Far away, die Sicht auf ein Wiedersehen.

Potter ist nicht mehr im Lande. Natürlich nicht. Du musstest ihm absagen, die Gelegenheit auf ein erneutes Treffen mit ihm wurde im Sande erstickt, von der Arbeit welche dir die Luft zum Atmen nimmt. 

Dabei wolltest du ihn gern sehen.

Ihn gern küssen, wie einst.

Du wolltest mal wieder unbeschwert mit ihm Lachen, einfach den Moment empfinden, abseits von Arbeit und stressigen Menschen um dich herum.

Potter nahm es gelassen.

Du nicht, innerlich warst du am Platzen. Gereizt, genervt und auf 180. Aus der Traum von einem Kuss der schon zu lang zurückliegt. 

„Wolltest du nicht herziehen?“, fällt dir wieder ein.

„Mit der Suche musste ich stoppen.“, schreibt er.

„Zu viel Finanzamtrückzahlungen. Aber aktuell suche ich wieder. 

Dann können wir uns ganz oft treffen, uns verlieben und ein richtiges Paar werden.“, schreibt er.

Ähem, hustest du, aber schreibst es nicht. Jah nee, ist klar.

„Dann mach halt hinne, mit der Wohnungssuche. Weißt ja. Verlieben und so..!“, schreibst du ihm, noch bevor er es wieder vergessen haben könnte.

©Netti

Anteilnahme, unerwartet.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, wer in der Not zu dir steht. Der Fotograf meldet sich regelmäßig und fragt, wie es dir geht. Wie ihr vorankommt, mit allem. Da er sich mit dir treffen wollte, hast du ihm berichtet, was passiert ist und wie es dir geht, im Moment. Das Treffen fällt wohl erstmal flach. Trotzdem bot er dir seine Hilfe an, wollte sofort vorbeikommen. Du hast abgelehnt, da du bei deiner Familie bist. Es rührt dich so sehr, dass er sich nach dir erkundigt, das hättest du nicht vermutet, von ihm nicht. Du hast angenommen, dass du ihm egal bist, dass es ihn nicht einmal ansatzweise berühren wird, das Geschehen, was dich trauern lässt. Du hast ein „Sorry“ vermutet, ein „Das wird schon wieder.“ Doch was er dir entgegenbringt ist so viel mehr als das. Es ist echte Anteilnahme. Ein ernst gemeintes Beileid, auch wenn er deinen Papa nicht gekannt hat, was du sehr schade findest, denn du bist dir sicher, er hätte ihn gemocht, oder zumindest gerne kennen gelernt. Irgendwann.., vielleicht. Ihr kommt auf Silvester zu sprechen und du schreibst den Fotografen, dass du Silvester NICHTS machen wirst, NICHTS machen WILLST. Couchen und gammeln. Mehr nicht. „Allein?“ Wollte er schockiert wissen. „Allein.“ Daraufhin meint er, dass das doch nicht geht, er das nicht zulässt. Er wird zu dir kommen, notfalls schleift er dich raus. Wenn er meint, kann er das gerne tun. Aber du gehst NIRGENDWOHIN. Darauf freust du dich. Auf diesen Tag, an dem du einfach mal NICHTS machen wirst, am liebsten auch mit NIEMANDEM zusammen. Ausser mit ihm. Und nur mit ihm. Mit ihm, den Fotografen. Einfach NICHTS machen.

©Netti

 

 

 

Staubsauger an. Kopf aus.

Endlich schaffst du es mal wieder, deine Wohnung zu reinigen, dein Herz und deinen Kopf mit den Gedanken. Du fängst an mit dem Staubsauger durch die Wohnung zu wuseln, du saugst dich durch alle Räume durch und bist in der Wohnstube bei dem Teppich angelangt. Du saugst und saugst. Formst mit deinen Lippen und den Gedanken das Wort OH“ und du wunderst dich, wie über dem Teppich ein zweiter Teppich bestehen kann. Denn über dem Teppich hat sich ein Teppich gelegt aus so vielen Haaren und Schmerz, Tränen und Wut. Du schaust mit großen Augen und wunderst dich, wo all der Schmerz herkommt, und die Wut. Der Sauger tönt vor sich hin. Doch mit einem letztmaligen Kkkkrrrrrrrrrrr werden all die Altlasten einfach weggesaugt. Aus dem Teppich, dem Kopf, dem Herz, deinem Bauch. Du fühlst dich jetzt echt irgendwie besser.

