Trotz allem was kommen wird.

Er ist mein persönlicher Teddybär. Er ist der, in den ich mich verliebt habe. Er ist der, der mir Mut gibt und Kraft. 

Ich bin aufgeregt und angetrunken und ich klingel und warte bis er durch die Freisprechanlage spricht, und der Summer ertönt. Wie immer fahre ich Fahrstuhl, denn auf Treppe habe ich keine Lust, dann bin ich wieder so rot wenn ich oben ankomme. Er wartet diesmal an der Tür, aber das sehe ich erst später, mein Kopf ist auf den Boden geneigt. „Kuhl, ist das Geld!?“, denke ich und sage es auch. Mein Blick fixiert ein gefaltetes Stück Papier auf dem Flurteppich. Dieser Flur besitzt tatsächlich einen roten Teppich. Ein Lacher aus meinem Mund und auch aus seinem. Der Teppichboden gibt dann doch keinen Lottogewinn her, sondern nur benutzte Fahrkarten. Zu dumm. Nun stehe ich ihm gegenüber und ich könnte schmelzen, zerschmelzen und sterben. Er fehlt mir so! Diese Augen. Dieser Blick. Er ist geknickt, wirkt sehr, sehr traurig. Ich gebe ihm das Shirt, sein Shirt und sage: „Hier, Dein Shirt.“ Er nimmt es und gibt mir mein Massageöl. Wir halten nun die Sachen in den Händen, die als Vorwand dienen, damit man sich bitte nochmal sieht. Er braucht das blöde Shirt nicht mehr. Auch ich brauche das Öl nicht mehr. „Magst du noch bleiben? Also… wenn du magst?“, er schaut hoffend und wartet auf meine Reaktion. Ich weiß es wie immer nicht. „Ich weiß es nicht. Ich wollt nur kurz..“ Doch eigentlich weiß ich es. Alles in mir schreit: JA, JA, JA! Ich möchte seine Nähe, sein Lachen, seinen Duft, ihn. Wir stehen uns hilflos gegenüber. >Sag was! Mach was!“<, denke ich und möchte ihn am Liebsten schlagen. Wo ist die Musik die so schnulzig Halleluja schreit, wo ist der Konfettiregen aus glitternen Herzchen, wo ist der Mann der einfach macht, ohne zu denken. Er nimmt mich in die Arme, hält mich ganz fest, beinahe bleibt mir die Luft weg zum Atmen, ich muss blinzeln, denn in meinen Augen sammeln sich Tränen. Mein Herz ist zugeschnürt so wie der Hals, ich spüre den Kloß und einen Schluchzer, den ich mühsam unterdrücke.

„Also ähm. Wenn du bisschen Sekt hast, bleib ich noch.“, jetzt lache ich doof.

„Natürlich.“, er freut sich sichtlich. Erleichtert läuft er los den Sekt holen.

Wir trinken nur ein Piccolöchen, den teilen wir uns und wir stoßen an auf was auch immer, und ich trinke, sitze ihm gegenüber und schwitze und friere, alles zusammen, es könnten noch zwei weitere Menschen zwischen uns sitzen, oder drei, so groß ist der Abstand zwischen ihm und mir, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als ihn ein letztes Mal zu berühren. 

Wir führen Smalltalk und er berichtet kurz von seinen Vorbereitungen. Er fragt wie es mir geht, aber ich wiegele ab, er soll gechillt nach Amerika fliegen, es ist mein Problem, soll nicht zu seinem werden. 

Er streichelt mich, sucht meine Nähe, streichelt mein Gesicht, schaut mir tief in meine Seele: „Wie geht es dir? Bitte sag es mir.“ Er umarmt mich, als er sieht dass ich meine Tränen nicht mehr halten kann, ich schluchze und weine Tränen. So viele davon. Auch in seinen Augen glitzert es. Er nimmt mich in den Arm und wir halten uns fest. So fest, so fest. Am Liebsten möchte ich ihn nie wieder los lassen, aber ich muss. Ich lasse ihn los und bitte ihn mir zu folgen, ich möchte ihm gern was sagen. Ich bin krank geschrieben, schon eine Weile. Und er sollte erfahren was mit mir los ist. Dass ich kein gebrochenes Bein habe, das kann er ja sehen.

