Mal wieder nur ein Schmerz der bleibt. 

Weil Worte verlogene Schweine sind. 

Manchmal ist man gezwungen. Gezwungen los zu lassen. Gezwungen zu vergessen. Da ist der Schutzwall den du mühevoll hast zerfallen lassen, einfach weg. Der ist weg denn du spürst da plötzlich wieder das was du eigentlich meiden wolltest. Schmerz. 

>>Bevor du etwas bekommst musst du auch immer erstmal etwas geben.<<, sagt deine Freundin zu dir, als du ihr alles erzählst. Alles was war und ist, zwischen ihm und dir.

Sie kennt dich. Sie weiß wie du bist. Dass du gern viel hättest, selber aber kaum geben kannst, nicht weil du nicht willst, sondern weil du nicht kannst. Oftmals verstecktest du dich in deinem Panzer um sicher zu sein, vor dem Schmerz der folgen könnte.

Was aber wenn du nun gegeben hast. Zu viel Gefühl. Zu viel Hoffnung. Wenn du gegeben hast ohne zu bekommen, weil dein Instinkt dir sagte da stimmt was nicht. Aber was. Was stimmt denn nicht mit dem!? Wie also ist es möglich den Schutzwall wieder aufzubauen, die Mauer die du dir einst so akkurat und sorgfältig aufgestellt hast!? Und wie oft muss man immer wieder von vorne beginnen? Wie oft muss man tatsächlich geben um auch zu bekommen!? Vertrauen. Glaube. Liebe.

Gerade ist da keine Hoffnung nur der Schmerz der dir sagt dass du einfach nicht genug bist. Nicht genug um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nicht genug vielleicht sogar treu zu sein. 
Nachrichten wieder nur Nachrichten. Wischiwaschi. Schwammige Aussagen. Kein Ich mag dich. Kein Lass es uns wenigstens versuchen. Zu feige?

Kein Gefühl mehr intensivieren. Sagt er.

Aus Angst dass das Vermissen umso größer wird.

Nichts mehr aufbauen.

Nur die Couch und DVDs zum schauen. Quasi, so verstehst du diesen Wischiwaschi Text.

Film schauen.

Kontakt über das Jahr eher nicht. Zur Beziehung nicht bereit. All das liest du aus dieser schwammigen Mitteilung heraus.

Es kommt dir komisch vor. Es klingt zu sehr als komme ihm Amerika gerade sehr gelegen. Eine gute Ausrede. Kontaktabbruch erst wenn er fährt das möchtest du nicht. Das kannst du nicht. Selbst das zu schmerzhaft. Du musst es zerschneiden das Band was dich an ihn zu halten suchte. Und du musst aufhören immer Dinge schönzureden. Wenn Cut dann Cut sofort. Findest du.

Denn schön ist nur das Vergessen, was den Schmerz in Luft auflöst. Wenn es denn gelingt.

Adé. Sagen die Leute.

 Adé. Sagt die Zeit, und das Jahr was gar nicht schnell vergehen wird. 

Denn du wirst denken hier und da, nur an ihn. 

©Netti

Advertisements

Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.

Du bekommst eine SMS. Sms’n bekommst du in der Regel nur von Mutti. Du öffnest sie und siehst nur eine Blase, die keine Worte enthält, sondern Stille ohne Inhalt. Die SMS ist von Vati. Du wunderst dich, bist dennoch erfreut über den Versuch den er unternimmt um dir eine Nachricht zu schreiben. Du legst es bei Seite, musst ein wenig schmunzeln und wartest, denn du bist dir sicher er wird es nochmal probieren. So schnell gibt er nicht auf. Kurze Zeit später ein erneutes Plingen. Wieder öffnest du. Wieder eine Nachricht von Papa. Ohne Inhalt. Ohne etwas mitzuteilen. Manchmal bedarf es mehrere Anläufe. Manchmal bedarf es Mut, Wille, Kraft und Durchhaltevermögen. Damit man schafft was man erreichen will. Mit dem dritten SMS Ton erscheint eine Nachricht, welche gefüllt ist. Nicht nur mit Worten, sondern mit Liebe, Ausdauer und Schaffenskraft. „Gute Besserung. Ich hab dich auch lieb!“ Tränen bilden sich in deinen Augen und ein Schluchzer, ein leiser Schrei der innerlichen Hoffnung darauf dass alles wieder gut wird mit ihm, entweicht deinen Lippen. Heiße Tränen tropfen hintereinander zu Boden. In der SMS von dir an ihm berichtetest du ihm dass es dir gerade nicht so gut geht, Grippe, Fieber, Kopfgedöns und du ihn nicht besuchen kannst, gerade, und du ihn lieb hast. Du kannst dich an nur ein einzigstes Mal erinnern, als er sagte dass er dich lieb hat. Das war als feststand dass deine Eltern sich würden scheiden lassen, und du weggelaufen bist vor Verzweiflung, und einer über die Jahre vollgelogenen heilen Welt, in der ein Teil von deinem Leben zu bröckeln begann. Papa machte sich Sorgen um dich, deine Familie suchte im Dorf nach dir, denn weit konntest du nicht sein. Er weinte Tränen der Erleichterung als du vor ihm standest, heile und unversehrt, nur ein bisschen verweint, denn was soll denn diese verdammte Scheiße, könnt ihr euch nicht einfach wieder lieb haben, wie einst!?