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Eine Nachricht trifft ein, über WhatsApp und du wunderst dich über den Absender, der den Namen des Fotografen trägt. Gleich bist du wieder aufgeregt und dein Herz das schlägt ein paar Oktaven höher als sonst. Höher als es eigentlich die Norm ist. In der Nachricht fragt er dich, ob du Lust hast, mit ihm mal wieder was trinken zu gehen. Du grübelst und schreibst erstmal nicht zurück, denn du musst erst noch darüber nachdenken. Ob du willst. Ob du Lust hast. Ob du gewillt bist, in seine Augen zu blicken, die nur Schwärze mit sich herumtragen, auf den Mund zu schauen, in das Gesicht das lacht, obwohl es die Augen sind, die einfach nicht lachen, zu dir, mit dir. Du fragst dich, ob du all das wirklich willst. Du stimmst einem Treffen zu, für Sonntag. Am Samstag Abend  jedoch hast du plötzlich keine Lust mehr, fühlst dich komisch, wenn du daran denkst ihn zu sehen, wenn du daran denkst ihm gegenüberzusitzen, mit der Hoffnung, die du noch immer irgendwie in dir trägst, in deinem Herzen aus Stein. Also schickst du ihm eine Mitteilung, dass du das zeitlich doch nicht hinbekommst, wie ärgerlich, und fragst ob sich das nicht verschieben lässt, auf kommende Woche, kommenden Sonntag. Er meint es sei kein Problem, das ließe sich sicher einrichten. Was Anderes schreibt ihr nicht. Was Anderes habt ihr euch nicht zu sagen. Nur per Nachricht nicht? Du kannst dir gerade nicht vorstellen, ob ihr euch was zu sagen habt wenn ihr euch gegenübersitzt, ob ihr euch dann überhaupt noch was zu sagen habt. Du kannst dir gerade einfach nicht denken, was das ist, was ihr noch mit einander reden könnt. Gibt es noch etwas zu reden? Interessiert dich noch was er redet, wenn er doch eh die Stadt verlässt?

Heute ist Dienstag, es sind noch 5 Tage bis Sonntag und noch immer weißt du nicht was richtig ist, was falsch, schon wieder nicht. Du bist angelangt bei eben diesen Gedanken, die du alle schon einmal hattest, nur dass du dich nicht auffressen lässt, von ihnen. Dieses Mal nicht. Du wägst nur ab, was das Beste ist für dich. Eine Freundschaft zwischen ihm und dir ist es bisher jedenfalls nicht, denn ihr wolltet ja Abstand zu allem, doch das mit dem Treffen, das war ja grundsätzlich deine Idee, fällt dir nun wieder ein, also hab dich nicht so und Chill mal. Sag ihm einfach, dass das alles ganz schrecklich doof gelaufen ist, und wünsch ihm alles Gute, wenn ihr euch trefft. Ähm. Aber irgendwie hast du da so ein Gefühl, dass er dann einfach wegbleiben wird, nicht mehr zurückkommt, hierher, und zu dir, wenn er erst die Stadt verlassen hat. Zurück kommt um dir eine Chance zu geben und auch ihm, auf eine Freundschaft oder etwas darüber hinaus, mit Zukunft und Herz. Du glaubst einfach dass das ein Treffen mit Abschied wird, ohne Rückkehr, und du willst ihn irgendwie einfach nochmal sehen. 

Und vielleicht, vielleicht, wird er dich nur noch ein einziges Mal küssen, er dich, denn du, du wirst dich das nicht trauen, da müsstest du mehr als nur drei Gläser Sekt hinterkippen. Vielleicht darfst du ihn nur noch ein einziges Mal schmecken, den Kuss, der nach etwas schmeckt, was hätte sein können. Vielleicht darfst du ihn nur noch ein einziges Mal berühren, seine Wange wie sie sich anfühlt, wenn deine Finger hoffend sein Gesicht erfühlen. Vielleicht wird das ein Moment sein, wenn auch der Letzte, den er in guter Erinnerung behält, denn küssen, das kannst du ja. Vielleicht bist es diesmal du, die ihm in seiner Erinnerung erhalten bleibt.  

