Seelenfresser.

Du siehst ihn da stehen, von weiten schon, und dir ist bewusst, dass er es sein muss, der Mann von dem Profilfoto. „Hallo“, sagst du nur, und stellst dich ihm vor. Soeben sei er schon erschrocken, meint er, als eine Andere auf ihn zu kam, er dachte dass seist du, warst du aber nicht. Offenbar ist diese Person ein sehr direkter Mensch. Wie genau er das gemeint hat, erläutert er nicht, aber du liest auch nicht zwischen den Zeilen, weil es dir egal ist. Er wollte dich treffen, um dich kennenzulernen, weil er dich zumindestens optisch interessant genug findet, um dich vor seine Kamera zu bekommen. 

Ihr beschließt in ein Café zu gehen um etwas zu trinken. Du stellst dir vor dass ihr einfach nur locker ins Gespräch kommt, um zu bequatschen, wie euer Fotoshooting ablaufen wird, was er sich vorstellt und ob dies mit deinen Vorstellungen übereintrifft. Doch schon als ihr euch setzt und die Getränke bestellt, beide einen Kamillentee, merkst du dass ein Gespräch beginnt, was nachklingen wird. 

Die Unterhaltung geht nur schleppend voran, er erzählt ein wenig von sich und fragt dich aus, wie alt du bist und was du machst, und ob du allein lebst. Die Fragen findest du seltsam, trotzdem antwortest du. Er schaut dir in die Augen, und will wissen ob du so gar nichts über ihn wissen möchtest, und stellt fest dass er schon lange kein so komisches Gespräch mehr hatte, ein so ruhiges, verhaltenes. 

„Bin schüchtern.“, sagst du nur und zündest dir bereits die zweite Zigarette an. Er schüttelt mit dem Kopf, sagt: „Nein, aber verschlossen. Erzähl doch mal von dir, ich muss dich doch erstmal kennenlernen, bevor ich dich fotografieren kann. Ich fotografiere nicht einfach einen wildfremden Menschen, ohne auch nur ein bisschen was zu wissen. Erzähl doch mal was.“ 

Deine Finger schnippen hektisch an der Zigarette herum. „Was denn.. soll ich dir meinen Lebenslauf erzählen oder wie? Das kannst du knicken! Das mach ich nicht.“ „Ja.“, sagt er, doch du weißt dass er nur sagt, es aber nicht genauso meint. Seine Witze, die eigentlich keine sind, sind leicht durchschaubar.

Er erzählt noch ein bisschen was über sich, Sachen die dich eigentlich gar nicht so interessieren, denn du dachtest es geht hier nur um das Fotografieren und Model stehen und nicht darum was man macht, oder was nicht. Er kommt von Russland, erzählt er, und du sagst: „Schön.“, weil du es schön findest, aber mehr auch nicht. Du gibst nur die nötigsten Sachen über dich preis, denn alles Andere geht ihn auch gar nichts an. Warum solltest du einen Fremden bei einem ersten Gespräch so nah an dich ranlassen.. Überhaupt an dich ranlassen, wie geht das überhaupt. Du hast vergessen wie man ein funktionales Gespräch miteinander führt, ein Gespräch miteinander, anstatt gegeneinander, du hast vergessen dass ein Dialog eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen ist, die sich austauschen, stattdessen lauschst du nur seinem Monolog, was dir gerade mehr als nur Recht ist. 

Er lächelt immer mal ganz seltsam, das entgeht dir nicht. Aber trotzdem ist es schnurzegal was er denkt, das interessiert dich nullkommanullirgendwas, und wieder, schon wieder schaut er dir direkt in die Augen und es gruselt dich, du bekommst sogar ein bisschen Gänsehaut, während du den Blick standhältst und deine Zigarette im Aschenbecher ausdrückst.

„Genießt du dein Leben?“, fragt er dich mitten in dein Gesicht, was dir soeben zu entgleisen scheint. Du kannst sie hören, deine sorgfältig auferlegte Maske, wie sie laut klirrend von deinem Gesicht bröckelt, und nun in einzelnen Fetzen von deinem bereits zerschundenen Gesicht hängt. Du wendest es ab, denn was fällt ihm ein, diesem Arschloch, dir verdammt nochmal so eine Frage zu stellen, eine Frage, die du dir selber nicht einmal zu stellen wagst, aus Angst dich damit befassen zu müssen. 

„Arschloch.“, sagst du ihm, und du meinst es auch so, während stumme Tränen der Erkenntnis über deine Wangen rinnen. 

„Scheiße, entschuldigung, habe ich dich jetzt zum Weinen gebracht? Das wollte ich nicht, ich habe offenbar einen Nerv getroffen. Das passiert mir manchmal. Wir müssen da gar nicht drüber reden, also.. wir reden einfach ein anderes Mal darüber.“ 

„Das kannst du vergessen. Ich rede überhaupt nicht darüber. Das geht dich überhaupt nichts an.“, spuckst du ihm ins Gesicht, und ärgerst dich über die Schroffheit in deiner eigenen Stimme. 

Wieder blickt er dich an, mit diesem Blick, den du jetzt schon kennen und fürchten gelernt hast. 

