Scheißpille, du hast mein Hirn geklaut.

Jawohl! Ich hab sie herbeigewünscht, die Stille, in meinem Kopf. Nun ist sie da. Sind sie da, die Nebenwirkungen, die auch das Schreiben blockieren. Leute, es tut mir Leid. Derzeit kann ich nur mit Schweigen dienen, denn ich kann sie nicht mehr finden, die Worte, welche sich sonst so leicht aus den Händen schütteln ließen, und drauf aufs Papier, einfach niedergeschrieben. Immermal wieder teste ich, probiere, fluche, könnte kotzen. Mein Hirn produziert nur noch Bullshit. Ob es an den Tabletten liegt? Diese kleinen Mistdinger, die alles Andere ein bisschen okayer macht.

Die Möglichkeit des Kaputtschreibens.

Wenn geschriebene Worte die Macht haben zu zerschreiben war es nichts authentisches. Kein echtes Gefühl was Sinne benebelt und Glück hervorruft. Etwas in dir hat noch einen Funken Hoffnung, dass die Motten wieder weichen. Dein Kopf ist klar, dein Herz rein, denn bei dir sind keine Motten, nur Schmetterlinge. Noch immer. Die Motten im Gegenüber allerdings sichtbar, spürbar fast schon. Irgendetwas in dir sagt, dass sie wieder weichen werden. Diese Augen die dich anblickten mit so viel was sichtbar war, und spürbar, in ihm, den Anderen, das kann so schnell nicht verpuffen. Ausgeschlossen. Und wenn doch dann hat es nicht sollen sein. Somit würden die Schmetterlinge den Kopf einziehen, etwas traurig würden sie davon flattern, und das nächste Mal zurück kehren. Flügelschlagend. 

©Netti 

Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.

Du bekommst eine SMS. Sms’n bekommst du in der Regel nur von Mutti. Du öffnest sie und siehst nur eine Blase, die keine Worte enthält, sondern Stille ohne Inhalt. Die SMS ist von Vati. Du wunderst dich, bist dennoch erfreut über den Versuch den er unternimmt um dir eine Nachricht zu schreiben. Du legst es bei Seite, musst ein wenig schmunzeln und wartest, denn du bist dir sicher er wird es nochmal probieren. So schnell gibt er nicht auf. Kurze Zeit später ein erneutes Plingen. Wieder öffnest du. Wieder eine Nachricht von Papa. Ohne Inhalt. Ohne etwas mitzuteilen. Manchmal bedarf es mehrere Anläufe. Manchmal bedarf es Mut, Wille, Kraft und Durchhaltevermögen. Damit man schafft was man erreichen will. Mit dem dritten SMS Ton erscheint eine Nachricht, welche gefüllt ist. Nicht nur mit Worten, sondern mit Liebe, Ausdauer und Schaffenskraft. „Gute Besserung. Ich hab dich auch lieb!“ Tränen bilden sich in deinen Augen und ein Schluchzer, ein leiser Schrei der innerlichen Hoffnung darauf dass alles wieder gut wird mit ihm, entweicht deinen Lippen. Heiße Tränen tropfen hintereinander zu Boden. In der SMS von dir an ihm berichtetest du ihm dass es dir gerade nicht so gut geht, Grippe, Fieber, Kopfgedöns und du ihn nicht besuchen kannst, gerade, und du ihn lieb hast. Du kannst dich an nur ein einzigstes Mal erinnern, als er sagte dass er dich lieb hat. Das war als feststand dass deine Eltern sich würden scheiden lassen, und du weggelaufen bist vor Verzweiflung, und einer über die Jahre vollgelogenen heilen Welt, in der ein Teil von deinem Leben zu bröckeln begann. Papa machte sich Sorgen um dich, deine Familie suchte im Dorf nach dir, denn weit konntest du nicht sein. Er weinte Tränen der Erleichterung als du vor ihm standest, heile und unversehrt, nur ein bisschen verweint, denn was soll denn diese verdammte Scheiße, könnt ihr euch nicht einfach wieder lieb haben, wie einst!?

Diese Nachricht lässt dich wissen dass es noch immer so ist, dass er dich nach all den Jahren noch immer, und noch genauso lieb hat.  Du liest sie wieder und wieder, und hoffst daraus zu erfahren wie es ausschaut in seinem Kopf, ob es besser werden wird, oder schlimmer. Doch es wurde nicht besser sondern schlimmer, so schlimm, dass du irgendwann weder Nachrichten, noch Anrufe bekamst, bis irgendwann die Stille zu laut wurde, sie wurde zu laut denn es klingelte kein verdammtes Telefon. Kein Papa rief an um sich nach dir zu erkundigen. Papa brauchte nun kein Telefon mehr. Er brauchte dich nicht mehr.