Du wirst dieses Treffen wahrnehmen.

© Netti

Zwiegespalten. 5/11

Kann man eine Freundschaft aufbauen, die unter falschen Voraussetzungen entstehen würde? Kann man eine Freundschaft aufbauen, zwischen Mann und Frau, obwohl einer von Beiden schon Gefühle entwickelt hat? Können Freundschaften funktionieren, wenn schon jetzt eine Spannung in der Luft liegt, wenn auch nur einseitig!? Kann eine Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt funktionieren? Oder ist diese früher oder später sowieso zum Scheitern verurteilt!?

Wieder verstreichen die Tage und dir kommt es vor als würdest du ihn schon ewig kennen. Gleichzeitig weißt du aber, dass du ihn eigentlich absolut nicht kennst. Du kennst ihn nicht, und es sind bisher gerade mal ein paar Tage verstrichen. Du hast aufgehört zu zählen, weil es eh nicht lohnt. Du hast aufgehört dir Dinge zu merken, die irgendwann von Bedeutung sein könnten. Denn da ist ja noch immer dieses irgendwie ungute Gefühl in dir. Etwas wie „Kann das klappen?“ „Kann sowas gut gehen?“ Gut gehen würde es nicht, da bist du dir ziemlich sicher. Du weißt nicht ob du so wie du handelst, richtig handelst, in dem Moment. Aber du möchtest ihn weiterhin kennenlernen, ihn um dich haben, ihm zeigen wie gut du zu ihm bist. Sei ihm einfach ein guter Freund, rät dir diese innere Stimme. Auch wenn dein Bauchgefühl dich langsam windet, hast du vor, es zumindestens zu versuchen. Du hast ja nichts zu verlieren. Nichts ausser deinen Stolz, deine Ehre, dein Herz. Aber das Herz, dass hast du schon oft verloren, oft schon wurde es entzwei gerissen, doch du hast es wieder und wieder geflickt. Immer wieder. Neu. Du weißt wie du mit Verlust umzugehen hast. Inzwischen weißt du das. Dein ganzes Leben besteht bisweilen aus Verlust. Also hab dich nicht so und vergiss einfach, dass du mehr für ihn empfindest als du eigentlich solltest.

Ihr schreibt in der Zeit viele Nachrichten. Du erfährst viel über ihn. Du bemerkst noch nicht, dass er über dich so gar nichts erfährt. Er fragt kaum Sachen über dich. Zeigt kein Interesse. Das fällt dir aber gar nicht auf, denn du willst ja da sein. Für ihn. Er schüttet dir sein Herz aus. Schreibt dir, dass sie heute im Studio war. Sie. Die Andere. Dein Herz setzt kurz aus und du hältst die Luft an. Er hat sie sich zur Seite gekrallt. Und sie haben geredet. Das hat ihm gut getan, sagt er. Es geht ihr auch nicht gut mit der Situation, aber dennoch besser als ihm. Die dumme, dumme Kuh, denkst du und schreibst, dass das doch schon mal ein gutes Zeichen ist. Sie sagt, dass sie den Kontakt nicht verlieren möchte, zu ihm. Und er freut sich darüber. „Wenn du meinst, dass das so gut für dich ist!?“ bemerkst du und blendest aus, dass sie wahrscheinlich auf den Körperkontakt anspielt. „Nein, wahrscheinlich nicht.“ Na immerhin zeigt er einen Hauch Einsicht.

Ihr schreibt, und schreibt und schreibt.