„Wenn du so bist, also die Tränen, wenn du so vor der Kamera….., das wäre grandios.“, das scheint er tatsächlich ernst zu meinen, keinerlei Regung zeigt sich in seinem Gesicht. Also das findest du jetzt echt scheiße, nutzt der hier gerade deinen Gefühlsausbruch aus? Versucht er dich gerade irgendwie hinzustellen?, fragst du dich, doch dir fällt nicht ein wie, wie er dich hinstellt, denn offenbar will er einfach dich. Und das sagt er auch. Er möchte dich mit der Kamera einfangen, deine Person, dein Wesen. 

In dir tobt ein Kampf, ein Streit zwischen Gut und Böse. Du möchtest aufstehen, und ihm sagen was für ein rücksichtsloser, unsensibler Trottel er ist, doch stattdessen bleibst du schweigend sitzen, das Kinn hochgereckt, während die letzten deiner Tränen über deine nassen Wangen verenden. Euer Blick hält stand. 

„Ich hoffe, ich darf dich trotzdem noch fotografieren. Sonst.. ich könnte mir das nicht verzeihen. Ich wäre enttäuscht. Von mir. Nein. Wütend über mich.“ 

Ihr haltet den Augenkontakt, aber du antwortest nicht. Lässt nur ein bedrücktes, kaum sichtbares Nicken zu. 

„Ich muss pinkeln.“, sagt er nun, gerade als du dachtest, dass du pinkeln musst. 

„Ich auch.“, meinst du und stehst Tasche greifend auf, um loszustürmen, zur Toilette, erstmal weg, von ihm, atmen, Luft holen. 

„Und warum gehst du jetzt zuerst?“, ruft er dir nach, was dich ein wenig zum Lächeln bringt, zeitgleich erstirbt es wieder, als dir seine Worte im Kopf nachhallen. >Genießt du dein Leben?< Vier lächerliche Worte, die dich so sehr zum Wanken bringen. Du schließt die Toilettentür hinter dir, greifst mit beiden Händen aufs Waschbecken und schaust deinem gehetzt wirkenden Gesicht entgegen. Sie wollen nicht rein in dein Kopf, diese Worte, diese Frage, die du einfachso unbeantwortet im Raum hast stehen lassen. Noch immer geschockt von dem Nachhall.

Während du die Treppen runter steigst, überlegst du wegzurennen, blickst dich nach einem Notausgangsschild um, eines wo ein weißes Männlein auf grünem Hintergrund zur Tür heraushetzt, eine Tür welche durch einen Pfeil in die richtige Richtung weist. Doch hier ist kein verdammtes Schild, stattdessen wackelst du auf deinen noch immer zittrigen Beinen zurück zur Tür, von wo aus du ihn schon an dem Tisch sitzen siehst. Als du ankommst steht er auf. 

„Bis gleich.“

 Noch immer stehend schreit alles in dir: >Renn weg! Lauf!<, doch dein Arsch setzt sich wieder auf dieses blöde Sitzkissen drauf, wahrscheinlich schon voller Angstfürze benetzt, von alterschwachen Damen und rotzigen Kindern oder Frauen, welche Fragen gestellt bekommen, die sie einfach nicht hören wollen.

Als er zurück kommt lauft ihr in die Richtung, in die du gehen musst, dann sagt er:

„So, hier trennen sich unsere Wege. Wir sehen uns! Wir schreiben uns!“, auch das Fragezeichen dahinter schwingt in seiner Aufforderung mit, die leise Angst dass das Shooting zerplatzen könnte, so wie die Seifenblase, bestehend aus farbigen Regenbögen, wenn zuviel Luftdruck ihr Sein ins Nichts auflöst. Er schließt dich in die Arme. Diese Nähe. Wie seltsam. So komisch. Irgendwen zu umarmen. Dass es sich auch ein bisschen schön anfühlt möchtest du nicht wahrnehmen, denn du möchtest diese Nähe nicht, sie ist dir einfach zu viel. Jetzt gerade. Und überhaupt. 

„mhhh.“, nuschelst du, nichtwissend was es ausdrücken soll, und drehst dich auf dem Absatz um. Seinen Satz den er zum Abschluss anfügt: „Du bist seltsam, aber interessant. Sieh es einfach als Kompliment.“, möchtest du am Liebsten überhört haben, weil zu laute Kinder, Hundegebell, Straßen-Auto-Bus-Motorrad-Lärm, oder weil die Tauben zu laut gurren (rugeldigurugeldigu-Blut ist im Schuh?) und seine Worte einfach so ungehört verschlingen. Ja, hier sind eine Menge Tauben und Kinder, und Fahrzeuge, aber alle haben in diesem Einen Moment beschlossen zu verstummen. Spitze, denkst du dir, während erneute Tränen über dein Gesicht rinnen und du schnellen Schrittes in Richtung Straßenbahn eilst.

