Hab kurz an dich gedacht.

Du musstest sie füllen, diese Leere in dir, die Wut und den Drang ihm zu schreiben, denn das hätte gar nichts gebracht.

Deine Gedanken schweiften also urplötzlich um zu ihm, den Fotografen, immer mal wieder taucht ein Bild von ihm auf, platziert sich in deinem Kopf. Lang ist es her. So richtige Wut ihm gegenüber hast du nie empfunden, nur unendliche Traurigkeit darüber, wie das mit ihm und dir letztendlich ausging. Heute könnte dein Verständnis ihm gegenüber größer nicht sein. Du kannst dich in ihn reinfühlen, weißt nun wie er sich fühlte damals, wie es ihm ging. Auch du warst und bist in einer ähnlichen Situation. Dir ist klar geworden, dass man manchmal nichts für sein Handeln kann, wenn der Kopf eine Sprache spricht, die man selber nicht versteht. Trotzdem hättest du dir gewünscht, dass er sich dir anvertraut, aber er konnte nicht, das verstehst du, immerhin kannte er dich nicht gut, verlor das Vertrauen in die Menschen und letztendlich Sich selbst. Du denkst an ihn, und musst ihm folgen diesem Impuls, denn dich interessiert gerade sehr wie es ihm geht, was er so macht, ob alles gut ist bei ihm. Du schreibst und schickst ab, ohne zu bereuen. Du erwartest nichts. Kurze Zeit später eine Antwort, von ihm, den Fotografen. Er sei überrascht, dich zu lesen, er dachte er höre nie wieder etwas von dir. Kurz bist du verwirrt über diese Aussage. War es eine Frage mit einem Punkt, oder eine versteckte Anschuldigung, ein verstecktes Ausrufezeichen, was eigentlich meint: „Du solltest doch nicht..!“ Dein kurzes Unbehagen darüber verdrängst du und siehst es als das an was es ist: Eine schlichte, harmlose Feststellung ohne Unterton. Du hast so viele Fragen und endlich darfst du wissen wie es ihm geht, du bist froh zu hören dass seine Nachricht so positiv ausfällt. Es geht ihm gut! Ziemlich gut! Ihr sprecht nicht über das Vergangene, es ist vergangen gehört nicht mehr ins Hier und Jetzt. Er möchte viel wissen von dir, klingt ehrlich interessiert. Du erzählst nur die die halbe Wahrheit. Es geht dir ja gut, vergangenes muss er nicht wissen, du hättest Angst, dass er sich sonst zu viele Gedanken macht, als Kopfmensch so wie du weißt, möchtest du nicht riskieren ihn runterzuziehen. Es ist vorbei.

Seine Entschuldigung überrascht dich. Und es ist schön, dass ihr die alte Wunde heilen lassen könnt. Auch wenn du nie böse warst, nur ein bisschen verletzt über seinen Abgang bist du froh, dass er einsichtig ist. Du nimmst seine Entschuldigung an, was ihn freut. 

Schade, dass nicht alles was kein positives Ende nahm in deinem Leben, wieder gut gemacht  werden kann. Es gehören zwei einsichtige Parteien dazu, aber leider gibt es die nicht immer. Oftmals kam man dir im Falle einer Aussprache mit Pöpeleien, Ignoranz oder Feigheit. Aber es ist dir wichtig dass du zumindest versucht hast das was war aus der Welt zu schaffen, damit die Wogen geglättet, und Altlasten abgewurfen werden konnten. Auch wenn es in diesem Fall keine Aussprache war, die der Fotograf mit dir führte, bat er dich um Vergebung. Und dass du diese auch Annehmen konntest bedeutet dir so unglaublich viel. 

Nach dieser Konversation per WhatsApp fühltest du dich ein Stück weit entlastet. Es würde das Leben so viel leichter machen, wenn wir öfters den Mut hätten um Verzeihung zu bitten und vergeben könnten, auch wenn man sich nicht sofort dazu in der Lage sieht, bleibt es einem Selbst doch frei zu entscheiden wann es möglich ist. 

Schade, dass nicht alle so viel Größe besitzen. Der Fotograf hat dir hiermit erneut bewiesen dass er ein Herz hat, auch wenn er selbst es damals nicht mehr spüren konnte. Du bist froh, dass du dich nicht in ihm getäuscht hast und dein Menschenverstand zumindest einmal im Leben seinen gesunden Dienst erwies.

Gehab dich wohl, lieber Fotograf.

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Wenn man gezwungen ist loszulassen…

..gibt es nichts Altbekanntes mehr, wodran man sich klammern, worauf man hoffen kann. Alle alten Hoffnungen haben sich aufgelöst, schwirren nun durch die Lüfte, schweben dahin, weit weg von dir, um neuen Hoffnungen platz zu machen. Keine Ahnung in welche Richtung das mit dem Hoffen gehen soll, doch deine vergangene Verliebtheit lässt keinen Platz mehr im Herzen, denn wieder hat man deine Gutmütigkeit nicht zu würdigen gewusst. Du weißt nicht ob du ihn je wieder hören wirst. Du weißt nicht ob du ihn je wieder hören willst. Du weißt nicht ob du ihn je wieder sehen wirst. Du weißt nicht ob du ihn je wieder sehen willst. Du weißt du solltest ihm verzeihen, ihn loslassen. Gut, sagst du dir, und lässt ihn los, doch verzeihen wirst du nicht, denn seine albernen, vergangenen Versprechungen hängen dir zum Hals raus. Inzwischen widert er dich an. Der Gedanke an ihn. Seine Nähe die du zugelassen hast. Seine Stimme in deinem Ohr. 

Ob er sich nach dem Jahr melden wird? Auch das weißt du nicht. Du weißt nicht einmal wie du reagieren würdest, wenn es so wäre. Innerlich trägst du einen Haufen Wut mit dir spazieren. Manchmal ist sie so stark, dass du Dinge zerstören könntest, Menschen verletzten möchtest, egal was, Hauptsache es wird Leid zugefügt. Das Bedürfnis ist schnell schnell vorbei, ohne dass etwas geschieht, aber es bleibt die Leere und das Gefühl, dass etwas nicht stimmt mit dir, und dieser Welt in der du lebst.

Manchmal lachst du ein bisschen irre vor dich hin, während du diese Nachricht wieder und wieder liest. Deine Nähe ist so wundervoll. Steht da. Ich bin so gern mit dir zusammen. Steht da. Und es ist so toll mit dir Zeit zu verbringen…, jetzt kommt diese Stelle, wieder lachst du und gibst seltsame Töne von dir, halb lachend, halb weinend,..ich möchte auch gern so zu dir sein, und dir alles zurückgeben, aber irgendwas lässt mich immer zweifeln. 

Wütend wirfst du dein Handy in die Ecke. Du verfluchst ihn, das Telefon, dich. Die Wut brodelt in dir, auch wenn die Nachricht schon über einen Monat zurück liegt. Du überlegst zu ihm zu gehen. Halbnackt nur mit Jacke bekleidet. Er würde seine scheiß Tür auf machen und du würdest in sein scheiß schönes Gesicht schlagen, mit deiner flachen Hand, oder die Faust, das würdest du spontan entscheiden, und dann würdest du ihn nicht zu Wort kommen lassen, würdest seinen scheiss Mund küssen. Klar, ihr würdet Sex haben und für dich würde es Liebe machen heißen, obwohl du nicht so richtig weißt was das ist, aber weil es so weh tut die ganze Zeit und währenddessen, kann es nur sowas wie Liebe sein. Aber vielleicht ist es auch nur Abhängigkeit nach etwas, was du nie besessen hast, nach jemand der nie dein war.

Du wünschst ihm dass sein scheiss Flugzeug an einer scheiss Felswand in tausend Kleinteile zersplittert. Aber du schreibst es nicht. Er wird nichts mehr von dir hören.