Dann seht ihr euch wieder. Noch einmal kommt er zu dir. Ihr unterhaltet euch und du stellst ihm Fragen, um ihn besser kennen zu lernen. Du erfährst, dass er nicht viele Freunde hat. Keiner mit ihm was machen möchte. „Machst du so langweilige Sachen!?“, fragst du ihn augenzwinkernd. Er hat keine richtigen Hobbys, sagt er, nichts was ihn interessiert. Deswegen hat er auch Kontakt zu dir gesucht. Er fand dich nett, beim Shooting. Autsch. Es schmerzt, von ihm zu hören, dass er tatsächlich keinerlei Interesse an einem intensiveren Kennenlernen hat. Inzwischen glaubst du auch, dass sein Interesse an einer Freundschaft nur oberflächlich ist. Er jemanden sucht, bei dem er sich auskotzen kann. Jemanden mit dem er seine Zeit verbringen kann. Jemanden der seine leere Lücke füllt, um nicht an SIE zu denken. „Gerade kann ich auch einfach nicht zu Hause sein.“ Du fragst nicht warum, denn es liegt auf der Hand, dass ihn zu Hause einfach alles an sie erinnert. Mein Gott, was hat sie denn nur mit dem gemacht? fragst du dich permanent. „Ich habe es satt allein zu sein. Das war ich viel zu lang. Das ist auch so ein großes Problem von mir gerade. Ich kann nicht allein sein.“ „Also musst du am liebsten 24h am Tag jemanden um dich haben, sozusagen?“ möchtest du wissen, nicht ohne dabei eine Augenbraue hochzuziehen. „So oder ähnlich.“ Trotzdem verwirrt dich, was er sagt. Du hast das Gefühl, dass er sich widerspricht, mit dem was er sagt, doch es kann auch nur ein weiteres sinnloses Gefühl von dir sein. Nichtssagend. Ihr schaut -Das Leben ist schön!- auf DVD. Euer beider Lieblingsfilm, wie sich herausstellt. Hier und da entweichen dir ein paar Tränen. Der Junge ist so süß. Auch der Dad. Tragische Geschichte. Traurig. Authentisch. Bedrückend. Und irgendwie trotzdem schön. Weil Liebe einfach größer ist als all das Leid. Liebe ist größer als alles Andere und sie lebt ewig weiter. Der Fotograf schläft ein, neben dir und bemerkt nicht, dass du traurig bist.

Doch all das, all dieses Wissen über ihn und seine Lage, seine Selbstzweifel, seinen Liebeskummer der Anderen gegenüber, ändert nichts an der Tatsache wie du ihm gegenüber fühlst. Könnte er dir nur eine Chance geben, dir würde es reichen wenn ihr euch trefft, gelegentlich, er nicht von ihr spricht, sie vergessen w.i.l.l. und ein „Wir schauen einfach was passiert, wie sich das entwickelt“, von seiner Seite. Du ahnst, dass die Chance derzeit gleich null ist. Du ahnst, dass er nur sie im Kopf hat und auch gar nicht anders will. Aber noch kannst du nicht anders, als es einfach zu versuchen. Zu versuchen ihm ein Freund zu sein. Der sich anhören darf, dass du ihn emotional wohl niemals so sehr berühren wirst, wie die Andere.

© Netti

Wollen, was man nicht haben kann. Haben, was man nicht will. 4/11

Ein verdammter Teufelskreis! Warum möchte man immer das, was man nicht haben kann? Wieso ist das unter Umständen so reizvoll? Und vorallem, wo ist denn die Logik dahinter, wenn das jeder so machen würde? Da würde es doch gar keine Beziehungen mehr geben, es wäre ein stetiges Hin und Her und Her und Hin. Wie sinnlos ist das denn? Und Besonders: Ab welchem Kindergartenalter hört denn so ein ScheißdrecksGespiele endlich mal auf? Wo leben wir denn bitte?