Da ist eine Betteltante mit ihrem Pappbecher in der Hand, welche auf ein paar Groschen hofft, an ihr läufst du vorbei, ohne sie bewusst wahrzunehmen, auch wenn dein Blick gerade aus geheftet ist, ist er doch verschleiert und schaut ins Nichts. Bis zwei junge Männer, in ein Gespräch versunken, nebeneinander laufend, deine Aufmerksamkeit zurück auf den Moment des Hier und Jetztes lenken. Das Gespräch endet abrupt, und der rechte Mann mit den dunklen Haaren und dem dunklen Blick, offenbar sind seine Augen dunkelbraun, beinahe tiefschwarz, auch wenn du dich fragst, wie du dass auf die Entfernung hin feststellen kannst, schaut dich an. Nicht dich. Sondern dich. Er sieht dein Innerstes und obwohl du längst eine neue Maske übergestülpt hast, schaut er in deine Augen. Und er sieht da was. Panisch fragst du dich, ob das auf deiner Stirn geschrieben steht, alles das, was dich hat aufwühlen lassen, alles das, was dich bewegt. Es muss blinken, wie eine Reklametafel vor sich hinleuchten, während ihr aneinander vorüber lauft. Zeitgleich dreht ihr euch nacheinander um, eure Augen noch immer ineinander versunken. Du siehst nur ihn, nimmst sonst nichts wahr. Der Mann in deinem Blickfeld, euer Blickkontakt, der dem Laufen standhält, denn noch immer setzt ihr euren Weg fort, ohne zu sehen wo ihr hinlauft, du schaust über deine Schulter nach hinten, doch deine Schritte bewegen sich vorwärts. Plötzlich spürst du einen Aufprall, und erstarrst, dein Kopf schnellt nach vorn, vor dir ein Masten. Verwirrt bleibst du stehen um zu realisieren dass du nur beinahe kollidiert wärst, mit einem Masten, der da verdammt nochmal nicht hingehört. Peinlich berührt schaust du dich suchend um, doch die beiden Männer sind verschwunden, haben sich plötzlich aufgelöst, zwischen all den Menschen die durch die Straßen wuseln.

Im Kopf taucht dieses Bild auf, von dem Mann, der dir nachläuft, nachrennt – er rennt dir hinterher,- atemlos zieht er an deiner Hand und dreht dich zu sich um, während eure Blicke nicht mehr von einander ablassen können.

Dieses Bild, der Mann wie er dir hinterher rennt, bis zur Bahn, sein suchender Blick gleitet durch die 1000 bunten Menschen, doch er sieht dich einfach nicht. Er kann dich nicht sehen.

Dann kommt die Bahn, dieses Bild, wenn die Türen der Bahn schließen, und ein lautes, grilles Pfeifen ertönt, das Warnsignal, dass die Bahn nun anfährt, und du stehst dahinter, hinter dieser Tür. Die Hände des Mannes, und die deinen berühren sich an der Tür hinter Glas.

Schnell ist es wieder weg, das Bild, ohne dass du erinnerst woher es dir bekannt vor kommt. Ein Déjà vu? Oder nur ein Trugbild deiner Gedanken?

In der Bahn checkst du die Menschen, ohne sie wirklich wahrzunehmen, sie verschwimmen immer mehr zu einer kunterbunten, schwammigen Masse, welche zähe Bewegungen vollziehen, und doch fühlst du diese Enge die dich fast zum Ersticken bringt. Diese Nähe der zusammengequetschten Massen in der Bahn ist dir einfach zu viel. Jetzt gerade. Und überhaupt. „Genießt du dein Leben?“ Das Bild im Fenster aus Glas spiegelt deine Tränen wieder.


©Netti

 

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Trotz allem was kommen wird.

Er ist mein persönlicher Teddybär. Er ist der, in den ich mich verliebt habe. Er ist der, der mir Mut gibt und Kraft. 

Ich bin aufgeregt und angetrunken und ich klingel und warte bis er durch die Freisprechanlage spricht, und der Summer ertönt. Wie immer fahre ich Fahrstuhl, denn auf Treppe habe ich keine Lust, dann bin ich wieder so rot wenn ich oben ankomme. Er wartet diesmal an der Tür, aber das sehe ich erst später, mein Kopf ist auf den Boden geneigt. „Kuhl, ist das Geld!?“, denke ich und sage es auch. Mein Blick fixiert ein gefaltetes Stück Papier auf dem Flurteppich. Dieser Flur besitzt tatsächlich einen roten Teppich. Ein Lacher aus meinem Mund und auch aus seinem. Der Teppichboden gibt dann doch keinen Lottogewinn her, sondern nur benutzte Fahrkarten. Zu dumm. Nun stehe ich ihm gegenüber und ich könnte schmelzen, zerschmelzen und sterben. Er fehlt mir so! Diese Augen. Dieser Blick. Er ist geknickt, wirkt sehr, sehr traurig. Ich gebe ihm das Shirt, sein Shirt und sage: „Hier, Dein Shirt.“ Er nimmt es und gibt mir mein Massageöl. Wir halten nun die Sachen in den Händen, die als Vorwand dienen, damit man sich bitte nochmal sieht. Er braucht das blöde Shirt nicht mehr. Auch ich brauche das Öl nicht mehr. „Magst du noch bleiben? Also… wenn du magst?“, er schaut hoffend und wartet auf meine Reaktion. Ich weiß es wie immer nicht. „Ich weiß es nicht. Ich wollt nur kurz..“ Doch eigentlich weiß ich es. Alles in mir schreit: JA, JA, JA! Ich möchte seine Nähe, sein Lachen, seinen Duft, ihn. Wir stehen uns hilflos gegenüber. >Sag was! Mach was!“<, denke ich und möchte ihn am Liebsten schlagen. Wo ist die Musik die so schnulzig Halleluja schreit, wo ist der Konfettiregen aus glitternen Herzchen, wo ist der Mann der einfach macht, ohne zu denken. Er nimmt mich in die Arme, hält mich ganz fest, beinahe bleibt mir die Luft weg zum Atmen, ich muss blinzeln, denn in meinen Augen sammeln sich Tränen. Mein Herz ist zugeschnürt so wie der Hals, ich spüre den Kloß und einen Schluchzer, den ich mühsam unterdrücke.