Wir sitzen auf dem Balkon und schauen in den Sternenhimmel, während ich Tränen und Schmerz in den Himmel puste. Dann beginne ich zu erzählen. Er nimmt mich in den Arm, hört mir zu und macht mir Mut. Er hat vollstes Verständnis und er ist das was ich mir schon immer gewünscht habe, ein Mann der mir zuhört, ein Mann der mich begehrt, ein Mann der meine Schwächen sieht und damit umgehen kann. Ein Mann der fühlt und es auch zeigen kann. Ich berichte ihm den Großteil der mich bewegt, und ich erzähle ihm mein Vorhaben. Meine Entscheidung die ich treffen musste. Für mich. Ich treffe auf sein vollstes Verständnis. „Das schaffst du. Du bist doch so stark!!“

Wir schauen den stummen TV-Bildschirm an und hören nebenbei Musik. Er sucht meine Nähe, doch ich kann mich ihm nicht öffnen, bin krampfig und verletzbar. Er streichelt meinen Rücken, meine Hände, küsst meinen Nacken und streichelt mein Gesicht, wischt die Tropfen weg, die heiß zu Boden perlen. Er schaut mir in die Augen, fragt: „Darf ich dich küssen, bitte?“ Wir küssen uns zwischen den Tränen, die meinen Mund benetzen und wir schmecken eine salzige Mischung aus Hoffnung und Glaube. Ich glaube, jetzt gerade glaube ich, dass das nur echt sein kann, und bleiben wird, egal wie alles ausgeht. Er fragt ob er mich massieren darf, er möchte mir so gern etwas Gutes tun. Nach meiner Zustimmung holt er das Massageöl und ich ziehe mir das Oberteil über den Kopf. Seine langen Finger streichen über meinen kleinen Rücken. Er streichelt mich, und verteilt das warm duftende Öl auf meinem Rücken. Seine Hände kneten kräftige Massagebewegungen und lassen mich für einen Bruchteil vergessen. Sorgen, Anspannungen Ängste, ich kann mich locker machen. Kurz abschalten. Er küsst mich und verteilt am ganzen Körper einen kleinen Wärmehauch. Er küsst meine Wange, meinen Hals, mich. Ich richte mich auf, küsse ihn gierig und heiß, während mich inniges Verlangen durchströmt. Ich setze mich auf ihn und er hebt mich an und hoch, trägt mich küssend ins Schlafzimmer und setzt mich sorgsam ab: „Bitte versuch zu entspannen.“ Er macht mich soso glücklich.

Noch als ich ihn leicht stöhnend auf mir spüre, und er mich überall mit Küssen bedeckt, weil auch ich ihn soso glücklich mache, fange ich an mit Beben, denn ein Schluchzer den ich nun nicht länger unterdrücken kann, verlässt meinen Mund. Ich zittere und schluchze und weine und entschuldige mich dafür. Ich weine während er auf mir liegt und er streichelt mein Gesicht, küsst mich auf den Mund, auf die Wange und auf den Kopf immer und immer wieder, so lange bis die Tränen verebben. Er umarmt mich lange während wir uns schweigend in den Armen liegen, damit mein Herz und mein Puls sich wieder beruhigen kann.

Er zwingt mich zum Essen und ich sehe seine lauten Gedanken die aber nicht sprechen zu mir, sondern schweigen. Sein Blick geht ins Leere. „Was denkst du jetzt von mir?“, möchte ich am Liebsten fragen, „Hältst du mich für bekloppt?“

Ich ziehe mich an und mache mich bereit für den Abschied, einen Abschied für immer? Wir stehen uns gegenüber, nur halb lächelnd und ich frage: „Meldest du dich wenn du wieder zurück in Deutschland bist?“ Er schaut mich an, verwirrt, geschockt, traurig. „Natürlich melde ich mich!“, er schweigt kurz, fügt an: „Ich melde mich auch schon früher, wenn du magst, wenn das okay für dich ist!?“

„Ich weiß nicht.“, sage ich, weil ich es einfach nicht weiß. „Ich meld mich morgen!“, sagt er und ich nicke und möchte gern daran glauben.

„Du schaffst das. WIR schaffen das.“, korrigiert er und betont das wir. Dann küsst er mich auf den Mund.

Das verstehe ich nicht. Aber ich habe auch keine Kraft mehr um zu  fragen und zu verstehen. Ich habe überhaupt gar keine Kraft mehr. Ich bin ausgebrannt und kann zum ersten Mal Menschen nachempfinden, die es auch sind, ich kann fühlen dass das Fühlen zur Qual wird und das Denken einen Punkt erreicht an dem es kein Vor gibt, und kein Zurück.