Nach seiner letzten Nachricht, die mit dem Bitte, bitte, bitte nicht zu viel reininterpretieren und nicht böse sein Bitte, bitte, bitte. Nach dieser Nachricht gehen dir unmengen an Dinge durch den Kopf. Viel zu viele. Du versuchst sie zu sortieren und fragst ihn per Nachricht wieso dann das Ganze, was er denn von dir möchte. Du erinnerst ihn, dass nicht du Kontakt zu ihm aufgenommen hast, sondern er. Eigentlich magst du nicht hören was er meinen wird, denn du kannst es dir denken. In etwa vermutest du zu wissen, was gleich kommen wird. Freundschaft, schreibt er dir. Er sucht eine ganz normale Freundschaft. Warum gibt es denn immer nur schwarz oder weiß? Leben oder Tod? Dunkel oder Hell? Jetzt will er dich verarschen. Und so fühlst du dich auch. Irgendwie ein bissal verarscht. Was geht denn bei dem? Wo sonst kann er Leute kennen lernen, mit denen er Sachen unternehmen kann!? Zum mal rauskommen. Was machen. Wie sonst, wenn er nicht auf Leute zugeht!? ZUGEHEN. Innerlich lachst du dich halb tot. Und bist dabei hysterisch. Aggressiv. Gekränkt. Sein Ernst? Er schreibt dich via Facebook an, ohne dir SCHON DA mitzuteilen, dass er nur Freundschaften sucht!? Und dann regt er sich drüber auf, weil es nur schwarz oder weiß gibt? Musst du ihm jetzt wirklich deine Weltanschauung erklären? Musst du ihm jetzt wirklich erklären, wie das eigentlich funktioniert, zwischen Mann und Frau? Musst du ihm das echt jetzt alles auf die Bemme schmieren? Du bist so satt. Und du resignierst. Auf Vorwürfe hast du keine Lust. Dein Schädel droht zu bersten. Deine Gefühle zu zerfallen. In Asche und Staub. DRECKIG! Oh schreien möchtest du, Dinge zerschlagen, du musst dich beherrschen all deine Wut nicht mit einer sinnlosen Nachricht an ihn zum Ausdruck zu bringen. Du hasst es, so etwas via Nachricht zu klären, du hasst es, dass er dir diesen scheiß nicht einfach in die Fresse sagt. Per Nachricht gehst du auf Distanz und sagst ihm, dass du das Ganze erstmal irgendwie fressen musst, und schlucken. Dass dir einfach gerade zu viel durch den Kopf geht, und bevor du etwas schreibst, was du hinterher bereust lässt du es jetzt einfach. Achso, und sorry! Sorry, sorry, sorry. Das bitte, bitte, bitte nicht böse sein verkneifst du dir jedoch in letzter Sekunde. Du fühlst dich so bescheuert, naiv und gutgläubig. Bist geschockt über deine schlechte, menschliche Auffassungsgabe. Irgendwie dachtest du, dass da irgendwas sei, zwischen euch. Irgendwie hattest du das Gefühl, dass da eine Anziehung herrscht. Und irgendwie dachtest du, dass er dich auch ein bisschen mag.

Du lässt das sacken für einen Tag und er schreibt dir dennoch. Ob du jetzt sauer bist. Und weil nichts kommt, vermutet er, dass du jetzt anscheinend wirklich böse bist. Und ein skeptisches Smiley. Kein trauriges. Keines was Tränen weint. Nein, ein doofes, dummes, hässliches, gelbes, skeptisches Smiley! Über WhatsApp. Kein Anruf. Nicht mal das. Nachdem du all den Mist geschluckt hast, machst du einen auf verständnisvoll. Denn Verständnis ist gut. Keine Vorwürfe. Zeig ihm, dass du ihn dennoch magst, du ihn verstehst, mit ihm mitfühlst. Sei ihm einfach ein guter Freund. Denn zu etwas anderes scheint er ja gerade nicht in der Lage zu sein. Du bietest ihm dein Ohr an. Wenn er möchte könne er ja rum kommen. Aber weggehen möchtest du heute nicht. Du willst heute einfach nicht mehr vor die Tür.