Diese Nachricht lässt dich wissen dass es noch immer so ist, dass er dich nach all den Jahren noch immer, und noch genauso lieb hat.  Du liest sie wieder und wieder, und hoffst daraus zu erfahren wie es ausschaut in seinem Kopf, ob es besser werden wird, oder schlimmer. Doch es wurde nicht besser sondern schlimmer, so schlimm, dass du irgendwann weder Nachrichten, noch Anrufe bekamst, bis irgendwann die Stille zu laut wurde, sie wurde zu laut denn es klingelte kein verdammtes Telefon. Kein Papa rief an um sich nach dir zu erkundigen. Papa brauchte nun kein Telefon mehr. Er brauchte dich nicht mehr.

Er braucht nie wieder ein Telefon. Es liegt in irgendeiner Kiste, abgemeldet, inaktiv, das alles weißt du und doch ist es nicht so ganz glaubwürdig für dich. Du siehst sogar das Foto, was er gemacht hatte und im Whatsapp einstellte. Das hast du gleich als Kontaktbild genommen. Sein Name in der SMS, die SMS von ihm. Du weißt du solltest sie löschen. Deine Fingerspitzen tippen suchend nach Papa. Du drückst auf seinen Namen und die Verbindung wird aufgebaut. Kann die Verbindung zu ihm wieder aufgebaut werden? Ist es so einfach? Und wo kommst du dann raus? An welchem anderen Ende ist dein Papa nun? Wo befindet sich dies Ende? Du lauschst hoffend in den Hörer, darauf bedacht ihn gleich gut zu verstehen am anderen Ende, er spricht sehr leise, doch eigentlich weißt du es besser, du weißt dass er gar nicht mehr spricht. Trotzdem glitzern deine Augen, im Schleier der Tränen tanzen hoffnungsvolle Punkte der Zuversicht. Es ertönt kein Papa der Hallo in den Hörer haucht, ganz leise, denn das sprechen fällt ihm schwer, der Hörer ganz fest an dein Ohr gepresst, damit du auch alles verstehen kannst. Kein Husten am anderen Ende, auch kein fröhliches und heiteres Lachen. Du hörst Stille. Und dann eine Stimme, die nicht deinem Papa angehört. Diese Stimme ist weiblich, monoton, eindringlich und leicht genervt, >>Diese Nummer ist nicht vergeben!<<  wie kannst du es auch wagen die Nummer zu wählen. >>The number you’ve dialed is not assigned.<< Du unterbrichst das Gespräch und den Monolog den diese Frau führt, du beendest den Anruf, der dich nicht mit Papa verbindet. Dir ist bewusst dass es an der Zeit ist zu löschen. Die Nummer, die nicht vergeben ist, daneben das Papa in Buchstaben, seine SMS und das LiebHaben an dich. Aber du kannst das nicht. Du kannst ihn einfach nicht löschen. Auch wenn du nicht ihn löschst, sondern nur die Nummer, hast du Angst dass auch er damit aus deinem Kopf verschwindet und die Erinnerungen an ihn einfach ausgelöscht werden, noch bevor du irgendwann vielleicht selber mal nicht mehr in der Lage sein wirst zu denken.

©Netti

Nachts, von Schatten umgeben.