Es geht dir besser. Eigentlich. Und du bist froh, dass er bald weg ist, denn täglich hast du Angst ihm über den Weg laufen zu müssen. Du bist froh, dass er bald endlich abhaut, soll er doch da bleiben. Du brauchst niemanden der zweifelt, wo du selbst doch so gern zweifelst, deine Zweifel reichen dir, da brauchst du nicht noch mehr davon.

Natürlich musst du dem Drang widerstehen ihn anzuschreiben, manchmal ist er sehr stark, und als er dich zu übermannen scheint schreibst du nicht ihm, sondern den Fotografen.

©Netti 

Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.

Du bekommst eine SMS. Sms’n bekommst du in der Regel nur von Mutti. Du öffnest sie und siehst nur eine Blase, die keine Worte enthält, sondern Stille ohne Inhalt. Die SMS ist von Vati. Du wunderst dich, bist dennoch erfreut über den Versuch den er unternimmt um dir eine Nachricht zu schreiben. Du legst es bei Seite, musst ein wenig schmunzeln und wartest, denn du bist dir sicher er wird es nochmal probieren. So schnell gibt er nicht auf. Kurze Zeit später ein erneutes Plingen. Wieder öffnest du. Wieder eine Nachricht von Papa. Ohne Inhalt. Ohne etwas mitzuteilen. Manchmal bedarf es mehrere Anläufe. Manchmal bedarf es Mut, Wille, Kraft und Durchhaltevermögen. Damit man schafft was man erreichen will. Mit dem dritten SMS Ton erscheint eine Nachricht, welche gefüllt ist. Nicht nur mit Worten, sondern mit Liebe, Ausdauer und Schaffenskraft. „Gute Besserung. Ich hab dich auch lieb!“ Tränen bilden sich in deinen Augen und ein Schluchzer, ein leiser Schrei der innerlichen Hoffnung darauf dass alles wieder gut wird mit ihm, entweicht deinen Lippen. Heiße Tränen tropfen hintereinander zu Boden. In der SMS von dir an ihm berichtetest du ihm dass es dir gerade nicht so gut geht, Grippe, Fieber, Kopfgedöns und du ihn nicht besuchen kannst, gerade, und du ihn lieb hast. Du kannst dich an nur ein einzigstes Mal erinnern, als er sagte dass er dich lieb hat. Das war als feststand dass deine Eltern sich würden scheiden lassen, und du weggelaufen bist vor Verzweiflung, und einer über die Jahre vollgelogenen heilen Welt, in der ein Teil von deinem Leben zu bröckeln begann. Papa machte sich Sorgen um dich, deine Familie suchte im Dorf nach dir, denn weit konntest du nicht sein. Er weinte Tränen der Erleichterung als du vor ihm standest, heile und unversehrt, nur ein bisschen verweint, denn was soll denn diese verdammte Scheiße, könnt ihr euch nicht einfach wieder lieb haben, wie einst!?

Diese Nachricht lässt dich wissen dass es noch immer so ist, dass er dich nach all den Jahren noch immer, und noch genauso lieb hat.  Du liest sie wieder und wieder, und hoffst daraus zu erfahren wie es ausschaut in seinem Kopf, ob es besser werden wird, oder schlimmer. Doch es wurde nicht besser sondern schlimmer, so schlimm, dass du irgendwann weder Nachrichten, noch Anrufe bekamst, bis irgendwann die Stille zu laut wurde, sie wurde zu laut denn es klingelte kein verdammtes Telefon. Kein Papa rief an um sich nach dir zu erkundigen. Papa brauchte nun kein Telefon mehr. Er brauchte dich nicht mehr.

Er braucht nie wieder ein Telefon. Es liegt in irgendeiner Kiste, abgemeldet, inaktiv, das alles weißt du und doch ist es nicht so ganz glaubwürdig für dich. Du siehst sogar das Foto, was er gemacht hatte und im Whatsapp einstellte. Das hast du gleich als Kontaktbild genommen. Sein Name in der SMS, die SMS von ihm. Du weißt du solltest sie löschen. Deine Fingerspitzen tippen suchend nach Papa. Du drückst auf seinen Namen und die Verbindung wird aufgebaut. Kann die Verbindung zu ihm wieder aufgebaut werden? Ist es so einfach? Und wo kommst du dann raus? An welchem anderen Ende ist dein Papa nun? Wo befindet sich dies Ende? Du lauschst hoffend in den Hörer, darauf bedacht ihn gleich gut zu verstehen am anderen Ende, er spricht sehr leise, doch eigentlich weißt du es besser, du weißt dass er gar nicht mehr spricht. Trotzdem glitzern deine Augen, im Schleier der Tränen tanzen hoffnungsvolle Punkte der Zuversicht. Es ertönt kein Papa der Hallo in den Hörer haucht, ganz leise, denn das sprechen fällt ihm schwer, der Hörer ganz fest an dein Ohr gepresst, damit du auch alles verstehen kannst. Kein Husten am anderen Ende, auch kein fröhliches und heiteres Lachen. Du hörst Stille. Und dann eine Stimme, die nicht deinem Papa angehört. Diese Stimme ist weiblich, monoton, eindringlich und leicht genervt, >>Diese Nummer ist nicht vergeben!<<  wie kannst du es auch wagen die Nummer zu wählen. >>The number you’ve dialed is not assigned.<< Du unterbrichst das Gespräch und den Monolog den diese Frau führt, du beendest den Anruf, der dich nicht mit Papa verbindet. Dir ist bewusst dass es an der Zeit ist zu löschen. Die Nummer, die nicht vergeben ist, daneben das Papa in Buchstaben, seine SMS und das LiebHaben an dich. Aber du kannst das nicht. Du kannst ihn einfach nicht löschen. Auch wenn du nicht ihn löschst, sondern nur die Nummer, hast du Angst dass auch er damit aus deinem Kopf verschwindet und die Erinnerungen an ihn einfach ausgelöscht werden, noch bevor du irgendwann vielleicht selber mal nicht mehr in der Lage sein wirst zu denken.

©Netti

…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

Wie es begann…………

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft- Es setzt aus. 1/2

 

Noch immer kannst du es einfach nicht fassen, diese Dreistigkeit. Du kannst nicht fassen wie sehr man dir ins Gesicht lügen kann. Sein Bild auf dieser „Liebes“-App. Eindeutig er. Er, der Fotograf. Du kennst ihn, ihn und dieses Bild, was er auch im Whats App zur Schau stellt. Im „Suchfeld“ hast du deine Heimatstadt eingegeben. Von ihm persönlich weißt du, dass er umziehen wollte. Eigentlich. Eigentlich schon seit gestern. Viel mehr seit nun mittlerweile 4 Monaten. Und zwar weg. Weit weg. Weg aus deinem Sichtfeld. Weg von deinem Empfinden. Warum ist er also noch immer hier!? Und warum trifft man ihn in einer sinnlos App, anstatt ihm persönlich gegenüberzustehen, ausversehen. Zu gern hättest du ihm in sein Gesicht gesagt wie sehr erbärmlich du das Ganze findest, ihn, sein Verhalten, seine Unehrlichkeit, sein Auftreten. Zu gern hättest du ihm deine Hand ins Gesicht gedrückt, all deinen Ärger über ihn, der sich nun wieder anstaut in dir drin, wie eine tickende Zeitbombe, Luft gemacht. Aber nein, nein, du siehst nur sein Foto in dieser App, dieser beschissenen App die angeblich Leute vereinen soll, doch sie vereint nicht, sie zerstört und manipuliert, sie (ver)höhnt und vor allem wertet sie ab, den Mensch und die Person anhand eines Profiles, anhand eines Fotos. Du hast nur ein Rückenfoto drin, und eines mit nur einem halben Gesicht. Dein Profil lässt du frei, du möchtest selber entscheiden, wer was von dir erfahren darf, oder ob du überhaupt auch nur ansatzweise etwas von dir preisgeben magst, denn du erinnerst, du willst dich ja nur kurz mal umschauen und ein wenig schreiben, auch wenn du hinsichtlich eines Kennenlernens das persönliche Treffen bevorzugst, schließlich lebst du in keiner virtuellen Welt, in der man nur via Schriftverkehr miteinander kommuniziert. Du möchtest den jenigen welchen gegenüber stehen, im Angesicht zu Angesicht, Fragen stellend und Antworten gebend. Du weißt dass du von dieser App eigentlich nichts erwarten kannst.