Als es klingelt wird dir anders. Du bist aufgeregt, weil du ihn gleich siehst. Es wird dir schwer fallen Verständnis aufzubringen. Für die Andere, die du nicht sein kannst. Wahrscheinlich niemals wirst. Als er eintritt steht ihr nervös voreinander, bis du dem Moment ausweichst und einfach schon mal in die Wohnstube gehst. Diesmal läuft gleich die Glotze. Leise. Im Hintergrund. Bald schon seid ihr bei dem Thema, bei dem du am liebsten einfach weghören möchtest. Aber Verständnis haben, vergiss das nicht. Du hörst dir an, was er sagt, über die Andere, die er auch bei einem Shooting kennengelernt hat. Dem Mädel hat er eine Visitenkarte gegeben, und zusätzlich eine „Einladung“ via Facebook. So eine tolle Frau. Und so lieb! Gleich beim 2. Date sind sie in der Kiste gelandet. Hatten einen Monat lang eine Bettbeziehung. Wie eine richtige Beziehung, sagt er. Nur dass sie keine wollte. Eine Liebe, ist das. Nach diesem einen Monat hat sie ganz schnell einen Anderen gefunden. Mit dem sie das Bett geteilt hat. So lieb ist sie. Dir wird schlecht, weil du selber das alles ganz anders definierst. Weil du selber weißt, dass jemand alles andere als lieb ist, wenn man Menschen SO behandelt. Du vergisst die rosarote Wolke auf der du selber schwebst. So hoch hinaus. Sie sagt, sie hätte gern noch Kontakt zu ihm, und als du das hörst fragst du dich, ob sie damit den Körperkontakt meint. Du stellst sie dir billig vor. Und hasst sie schon jetzt, obwohl du sie nie gesehen hast. Ihren Namen verabscheust du. Er weiß, dass er sie nie haben wird. Sein Blick ist eher gleichgültig als traurig. Seine Gefühle sind abgestumpft. Er empfindet gerade nicht mehr viel. Aber das Schlimme, so sagt er, das Schlimme ist, dass sie einfach so ein toller, und lieber Mensch ist. Denn das ist sie noch immer! Immer noch. Du kannst es schon jetzt nicht mehr hören. „Man will immer das was man nicht haben kann!“ , betont er feierlich. Und du findest das scheiße, was er sagt. Weil es nicht stimmt. Das redet sich die Menschheit nur selber ein. Innerlich bist du schrecklich wütend. Es brodelt in dir drinne und irgendwie braut sich da grad was zusammen. Du ignorierst es und nickst mit dem Kopf. Stellst ihm Fragen und rätst ihm, was du als Frau dir wünschen würdest. „Wenn du sie liebst, dann kämpf um sie. Zeig ihr, wie sehr du sie magst.“ Verwirrt blickt er dich an. „Ich liebe sie nicht. Ich habe nur extreme Gefühle für sie.“ Jetzt bist du es, die verwirrt ist. Du fragst dich, wo denn da bitte der Unterschied ist!? Liebe weißt du ja sowieso nicht zu definieren. Aber du denkst, wenn man starke Gefühle für jemanden hat, dann ist man automatisch verliebt. Geht das Verliebtsein so weit, dass man ALLES für den Menschen tun würde, und möchte man dass es demjenigen IMMER gut geht, dann ist das Liebe. Natürlich hast du vergessen, dass es noch die sexuellen Gefühle gibt, die hast du jetzt irgendwie nicht so sehr in Betracht gezogen. Du kapierst nicht so ganz was sein Problem ist. Wieso ist er so, wie er ist, wenn er doch „nur“ extreme Gefühle für sie hat!? Du verstehst das nicht. Ist man gleich verliebt wenn man extreme Gefühle für jemanden hat?

Er legt sich dann neben dich. Sehr nah. Viel zu nah, aber dennoch sorgsam darauf bedacht, dass ihr euch nicht berührt. Seine Hand jedoch gefährlich nah an deiner. Deine Gefühle schwappen über. Eben noch fassungslos. Verwirrt. Aufgebracht. So fühlst du jetzt nur noch ein tosendes Herz in deiner Brust, welches so hart schlägt, dass dir das Atmen schwer fällt. Deine Hände kribbeln. Es juckt in dir. Am liebsten würdest du ihn berühren, ganz vorsichtig mit deinen Fingern seine braunen Strähnen aus den Augen streichen. Deine Hand zu seiner Wange führen und sie streicheln, wie bei einem Kind. Ihn trösten. Obwohl es nicht das ist was du willst. Denn trösten willst du nicht. Du möchtest deinem Gefühl Ausdruck verleihen, weil es schmerzt zu verbergen was in dir tobt. Es schmerzt, zu wissen dass er ablehnen würde was dich beinahe umbringt. Du blickst ihn an und findest ihn wunderschön. Die Seite in ihm, wenn er stark wirkt, groß, männlich, humorvoll und unglaublich attraktiv. Und die Seite, der Mann, der er ist, wenn er verletzbar scheint, traurig, sensibel, freundlich und sehr ehrlich. Doch gibt es dann noch ein drittes Gesicht. Nämlich das, was verletzt, beleidigt und demütigt. Kannst du dich in so viele Gesichter verlieben? Wer ist dieser Mann wirklich, wenn  er all diese Masken ablegt? Oder ist eins davon sein wahres Gesicht? Das Echte?