Es ist Nacht, beinahe schon früher Morgen. Der Zeiger steht auf zwei Uhr. Du sitzt auf dem Fensterbrett mit Blick in Richtung Garten. Deine Beine lässt du aus dem Küchenfenster des 3.Stocks baumeln. Tief atmest du die Luft ein. Und aus. Und ein und wieder aus. Deine Augen sind geschlossen und der Kopf ´gen Himmel geneigt. Das Licht des Vollmondes bestrahlt dein Gesicht. Du zündest dir eine Zigarette an, denn du kannst einfach noch nicht schlafen, etwas in dir lässt dich unruhig erscheinen. Du inhalierst den Rauch ein und atmest ihn wieder heraus, in der Hoffnung dass auch etwas von deiner inneren Unruhe und Angespanntheit aus dir entweicht. Nur das Glühen der Zigarettenspitze lässt deine Anwesenheit erahnen. Dein Handy macht Piepsgeräuche, es tritt soeben eine Nachricht ein. Du erwartest eine Nachricht, doch erhoffen tust du dir nichts. Du wüsstest nicht einmal was du hoffen kannst und möchtest, besonders das. Seit Wochen bist du angespannt, unruhig, doch auch irgendwie glücklich und zufrieden. Seit Tagen fehlt dir die nächtliche Ruhe, der erholsame Schlaf. Zu viele Dinge schwirren durch dein Hirn, ohne dass du sie richtig zu fassen bekommst. Ein seltsamer Nebelschleier bewegt sich um dich herum, er wirkt etwas düster, du bist den Nebel einfach nicht gewohnt. Er lässt dich frösteln und ein wenig erschaudern. Vorsichtig bewegst du einen Fuß vor den Anderen, denn du kannst ja nicht sehen wo du hinläufst. Also musst du dir und deinem Verstand vertrauen. Mit diesem Gedankengang umgeben vom Nebel sitzt du auf dem Fensterrahmen, das Handy nun mittlerweile in deiner Hand. Du liest diese Nachricht, die dich so sehr verwirrt und du tippst eine Antwort zurück, eine Antwort, die du selber nicht verstehst, weil auch du dich selber nicht verstehst. Du bist verwirrt von deinen eigenen Gedanken und du glaubst, dass die Nachrichten sich gegenseitig widersprechen, sie übermitteln nicht das was sie eigentlich aussagen sollen. Du drückst auf Senden und die Antwort geht raus. Auf den Widerspruch folgt ein Widerspruch und du fragst dich, ob man immer alles verstehen muss im Leben, hinterfragst Richtig und Falsch. Du fühlst dich genervt von deinen eigenen Gedankengängen, und der Vorsicht dahinter, aber was sollst du auch tun?

Das grelle Leuchten des Displays blendet in dein Gesicht. Draußen ist es so dunkel, dass es dir kurz vor kommt als seist du erblindet, zu intensiv hast du auf dein Display gestarrt. Deine Augen versuchen sich wieder der Dunkelheit anzupassen. Du schaust nach gegenüber, dein Blick richtet sich nach oben auf die Dachgeschoss- Nachbarwohnung, ein Balkon in deiner Blickrichtung. Da ist ein Schatten zu sehen, angestrengt kneifst du deine Augen zusammen, kann ja sein dass du jetzt rumspinnst. Doch du siehst es. Eindeutig. Da steht ein Schatten auf dem Balkon, die Türe ist weit geöffnet. Der Schatten bewegt sich. Seltsam. Sieht aus wie ein Winken. Dein Hirn braucht etwas um zu schnallen, dass da einer steht, der dir winkt. Ein Schatten. Vielleicht drehst du wirklich fast durch. Doch plötzlich spricht der Schatten zu dir. „Hallo.“ Der Schatten winkt weiter. Jetzt spricht der Schatten auch noch zu dir. Gruselig! Du schnappst dir schnell wieder dein Telefon. Nur für den Fall dass die Schattengestalt gleich noch in deiner Wohnung steht, um dich aus dem Fenster zu schubsen, so könntest du wenigstens noch flink einen Notruf raus schicken. Du tippst wieder in dein Handy und ignorierst das Geschehen von drüben, als wieder ein Rufen ertönt. „Hallo.“ Wieder das Winken. Verwirrt blickst du auf. Also irgendwie ist das albern. Trotzdem winkst du der Schattengestalt zurück, muss ja nicht sein, dass die Nachbarschaft dich für arrogant hält. Vorurteile entstehen schnell. Du starrst zu dem Schatten, und fragst dich, wie gut der Schatten dich sehen kann. Ach scheiße, du hast vergessen das Licht auszumachen, wahrscheinlich kann man dich sehr gut sehen. Und du dachtest man sieht nur deine sehr coole, sehr rötlich leuchtende Zigarettenspitze und deine wunderschöne Shilouette mit wehendem Walle-Walle-Haar. Die Illusion löst sich in Luft auf. Nur der Schatten nicht. „Halloo!?“ jetzt klingt es etwas dringender, bittender fast schon. Die Stimme scheint männlich, aber du hast keine Ahnung was das für ein Mensch sein soll, du hast kein Gesicht vor Augen. „Jaaah HALLO!“, rufst du zurück und winkst dabei. Du hast keine Ahnung ob der dich verstanden hat.

