„Mama, mach mal!“


~Manche Zeiten ändern sich eben nie.~

Man flennt weil man nicht weiter weiß. Man flennt weil etwas weh tut. Man flennt weil man sich ungerecht behandelt fühlt. Man flennt vor Trauer, Angst, Wut, Rührung, manchmal auch vor Freude.

Tränen bedeuten nicht, dass man schwach ist, sondern dass das Herz mehr fühlt, als es ertragen kann.

©www.nicobartes.com

Auch wenn sie heute kein Faschingstütchen auf dem Kopf trägt fühlt sie sich in die damalige Zeit zurück versetzt. Zu der Zeit, in der das Denken noch Mutti übernahm, zu der Zeit, in der Mutti noch alle Entscheidungen traf. Zu der Zeit, in der ihr Tränen liefen, weil Tütchen auf dem Kopf einfach scheiße waren, weiße Kostümchen und pechschwarze Perrücken dagegen sehr viel cooler. Schon damals wurde ihr klar: ~Scheiße hey, man kann halt echt nicht alles haben.~ Nur das warum blieb unbegründet.

Tränen kehren das Innen nach Außen, mehr Nähe geht nicht.

©Netti

Wie cool wäre es manchmal, wenn man einfach wieder Kind sein könnte, hat man die Zeit doch viel zu unbewusst wahrgenommen, stets strebte man nach dem Alter und bewunderte die Großen. Man wünschte sich endlich erwachsen zu werden, man sehnte den Augenblick herbei in dem man selber durfte. Alleine essen. Alleine laufen. Das erste Mal ja sagen, oder nein, wahlweise vielleicht. Man wollte so gern selber Entscheidungen treffen, keiner mehr der sagte: „Du darfst nicht zappeln.“, „Das wird aufgegessen!“, „20:00Uhr bist du zu Hause.“, „Erst Hausaufgaben, dann Spielen.“, „Fernsehverbot!“ Keiner der sagte: „Jetzt wird geschlafen!“
Diese Regeln haben uns Kindern System gegeben. Durch sie lernten wir das groß werden, das zurecht finden in einer Welt die aus Regeln und Zucht und Ordnung besteht. Heute aber ist man gezwungen sich dem System gegenüber zu stehen, ohne dass uns Hilfestellung geleistet wird. Man ist erwachsen und selber in der Lage Entscheidungen zu treffen, zu handeln.

Und doch gibt es immer mal wieder Momente in denen man ein bisschen verzweifelt, dann wird man zurückversetzt in eine Zeit, die längst vergangen. 
„Mutti, mach mal!“

©Netti

Pipi in den Augen.

Manchmal bist du von dir selber gerührt, gerührt und überwältigt von der Liebe die du fähig bist zu empfinden. Und dann weinst du. Du weinst emotionale Tränen der Rührung, vermischt mit Trauer, Vergangenheit und Erinnerung. Du bist gerührt vor der Tiefe hinter dem Konzept. Dem Konzept für dein Buch, dem Buch was du ihm widmest, ihm, deinem Papa. Es geht los. Die Wörter fließen, während die Tränen wieder trocknen. Papa, ich liebe dich.

©Netti

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft. Es setzt aus. 1/2

Irgendwann hast du vergessen, dass deine Vergangenheit dich doch mal wieder einholen könnte. Nie hättest du gedacht dass du dir selber dieses Grab schaufelst, in dem du einst schon mal hineinblicktest, von oben herab. Schuld daran ist nur diese blöde App, die mit dem Fingerwisch, in denen du Herzchen verteilen und Leute wegwischen oder zu dir hinwischen kannst. Du blätterst dich also durch die ganzen Gesichter durch, möchtest nur  kurz vorbei schauen, mal hallo sagen, oder auch nicht. Du wischst also nach links, ein X, und das Bild verschwindet in der hinterletzten Versenkung. Du musst ein bisschen lachen, über die zum Teil sehr ulkigen Profilbilder. Es gibt auch Bilder die machen dir Angst, so gruselig sind die, weil es Leute gibt die sich dort halbnackt darstellen. Du gibst dir maximal 5 Tage für diesen Spaß den du einfach nur mal testen magst. Ein bisschen rumschreiben, das machst du doch so gern. Mehr willst du auch gar nicht. Nur schreiben. Dann folgen ein paar normale Fotos. Von Männern die ganz gut anzuschauen sind, ein freundliches Lächeln haben. Du wischst also freudig nach rechts, ein paar Mal hintereinander, du bist da gerade so drinne, als ein Bild auftaucht und du beinahe weiter wischst. Nach rechts. Wodurch am Ende ein Match entstehen könnte. Wenn die Person auch nach rechts wischt (sozusagen das Gefällt mir dieser App) dann entsteht ein Match und beide finden sich total toll. Dein Finger bleibt noch gerade rechtzeitig in der Luft verharren, es fällt schwer dem Verstand zu sagen dass der Finger jetzt nicht wischen darf, gar nicht. Du realisierst sofort als das Foto auf dem Display deines Handys vor deinen Augen auftaucht. Das Herz setzt aus. Es schlägt nicht mehr. Du hörst auf zu atmen, hast vergessen wie das geht. Du blickst in die Augen dieses Bildes, du blickst in die Augen des Mannes, der dein Herz mit Füßen zu Boden trat. Der Fotograf schaut dir mit einem falschen Lächeln ins Gesicht. Sofort bist du wieder gefangen in dem Moment an dem alles begann: 

Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

Der Moment, der nicht nur eine Hoffnung entstehen ließ, sondern auch noch zerstörte, mit jedem erneuten Treffen was folgte…
Du verharrst mit dem Blick auf diesem Bild und seinen Augen die so viele Halbwahrheiten erzählten. Du verharrst und kannst es gerade einfach nicht fassen. Dann zwingst du dich. Und du schließt die App, du drückst sie weg um den Wischzwang zu umgehen. Wischen. Keinesfalls darfst du bei diesem Bild, bei ihm, den Fotografen, wischen, schon gar nicht nach rechts. Für den Augenblick hast du diese App geschlossen, und du musst das erstmal sacken lassen, denn jetzt gerade fühlst du dich ein bisschen verarscht.

©Netti

Rückblick an das Damals.

Es gibt Momente im Leben, da kramst du dich durch das, was vergangen ist. Du siehst dich konfrontiert mit den Begebenheiten aus früheren Zeiten. Es existierten Schriftstücke, veröffentlicht und wieder gelöscht. Da sind Zeilen, mit denen kannst du dich längst nicht mehr identifizieren. Und dann gerätst du an einen Text, den du damals gelebt hast, für den Moment, und du stellst fest.. es gibt eben doch Dinge, die ändern sich einfach nicht. Das Gute daran? Heute bringt es dich zum Lachen, wenn du siehst, was Gedanken mit einem machen können..

Mittwoch, 19. September 2012

Fleischklops.

Ih!!! Ich wäre tatsächlich fast gestorben. An.einem.Fleischklops. Beim Nudelsuppe essen.
Mir kam beim Essen ein weiterer unsinniger Gedanke. Und dann hab ich mich verschluckt und der Klops hing quer und mir kamen Tränen und dadurch lief die Nase und ich schnüffelte, hatte einen Stück Klops in der Nase und noch im Hals und war verwirrt, wusste nicht was ich mit einem Klops in der Nase machen muss. Kann man mit der Nase schlucken? Und nun muss ich husten. Ich lebe noch.
Soll das die Antwort auf meine Frage sein? Das war mit Abstand das Widerlichste was mir je wiederfahren ist. Fick dich Fleischklops!!
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Und die Moral von der Geschicht‘!? Denken lohnt beim Essen nicht!

©Netti

Zurück in die Vergangenheit.

„Guten Morgen! Frohe Ostern!“, wünschst du den Gästen, welche vor dir den Frühstücksraum betreten. Sie lächeln dich freudig an und wünschen das Gleiche. Das Pärchen mittleren Alters begibt sich sogleich zum Buffet. Du fragst sowohl die Frau, als auch den Mann ob sie Kaffee wünschen und wartest die Antwort ab. Die Frau nickt und sagt: „Ja sehr gern!“ Nur langsam drehst du dich um, damit du gehen und deren Wünsche erfüllen kannst, doch dein Blick bleibt an dem Mann haften. Irgendetwas stimmt mit seinen Augen nicht. Er schaut dich an, und du schaust ihn an, vorsichtig, leicht fragenden Blickes, abwartend ob auch er noch eine Zustimmung verlauten lässt. Sein Gesicht irgendwie völlig ausdruckslos, seine Augen fast schon leer, emotionslos, gleichgültig. Plötzlich schnürt es dir die Kehle zu, dieser Blick! Du musst dich schnell abwenden, schnell gehen um den Kaffee zu holen, denn deine Augen werden wässrig, Tränen sammeln sich und schwimmen bedrohlich, beinahe überschwappend. Dieser Mann erinnert dich so sehr an deinen Papa, auch seine Augen trugen zum Schluss eben diesen Ausdruck. Du vermutest er könnte auch einen Schlaganfall gehabt haben, du vermutest irgendetwas hat diesen Mann innerlich zerstört. Gestern hat er dich nur einen Satz gefragt, über die Deko, die überall herum steht, ansonsten hast du keinen Ton von ihm gehört, kein Lächeln sehen können. Und nun- nun sagt er wieder nichts, gar nichts, die Frau an seiner Seite spricht für ihn. Du bringst den beiden den Kaffee und bemerkst dabei, wie sehr fürsorglich sie mit ihm umgeht. Dein Herz wird weich, in deinem Hals ein rießiger Kloß. Dieser Moment lässt dich an Papa denken, an die schwere Zeit, die du eigentlich verdrängen magst. Dein Papa konnte sich nie richtig erholen, er bekam keine Chance für Besserung, Genesung, nicht einmal Teilgenesung. Du findest es schlimm, dass diese Welt aus so viel Krankheit und Leid bestehen muss. Du fürchtest dich davor wie vor so vielem, doch diese eine Angst, die lässt dich fast lähmend nach Luft japsen, weil sie dir den Hals zuschnürt und sich panikartig in deinem Körper breitmacht. Die Angst das Erlebte nochmals durchmachen zu müssen. Der Moment ist wieder present, die Angst zurück. Papa in deinem Kopf. 