„Also ähm. Wenn du bisschen Sekt hast, bleib ich noch.“, jetzt lache ich doof.

„Natürlich.“, er freut sich sichtlich. Erleichtert läuft er los den Sekt holen.

Wir trinken nur ein Piccolöchen, den teilen wir uns und wir stoßen an auf was auch immer, und ich trinke, sitze ihm gegenüber und schwitze und friere, alles zusammen, es könnten noch zwei weitere Menschen zwischen uns sitzen, oder drei, so groß ist der Abstand zwischen ihm und mir, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als ihn ein letztes Mal zu berühren. 

Wir führen Smalltalk und er berichtet kurz von seinen Vorbereitungen. Er fragt wie es mir geht, aber ich wiegele ab, er soll gechillt nach Amerika fliegen, es ist mein Problem, soll nicht zu seinem werden. 

Er streichelt mich, sucht meine Nähe, streichelt mein Gesicht, schaut mir tief in meine Seele: „Wie geht es dir? Bitte sag es mir.“ Er umarmt mich, als er sieht dass ich meine Tränen nicht mehr halten kann, ich schluchze und weine Tränen. So viele davon. Auch in seinen Augen glitzert es. Er nimmt mich in den Arm und wir halten uns fest. So fest, so fest. Am Liebsten möchte ich ihn nie wieder los lassen, aber ich muss. Ich lasse ihn los und bitte ihn mir zu folgen, ich möchte ihm gern was sagen. Ich bin krank geschrieben, schon eine Weile. Und er sollte erfahren was mit mir los ist. Dass ich kein gebrochenes Bein habe, das kann er ja sehen.

Wir sitzen auf dem Balkon und schauen in den Sternenhimmel, während ich Tränen und Schmerz in den Himmel puste. Dann beginne ich zu erzählen. Er nimmt mich in den Arm, hört mir zu und macht mir Mut. Er hat vollstes Verständnis und er ist das was ich mir schon immer gewünscht habe, ein Mann der mir zuhört, ein Mann der mich begehrt, ein Mann der meine Schwächen sieht und damit umgehen kann. Ein Mann der fühlt und es auch zeigen kann. Ich berichte ihm den Großteil der mich bewegt, und ich erzähle ihm mein Vorhaben. Meine Entscheidung die ich treffen musste. Für mich. Ich treffe auf sein vollstes Verständnis. „Das schaffst du. Du bist doch so stark!!“

Wir schauen den stummen TV-Bildschirm an und hören nebenbei Musik. Er sucht meine Nähe, doch ich kann mich ihm nicht öffnen, bin krampfig und verletzbar. Er streichelt meinen Rücken, meine Hände, küsst meinen Nacken und streichelt mein Gesicht, wischt die Tropfen weg, die heiß zu Boden perlen. Er schaut mir in die Augen, fragt: „Darf ich dich küssen, bitte?“ Wir küssen uns zwischen den Tränen, die meinen Mund benetzen und wir schmecken eine salzige Mischung aus Hoffnung und Glaube. Ich glaube, jetzt gerade glaube ich, dass das nur echt sein kann, und bleiben wird, egal wie alles ausgeht. Er fragt ob er mich massieren darf, er möchte mir so gern etwas Gutes tun. Nach meiner Zustimmung holt er das Massageöl und ich ziehe mir das Oberteil über den Kopf. Seine langen Finger streichen über meinen kleinen Rücken. Er streichelt mich, und verteilt das warm duftende Öl auf meinem Rücken. Seine Hände kneten kräftige Massagebewegungen und lassen mich für einen Bruchteil vergessen. Sorgen, Anspannungen Ängste, ich kann mich locker machen. Kurz abschalten. Er küsst mich und verteilt am ganzen Körper einen kleinen Wärmehauch. Er küsst meine Wange, meinen Hals, mich. Ich richte mich auf, küsse ihn gierig und heiß, während mich inniges Verlangen durchströmt. Ich setze mich auf ihn und er hebt mich an und hoch, trägt mich küssend ins Schlafzimmer und setzt mich sorgsam ab: „Bitte versuch zu entspannen.“ Er macht mich soso glücklich.

Noch als ich ihn leicht stöhnend auf mir spüre, und er mich überall mit Küssen bedeckt, weil auch ich ihn soso glücklich mache, fange ich an mit Beben, denn ein Schluchzer den ich nun nicht länger unterdrücken kann, verlässt meinen Mund. Ich zittere und schluchze und weine und entschuldige mich dafür. Ich weine während er auf mir liegt und er streichelt mein Gesicht, küsst mich auf den Mund, auf die Wange und auf den Kopf immer und immer wieder, so lange bis die Tränen verebben. Er umarmt mich lange während wir uns schweigend in den Armen liegen, damit mein Herz und mein Puls sich wieder beruhigen kann.