Ah hey.“, er winkt schon wieder. „Ich bin André.“

Na toll. Jetzt will der auch noch mit dir quatschen. Tu einfach so als hättest du ihn nicht verstanden, redest du dir gut zu.

Du ziehst wieder an deiner Zigarette um den Moment zu umgehen. Das Schweigen ist irgendwie auch doof, so wurdest du nicht erzogen, denn du bist ein höflicher Mensch. Du rufst deinen Namen nach drüben und hoffst dass jetzt nicht jeder weiß wer du bist, das muss ja nun auch nicht sein.

Ich seh´dich öfters da sitzen, du rauchst viel oder!?“

Was wird denn das jetzt? Du hältst Ausschau nach dem gebastelten Papierflieger, welcher römische Zahlen enthält, die dich entlarven. Der spinnt wohl.

Stalkst du mich, oder was!?“, möchtest du am Liebsten rufen. Stattdessen sagst du: „Und!!!???“ „Fall nicht runter!“, so seine Antwort. Nun, das passt jetzt irgendwie nicht so ganz auf die Frage, aber vielleicht ist die Unterhaltung ja somit beendet und es herrscht wieder Ruhe. Leider täuschst du dich.

Du bist hübsch!“, sagt der Schatten, also André.

Ähem…. „Weil du das auch sehen kannst, aus der Entfernung!?“

WAS?“, schreit es zurück, denn die Straßenbahn welche gerade vorüber fährt verschluckt deine Worte.

WEIL DU DAS BESTIMMT AUCH SEHEN KANNST AUS DER ENTFERNUNG!?“ brüllst du nun in seine Richtung.

Wie bescheuert.

Du fragst dich gerade,…..ob der Pillen nimmt.

…….Oder Gras raucht.

…….Oder Vodka trinkt.

…….Oder zu viel Spray schnüffelt.

…….Oder irgendwas anderes schnüffelt.

…….Oder zu viele Filme guckt, die wo Julia auf dem Balkon steht und ihr Haar herunter lässt, na oder so ähnlich.

Hm, aber besoffen klingt der jetzt aber auch nicht wirklich. Und stoned auch nicht, das zumindest meinst du nur, wissen kannst du das nicht.

Ich bin schüchtern, das fällt mir grad ein bisschen schwer.“

WAS!?“, du hast ihn jetzt echt nicht verstanden. „Sorry, aber die Entfernung ist einfach zu groß. Hab das grad akkustisch nicht verstanden.“, schreist du.

Euch trennen bestimmt etwas um die 20Meter, wenn dich deine Schätzung nicht arg trügt.

Soll ich rüber kommen!?“ Ouhkey, jetzt wird’s spooky.

Ähem, NEIN!?“, jetzt gähnst du extra laut, das muss der doch hören. „Ich geh jetzt pennen. Tschüssiiiiee!“

Schlaf schön!“, sagt André und winkt.

Selber.“,rufst du und lässt das Winken bleiben.

Nichtmal in Ruhe rauchen kann man hier.

©Netti

hampelmann

Online.

Der Fotograf ist daueronline. Im scheiß WhatsApp. Du willst nicht stalken aber er antwortet einfach nicht auf deine Nachricht, die beinahe schon verjährt.

5 Tage.

Keine Antwort.