Als du dich ein paar Tage von diesem ersten Schrecken erholt hast und du jegliches Wischen, sobald sein Foto aufkreuzte, umgangen bist, folgt sogleich der nächste Schock. Er war auf deinem Profil. Auf deinem Profil, auf dem es nichts zu sehen gibt, außer deine Rückansicht und dein halbes Gesicht. Deine Rückansicht, die er kennt. Dein Gesicht, das er kennt. So nah ist er gewesen, deine Tränen hat er dir aus dem Gesicht gewischt. Das Bild, welches er kennt, weil auch du dies auf deinem WhatsApp Profil spazieren trägst. Dein Herz stoppt wieder kurz, eine Sekunde nur, doch dann plustert es sich auf. Es pumpt, und pumpt sich voll mit Wut und Hass und Unverständiss. Vor allem das. Du könntest platzen jetzt gerade, hat er doch damals so sehr betont dass du ihn nie wieder sehen wirst, du nie wieder auch nur ansatzweise von ihm etwas wirst sehen und hören müssen. Warum? Du fragst dich was das soll, diese Art der Provokation. Du fragst dich was er damit bezwecken möchte. Aber besonders fragst du dich, weshalb er dich anlügt und dich hat so sehr begossen stehen lassen, hinter deiner eigenen Tür, die du ihm vor der Nase zuschlugst. Weshalb hat er nicht einfach eine stinknormale Aussprache gesucht!? Du weißt du hättest damals vollstes Verständnis für ihn aufgebracht, wahrscheinlich noch heute, du wärst ihm nicht einmal böse gewesen. Du hasst nur Unehrlichkeit, ewiges Hoffen und Nichtverstehen. Du magst es nicht dich in einer Schwebe zu befinden, keine Antworten auf all die Fragen in deinem Kopf. Du hättest ihm verziehen wenn er geht, ehrlich und mit erhobenem Haupt, doch nicht aber schleichend und mit Dreck werfend. Du hättest ihm verziehen wenn du Gründe gehabt hättest, die sein Verhalten erklären und dir sagen dass es einfach nicht an dir liegt, sondern an ihm selbst, weil er es ist. Er ist das Problem. Damals wusstest du das aber noch nicht, dieser Prozess hat gedauert bis heute und noch immer kommt es dir vor wie eine minimalistische Art des Schönredens, doch innerlich weißt du, dass er es ist, das Problem und dass er vor allem eines ist: erbärmlich, weil er nicht einmal zu dem stehen kann, was er ist, um daran und damit arbeiten zu können. Stattdessen strotzt er nur so vor Selbstmitleid, das ist dir nun so klar wie der Himmel, wenn es mal nicht regnet und die Sonne strahlend hell am Himmel steht. Er bemitleidet sich Selbst. Wahrscheinlich noch immer. Du kannst jetzt einfach nicht anders.

Du bist geladen. Auf 180. Möchtest Teller zerkloppen. Ihn. Du greifst dein Handy. Suchst seinen Namen bei WhatsApp und tippst wütend: „Du Arsch! Gehts no…“ Nein halt, du löschst. Nochmal.. „Weißte, du bist einfach nur erbär…“ Ach scheiße nee. „Ey! Du Vollhorst! Umgezogen!? Verarschen kann ich mich all…..“ Man! Du fährst dich kurz mal runter, denn du möchtest keinen Krieg, sondern eine Antwort, eine Antwort auf seine Doofheit. Also atmest du tiiiiiief durch, einatmen, ausatmen, hineinatmen in dein YEAH Powerhaus, und wieder ausatmen und dann tippst du völligst entspannt: „….Du gehst auf mein Profil obwohl deine letzte Aussage war: >Du wirst nie wieder was von mir hören und sehen!< Aha!? Ist mir aber gerade nicht so.. Du bist offenbar noch immer in der Stadt!?“ Du rechnest nicht mit einer Antwort, und doch lässt eine Nachricht an dich nicht lange auf sich warten: „Ja. Da muss ich sagen, dass man dich so sieht: Kein Kopf. Weiß ich aber davor nicht, dass es jemand ist, den ich kenne bzw den ich scheiße behandelt habe. Ich gehe demnächst weg. Korrekt.“ Eine schwammig daher geschriebene Aussage, die dir nur noch mehr Unverstädnis einbringt. Aber du belässt es dabei und schickst ihn wieder weg. Freundlich, aber bestimmt: „War ja kein Vorwurf, nur eine Verwunderung, nicht gleich garstig werden..!“ Du musst lachen. Nicht hysterisch sondern kopfschüttelnd, es ist einfach zu lächerlich, wie sehr er im Selbstmitleid versinkt. Dieses Lachen hilft dir, dich loszulösen, von ihm, den Gedanken an ihm und den Momenten die ihr miteinander hattet. Es hilft dir, dich zu befreien, endgültig, von ihm, den Fotografen.

Bevor du deine Spuren dieser App beseitigst, schickst du deine Nummer an einen Mann, der dich nett unterhalten hat, in der Zeit die du da anwesend warst. Sieben Tage lang. Ein Mann welcher zeitintensiv mit dir schrieb. Nett, authentisch, charmant und sehr, sehr humorvoll. Du hast keine Hoffnungen auf irgendwas, aber wenn es sein soll bleibt der Kontakt bestehen, wenn nicht, nicht. Er liest die Nachricht, und dann löschst du dich aus dieser App. Du kehrst ihr den Rücken und ihm, den Fotografen und du lebst einfach dein Leben mit allem was kommt, der Schmerz aus vergangenen Zeiten hat dich stärken lassen, du bist dir selber bewusst und gehst achtsam durchs Leben. Dein Bauchgefühl wird dich in Zukunft rechtzeitig auf Respektlosigkeiten und Fehlverhalten hinweisen. Es werden keine Tränen mehr fließen, denn du stehst da einfach drüber. Du wirst lachen, und weiter gehen, denn du kennst den Weg den du gehen willst, und der Weg ist das Ziel. Dein Ziel.