Er braucht nie wieder ein Telefon. Es liegt in irgendeiner Kiste, abgemeldet, inaktiv, das alles weißt du und doch ist es nicht so ganz glaubwürdig für dich. Du siehst sogar das Foto, was er gemacht hatte und im Whatsapp einstellte. Das hast du gleich als Kontaktbild genommen. Sein Name in der SMS, die SMS von ihm. Du weißt du solltest sie löschen. Deine Fingerspitzen tippen suchend nach Papa. Du drückst auf seinen Namen und die Verbindung wird aufgebaut. Kann die Verbindung zu ihm wieder aufgebaut werden? Ist es so einfach? Und wo kommst du dann raus? An welchem anderen Ende ist dein Papa nun? Wo befindet sich dies Ende? Du lauschst hoffend in den Hörer, darauf bedacht ihn gleich gut zu verstehen am anderen Ende, er spricht sehr leise, doch eigentlich weißt du es besser, du weißt dass er gar nicht mehr spricht. Trotzdem glitzern deine Augen, im Schleier der Tränen tanzen hoffnungsvolle Punkte der Zuversicht. Es ertönt kein Papa der Hallo in den Hörer haucht, ganz leise, denn das sprechen fällt ihm schwer, der Hörer ganz fest an dein Ohr gepresst, damit du auch alles verstehen kannst. Kein Husten am anderen Ende, auch kein fröhliches und heiteres Lachen. Du hörst Stille. Und dann eine Stimme, die nicht deinem Papa angehört. Diese Stimme ist weiblich, monoton, eindringlich und leicht genervt, >>Diese Nummer ist nicht vergeben!<<  wie kannst du es auch wagen die Nummer zu wählen. >>The number you’ve dialed is not assigned.<< Du unterbrichst das Gespräch und den Monolog den diese Frau führt, du beendest den Anruf, der dich nicht mit Papa verbindet. Dir ist bewusst dass es an der Zeit ist zu löschen. Die Nummer, die nicht vergeben ist, daneben das Papa in Buchstaben, seine SMS und das LiebHaben an dich. Aber du kannst das nicht. Du kannst ihn einfach nicht löschen. Auch wenn du nicht ihn löschst, sondern nur die Nummer, hast du Angst dass auch er damit aus deinem Kopf verschwindet und die Erinnerungen an ihn einfach ausgelöscht werden, noch bevor du irgendwann vielleicht selber mal nicht mehr in der Lage sein wirst zu denken.

©Netti

Pipi in den Augen.

Manchmal bist du von dir selber gerührt, gerührt und überwältigt von der Liebe die du fähig bist zu empfinden. Und dann weinst du. Du weinst emotionale Tränen der Rührung, vermischt mit Trauer, Vergangenheit und Erinnerung. Du bist gerührt vor der Tiefe hinter dem Konzept. Dem Konzept für dein Buch, dem Buch was du ihm widmest, ihm, deinem Papa. Es geht los. Die Wörter fließen, während die Tränen wieder trocknen. Papa, ich liebe dich.

©Netti

24h hat der Tag, auch wenn ich das so gar nicht mag.

War ein Tag schon immer so kurz? Bestand dieser seit jeher schon immer aus nur 24h? Wer hat sich das ausgedacht? Manchmal (wenn du mal nicht arbeiten musst) wünschst du dir die doppelte Anzahl an Zeit, unbegrenzt, grenzenlos, vielzählig. Dann kannst du all die ToDo Sachen machen die du unbedingt machen magst.

  • Schreiben 
  • Schreiben
  • Schreiben
  • Fotografieren
  • Schreiben 
  • Fotografieren
  • Dichten
  • Schreiben
  • Lachen über das was du schreibst
  • (Weinen weil das was du schreibst Blödsinn ist)
  • Dich an der Fotografie und den Bildern der Ausgeglichenheit erfreuen
  • Essen und nebenbei lesen
  • Lesen vorm Schlafen
  • Quatschen im Schlaf und sabbern dabei oder schnarchen, oder einfach beides.
  • Bloggen also: (Achtung) schreiben
  • Schlafen und träumen dabei und zwar vom Schreiben
  • Vor der Kamera stehen anstatt dahinter
  • Schwimmen und tauchen und das Seewasser fotografieren, was nicht klar ist sondern etwas düster, leicht grünlich und staubig, kleinste Schmutzpartikel flirren um dein Gesicht herum und da drüben, da drüben ein langer Fisch. Krass ein Wels! Übel, der ist fast so groß wie du. Angstfurzwasserblasen blubbern an die Wasseroberfläche während du Auge in Auge dem Fisch gegenüberschwebst. Glubschauge meets Glubschauge. Und beide scheißen sich beinahe ein vor Angst. Nein, nein, der Fisch hat bestimmt nicht mehr Angst vor dir als du vor ihm. Das ist eine Lüge. Er wird dich fressen. Deine Angst ist durchaus berechtigt.
  • Träumen von der Liebe, der Erfüllten, (oh schade, nur ein Traum.)

©Netti

Wenn der Ausdruck hinter den Zeilen verloren geht..