Er zwingt mich zum Essen und ich sehe seine lauten Gedanken die aber nicht sprechen zu mir, sondern schweigen. Sein Blick geht ins Leere. „Was denkst du jetzt von mir?“, möchte ich am Liebsten fragen, „Hältst du mich für bekloppt?“

Ich ziehe mich an und mache mich bereit für den Abschied, einen Abschied für immer? Wir stehen uns gegenüber, nur halb lächelnd und ich frage: „Meldest du dich wenn du wieder zurück in Deutschland bist?“ Er schaut mich an, verwirrt, geschockt, traurig. „Natürlich melde ich mich!“, er schweigt kurz, fügt an: „Ich melde mich auch schon früher, wenn du magst, wenn das okay für dich ist!?“

„Ich weiß nicht.“, sage ich, weil ich es einfach nicht weiß. „Ich meld mich morgen!“, sagt er und ich nicke und möchte gern daran glauben.

„Du schaffst das. WIR schaffen das.“, korrigiert er und betont das wir. Dann küsst er mich auf den Mund.

Das verstehe ich nicht. Aber ich habe auch keine Kraft mehr um zu  fragen und zu verstehen. Ich habe überhaupt gar keine Kraft mehr. Ich bin ausgebrannt und kann zum ersten Mal Menschen nachempfinden, die es auch sind, ich kann fühlen dass das Fühlen zur Qual wird und das Denken einen Punkt erreicht an dem es kein Vor gibt, und kein Zurück.

Es liegt jetzt an mir Stärke zu beweisen. Und zu kämpfen. Auch wenn es harte Arbeit wird. Verdammt hart.

©Thomas Woischnig/Bild

Mein herzlicher Dank geht an Thomas Woischnig, für die Nutzungserlaubnis seiner Fotografie.

©Netti/Text  

„Mama, mach mal!“


~Manche Zeiten ändern sich eben nie.~

Man flennt weil man nicht weiter weiß. Man flennt weil etwas weh tut. Man flennt weil man sich ungerecht behandelt fühlt. Man flennt vor Trauer, Angst, Wut, Rührung, manchmal auch vor Freude.

Tränen bedeuten nicht, dass man schwach ist, sondern dass das Herz mehr fühlt, als es ertragen kann.

©www.nicobartes.com

Auch wenn sie heute kein Faschingstütchen auf dem Kopf trägt fühlt sie sich in die damalige Zeit zurück versetzt. Zu der Zeit, in der das Denken noch Mutti übernahm, zu der Zeit, in der Mutti noch alle Entscheidungen traf. Zu der Zeit, in der ihr Tränen liefen, weil Tütchen auf dem Kopf einfach scheiße waren, weiße Kostümchen und pechschwarze Perrücken dagegen sehr viel cooler. Schon damals wurde ihr klar: ~Scheiße hey, man kann halt echt nicht alles haben.~ Nur das warum blieb unbegründet.

Tränen kehren das Innen nach Außen, mehr Nähe geht nicht.

©Netti

Wie cool wäre es manchmal, wenn man einfach wieder Kind sein könnte, hat man die Zeit doch viel zu unbewusst wahrgenommen, stets strebte man nach dem Alter und bewunderte die Großen. Man wünschte sich endlich erwachsen zu werden, man sehnte den Augenblick herbei in dem man selber durfte. Alleine essen. Alleine laufen. Das erste Mal ja sagen, oder nein, wahlweise vielleicht. Man wollte so gern selber Entscheidungen treffen, keiner mehr der sagte: „Du darfst nicht zappeln.“, „Das wird aufgegessen!“, „20:00Uhr bist du zu Hause.“, „Erst Hausaufgaben, dann Spielen.“, „Fernsehverbot!“ Keiner der sagte: „Jetzt wird geschlafen!“
Diese Regeln haben uns Kindern System gegeben. Durch sie lernten wir das groß werden, das zurecht finden in einer Welt die aus Regeln und Zucht und Ordnung besteht. Heute aber ist man gezwungen sich dem System gegenüber zu stehen, ohne dass uns Hilfestellung geleistet wird. Man ist erwachsen und selber in der Lage Entscheidungen zu treffen, zu handeln.

Und doch gibt es immer mal wieder Momente in denen man ein bisschen verzweifelt, dann wird man zurückversetzt in eine Zeit, die längst vergangen. 
„Mutti, mach mal!“

©Netti

Flügelschlagen im Bauch.

Dieser Mann, der Schmetterlinge verteilen lässt, im Bauch und nicht nur da. Da ist Glück, welches sich ausbreitet im Kopf und Verstand, im Denken und Handeln. Die Schmetterlinge toben und flattern, wissen gar nicht wohin, sie knallen gegeneinander vor Aufregung und Nervosität. Nähe, so viel Nähe, dazwischen Hitze und Leidenschaft. Glück über die Chemie, die so wunderbar übereinstimmt. Dem Mund umspielt ein Lachen. Echte Münder. Echte Freude. Augen, die lachen, zusammen mit dem Mund. Keine getragenen Masken, um sich zu schützen. Dafür Küsse, welche ineinander verschmelzen, eins werdend. Die Schmetterlinge im Bauch sind kirre im Kopf, und gehen beinahe kaputt vor so viel. Vor so viel Glücksempfinden. 