©Netti

Auf ein (Nimmer)Wiedersehen!? 2/2

Du sitzt in der Bahn auf dem Weg in die Stadt, denn der Mensch der dich bei der letzten Bahnfahrt ansprach, möchte sich mit dir treffen. Das Wetter ist schön, die Sonne strahlt mit ihrer Wärme und Freude durch die wenigen Quellwolken am Himmel. Du streckst dein Gesicht in Richtung des Lichtes und genießt in schweigsamer Vorfreude den herannahenden Sommer. Die Bahnfahrt verläuft ruhig. Auch wenn du eigentlich keine Lust hast, auf das Treffen mit diesem fremden Menschen, bist du doch ein wenig aufgeregt, weil du dich gleich unterhalten musst, du musst Worte finden, die du sonst nur schriftlich parat hast, du musst Antworten finden, auf seine Fragen, die dich in die Enge drengen werden. Du bist etwas zu früh, denn du möchtest nicht gleich hinhetzen, zu dem Treffpunkt, ihr möchtet bei dem schönen Wetter ein Eis essen gehen, und gemütlich in der Sonne ausharren. Also hast du noch etwas Zeit und du lässt dich nieder auf einer Bank, mitten in der Stadt, so kannst du ganz gemütlich die Blicke schweifen lassen und Leute beobachten, das machst du ja so gern. Beobachten. Nicht starren. Du zündest dir eine Zigarette an und reckst den Hals, dein Gesicht schaut genau in die Sonne, für einen kurzen Moment schließt du einfach nur die Augen, du denkst an nichts, sondern du fühlst die wärmenden Strahlen auf deiner Haut, du riechst die sommerliche Brise, die Sonnenmilch, und all die Dinge, die der Sommer mit sich bringt. Als du deine Augen wieder öffnest hast du das kurze Gefühl beinahe zu erblinden, Farben verschmelzen zu einem einzigen, blendenden Feuerball, die Menschen um dich herum sind plötzlich grün und rot, blau und gelb. Kleine Lichtpunkte tanzen vor deinen Augen, bunte Kreise bewegen sich durch die Lüfte und schweben leise und leicht hinauf in Richtung Himmel, bis sie mit der Sonne verschmelzen und Eins werden. Dein Blick bleibt an einer Taube haften, welche ihren Weg durch die Menschenmassen bahnt, sie ist dreckig und doch erstrahlt ihr Gefieder in den schillerndsten Farben. Eigentlich hasst du Tauben, doch gerade in diesem Moment fühlst du dich irgendwie mit ihr verbunden, mit dieser einen Taube, ihr Kopf schimmert lila, vielleicht ist das eine besondere Taube, die sich suchend auf dem Boden nach etwas zu Fressen umblickt. Ihr Schnabel pickt immer wieder in den Asphalt, in der Hoffnung auf etwas Essbares zu stoßen, was die Passanten achtlos haben fallen lassen. Die Taube läuft eiligen Schrittes und völlig planlos durch die Gegend, der Kopf ruckt in schnellen, kurz abgehakten Bewegungen vor und zurück. Wahrscheinlich gibt sie gurrende Laute von sich, wäre es etwas leiser könntest du es sicher hören, doch die Laufgeräusche, das Menschengemurmel und die Straßenmusikanten verschlucken den Moment. Die Menschen achten nicht auf das kleine Wesen am Boden, es muss Acht geben, dass es nicht überrannt wird, läuft hin, her, hin, her, hin, her. Und hin und her und hin und her. Hin. Her. Kurz empfindest du Mitleid gegenüber diesen Geschöpfes, doch auch Bewunderung. Es fasziniert dich, wie planlos und doch vorsichtig es sich fortbewegt. In dieser Hinsicht kommt es dir vor wie ein Abbild deiner Selbst. Wahrscheinlich hättest du eine Taube werden sollen, wärst du nicht als Mensch auf diese Welt gekommen. Stattdessen lagst du im winzigen Brutkasten, -um dein eigenes Leben kämpfend. Das Einzigste was dieses Tauben-Wesen wahrscheinlich denken kann ist: „Hunger“. Auch dein Hunger meldet sich langsam bei dir zurück, du freust dich auf das Eis. Eine Nachricht blinkt auf deinem Handy auf, wahrscheinlich ist ihm noch nicht aufgefallen, dass du auch WhatsApp besitzt, was nicht weiter störend für dich ist. Er schreibt er ist schon da, steht vor dem Eiscafé, und trägt eine Jacke, blau. Wie auffällig, aber so kannst du wenigstens flink davon laufen, wenn du schon von weitem bemerkst, dass dieser Mensch so gar nicht geht. Du musst dümmlich grinsen, willst aber nicht oberflächlich sein. Die Jacke leuchtet grell, so dass es schon fast in den Augen schmerzt. Du läufst auf ihn zu und ihr begrüßt euch mit einem schüchternen: „Hey!“, während du  nervös vor ihm stehst. Er trägt eine Sonnenbrille um seine Augen zu verdecken, auch du verdeckst dein Innerstes. Möchtest ihm ungern deine Seele zeigen. Dennoch nimmst du die Brille ab und auch er tut es dir gleich. Flüchtig reicht ihr euch die Hände, wie man das so macht, als Begrüßung unter unbekannten Menschen. Ihr pflockt euch an einem freien Platz und schaut euch erstmal an, neugierig, vorsichtig. Dir selber ist es unangenehm, denn du hast keinen Schimmer ob du ihn gern anschauen möchtest, ob der Blick auch automatisch zu ihm hingleiten und an ihm hängenbleiben könnte, doch bisher hältst du seinem Blick nicht stand, immer wieder wendest du deinen Kopf ab und schaust interessiert in die Menschenmassen, die an euch vorbeieilen. Wo sie wohl hingehen? Der Mann neben dir hat ein nettes Lächeln, und freut sich, dich zu sehen. Deine Freude behältst du für dich, denn es ist dir irgendwie gleichgültig. Du freust dich dass die Sonne scheint, und die Strahlen dein Gesicht wärmen, während du es in die Sonne hältst und den Duft in dir aufnimmst. Ihr bestellt euch ein Eis. Du wie immer eine Eisschokolade, Veränderungen hasst du, weswegen du dich gern an Altbekanntes klammerst, es gibt auch einen Strohhalm, an dem kannst du dich festhalten. Auch darauf freust du dich. Der Mann zu deiner rechten grinst dich viel an, so groß ist seine Freude dich zu sehen. Er möchte vieles von dir wissen und auch wenn du nicht erzählen möchtest, du möchtest gerade viel lieber zuhören, gibst du nur das Nötigste von dir Preis. Wieder nervt dich diese Phase des Kennenlernens und der peinlichen Fragen. Du überlegst, wie es bei ihm war. Bei ihm den Fotografen. Und du stellst fest, dass das mit nichts zu vergleichen ist. Plötzlich bist du wieder traurig und irgendwie bist du dir fast sicher dass das mit dem grinsenden Mann hier nichts werden wird. Ein bisschen bist du enttäuscht von dir Selbst, aber auch erleichtert. Ihr redet eigentlich ganz angenehm, du bist froh wenn er erzählt, dann musst du nichts sagen und kannst zuhören, nebenbei löffelt ihr schweigend in eurem Eis und du hängst an dem Strohalm, klammerst dich dran fest um dich nicht zu verlieren, in ihm, den Fotografen. Als er wieder versucht die Sprache auf dich zu lenken, um Dinge von dir rauszukitzeln, fragt er eine Frage die an deinem Nerv zerrt und du überlegst aufzustehen und zu gehen. Er fragt, wo deine Eltern leben und ob sie geschieden sind, ob sie noch immer einen guten Kontakt zu einander haben, und ob sie im Guten auseinander gegangen sind. (Nicht weit von hier, ja einen Recht guten Kontakt, ja,ja im Guten Auseinander gegangen, das kann man schon so sagen..) Als du nicht mehr länger ausweichen kannst und dann noch mehr auf das Thema Papa eingegangen wird, er dich damit an die Wand drängt, dich umzingelt und dir beinahe ein Messer in die Brust rammt sagst du: „Hey ich mag da jetzt einfach nicht drüber reden! JA!?“ Das Ja brüllst du beinahe, es ist dir fast schon unverständlich, wie man einfach nicht checken kann, dass das Thema gerade gar nicht passt. Abweisender hättest du gar nicht antworten können. Er entschuldigt sich, ohne zu wissen wofür und du möchtest am Liebsten weinen, aber du lässt es bleiben, stattdessen wiederholst du das Spielchen mit der Sonne, sie wärmt dich ein bisschen, denn innerlich ist dir plötzlich eisekalt. Nachdem euer Eis aufgelöffelt ist spaziert ihr noch ein wenig durch den Park, der Wind pfeift in kalten Böen um die Ecke, während die Sonne an Wärme verliert, Quellwolken versperren immer wieder ihre Sicht. Er setzt sich auf seine Jacke und du dich auf deine Tasche, während du vorher die Zigaretten vor deinem Hintern gesichert hast. Du rauchst eine Zigarette, klammerst dich an ihr fest und pustest die blöden Gedanken aus deinem Hirn raus. Du bietest ihm auch eine an und ihr raucht zusammen, während er wahrscheinlich nicht nur seine Gedanken, sondern sein komplettes Inneres heraus pustet, so laut pustet der, irgendwie stört dich das. Auch würdest du gern allein hier sitzen, dich nerven seine Fragen die fragen was denkst du gerade? Du stellst fest dass es tatsächlich blöde Fragen gibt, nicht nur blöde Antworten, denn auf die Frage „Warum hast du eigentlich keinen Freund.“, gibt es nicht nur keine Antwort, sondern du möchtest ihm am Liebsten deine Faust in seine Fresse rammen. Wenigstens gibt er zu, dass das eine beschissene Frage ist. Trotzdem ist sie ganz nett die Unterhaltung die ihr führt, wenn du mal nicht sprichst, denn irgendwie ist dir nicht danach. Du (ver)traust ihm nicht, warum kannst du nicht benennen, wahrscheinlich hat der Fotograf dein Vertrauen gestohlen, und weggesperrt, sodass du da nie wieder drankommst. Nach der Zigarette rauchst du gleich noch eine, aber deine Nervosität und das schleichende Unbehagen lässt sich einfach nicht wegpusten. Du stellst dir vor wie du ihn öfter triffst. Und du fragst dich ob du ihn küssen könntest, wenn du wolltest, doch etwas in dir ist auf Ablehnung getrimmt. Dieses Grinsen… Während er sich leicht streckt blitzt sein kleiner, blasser Bauch hervor, leichte Härchen sind darauf zu sehen. Dieser Anblick nervt dich eher, als dass er irgendwas in dir bewirkt. Du kannst dir nicht vorstellen wie du ihm näher kommen solltest. Sein leichter Duft weht während einer leichten Brise zu dir rüber, und du weißt nicht ob du ihn als angenehm empfinden sollst. Irgendwie ist dir gerade ein bisschen schlecht von dem Duft. Er erzählt derweile dass er gern mal verreist, er möchte gern mal an den Nordpol in einer Hütte sein, dazu braucht er aber einen Aufpasser mit einem Gewehr, einen der sich auskennt, wegen der Eisbären. Die sind wohl ganz, ganz böse, und gefährlich und dem Bär interessiert das nicht, dass du ihn niedlich findest. Jetzt musst du lachen. Das erste Mal. Das findest du traurig, denn du lachst gern und bist eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch, wo dieser fröhliche Mensch wohl abgeblieben ist? Als es merklich kühler wird beschliesst du aufzubrechen, deine Zähne schlagen bibbernd aufeinander. Er bietet dir seine Jacke an, obwohl selbst er eine Gänsepelle auf der Haut spazieren trägt, also lehnst du dankend ab. Während ihr schweigsam den Weg zurück lauft, bleibt ihr an seiner Haltestelle unbeholfen voreinander stehen. Als er fragt ob ihr euch wieder seht wendest du kurz den Blick von ihm ab, innerlich befällt dich gerade eine Schweißattacke, du hast keinen Strohhalm, an dem du dich festklammern kannst. „Klar!“, sagst du ihm und ringst dir ein Lächeln ab, weil du gerade im Moment daran glauben magst, du magst gern selber an das Glauben, was du ihm ins Gesicht versprichst. Lächelnd schaut ihr euch an und er umarmt dich, irgendwie vorsichtig, so, als könntest du bei seiner Berührung zerbrechen, aber vielleicht würdest du das sogar auch. Du läufst los, ohne dich noch einmal umzudrehen, und trotz dass du dieses Mal keinen Rauch eingeatmet hast, pustest du endlich all die Anspannung aus dir heraus.