Es liegt jetzt an mir Stärke zu beweisen. Und zu kämpfen. Auch wenn es harte Arbeit wird. Verdammt hart.

©Thomas Woischnig/Bild

Mein herzlicher Dank geht an Thomas Woischnig, für die Nutzungserlaubnis seiner Fotografie.

©Netti/Text  

Zweifelsohne.

„Ich koch was. 18 Uhr. Bei mir. Lecker Dessert gibt es auch. Lass uns gemeinsam speisen, wenn du magst. Wenn nicht, auch gut, bleibt mehr für mich.“, das habe ich gesagt zu ihm, um die Barriere die sich zu bilden beginnt, zwischen uns, zu zerbrechen. 

Ich und kochen, das kann ja nichts werden, denke ich, als ich hektisch eine Gratinsauce anrühre, während die Nudeln vor sich hinkochen. Das Dessert! Apfelsinen die ich filetiere, Naturjoghurt mit zerschmolzener Schokolade, Puderzucker, alles vermengen-fertsch! Wer hier nicht zerschmelzt, ist selber Schuld. Ich selber zerschmelze im Gedanken an ihn. So wie der Käse über dem Nudel-Gratin im Ofen. 

Wie schlimm wird er das Wohnhaus finden? Wie schlimm diese Wohnung, dessen Risse die Tapete zieren? Unzählige Adern sprießen an der Wand entlang und enthüllen Zeiten impulsiver Momente. Splitterndes Glas an der Wand, zersplittert am Boden, kaputt, entzwei. Doch beseitigt all die Narben und Scherben, aufgeräumt und sortiert. 

Überlegt streiche ich über meine Bücher, CD’s, DVDs. Kurzerhand frage ich mich ob ich ausmisten sollte, jetzt, bevor es klingelt. Meine Finger berühren den Buchrücken. 

„Wie gewinne ich das Herz eines Mannes!“ 

Lächerlich. Und albern. Und auch verzweifelt. Genauso der Inhalt dieses Buches. Basierend auf Spielchen, dessen Regeln ich niemals verstehen, niemals anwenden werde, um zu gefallen. Spielchen und Macht. Blödsinn.

Ich stopfe das Buch in ein Schubfach meiner Anbauwand. Das muss er nicht sehen. Vielleicht werfe ich es wirklich noch weg. 

Fragend stehe ich vor meinem Kleiderschrank. Überquellende Kleider, Hosen, Röcke. Kaum getragen, neu, fast neu. Da ist so viel und doch ist da nichts. Wie viel von dem bin ich!? Ich entscheide mich für den Wohlfühllook. Lässig-elegant.

Zerschmelze! Verführ‘ mich! Lieb‘ mich!

So wie ich bin.

Ich suche nach Fusseln und Krümeln am Boden, nach Narben und Masken im Gesicht. Die Worte seiner Zweifel in meinem Ohr. Die können nicht dein Ernst sein. Oder? Oder!? Das Herz klopft. Ich bin aufgeregt. 

Es klingelt. Laut. Und schellend.

Kurz atme ich ein und aus, und erinnere den letzten Besuch, vor eben dieser Tür. Ein Gegenüberstehen zwischen ihm, den Fotografen, und mir. Seine Augen ausdruckslos. Leer. Ohne Reue. Da war Gleichgültigkeit, Hass. An mich? Oder sich selbst gerichtet?

Ich öffne die Tür. Und blicke in strahlende Augen und ein umwerfendes Lächeln. Alles in mir schreit und verzehrt sich. Nach ihm und seiner Nähe. Doch der Fotograf ist es nicht. 

Ich schließe die Tür von innen und möchte etwas sagen, die schreckliche Wohngegend entschuldigend, doch die Worte bleiben ungesprochen. Seine Lippen treffen auf meine. Leidenschaftlich. Und bebend.

©Netti

Flügelschlagen im Bauch.