©Netti

Sie hat dich.

  
Ruckartig wachst du auf, aus einem Traum den du nicht erinnerst. Dein erster Gedanke gilt ihm. Ihm, den Fotografen. In deinem Hals ein rießiger Kloß, welcher dir die Luft zum Atmen nimmt. Du hast das Gefühl, dein Herz würde zerbersten und in einer Million Fetzen an die Wände klatschen und genau da kleben bleiben. Dir schießen Tränen aus den Augen und du musst schluchzen, leise nur, denn Abdul liegt auf der anderen Seite dieser hauchdünnen Wand. Ungern möchtest du, dass er die Polizei ruft, weil Töne zu ihm durchdringen, welche ein Schwein vermuten. Ein Schwein, was man soeben abschlachtet. Qiekende, nach Luft japsende Laute verlassen das Wesen. So fühlst du dich, gerade jetzt, mit deinem Herz was inzwischen an den Wänden zu kleben scheint. Dieses Gefühl, es ist so schmerzhaft und du windest dich der Qual, als all die Bilder über dir zusammenbrechen, wogegen dein Verstand sich nicht wehren kann. Eure gemeinsame Zeit läuft in rasanter Schnelligkeit in deinem inneren Auge ab. All die gemeinsamen Stunden, die Tränen, welche du mit ihm teiltest, die Glücksmomente, die dich zu ihm hinzogen. Plötzlich wechseln die Bilder, doch die Empfindung bleibt die Gleiche. Du blickst in eine Galerie aus Momenten und Gefühlen und der Durchlauf stoppt bei einer Szene, welche du bis heute verdrengt glaubtest. Ein Szenario deiner Vergangenheit:

Das Mädchen steht vor dieser bedrückend wirkenden Tür. Sie tritt von einem Bein auf das Andere. Beinahe dreißig Minuten steht sie einfach nur da. Langes, gelocktes Haar fällt ihr ins Gesicht. Ihre Arme baumeln nichtssagend und kraftlos neben ihrem Körper. Sie überlegt was sie tun soll und fixiert das Klingelschild mit seinem Namen, ihre Augen gerötet und traurig. Lange steht sie so und kann sich einfach nicht bewegen. Irgendwann jedoch drückt ihr Finger auf sein Namensschild und seine Stimme erklingt aus dem Freisprechgerät. Tief und hinreißend.

Sie räuspert sich. >>Kommst du kurz runter bitte?<< Stille am anderen Ende.

Auch er räuspert sich, >>Ähm, wer, wer ist denn da?<<

Als sie ihren Namen sagt, ist er noch immer nicht schlauer und sie bereut hier hergekommen zu sein.

Dann- endlich.. >>Ach, ach DUUU, ich ddachte schon die häässliche Aandere, die heißt auch so wie du. Oh Gggott, auf die hätte ich jetzt echt kkkeine Lust.<<, stottert er. Auch dafür liebt sie ihn. Für seine Schwächen, die keine sind.

Trotzdem will ihr Verstand sie wegtragen, von dieser Tür, welche nur Demut verspricht. Aber die Beine versagen ihr den Dienst. Also steht sie einfach nur da. Schnell öffnet sich die Tür, vor ihr der Mann, der ihr so viel bedeutet. Er schaut überrascht, als er sie sieht. Und grinst, mit diesem schiefen Grinsen, was sie so sehr liebt.

>>Was, was machst du hier!?<<

>>Wir müssen reden! Ich muss jetzt endlich wissen wieso du so arschig zu mir bist.<<

>>Iiiich, iich bin ddoch nicht aarschig zu dir. Was? Nein, das bin ich nicht.<<

Sie zählt auf, was auf der Hand liegt, wirft ihm sein Desinteresse ins Gesicht.