©Netti

Abgewiesen.

  

Manche Mitteilungen kommen unerwartet und plötzlich, einfach so aus dem Nichts heraus, mitten ins Herz treffend. Es gibt Mitteilungen der persönlichen Art, oder via Telefon, die unmöglichste jedoch über SMS, oder schlimmer noch WhatsApp. Da wird dir ein langer Text geschickt, schwarz auf weiß und es dauert, bis du realisierst. Du liest den Text einmal, du liest ihn zwei mal und selbst beim dritten Mal kannst du es einfach nicht begreifen. Die Worte und deren Bedeutung erreichen einfach nicht dein Verständnis, es leuchtet nicht ein, was da steht, wie kannst du es dann begreifen? Die Buchstaben verschwimmen vor deinen Augen, sie ziehen tanzende Kreise, durch das Tränenwasser welches sich in deinen Augen ansammelt. Du schaust wieder und wieder auf den Absender, immer aufs Neue hoffend dich zu irren. Doch du irrst nicht, die WhatsApp Mitteilung ist von ihm, den Fotografen. Als das Wissen, das Verständnis dieses Textes, langsam zu dir durchsickert bist du fassungslos. Du bist entsetzt über diese Dreistigkeit, die er dir gegenüber an den Tag legt. Dieser Mensch hat einmal in deinem Bett gelegen, er hat deine Hand gestreichelt, deinen Arm und deinen Rücken, deine Tränen hat er sanft aus deinem Gesicht gewischt. Doch plötzlich wischt er nicht deine Tränen weg, sondern die Person, welche es wagt zu weinen. Dich. Er fragt nach seiner beschissenen Kurt Krömer DVD, welche er dir freiwillig geborgt hat, von sich aus, fragt wann er sie denn wieder haben kann und erwähnt im selben Atemzug, dass du nie wieder was von ihm hören und auch sehen wirst. Er wird die Stadt verlassen, sämtliche Kontakte von hier abbrechen, wahrscheinlich bist du nur ein Kontakt unter 1000. Ein lästiges Bündel des Elends, welches er nun unbedingt loswerden muss. Du wirst nie wieder was von ihm hören. All das schreibt er dir, anstatt es zu sagen, während er seine beschissene DVD abholt. Es tue ihm Leid und es liege absolut nicht an dir, weswegen er sich nie mehr melden wird. Du bist so geschockt dass du nur schreiben kannst er solle sie sich halt abholen. Was folgt sind Zeitangaben, und ein sinnloser Austausch von Abläufen, damit er bekommt was er möchte. Seine DVD. Die ganze Nacht kannst du nicht schlafen, weil du weißt, morgen ist es soweit. Morgen war es das. Morgen wirst du ihn zum letzten Mal sehen. Morgen wirst du ihn töten. Am liebsten nicht nur gedanklich. Wut durchfährt deinen Körper, du bekommst kein Auge zu, quälst dich durch die endlos wirkende Nacht, kannst all die Gedanken, die durch dich hindurchströmen einfach nicht zum Stoppen bringen. Du hast Fragen über Fragen, doch auf keine Einzigste von ihnen eine Antwort. Du legst dir zurecht was du fragen möchtest, wenn du vor ihm stehst, du formulierst gedanklich all die Fragen, die dich verdammt nochmal seit der ersten Nachricht von ihm, den Fotografen, via Facebook, einfach nicht mehr losgelassen haben. Du schmeisst Worte und Gefühle, Gedanken und Ängste in deinem Kopf hin und her, um etwas zu formulieren, was ihm übermitteln kann wie sehr du ihn dafür umbringen könntest, was er mit dir abgezogen hat. Du sammelst deine Tränen, um ihn damit zu konfrontieren, mit dem Meer deines Schmerzes, du möchtest ihn ertrinken sehen, dich anbettelnd, am Boden liegend. Du aktivierst deine Kräfte, um zum Messer greifen zu können, damit das Band was zwischen ihm und dir existiert endgültig zerrissen werden kann. Du sammelst deine Kräfte zusammen, ohne zu wissen, wo diese plötzlich herkommen, um ihm mit Worten eins auf die Fresse zu hauen, und nicht nur mit Worten, sondern auch mit deiner Geraden, oder besser noch die Faust, denn du möchtest ihn bluten sehen und weinen, elendig am Boden liegend, alles was du noch empfinden möchtest ist Mitleid, doch selbst dies ist ein Gefühl und Gefühle hat er einfach nicht verdient. Du möchtest Gleichgültigkeit in dir haben gegenüber diesen Mannes, auf ihn hochschauend und (aus)lachend über seine so erbärmliche Erscheinung. Eine Nacht kann verdammt lang sein, während der Kopf nicht zur Ruhe kommt und man Möglichkeiten abwägt über die Momente wie sie ablaufen könnten. Eine Nacht kann verdammt lang sein, so müde man auch ist, kann man doch einfach nicht schlafen, wenn das Herz so laut schreit.