Du könntest die Wände hoch gehen, es wurmt dich so sehr. Magst gar nicht daran denken mit wem er so dauerhaft schreibt. Dennoch stürzen sintflutartig tausende an Bildern über dir ein. Zeile um Zeile tauscht er sich aus mit diesem Mädchen, was er erst vor kurzem kennengelernt hat. Jung, bildhübsch. Bilder, wie beide sich treffen und Dinge mit einander machen von denen du nur träumen kannst. Spaß haben, lachen. Miteinander. Sich näher kommen, Empfinden und Sein. Auch wenn es nur in deinem Kopf existiert gibt es für dich keine andere Erklärung für sein Verhalten. Distanz kann man nicht anders definieren. Distanz entsteht nur dann, wenn Interesse sich offenbar verflüchtigt. Du kannst das nicht aktzeptieren. Du kannst das nicht schon wieder einfach nur so hinnehmen. Er bedeutet dir doch so viel! Warum hat er nicht einfach Arsch in der Hose und sagt was Phase ist? Du verstehst das alles einfach nicht. Schon wieder diese Fragezeichen, welche dir irgendwann noch den Verstand rauben. Weshalb sucht er erst Freunde, wenn er sie dann in den Arsch tritt? Da nimmst du schon hin, dass er an mehr nicht interessiert ist und dann… UND DANN? Er würdigt nicht mal deine Freundschaft, verhält sich wie ein rießen Arsch. Heult dir erst die Ohren voll von Freundschaft und fehlender Freundschaft, dabei ist er es der an jeder Hand wohl gleich ein Dutzend hat. Du sitzt auf deiner Couch und könntest Dinge zerschlagen über diese Ungerechtigkeit. Es macht dich so wütend, seine Launen, welche sich abwechseln wie Tag und Nacht, Winter und Schnee, Sturm und Hagel. Am liebsten würdest du den Silvesterabend aus deinem überquellenden Hirn löschen, seine Nähe und Zuneigung, die er dir gegenüber zeigte. Am Liebsten möchtest du verdrengen, dass er der Mann ist in den du dich verliebt hast. Du möchtest ihn vergessen und den Tag des Shootings irgendwie rückgängig machen, doch du weißt dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Stattdessen stehst du wieder vor der Wahl: Ihn loszulassen, endgültig, oder weiterhin deinen Gram hinunterzuschlucken, um darauf zu hoffen, dass er irgendwann erkennt wer du wirklich bist. Dass du nicht bist wie die Anderen und nur oberflächliche Beziehungen, hauptsächlich Sex bevorzugst, sondern dass du eine Frau bist mit Charakter und Würde und an ihm und seiner Person interessiert bist. Du bist kein Objekt, kein Wesen was man erst benutzt und dann zu Boden wirft, wenn man es satt hat. Du möchtest ihn, als Menschen, so wie er ist, mit Haut und Haar, mit Narben und all seinen Macken. Sogar als Arschloch möchtest du ihn, wahrscheinlich gerade deswegen, obwohl du dich hasst dafür. Du würdest ihn sogar noch wollen, wenn er sein Augenlicht verlieren würde. Du hast Angst zu kämpfen, denn das ist nicht deine Aufgabe. Du hast Angst davor dass dein Herz sich dieses Mal komplett auflösen wird, und niemehr wieder hergestellt werden kann. Du bist dir sicher, dass er für dich nichts mehr übrig hat, wenn es denn jemals ein Empfinden wie Freundschaft gegeben haben sollte. Du hast Angst vor einem erneuten Faustschlag, mitten in dein schon zerschundenes Gesicht. Wie lange kann man ein Gesicht wahren, ohne dass es zerbröselt wie eine vertrocknete Rose!? Vielleicht solltest du ihm einen Brief schreiben, geht dir durch den Kopf, denn das Schreiben ist wohl das Einzigste was du beherrschst. Doch du hast keine Adresse von ihm. Du hast eine E-Mail Adresse, doch du weißt nicht, ob er deine E-Mail je erhalten, auch nur ansatzweise lesen würde, wenn er nicht einmal auf eine stinknormale WhatsApp Nachricht reagieren kann. Inzwischen hasst du WhatsApp wie die stinkende Pest und du verfluchst diesen hirnrissigen Menschen diese Erfindung publik gemacht zu haben. Auch SMS findest du dämlich, obwohl du das Schreiben liebst. Die Liebe jedoch liegt im Schreiben, nicht aber im Mitteilen und schon gar nicht im Stalken oder spionieren, denn so wolltest du nie sein. Automatisch mutiert man letztendlich zu einem hysterischen Hobbit mit Funken sprühenden Augen. Yeah! Und das alles ohne abzuschweifen.