Ist es etwa schon zu spät? Bist du verliebt in einen Mann, den du nicht einmal richtig einzuschätzen weißt?

Wieder weißt du eines mit Gewissheit. Egal wer dieses Trugbild in die Welt gesetzt hat, egal wer diesem Irrglauben weiter hinterherjagd. Du weißt es besser für dich. Denn du weißt, dass du ihn schon wolltest, als du einen Teil der Leichen in seinem Keller noch nicht kanntest. Du weißt, dass du schon da nichts lieber wolltest, als dass er Kontakt zu dir aufnimmt. Du weißt, dass das was du gefühlt hast und noch immer fühlst, nicht erst entstand als du erfuhrst, dass da die Andere ist. Nach wie vor möchtest du diesen Menschen kennenlernen. Um dich haben. Nach wie vor magst du diesen Menschen ungemein. Und du würdest nichts lieber tun, als ihn zu küssen. Seine langen Finger, die in deinen Nacken greifen. Die Hand, die dein Gesicht in seine Hände nimmt. Der Kuss, der die Leidenschaft in dir zum beben bringt. Irgendwie wolltest du ihn schon vorher, obwohl du noch nicht wusstest, dass du ihn nicht wirst haben können.

© Netti

Nicht existent.

Das Handy schweigt. Einen Tag. Zwei Tage. Drei Tage. An Tag 4 frage ich mich ob ich eigentlich noch existiere. Frage mich, weshalb man keine Nachrichten bekommt, wenn man es doch so unbedingt erwartet. Man hofft auf ein Signal was dir sagt dass es eine Mitteilung gibt, die etwas wichtiges zu sagen hat. Man hofft auf nur eine einzige wichtige Mitteilung. Von nur einer bestimmten Person. Als mein Handy weiterhin schweigt beginne ich für mich nicht mehr zu existieren. Mein Handy bleibt aussen vor. An Tag 5 tritt eine Mitteilung ein. Nicht die gewünschte und mein Vorsatz ohne Nachrichten auszukommen, wird weiterhin fortgesetzt. Weitere SmSn die über WhatsApp eintreffen gehen mich nichts an. Auch wenn es in den Fingern juckt. Mein Kopf sich fragt, wer die 3. Chatperson ist. Gedanklich gehe ich die Wahrscheinlichkeiten durch.
An Tag 8 sind es 7 Nachrichten in 5 Chats. Meine Nervosität steigt. Es juckt und kribbelt und ich bin schrecklich gespannt. Ich beschliesse dem Abwesenheitsprozess ein Ende zu bereiten. Denn ich möchte mich nicht mehr fragen müssen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist dass die EINE gewünschte Nachricht von der EINEN Person unter den 5 Chats vorhanden ist. Möchte Gewissheit. Es ist eine Nachricht darunter. Eine Nachricht, die enttäuscht. Es ist eine distanzierte, unförmliche Smalltalk Mitteilung von der erhofften Person.
Nur weiß ich, dass ich mehr wert bin, als dass man sich von mir grundlos SO distanzieren muss. Diese Nachricht hat eine ebensolche Ignoranz meinerseits verdient. Nach ein paar Tagen, die verstreichen werden folgt eine Antwort.
Distanziert, höflich, unförmlich und doch abweisend. Abweisend um zu signaliesieren.
Ich habe jetzt einfach keine Zeit.
Habe anderes um die Ohren. Nicht dich. Dich nicht.
Melde mich dann demnächst bei dir, wenns passt.

© Netti