Am nächsten Morgen fühlst du dich wie ausgekotzt und dir ist schlecht, als bist du es, die dich selbst ausgekotzt hat, und deine Gedanken die sich schwammig um dich herum bewegen, noch immer. Du bekommst keinen Bissen herunter, dabei weißt du dass erst der Morgen eingebrochen ist, du weißt dass er erst Nachmittags an deiner schrägen Klingel läuten wird und dieser Nachmittag ist noch verdammt lang hin. Du schiebst dich in die Küche, nichtwissend wohin mit dir und deinen Armen, welche leblos an deinem Körper herab hängen. Du irrst durch deine Räume, und fühlst dich leblos, denn es ist, als ist er plötzlich gestorben, dieser Schmerz liegt bleischwer in dir vergraben, die Tränen versiegen nicht und du möchtest schreien und das machst du auch. Du greifst nach deiner Eskimojacke und geisterst durch den Flur nach unten in den Garten, denn dir ist nach Zigarette rauchen, um all die Anspannung aus dir hinaus zu pusten. Du weißt nicht wie spät es ist, wie lange du hier gesessen bist, du zählst nur die Zigaretten welche vor dir zu Füßen liegen und dir wird schlecht vor lauter Ekel vor dir selbst. Wieder schwebst du durchs Treppenhaus, deine Hülle und das was noch übrig ist von dir. In deiner Wohnung zurück fängst du an zu putzen wie doof. Das Bad ist schmutzig, deine Haare müssen weg, das ist peinlich wenn er das sieht, auch wenn du weißt dass er deine Wohnung von innen nicht sehen wird. Du tust so als sieht er gleich deine ganze Wohnung, also möchtest du auch dass er sich wohl fühlt. Das gestapelte Geschirr nimmt deine ganze Küchenzeile ein, verkrustete Teller mit Resten von Kuchen, Gläser indenen sich Schimmelsporen sammeln, die hast du gar nicht bemerkt, wahrscheinlich sind sie aus deinem Körper hinausgewichen um den Rest der Wohnung damit zu infizieren. Es riecht nicht so schön, also machst du hier weiter. Ekel vor dir selbst übermannt dich und du musst dir Handschuhe überwerfen. Das Abwaschbecken lässt du mit dampfend heißen Wasser volllaufen, eine grüne Fitspur lässt hohe Seifenberge aufsteigen, du könntest jetzt eine Schaumschlacht veranstalten oder ein Schaumbad, aber vielleicht wartest du damit auf den Fotografen. Stück für Stück wäschst du all die Fresskrusten auf, doch halt, du wäschst sie nicht auf sondern ab, das hat dich der Fotograf gelehrt, dass man nicht Auf,- sondern Abwäscht, aber das ist dir doch egal, denn dir nimmt auch keiner die Last ab, die du mit dir rumträgst, durch ihn, sondern du bekommst sie nur noch dreifach aufgeladen. Das findest du idiotisch denn deine Schultern sind so schon schwer wie Blei. Bald schon weißt du nicht mehr was du noch putzen sollst, denn du hast auch gesaugt und gewischt. Im Hintergrund dudelt die Musik, welche auch er so gern mochte, du hast ihm sogar die CD´s gebrannt und du überlegst, ob du sie ihm nachher einfach ins Gesicht schleudern solltest. Du befindest es als kindisch und schiebst den Gedanken vorerst bei Seite. Du schaust auf die Uhr, die Zeiger schreiten nur mühsam voran, noch immer hast du eine gute Stunde und du musst dich einfach irgendwie ablenken. Dein Blick schweift an deinem Körper herab, entsetzt stellst du fest, dass du ihm SO nicht gegenüber treten kannst, mit deinem verquollenen Gesicht und der Jogginghose, dein weißes Trägershirt und deine Hausschlappen. Du brauchst lange um etwas zu finden, was du tragen kannst, du möchtest ihm doch gefallen, ihn dazu bringen seine Meinung zu ändern, du möchtest dass er dich in einer guten Erinnerung behält, dass er sich ärgern wird eines Tages, wenn er an diesen Moment zurückdenkt. Und vor allem aber möchtest du nicht, dass dein weißes Shirt befleckt wird, von deinem weinenden Herzen und dem Blut was aus seiner Brust herausschießt, in deiner Hand der schwarze Griff deines gezackten Küchenmessers. Du schminkst deine Augen ein wenig, lila, das bringt das blau zur Geltung, es lässt sie strahlen und soll vertuschen dass du eine Nacht hinter dir hast, in der an Schlaf einfach nicht zu denken war.

Du schreckst hoch und schaust gehetzt auf die Uhr. Damn it. Er ist überpünktlich. Dein Herz klopft dir bis zum Hals, drohend und krachend. Panisch läufst du von einem Raum in den Anderen, du wolltest doch noch… schnell schnappst du dir einen Hauch Parfüm uns lässt es hinter dein Ohr rieseln. Es klingelt wieder. Du atmest tief ein, tief aus, du atmest ein und aus, und greifst noch im Ausatmen auf die Klinke um die Tür mit einem, so meinst du, gefassten Auftreten zu öffnen. Du blickst ihm in die Augen und er dir und er sagt >>Guten Tach!<< und wahrscheinlich meint er es auch so, was dich super wütend macht, denn dieser „Tach“ ist alles andere als gut. Dein Kopf ist wie leergefegt, plötzlich bist du dir nicht einmal mehr sicher, ob du überhaupt sprechen kannst, jemals konntest, deine Stimmbänder inaktiv, du möchtest den Mund öffnen und etwas sagen, doch der Schock ihn plötzlich so schnell wieder zu sehen, hat dir die Fresse verklebt. Er schaut gut aus, obwohl er lächerlich wirkt, wie er da steht, auf seine DVD hoffend und so tuend als sei einfach nie auch nur irgendwas zwischen euch gewesen. Auf dem Kopf hat er ein Basecap, was du noch nie an ihm gesehen hast, es schaut scheiße aus, offenbar möchte er etwas vor dir verbergen. Plötzlich geht er einen rießen Schritt auf dich zu, was nicht schwer ist bei seiner enormen Größe und doch bist du überrascht von seiner Schnellligkeit, dein Hirn ist plötzlich aktiv und es fragt sich was er möchte. Dich umarmen? In die Wohnung? Beides eine absolute Frechheit und du greifst ebenso schnell nach der Tür um sie zu schließen, sein Fuß steckt halb in der Tür und du drückst ihn weg, diesen EkelFuß und bringst nichts weiter raus als ein heiseres Krächzen, was verlautet: >>Warte!!!<< Die Tür halb angelehnt, halb geschlossen. Wie in Zeitlupe kramst du die beschissene DVD mit Krömer hervor und du hoffst nicht dem Kurt die Schuld zu geben. Wieder gehst du zur Haustür zurück. Der Fotograf steht chillig, lässig, beinahe machomäßig an der Hauswand gelehnt, als er dich sieht lässt er seine Hand jedoch sinken. Langsam schließt du die Tür, so langsam dass du schnell noch was sagen könntest, falls dir wieder einfiele wie man spricht. Vor ihm steht die Hülle deiner Selbst. Tränen sammeln sich in deinen Augen, doch die Blöße gibst du dir nicht vor ihm, dass du jetzt auch nur eine einzelne Träne vergießt. >>Es tut mmmir llleid ddass das Alles so..,-<< rasch schneidest du ihm die Worte ab, die Tür schlägt vor seiner Nase zu. Nichts kann mehr aus seinem Mund heraus bis zu dir vordringen, die Tür ist zu. Deine Handfläche legt sich auf die Glasfenster der Tür, dein Innerstes wünscht sich, dass er noch einmal klingeln möge,- doch Nichts. Du hörst leise Schritte welche sich von der Tür entfernen und die Treppen nach unten steigen. Enttäuscht (von ihm? von dir?) läufst du zu deinem Wohnzimmer Fenster um einen Blick nach draußen zu werfen, denn du willst nur wissen, ob er vielleicht fliegen kann, dein Innerstes wünscht sich, dass er zu dir geflogen kommt. Offenbar sitzt er schon in seiner Karre, denn du siehst eine leichte Handbewegung. Er sitzt da eine Weile, dein Innerstes hofft er würde mit Tränen in den Augen ein letztes Mal zu dir aufblicken, aber es blickt keiner zu dir auf, auch nicht die Menschen die auf den Gehwegen entlanglaufen, keiner merkt dass du herabblickst. Stattdessen hörst du nun den Motor anspringen und mit einem Zisch fährt er die Straße entlang, immer gerade aus, so lange, bis du ihn nicht mehr sehen kannst. Dann schließt du das Fenster, denn du musst schnell vor die Tür schauen, da hat er doch sicherlich einen Sorry Brief abgelegt, ein Zeichen, irgendwas. Mit einem Ruck reißt du die Tür auf und du siehst- Nichts. Barfuß tappst du nach unten ins Treppenhaus, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Der Briefkasten. Erwartungsvoll reißt du ihn auf und du siehst- Nichts. Völligst apathisch schleppst du dich die Treppen wieder hinauf und lässt die Tür ins Schloss knallen. Dein Körper sackt an der Wand nach unten und heiße Tränen des Schmerzes, des Hasses, des Verlustes, der Angst und der zerstörten Hoffnung strömen in salzigen Spuren über deine Wangen. Aus deinem Mund tönen Schreie der Verzweiflung. Schreie des AlleinSeins. Schreie des im Stich gelassen wurdens. Schreie welche abgelehnt werden.