Das Schreiben mag ich nicht, wenn es nicht sagt was es meinen soll. Ich mag die schriftlichen Worte nicht, wenn sie nicht das erzählen was sie ausdrücken sollen, weil sie falsch gelesen und gedeutet werden. Ich mag das Schreiben nicht, was nur drum herum entsteht, Fragezeichen werden ausgelöst, unverständlich die geschriebenen Zeilen. Ich mag die Worte nicht in Schrift, die zwischen den Zeilen stehen, sind es doch zu viele die zu viel versprechen und zu viele Worte die zu vieles tot schreiben. Geschriebene Zeilen mag ich nicht, wenn man nur schreibt ohne es auch so zu meinen, dann wird die Ehrlichkeit hinter den Worten mit Füßen getreten. Erkennt man Lügen wenn sie geschrieben sind? Ich mag das Schreiben nicht wenn es zur Gewohnheit wird, halbherzig wird etwas geschrieben, die Hauptsache  ein Text. Ich mag keinen Text der Dinge verspricht die nicht eingehalten werden. Geschriebene Worte der Umschmeichelung unbrauchbar und fehlplatziert, was kann ich mir kaufen davon wenn ein schönes Wort nicht ankommt, weil der passende Ausdruck dazu fehlt, denn schöne Worte kommen nur an wenn sie von Herzen entstehen. Das Schreiben ist zwecklos wenn es überlesen wird und nicht geachtet, was bringt es dann zu schreiben? Manchmal kommt mir die Liebe zum Schreiben im Allgemeinen abhanden, ein Text nur für mich oder Andere, Zeilen, Nachrichten, Mails oder SMS altertümlich oder via WhatsApp, denn woher weiß man, dass das was man verfasst auch das ist was beim Gegenüber ankommen soll!? Woher weiß man dass man sich nicht um Kopf und Kragen schreibt!? Beherrscht man das Schreiben noch immer, auch wenn Stille darauf folgt!?

©Netti

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft. Es setzt aus. 1/2

Irgendwann hast du vergessen, dass deine Vergangenheit dich doch mal wieder einholen könnte. Nie hättest du gedacht dass du dir selber dieses Grab schaufelst, in dem du einst schon mal hineinblicktest, von oben herab. Schuld daran ist nur diese blöde App, die mit dem Fingerwisch, in denen du Herzchen verteilen und Leute wegwischen oder zu dir hinwischen kannst. Du blätterst dich also durch die ganzen Gesichter durch, möchtest nur  kurz vorbei schauen, mal hallo sagen, oder auch nicht. Du wischst also nach links, ein X, und das Bild verschwindet in der hinterletzten Versenkung. Du musst ein bisschen lachen, über die zum Teil sehr ulkigen Profilbilder. Es gibt auch Bilder die machen dir Angst, so gruselig sind die, weil es Leute gibt die sich dort halbnackt darstellen. Du gibst dir maximal 5 Tage für diesen Spaß den du einfach nur mal testen magst. Ein bisschen rumschreiben, das machst du doch so gern. Mehr willst du auch gar nicht. Nur schreiben. Dann folgen ein paar normale Fotos. Von Männern die ganz gut anzuschauen sind, ein freundliches Lächeln haben. Du wischst also freudig nach rechts, ein paar Mal hintereinander, du bist da gerade so drinne, als ein Bild auftaucht und du beinahe weiter wischst. Nach rechts. Wodurch am Ende ein Match entstehen könnte. Wenn die Person auch nach rechts wischt (sozusagen das Gefällt mir dieser App) dann entsteht ein Match und beide finden sich total toll. Dein Finger bleibt noch gerade rechtzeitig in der Luft verharren, es fällt schwer dem Verstand zu sagen dass der Finger jetzt nicht wischen darf, gar nicht. Du realisierst sofort als das Foto auf dem Display deines Handys vor deinen Augen auftaucht. Das Herz setzt aus. Es schlägt nicht mehr. Du hörst auf zu atmen, hast vergessen wie das geht. Du blickst in die Augen dieses Bildes, du blickst in die Augen des Mannes, der dein Herz mit Füßen zu Boden trat. Der Fotograf schaut dir mit einem falschen Lächeln ins Gesicht. Sofort bist du wieder gefangen in dem Moment an dem alles begann: 

Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

Der Moment, der nicht nur eine Hoffnung entstehen ließ, sondern auch noch zerstörte, mit jedem erneuten Treffen was folgte…
Du verharrst mit dem Blick auf diesem Bild und seinen Augen die so viele Halbwahrheiten erzählten. Du verharrst und kannst es gerade einfach nicht fassen. Dann zwingst du dich. Und du schließt die App, du drückst sie weg um den Wischzwang zu umgehen. Wischen. Keinesfalls darfst du bei diesem Bild, bei ihm, den Fotografen, wischen, schon gar nicht nach rechts. Für den Augenblick hast du diese App geschlossen, und du musst das erstmal sacken lassen, denn jetzt gerade fühlst du dich ein bisschen verarscht.

©Netti