>>Du ignorierst mich. Sag mir Hier und Jetzt was das alles sollte, und dann wirst du mich nie wieder sehen.<<

Seine langen Beine suchen sich einen Weg zur Treppe.

>>Setz dich!<<, er seufzt. Wow. Wie nett.

>>Iiich, iich fiind dich uuuunglaublich anziehend. Aaaber, das mit uns ddas, das kann nicht funktionieren. Du hast andere Anforderungen an das Leben, wir sind zu verschieden. Du bist meinem Alter nicht gerecht. Ich hhabe jemanden kennengelernt. Vor vier Wochen. Sie ist älter als ich, und hat auch ein Kind.<<

Ihr Herz rutscht auf die eiskalte Treppe und bleibt blutend vor ihr liegen. Klasse. Happy Patchworkfamily. Fick dich, Pisser!

Er spricht weiter: >>Wwwarum tust du dir das an? Das muss doch unglaublich schmerzhaft sein!?<<

Das Mädchen kann nicht fassen, was ihre Ohren ertragen müssen. Blut tropft aus ihrem rechten Ohr und es platscht spritzend zu Boden. Tränen vermengen sich mit dem Blut. Knallig. Rot.

>>Hey, wwwwarum gehst du nicht einfach zu hier, DDdings, der steht auf dich und würde sich freuen wenn ihr was zusammen unternehmt. Fahr zu ihm! Ich weiß, der hat Haare auf der Brust, aber ist trotzdem ein Netter.<<, er lacht über seinen eigenen Witz.

Ihre Tränen haben kein Halten mehr. Mit erstickter Stimme fährt sie dazwischen.

>>Das kann ich nicht, du ARSCHLO…-,<< >>Na! Jetzt werd mal nicht gleich abwertend.<<, unterbricht er sie und grinst sein halbes Grinsen.

Das Mädchen ist so wütend und traurig. Sie weint vor ihm, aber es ist ihr egal. Sie schaut ihn verzweifelt an, in ihren Augen völlige Leere.

>>Ich kann nicht zu ihm, denn immer wenn ich ihn treffe sehe ich dich!!! Ich will nicht ihn. Ich will dich!<< Sie läuft davon, kann seinen Anblick einfach nicht mehr ertragen, natürlich muss er wieder das letzte Wort haben und ruft ihr hinterher.

>>Aaaaber, iiich seh doch gar nicht aus wie der!?<<

Das Mädchen muss lachen über seinen so bescheuerten Humor, während ihr gleichzeitig Tränen des Schmerzes und Verlustes über die Wangen rinnen. Salzige Tropfen streifen ihre Lippen. Schluchzend sinkt sie an dem Wagen, welchen sie in der Straße parkt, hinab und bricht zusammen. Der Mann ist längst durch die Tür verschwunden, ohne eine Bemühung des Aufhaltens, doch das Mädchen sitzt noch immer auf der Straße an diesem Auto. Als sie plötzlich ein Fauchen wahrnimmt schreckt sie hoch. Ein Marder mit gebleckten Zähnen schreit sie an. Ängstlich steigt sie in ihr Auto und startet den Motor. Mit quietschenden Reifen verlässt sie die Straße, in der er wohnt. Mit noch immer verschleierten Augen fährt sie ziellos durch die Gegend.

 

…..Die Bilder der Vergangenheit ziehen an dir vorüber, nie in deinem Leben wurdest du so sehr gedemütigt. Wieder ein Mann, der in einer damaligen, für dich sehr schweren Zeit, für dich da war. Wieder betraf es deinen Dad. Denn damals trennten sich deine Eltern von einander, und er war für dich da. Er war der Einzigste, der fragte wie es dir geht. Noch heute kannst du diesen Schmerz nicht vergessen. Denkst noch immer an ihn. Noch immer fragst du dich… Wieso?? Was du falsch gemacht hast. Denn du musst etwas falsch gemacht haben, ein Interesse verflüchtig sich nicht einfach so, wenn es einmal da war, ohne dass du etwas verbockt hast. All die Grausamkeiten findest du nun in ihm wieder. In ihm den Fotografen. Seine Ignoranz und seine Distanz und Abwesenheit, die schwammigen Entschuldigungen. Deine Vergangenheit holt dich ein, und du kannst nichts dagegen tun. Du kannst nichts tun gegen die Angst, die deine Kehle hochkriecht, kannst sie nicht von dir fern halten. Abartig, das Gefühl, was dich in die Ecke zwängt. Bist du gerade dabei durchzudrehen????

 ©Netti