Die Schreie stellen stumme Fragen des Warum´s, und Wieso, denn du hast einfach nichts gesagt. Wo ist denn plötzlich all die Kraft gewesen, welche du dir in der Nacht zusammengesammelt hast? Wo sind denn deine Tränen gewesen, all jene, die du in der Nacht geweint, die Tränen, die ihn hätten ertrinken lassen!? Wo ist der Mut gewesen, der dich ihm hätte all die Fragen stellen lassen, die dich einfach nicht mehr loslassen. >>WARUM?<< Stattdessen dieses Schweigen, in dir und deinem Kopf. Es ist vorbei. Du wirst ihn nie wieder sehen. Du musst aufhören dir zu wünschen er möge noch irgendetwas schreiben, denn er wird es nicht, weil er ein Ich Mensch ist, auch wenn du die Seite in ihm erfahren hast, die genau das nicht ist, sondern liebevoll und herzlich. Doch genau das ist es, was du einfach nicht begreifen kannst, das ist es, was dich so sehr zum Grübeln bringt, was du einfach nicht verstehen kannst. Warum hast du mir dein wahres Ich gezeigt, dein Herz, deine Seele? Warum verdammt hast du mich nicht in dem Glauben gelassen du seist das widerwärdigste Geschöpf, was es gibt auf Erden!? WARUM zur Hölle!??

Der liebe Belkor meint es nur gut, denn es sind seine Worte:

>>Wir Gefühlsmenschen werden nie Antworten bekommen, die sich wie ein brennender Dolch in unser Herz bohrt, das ist leider der bittere Preis, den wir in der heutigen Gesellschaft zahlen müssen. Es gibt leider kaum noch Menschen, die „nach der alten Schule“ agieren, sich so verhalten, wie es angemessen wäre, im Gegenteil. Die meisten Männer denken nur schwanzgesteuert, schauen auf Arsch, Titten. Und die meisten Frauen schauen aufs Geld und die Muskeln. Doch wir Gefühlsmenschen, die wir auf innere Werte setzen, wir werden verarscht und verletzt, ohne dass wir es beeinflussen könnten. Immer und immer wieder.<<

Danke Belkor, für deinen moralischen Beistand. Wir Gefühlsmenschen müssen einfach zusammen halten.

©Netti  

 

Deleted.

Beim Fotoshooting warst du mein Fotograf. Du warst albern, hinreißend und auf einer gewissen Art und Weise charmant. Deine Fotos authentisch und stilvoll. Auch wenn deine Witze so schlecht waren wie eine schwarze, schon längst vergammelte Banane im Verwesungsprozess, hast du mich zum Lachen gebracht. Mit deiner Art, die ich ab dem ersten Moment mochte. Das Shooting war vorüber und ich glaubte dich niemals wiederzusehen. Hättest du es nicht darauf belassen können?

Stattdessen suchtest du via Facebook den Kontakt zu mir. Inzwischen ist mein Profil aufgelöst, deleted, entfernt. Kontaktaufnahmen dieser Art ertrage ich kein zweites Mal. Du teiltest mir deine Handynummer mit, um mich ab da an immerzu mit Nachrichten zu bombardieren. Natürlich fand ich das gut. Ich wollte dich kennen lernen, hab ich mir doch seit dem Fotoshooting nichts sehnlicher gewünscht. Von Anfang an hast du mir falsche Signale gesandt, Signale, die auf Nähe hindeuten und Symphatie, Schicksal und einem Kennenlernen mit Option auf mal schauen was sich ergibt. Warum hast du mir nicht, gleich in deiner ersten Nachricht an mich, zu verstehen gegeben, dass es Freundschaft war, welche dich zu einer Kontaktaufnahme hat bewegen lassen!? Also ging ich zu unserem ersten privaten Treffen, natürlich in der falschen Annahme es sei ein aufregendes Date zwischen Mann und Frau. Ein Kennenlernen, Fragen stellend, Antworten abwartend, leichte Anziehung und ein gewisses Kribbeln beiderseits entstehend. Offenbar bestand dies nur einseitig und ich machte mir in dieser Hinsicht Hoffnungen. Kann man mir das ernsthaft verübeln? Ich erfuhr, dass etwas nicht stimmt mit dir, du irgendein dreidimensionales Päckchen mit dir herumträgst, ein Päckchen viel zu schwer, für dich kaum zu tragen. Meinst du wirklich dass Menschen deine Päckchen tragen können, wenn sie selbst dir schon zu schwer sind? Man kann dir diese Last nicht abnehmen, man kann dir nur die Schwere erleichtern. Das musst du doch verstehen. Versteh doch bitte, dass jeder seine Päckchen zu tragen hat. Noch erfuhr ich nicht warum dein Päckchen so unsagbar schwer zu tragen war, ich erfuhr nicht, was es mit all dem auf sich hatte. Doch spätestens da wäre der Moment gewesen, reinen Wein einzuschenken. Aber du schenktest mir nur Sekt ein, und redetest um den heißen Brei herum. Hoffnung die keimte und zu einer unbeschreiblichen Stärke heranwuchs. Hast du eigentlich eine Ahnung was du damit in den Menschen anrichten kannst? Der Fahrradunfall, an dem Abend unseres ersten Dates. Was war es denn für dich? Ein Zeitvertreib? Nur mal was schickes Essen gehen und Trinken? Du hast mich unbedingt nach Hause begleiten wollen, obwohl ich das nachdrücklich ablehnte, doch du konntest nicht hören. Wie du das geschafft hast weiß ich nicht, aber du hast mich dazu überredet mich auf die Fahrrad-Stange zu setzen. Es war beschissen da zu sitzen und die Balance zu halten, noch dazu mit ein paar Gläsern Sekt intus. Ich warnte dich, doch du hieltest nicht an, also passierte, was passieren musste. Mein Bein gelangte in die Speichen und wir flogen in hohem Bogen über den Lenker. Ich dachte „das war´s, Adios Amigos, Adieu du seltsames Leben, was mal das Meine war“. Doch nein. Du musstest ja den Lebensretter spielen und mit deinen Händen meinen Kopf auffangen. Wieso? Konntest du meinen verdammten Kopf nicht einfach auf den Asphalt knallen lassen? Manchmal dachte ich so, nach allem, was geschah. Doch insgeheim, in meinem tiefsten Inneren, bin ich dir unsagbar dankbar. Dankbar dafür, dass du meinen Kopf geschützt und nicht hast zerplatzen lassen, auf dem kalten, schmutzigen Asphalt. Ich schätze deine Größe, die du in dir trägst. Noch nie habe ich jemanden kennen gelernt, der das eigene Wohl hintenanstellt. Es ängstigt mich einerseits, anderseits rührt es mich. Wieder warst du es der Nachrichten schrieb und nicht aufhörte damit. An unserem zweiten Treffen warst du bei mir. Wir haben viel gelacht. Weißt du dass ich deinen Humor so unglaublich mag? Es war spät und wir schliefen ein, auf meiner Couch, du lagst direkt neben mir. Natürlich konnte ich nicht wirklich schlafen, die Aufregung in mir viel zu groß, das Herz welches so entsetzlich schnell schlug, dass es mir schon Angst machte. Du nahmst meine Hand. Nicht sehr lange, aber so lange, dass es kein Zufall gewesen sein konnte. Was hast du dir nur dabei gedacht? Du hast getan als sei nichts gewesen und auch ich schob meine blühende Fantasie und den innerlichen Wunschgedanken vor die Lücke. Irgendwann in den nächsten Tagen erfuhr ich durch einen dummen Zufall und Nachbohren meinerseits von deinen Päckchen, die nun auch mir gehörten, obwohl ich sie nie hatte annehmen wollen. Nicht so. So nicht. Du wolltest mich sehen, deine Zeit mit mir verbringen. Mir stellte sich die Frage wozu. Ich hatte einfach keine Antwort darauf. Du hast via Facebook Kontakt zu mir aufgenommen, weil du inbegriff warst, dir neue Freunde zu suchen. Hast du eine Ahnung, wie grob fahrlässig das von dir war? Ich kann das nicht verstehen, und auch wenn du ehrlich zu mir warst, wenn auch sehr spät, ist es unbegreiflich für mich, wie du das hattest tun können. Mir fehlt jegliches Verständnis um auch nur ansatzweise nachzuvollziehen, was du damit hattest bezwecken wollen, denn grundsätzlich bist du von Anfang an falsch an das Geschehen herangegangen. In meinen Augen hast du dich bewusst bei mir gemeldet, um mich zu verarschen. An unserem 3. Treffen hast du mich dann plötzlich geküsst, und wir kamen uns näher, bis du blocktest. Das hätte gereicht. Du hättest aufstehen können um zu gehen, doch stattdessen wolltest du mich am Boden sehen, gleich daneben mein blutendes Herz. Und ich sag´ dir was. Du hast es geschafft. Das blutende Herz zu deinen Füßen, hätte zerissener nicht sein können. „Verlieb dich nicht in mich!“ Weißt du eigentlich wie demütigend das war? Kannst du dir vorstellen, wie bitter dieser Moment im Abgang schmeckt? Ich frage dich, bist du zufrieden? Hast du nun was du wolltest? 