Du könntest ihm also eine E-Mail schreiben mit all deinem Hirngesafte über Freundschaft, die fehlt, niemals nicht sein wird, weil es ganz und gar nicht das ist was du möchtest. Dann aber stehst du wieder da wo der Bus dich hat stehen lassen. Fortfahrend, ohne dich eines Blickes zu würdigen. Deine winkende Hand verschwindet in den Abgasen des Auspuffes. Zurück bleibt die Hülle deiner Selbst. Du stehst da ohne ihn. Dann ist es definiert, dann weißt du dass du das, was geschrieben steht nicht wirst rückgängig machen können. Denn er hat dein Zugeständnis schwarz auf weiß, nicht nur im Kopf, welcher vergessen kann und verdrengen, sondern auf Papier eines verdammten Rechners. Du möchtest jetzt gerne mal wissen was zur Hölle du schon wieder falsch machst. Du wirfst mit Kissen um dich, an denen er seinen Kopf platt gedrückt hat, wie oft das kannst du gar nicht mehr sagen. Dein Zeitgefühl ist völlig abhanden gekommen, es kommt dir vor als kennst du diesen Menschen nicht erst seit 5 Monaten. Tränen platschen unbeholfen zu Boden, aber du lässt sie da liegen. Morgen ist sein zweiter OP Tag, eigentlich hast du gehofft dass er sich bis dahin mal gemeldet hat, denn nun liegt es schon wieder an dir ihm etwas wie „Chakkaaa!“ zukommen zu lassen.

Möchtest du das? Du bist es allmählich Leid, den Hampelmann zu tanzen, also lässt du es einfach gut sein. Fürs Erste.
©Netti

Anteilnahme, unerwartet.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, wer in der Not zu dir steht. Der Fotograf meldet sich regelmäßig und fragt, wie es dir geht. Wie ihr vorankommt, mit allem. Da er sich mit dir treffen wollte, hast du ihm berichtet, was passiert ist und wie es dir geht, im Moment. Das Treffen fällt wohl erstmal flach. Trotzdem bot er dir seine Hilfe an, wollte sofort vorbeikommen. Du hast abgelehnt, da du bei deiner Familie bist. Es rührt dich so sehr, dass er sich nach dir erkundigt, das hättest du nicht vermutet, von ihm nicht. Du hast angenommen, dass du ihm egal bist, dass es ihn nicht einmal ansatzweise berühren wird, das Geschehen, was dich trauern lässt. Du hast ein „Sorry“ vermutet, ein „Das wird schon wieder.“ Doch was er dir entgegenbringt ist so viel mehr als das. Es ist echte Anteilnahme. Ein ernst gemeintes Beileid, auch wenn er deinen Papa nicht gekannt hat, was du sehr schade findest, denn du bist dir sicher, er hätte ihn gemocht, oder zumindest gerne kennen gelernt. Irgendwann.., vielleicht. Ihr kommt auf Silvester zu sprechen und du schreibst den Fotografen, dass du Silvester NICHTS machen wirst, NICHTS machen WILLST. Couchen und gammeln. Mehr nicht. „Allein?“ Wollte er schockiert wissen. „Allein.“ Daraufhin meint er, dass das doch nicht geht, er das nicht zulässt. Er wird zu dir kommen, notfalls schleift er dich raus. Wenn er meint, kann er das gerne tun. Aber du gehst NIRGENDWOHIN. Darauf freust du dich. Auf diesen Tag, an dem du einfach mal NICHTS machen wirst, am liebsten auch mit NIEMANDEM zusammen. Ausser mit ihm. Und nur mit ihm. Mit ihm, den Fotografen. Einfach NICHTS machen.

©Netti

 

 

 