Hin und wieder jedoch fürchten sie sich, die Schmetterlinge im Bauch. Dann halten sie inne, erstarren in ihren Bewegungen, blicken furchtsam um sich und erwarten Motten, welche ihren Platz einnehmen. Doch da sind keine. Eigentlich sind da keine.

©Netti

Viel zu nah.

Viel zu nah kann man sich sein ohne dass man sich tatsächlich nah ist. Denn die Gedanken sind viel zu nah, in dem Moment, nicht aber der Mensch an sich. Es wird geküsst, gestreichelt und empfunden, Körper an Körper, viel zu nah. Dann ist der Moment verflogen, nicht mehr greifbar, nicht mehr spürbar. Viel zu nah nur noch das Gefühl des Verpassens, nicht Haltens. Das Morgen ist viel zu nah.

©Netti

Die Distanz der Nähe.

Es ist spät. Vielleicht sogar nach Mitternacht. Du liegst auf der Couch. Noah sitzt neben dir. Gelangweilt von dem Twilight Film fällst du in einen traumlosen Schlaf. Nichts bekommst du mehr mit.

Er scheint die Chance zu nutzen, berührt dich, streichelt dich. Am Rücken von oben nach unten die Wirbelsäule entlang und fährt mit dem Finger den Bund der Hose nach, ganz sacht.
Dann wirst du wach. Geschockt reißt du die Augen auf, was er ja nicht sehen kann und hältst die Luft an. Eigentlich ist es ja schön. Du genießt es sehr. Er ist so zärtlich. Und ein paar Streicheleinheiten würden ja nichts bedeuten. Irgendwann döst du wieder weg und du wachst erst wieder auf, als du seine Hände auf deiner Brust spürst. Er liegt hinter dir, du vor ihm. Der Film ist längst zu Ende und es ist dunkel. Nur das Flimmern des Fernsehkastens und zwei klopfende Herzen, die im Takt zueinander schlagen. Er berührt dich weiterhin am Bauch, tastet sich zu deinen Brüsten vor, berührt sie sanft. Er knetet sie leicht und stöhnt. Es macht Lust auf mehr, mehr, mehr. Er stöhnt dir in dein Ohr, presst seinen Körper an den deinen. Ihr werdet wild und hektisch. Noah zieht dir die Hose ruckartig aus. Reißt dir deine Jacke von dem Körper.
Jetzt trägst du nur noch Slip und Shirt. Er selbst ist noch vollständig bekleidet. Als du so entkleidet bist, deine Nacktheit spürst, gehen dir plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf. Sie wirbeln um dich herum und kommen nicht zum Stillstand. Du kannst sie nicht halten, schon gar nicht verdrengen. Du denkst alles und nichts. Der Genuss und die Lust weicht über in Panik. Es passiert genau, was du nicht erreichen willst.

Denn was du willst ist eine ganz normale Freundschaft zwischen Mann und Frau. Glaubst du. Ärgerlich versuchst du abzuschalten und Spaß zu haben, loszulassen, doch es gelingt dir nicht. Noah versucht dich zu küssen, aber du drehst den Kopf weg.
Also wendet er sich deiner Gesichtshälfte zu, atmet in dein Ohr, erst leise, dann wird sein Stöhnen deutlicher, lauter und fordernder. Er drängt dich an die Lehne des Sofas, hält deine Hände über deinen Kopf fest umklammert und lässt dich nicht los. Seine Zunge umspielt dein Ohr und versinkt sich dann darin. In dir drin beginnt es zu pulsieren. Lustwellen umspielen dich und sein erigiertes Glied zuckt lustvoll an deinem Körper. Du beginnst zu zerschmelzen, doch gleichzeitig versuchst du dagegen anzukämpfen.

Dich zu wehren. Es ist ein Kampf mit deinem Inneren. Du reißt dich von ihm los und springst blitzschnell auf.
Einerseits willst du ihn spüren, andererseits willst du es nicht.
Was ist nur los mit dir????
Du verstehst nicht und auch er sieht dich mit seinem Hundeblick fragend an. Verwirrt, durcheinander, verletzt, wütend und enttäuscht.
Du bist den Tränen nahe und du weißt, dass er mehr möchte, mehr als nur körperliche Nähe, auch du sehnst dich in Wirklichkeit nach mehr, kannst es nur nicht fassen, nicht halten, möchtest es von dir schieben, ganz weit weg.

„Was ist denn jetzt mit dir los?“, er verlangt eine Antwort. Seine Augen hoffenden Ausdruckes.

„Es tut mir Leid! Ich kann nicht! Man, verdammt ich will keine Beziehung mit dir, begreif das doch mal!“ , schreist du ihm schluchzend ins Gesicht.