Dein Verhalten seit jeher, und immer wieder, das Widersprüchlichste, was ich jemals erfahren musste. Auf einmal wusstest du Freundschaft und Liebe (?), oder Anziehung nicht mehr zu differenzieren, plötzlich waren das was du sagtest nur noch hohle Phrasen, sinnloses Geschwätz, was du selber nicht einmal zu begreifen wusstest. Ich wusste mit dem Kuss und deinem Satz darauf, hattest du alles zerstört, was hätte sein können. Ich wusste, du bist einfach zu weit gegangen. Dennoch wollte ich dich irgendwie nicht verlieren, als Freund, zumindest das. Mir blieb nichts anderes übrig als die vermeintliche Freundschaft zu dir, anzunehemen und das Beste daraus zu machen. Es entwickelte sich auch ganz gut, wir sahen uns recht oft. Bis zu dem Verlust meines Vaters, die bisher schlimmste Zeit meines Lebens, doch du, du warst da für mich. Du warst einfach da. obwohl ich es nicht verlangte, nicht mal ansatzweise daran dachte. Ich lernte ein neues Gesicht, deiner viel zu vielen Persönlichkeiten kennen, und ich war mir sicher, den Mann zu sehen, in den ich so viel setzte. Deine Echtheit, die liebevolle, hilfsbereite und tröstende Seite in dir kam zum Vorschein und entfaltete sich vollends. Der Silvesterabend, und somit mein sowohl körperlicher als auch geistiger Zusammenbruch. Du warst da. Und du bist geblieben. Dafür danke ich dir von Herzen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutete, so etwas hat noch nie jemand für mich getan, nicht in diesem Ausmaß. Genau diesen Mann habe ich zu Beginn in dir gesehen, nicht das Arschloch was du immer und immer wieder raushängen lässt. Aus Selbstschutz? Warum? Meinst du echt ich will dir was böses? Was könnte ich dir böses wollen ohne mir damit ins eigene Fleisch zu schlitzen? Dieser Mann, diese Seite ist tief in dir verborgen, hinter Mauern und Gittern, Stacheldraht und Zäunen und genau dahin hast du ihn zurückbefördert, denn seit dem Silvesterabend habe ich dich nicht mehr zu Gesicht bekommen und nur noch selten Antworten auf Nachrichten erhalten. Deine Mitteilungen verändert, abweisend und distanziert. Dein Unfall, ich weiß, du hattest so viel um die Ohren, es ist nur verständlich, dass da für mich gedanklich kein Platz war. Doch das Einzigste was ich wollte, war dir das zurück zugeben, was du mir in der schlimmen Silvesternacht entgegen brachtest. Mitgefühl und das Gefühl einfach nicht allein zu sein. Sondern dass da jemand ist, der sagt „Hey, das wird schon wieder. Du schaffst das.“ Nicht nur leere Floskeln sondern bleibende Empfindungen und positive Rückenstärkung. Ich wollte für dich da sein, wie du es warst für mich, aber offenbar hast du dich von mir unter Druck gesetzt gefühlt. Das wollte ich nicht. Definitiv wollte ich das nicht. Es verletzt mich so sehr, dass der Kontakt SO enden musste, es verletzt mich, dass du nicht ehrlich zu mir sein konntest. Warum sagst du mir nicht einfach, wenn du dich bedrängt fühlst, warum sagst du nicht wenn du Abstand möchtest, warum sagst du nicht, wenn es dir nicht gut geht, wenn du den Kontakt komplett abbrechen möchtest? Du weißt, ich bin die Letzte, die kein Verständnis aufbringt, auch wenn ich in den ersten Momenten hin und wieder etwas impulsiv reagiere, aber genau das bin ich, ein emotionaler und sehr gefühlvoller, impulsiver Mensch. Genau das wusstest du, spätestens seit dem Kuss. Von einem Moment auf den nächsten bekomme ich keine Antwort. Ich höre nichts mehr von dir. Gar nichts mehr. Nichtwissend, wo der verdammte Fehler ist, im Bild, woran es liegt, was ich eventuell falsches geschrieben haben könnte. Schweigen ertrage ich nicht, was sich auf meine Kindheit zurückführen lässt. Aber ich bin mir sicher auch du würdest eine Stille nicht ertragen, die so laut schreit. Wir Menschen sind einfach nicht auf Stille geeicht. Wir Menschen kommunizieren. Miteinander und nicht gegeneinander. Also bitte, was hast du dir dabei gedacht!?

Findest du das fair, ja!?

 

 

Aus einer Stunde Textverfassung, bleibt 1 Zeile, 1 Satz und 5 Wörter. Eine Frage, welche Antwort abverlangt. Ein Satz, welcher all das auf den Punkt bringt, was du ihn am liebsten um die Ohren geschleudert hättest, aber irgendwie…, irgendwie bringst du es einfach nicht über dich. (Noch nicht.) Das wäre zu viel. Und er wäre direkt wieder überfordert. Männer brauchen einfach und direkt. Somit erhoffst du dir eine ehrliche Antwort. Ohne viel Palaver, sondern endlich mal etwas, womit du auch was anfangen kannst, etwas, das erklärt, und entschuldigt. Etwas, womit du gegebenenfalls abschließen kannst und verdrengen. Einfach nur Vergessen.

Du drückst auf Senden.

©Netti

Wie alles begann: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11