daran, hat man doch zu sehr am Lautstärkeregler gedreht, statt lauter leiser gestellt, immer wieder laut, leise, laut, leise, bis gar kein Ton mehr kam, kaputtgespielt. Ein kaputtes Gerät ist zu nichts mehr zu gebrauchen. 

Das ist wie mit der Liebe, die ist auch zu nichts zu gebrauchen, wenn sie erstmal kaputt ist, auch wenn man etwas reparieren kann, ist doch das Wissen da, dass es einst kaputt war, und im nächsten Augenblick bereits wieder kaputt gehen kann. 

Das ist wie mit dem Vertrauen. 

Das ist wie mit der Hoffnung. 

Das ist wie mit dem Glauben. Kaputt ist kaputt. 

Das ist wie mit… 

dem Verlangen? Kaputt ist kaputt ist kaputt ist kaputt? Merken.
Merken kannst du dir das nicht.

©Netti