„Davon war doch jetzt gar nicht die Rede!“ ,schreit er zurück, „Mensch, lass dich doch einfach mal fallen! Lass dich gehen! Du willst es doch auch!!? Du hast es doch genossen, oder nicht!?“

Das ist dir alles schon wieder zu viel. Tränen rinnen dir über das Gesicht und du musst schluchzen. Du siehst ihn an. „Tut mir Leid, ich muss jetzt sofort hier weg!“ Du stürmst aus der Tür, schnappst deine Sachen im Flur und lässt ihn einfach so stehen. Die Haustür fällt krachend ins Schloss.

©Netti

Der mit dem heißen Arsch.

Du zwinkerst. Irgendwas ist da in deinem Auge, aber vielleicht ist auch nur die Kontaktlinse verrutscht. Dein Kumpel neben dir redet Dünnschiss und diesmal beklagst du dich nicht drüber, du nickst, und lachst immermal ganz dümmlich, während deine Augen einen Punkt visieren. Nebenbei schielst du in die Karte, doch du kannst dich einfach nicht entscheiden, auf was du Appetit haben sollst. Der Punkt aus der Ferne, den du bis eben gerade noch anvisiert hast, bewegt sich plötzlich leichten Schrittes auf euch zu. Schnell schiebt dein Blick sich wieder in die Karte. Dein Kumpel beklagt sich plötzlich, dass du ihm heute alles durchgehen lässt, er erzählt dir Müll, kann dir alles erzählen, du hörst ihm gar nicht zu. Du gibst nur genervte Antworten, auf seine Fragen, die nicht mal welche sind. Irgendwie ist dir heute jegliche Konversation zu viel. Der Punkt aus der Ferne bleibt stehen, direkt vor eurem Tisch. Ein leichtes Lächeln blickt auf euch nieder. „Darf ich euch schon was bringen?“ Du lächelst ihn an, besonders freundlich und wünschst dir eine Sprite, während der Kumpel ein alkoholfreies Hefe bestellt. Du schaust den Kellner an, mit deinen großen Augen und er schaut zurück, den Mund zu einem leichten Lächeln geformt. Immerwieder läuft er an euch vorüber in seinem schwarzen Dress mit seinen hellbraunen Haaren, ihn umgibt ein männlicher Duft. Du kannst die Augen einfach nicht von ihm losreißen wahrscheinlich musterst du ihn sehr penetrant und plötzlich kannst du den Bahnfahrer verstehen, denn wenn man etwas Schönes erblickt muss man einfach immer wieder hinsehen, ohne den Blick abwenden zu können, man wird übermannt von der Faszination, die einen umgibt. Der Kellner wirft dir hin und wieder ein paar Blicke zu, doch du vermisst das Lächeln, was ihn so sympathisch wirken lässt. Irgendwann wählt ihr und du nimmst das Schnitzel während dein Kumpel Pasta nimmt. Ihr betreibt leichte Konversation, ansonsten genießt du einfach nur das schöne Wetter. Das Essen geht fix und steht dampfend vor euch. Der Kellner lächelt und wünscht einen guten Hunger. Du blickst ihn an, versuchst es wieder, deine Augen öffnen sich und du musst blinzeln, die Wimpern machen zaghafte Wusch Geräusche, doch du kannst seinen Blick den er dir zurück wirft einfach nicht deuten. Wahrscheinlich hast du verlernt wie das funktioniert, das mit dem Flirten. Du vermisst die Majo und brummelst das in deinen Bart, dein Kumpel verlangt vom Kellner Majo nach. „Na toll. Jetzt kann er mich bestimmt nicht mehr leiden! Wegen dir. Und der Majo!“ Du denkst an den Mann in der Bahn, kurz nur, und du weißt, dass du immer auf dein Bauchgefühl hören kannst, du bist froh dass du nun erkannt hast, was dieses Bauchgefühl aussagen möchte, wie es sich bemerkbar macht und vor allem, wie du es erhörst. Dein Bauchgefühl bei eurem ersten Treffen sagte dir, NEIN, es sagte nein und schrie danach, dass das mit ihm irgendwie gar nicht geht. Du fühltest dich nicht wohl in deiner Haut, es war ganz anders als mit ihm den Fotografen, soetwas wünschst du dir nochmal, nur schöner, freundlicher, weniger schmerzhaft und tränenreich. Zum ersten Mal in deinem Leben bist du froh die richtige Entscheidung getroffen zu haben, eine Entscheidung die sagt: >>Dich möchte ich nicht wieder treffen, auch für eine Freundschaft nicht, und Freunde habe ich, selbst mit denen bin ich schon überfordert, was mir fehlt ist Nähe zu einem Menschen, der meiner würdig ist, ein Mann, mit dem ich mich austauschen kann, ein Mann, der… Fotograf… <<, wieder springen die Gedanken davon wie ein Flummiball und dein Kumpel fragt: „Hast du mich gerade angezwinkert!?“ „Bestimmt!“ Du rollst mit den Augen und fragst dich was mit ihm los ist heute, plötzlich ruft er dich Schatzi und du möchtest am Liebsten die Faust heben, denn als du siehst wie der Kellner an euch vorüberläuft muss Hasi grinsen. Das bekommt er zurück. Kosenamen. Sein scheiß Ernst? Du verabscheust diese ganzen Kosenamen-um-sich-werfenden-Pärchen, nie wieder möchtest du mit einem Kosenamen angesprochen werden. „Was soll der scheiß!? Lass das!!!“, deine Augen sprühen Funken. „Ernsthaft, das ist dein Typ, ja?“, er fragt nach was er haben sollte, dein Typ Mann, und du beschreibst ihn, den Fotografen, als du auf die Gasse blickst erkennst du Menschen die vorüber gehen, wie auf einem Laufsteg, und egal wo du hinblickst du siehst ihn, den Fotografen. Dein Kumpel unterbricht gelegentlich sein Essen und lehnt sich leicht zurück, du hast Lust auf das was er isst, dein Schnitzel hängt dir grad der Quere im Hals, du hast jetzt Bock auf die Lachswürfel, die lachen dich schon die ganze Zeit an. „Tauschen?“, also tauscht ihr eure Teller. Dein Kumpel lehnt sich zurück, muss kurz pausieren, von dem dicken Schnitzel, du aber bist fertig nach wenigen Bissen, der Teller ist leer, also schiebst du den leeren Teller von dir. Der Kellner schaut zu euch, kommt leicht näher und Hasi nimmt das Besteck um weiter zu essen. Das wiederholt er einmal, zweimal, und macht dich darauf aufmerksam: „Immer wenn er herkommen will, esse ich weiter.“, dabei lacht er, als hätte er einen richtig guten Witz gemacht. „Samma! Hakts!? Wie alt bist du? Zwölf!? Lass den Scheiß! Wegen dir guckt der jetzt nur noch so böse! Der ist schon total genervt!“, langsam reicht es dir echt. „Jetzt mal im Ernst..“, er schluckt, schaut dich dann an, „der ist nichts für dich! Ohne Mist! Der nicht! Such dir einen Anwalt, oder einen Ingenieur, aber doch keinen Kellner, das passt nicht. Das geht nicht. Nicht zwei aus derselben Branche.“ „Woher willst du denn wissen, dass er nicht nur Aushilfskellner ist!? Er studiert bestimmt gerade Jura, Architektur oder, oder,..sowas halt.. Das macht der doch nicht hauptberuflich, heutzutage macht das doch keiner mehr freiwillig.“ Ihr diskutiert noch ein wenig weiter, bestellt noch was zu trinken und haltet euch eine Weile auf. Als du zur Toilette gehst und zurück zum Tisch läufst siehst du wie der Kellner gerade abkassiert hat, dich nervt das. Dein Kumpel fragt noch nach einem Bewirtungsbeleg, du erkennst dem Kellner an, dass er gerade sehr genervt ist von ihm, und das kannst du ihm nichtmal verübeln, aber vielleicht ist er auch von dir genervt, von euch beiden. Du fragst dich ob man flirten verlernen kann. Kann man? Er holt den Bewirtungsbeleg und wünscht Euch noch einen schönen Abend!“ Das euch scheint er extra zu betonen. „Hast du einen Kuli? Gib mir mal bitte!“, dein Kumpel schaut dich fordernd an. „Häh? Wieso? Musst du das jetzt schon ausfüllen? Warum denn das?“ „Gib mir mal bitte einen Kuli!“ „Aber das musst du doch jetzt gar nicht ausfüllen, mach das doch später.“ „Bitte. Kuli!“ Du wühlst in deiner Tasche, in der alles mögliche ist, nur ein Kuli nicht. „Hab keinen!“ Er stöhnt. Na dann nicht und drückt dir den Beleg in die Hand. Nun bist du komplett verwirrt? „Häh? Wieso gibst du mir deinen Beleg? Den brauchst du doch.“ „Man, ich wollte deine Nummer drauf schreiben!“ Du schaust wie ein Auto. „Ähhh!? Nein!? Komm wir gehen.“