WunschLos? 1/3

Das hast du nun davon, von deinen Wünschen, die du einfach nicht unter Kontrolle hast. Du solltest vorher nachdenken, bevor du Wünsche irgendwie laut äußerst, wenn auch nur für dich (und 1000 [10] andere, die deinen Blog verfolgen.) Du solltest vorher wissen, ob der vermeintliche Wunsch dann auch noch genauso toll ist, wenn er sich bereits erfüllt hat. Du solltest einfach mal vorher und nicht immer erst hinterher über die Konsequenzen nachdenken. Nun liegst du hier in deinem Kindheitszimmer auf deiner Matratze, auf dem noch eine Matratze liegt, ohne Bett und du bekommst Rücken. Von zu viel Härte welche die Matratze ausstrahlt, von zu viel Härte die der Wunsch nun in dir auslöst. Wie kann etwas ein Wunsch sein, wo es doch keiner mehr ist, sobald er in Erfüllung geht!? Du liest die Nachricht die er dir schreibt, nur nebenbei. Denn du hast grad mit dir zu tun, mit dir und der Härte der scheiß Matratze in deinem scheiß Kinderzimmer, indem damals alles heile Welt war. Du hast zu tun mit all den Gefühlen und den Schmerz der auf dich einschwappt. Du würdest gerne sagen Schuld hat nur diese Matratze! Du liest also die Nachricht von ihm, den Fotografen. Du liest sie nur im Sichtfenster, sodass er nicht weiß dass du sie gelesen hast, denn am liebsten hättest du das nicht. Er fragt dich nun hier, per scheiß WhatsApp, ganz offiziell, ob du ihn nun begleiten magst, zu Kurt Krömer. Anstatt du also beginnende  Purzelbäume schlägst, vor unsagbar übermäßiger Freude, guckst du einfach nur doof auf dein Handy, irgendwie fassungslos. Weil er es nun doch wagt dich zu fragen, was du nicht gedacht hättest, und gewollt auch nicht, wenn du ganz, ganz ehrlich bist zu dir. Denn der Abstand, der war ganz okay, du hast ihn zwei Wochen nicht gesehen, und dieses Mal war es einfach nur okay. Vielleicht hat sich dein Herz nun dran gewöhnt, inzwischen, an die Leere, die er so schnell nicht wird füllen können, wenn überhaupt jemals. Du stellst dir also Fragen auf die du einfach keine Antwort hast:

  • Willst du nochmals zu Kurt Krömer? (Die Frage kannst du direkt streichen, denn Kurt könntest du dir immer ansehen) -du musst umformulieren..
  • Möchtest du nochmals für eine Kurt Krömer Karte Geld ausgeben? (Das wirst du wohl müssen, wenn du dich dafür entscheidest, denn heutzutage wird einem nichts geschenkt. Aber..willst du das!? Willst du das wirklich?)
  • Möchtest du mit ihm, den Fotografen, zu Kurt? Möchtest du das ernsthaft? (Wen würdest du lieber sehen, Kurt oder ihn den Fotografen? Bescheuertere Fragen für dich selbst fallen dir auch nicht ein, he?)
  • Möchtest du mit ihm zu Kurt, auch wenn er dich nicht wirklich wahrnehmen wird? (Auch wenn er dich nicht küssen wird, mögen wird, berühren wird? Auch wenn er noch immer seine pessimistische Grundeinstellung haben wird, über sich und die Welt, versunken im eigenen Selbstmitleid, triefend voller Sarkasmuss in Tränen getränkt, entstehend in seinem Hirn!? Willst du dir das antun? Du wirst ihn niemals überzeugen können, davon, dass „Glück ist zu lieben, die Hauptsache sich.“)
  • Wird sich irgendetwas ändern an der Situation, nur weil du mit ihm dahin gehst? (Wird er dich plötzlich mit anderen Augen sehen, weil du Lippenstift tragen wirst, rot, knallig!? Wird er anders empfinden, dir gegenüber, weil ihr zusammen lacht und all die Glücks-Orbs aus eurem Körper schweben werden, um sich miteinander zu verbinden!?)

Kurzum: Du suchst nach einer Ausrede, die begründet, ihm eine Absage geben zu dürfen. 

Der Zeiger tickt. Er möchte eine Antwort haben. Soll er sich doch selber eine geben. Denn du selbst bist dazu gerade einfach nicht in der Lage.

© Netti

Nach(t) der Träne.

   