Während ihr lauft, schaust du immer wieder zurück zu dem Kellner, doch er bemerkt dich nicht. Du seufzt. „Der war schon süß.“  „Kopf hoch!“, sagt dein Kumpel und nimmt dich in den Arm. Du findest jemanden. Während du einen letzten Blick über deine Schulter wirfst, hoffst du dass du keinen bedürftigen Eindruck machst. Hoffentlich kommst du nicht verzweifelt rüber. Du bist es eigentlich auch nicht, du magst es, wie es im Moment ist, und doch fehlt dir die Zweisamkeit, Nähe, Liebe. Du hättest nie gedacht dass du das mal sagen würdest aber doch, du sehnst dich nach Nähe und Geborgenheit. Du setzt dir auf deine ToDo Liste im Kopf eine Notiz die besagt:

-Nochmal zu der Bar mit dem anziehenden Kellner gehen, er hatte einen süßen Arsch, das hast du gesehen, als er direkt vor dir stand, mit seinem Hintern zu dir, welch ein schöner Anblick. Geh dahin, aber nimm nicht deinen Kumpel mit. Schnapp dir am besten eine deiner Freundinnen und geh einen trinken und dann gib alles und flirte auf Teufel komm raus. Auch wenn du mehr männliche Freunde hast als weibliche, lass die Jungs mal Jungs sein, sonst wird das einfach nichts. Damn it. Warum hast du auch keine weiblichen Freundinnen!? (Oder nur drei an der Hand!?) 



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