Du rauchst, obwohl du das seit 4 Monaten nicht mehr tust, aber gerade, nun gerade ist dir danach. Dein bester Freund lässt dich dran ziehen an der Kippe, an die auch er raucht. Dann geht ihr wieder zu euren Plätzen. Und da ist er wieder. Kurt Krömer steht auf der Bühne und quatscht blöde. Er redet Müll zusammen und du haust dich weg dabei. Dir kommen Tränen aus den Augenwinkeln so sehr brüllst du vor Lachen. Du schaust rechts von dir, du schaust links und du bist glücklich. Glücklich deine zwei Jungs neben dir zu haben, zusammen seid ihr Die Drei! Unschlagbar. Unzertrennbar. Auch wenn einer davon dir seine Liebe gestanden hat, eine Liebe, die du leider nicht erwidern kannst. Doch ihr seid erwachsen genug, damit umgehen zu können. Ihr lacht laut und herzlich, alle zusammen. Auf der Bühne die Frau, die am Lautesten gelacht hat. Ein Wiehern. Krömi lacht mit, genau wie ihr alle. Er holt sie zu sich. Sie versuchen ein Selfie zu praktizieren, während er sie abschleckt, küsst und deren Brüste berührt. Auch du hättest nichts dagegen von Krömi geküsst zu werden. Überhaupt mal wieder geküsst zu werden. Von ihm den Fotografen? Aber der Fotograf hat dich vergessen, hat vergessen dass du heute dort bist wo auch er in einer Woche sein wird. Ob er dich nochmals fragen wird ob du ihn begleiten möchtest? Du würdest, denn du hast vergessen, dass du deiner Schwester für Weihnachten ein Autogramm mitbringen wolltest. Denn du hast einfach nur an dich gedacht. EgoistenSchwein. Wenn du mal nicht an dich dachtest, dann an ihn, den Fotografen. Auch er würde sich totlachen hier, über ihn, direkt neben dir, und mit dir zusammen. Denn ihr habt den selben Humor. Immer wieder hast du seine lachenden Augen vor dir, sein strahlender Mund. Du bist traurig, dass er so scheinbar keine einzigste Minute seiner Gedanken an dich verschwendet. Das macht dich sentimental, sodass du schnell die aufkeimende Traurigkeit mit Sekt davon spülst. Dann holst du dir ein Autogramm von Kurt, und ein Foto von ihm mit dir zusammen, auch wenn er dich leider nicht abschleckt, führt ihr dennoch eine sehr lustige Unterhaltung und er umarmt dich herzlich. Er ist gut drauf diesmal. Die Autogramme häufen sich an deiner Magnetleine. Darüber vergisst du deine Schwester. Du vergisst, dass auch sie sich freuen würde über ein Autogramm von ihm. Lieber Fotograf. Kannst du mich nicht einfach nochmal fragen bitte? Noch auf der Heimfahrt erreicht dich eine Nachricht. Der Papa liegt im Krankenhaus. Schon wieder. Immer wieder, neu. Wann hört das endlich auf? Verdacht auf Pneumomie. Es geht ihm schlecht. Was verdammt heißt das denn? Was verdammt heißt dieses ewige auf und ab und hin und her? Du erträgst das alles nicht mehr, diese Eiseskälte die an dir herauf kriecht, sobald du hörst dass er schon wieder im Krankenhaus liegt. Du erträgst diese schwammigen Larifari Sabelleien der Ärzte nicht mehr, weil sie einfach nicht sagen was Phase ist. Du erträgst es nicht mehr deinen Papa so schrecklich leiden zu sehen, weil es ihm einfach nicht gut geht. Es geht ihm so schlecht wie es einem nur gehen kann, in einem Zustand wie dem Seinen. Lieber Papa! Bitte, bitte, sag mir was ich noch hoffen soll. Bitte sag mir was ich mir noch wünschen kann für dich. Was wünschst DU dir? Bitte Papa, geh‘ noch nicht! Ich lieb dich doch so sehr! Tränen laufen. Sie laufen, laufen und laufen. Endlos lang, an deinen Wangen herab. Wie bei einem Blatt mit gesammelten Tropfen aus Wasser, doch sind es deine Tränen, in denen spiegelt sich die Erschöpfung und Angst die du empfindest. Salzige Perlen zerspringen am Boden und hinterlassen eine ätzende Säure der niemand sich nähern möchte. Freiwillig nicht und auch sonst nicht. Du klingelst bei deiner Nachbarin denn du kannst jetzt einfach nicht allein sein. Anschließend raucht ihr gemeinsam eine Zigarette in diesem Haus, wo die Irren nun wieder vereint sind. Denn die Alte ist zurück. Die Junkiebraut, die irgendwann das Haus leerräumen wird. Wage es dir ja nicht!

*Dieses Foto nochmals im kompletten Zusammenhang, mit weiteren Fotos, zu sehen auf meinem Blog: „MoMeNtAuFnAhMeN“. Hier der Link dazu, bitte einfach draufklicken. Habt Spaß!
TränenWasser

© Netti