Dieser Mann, der Schmetterlinge verteilen lässt, im Bauch und nicht nur da. Da ist Glück, welches sich ausbreitet im Kopf und Verstand, im Denken und Handeln. Die Schmetterlinge toben und flattern, wissen gar nicht wohin, sie knallen gegeneinander vor Aufregung und Nervosität. Nähe, so viel Nähe, dazwischen Hitze und Leidenschaft. Glück über die Chemie, die so wunderbar übereinstimmt. Dem Mund umspielt ein Lachen. Echte Münder. Echte Freude. Augen, die lachen, zusammen mit dem Mund. Keine getragenen Masken, um sich zu schützen. Dafür Küsse, welche ineinander verschmelzen, eins werdend. Die Schmetterlinge im Bauch sind kirre im Kopf, und gehen beinahe kaputt vor so viel. Vor so viel Glücksempfinden. 

Hin und wieder jedoch fürchten sie sich, die Schmetterlinge im Bauch. Dann halten sie inne, erstarren in ihren Bewegungen, blicken furchtsam um sich und erwarten Motten, welche ihren Platz einnehmen. Doch da sind keine. Eigentlich sind da keine.

©Netti

Laut. Leise. Aus.

Es gibt laute Freunde und es gibt leise Freunde. 

Die lauten Freunde, die machen Krawall und schreiben oder telefonieren oft, auch du meldest dich oft, zumindest versuchst du das. Dann hast du die Krachmacher ein bisschen besser im Griff, und ihr könnt gemeinsam Krach machen. Laute Musik hören. Your my Heart your my Soul. Mit Konfetti schmeißen und ordentlich auf die Trommel eindreschen, so lange bis beinahe das Trommelfell platzt. Daher kommt also der Name, klingt logisch, irgendwie. Die Lauten sind auch immer da. Mit denen hat man Spaß. Manchmal auch beim Gammeln. Du schätzt sie sehr.

Die Leisen melden sich manchmal wochenlang nicht, gar nicht, monatelang hörst du nichts von ihnen. Aber auch sie hören nichts von dir, es wäre jedes geschriebene Wort zu viel und jedes gesprochene Wort nur Zwang, und doch weißt du dass sie immer da sind, denn Verlass ist immer. Irgendwann hört ihr euch ja wieder. Manchmal früher, manchmal später. Du schätzt sie sehr. 

Dann gab es auch noch die Stillen. Die haben weder geschrieben noch gesprochen, und auch gesehen hast du sie nie. Aber trotzdem waren sie irgendwie da. Im Speicher des Handys. Im Speicher des Hirns. Unvergessen. Noch immer präsent, im stillen Kämmerlein der Gedanken und Erinnerungen, schön waren sie, diese Momente. Anfangs lärmend, Treffen, Nachrichten, ein reger Austausch, dann geräuschlos, keine Treffen, keine Nachrichten, Stille, ein geräuschloses Vergessen was man einfach so hinnimmt, hinnehmen muss, keine Entschuldigungen, kein Alles Liebe für dich. Vielleicht war man auch selber nicht ganz unschuldig daran, hat man doch zu sehr am Lautstärkeregler gedreht, statt lauter leiser gestellt, immer wieder laut, leise, laut, leise, bis gar kein Ton mehr kam, kaputtgespielt. Ein kaputtes Gerät ist zu nichts mehr zu gebrauchen. 

Das ist wie mit der Liebe, die ist auch zu nichts zu gebrauchen, wenn sie erstmal kaputt ist, auch wenn man etwas reparieren kann, ist doch das Wissen da, dass es einst kaputt war, und im nächsten Augenblick bereits wieder kaputt gehen kann. 

Das ist wie mit dem Vertrauen. 

Das ist wie mit der Hoffnung. 

Das ist wie mit dem Glauben. Kaputt ist kaputt. 

Das ist wie mit… 

dem Verlangen? Kaputt ist kaputt ist kaputt ist kaputt? Merken.
Merken kannst du dir das nicht.

©Netti

Die Distanz der Nähe.

Es ist spät. Vielleicht sogar nach Mitternacht. Du liegst auf der Couch. Noah sitzt neben dir. Gelangweilt von dem Twilight Film fällst du in einen traumlosen Schlaf. Nichts bekommst du mehr mit.

Er scheint die Chance zu nutzen, berührt dich, streichelt dich. Am Rücken von oben nach unten die Wirbelsäule entlang und fährt mit dem Finger den Bund der Hose nach, ganz sacht.
Dann wirst du wach. Geschockt reißt du die Augen auf, was er ja nicht sehen kann und hältst die Luft an. Eigentlich ist es ja schön. Du genießt es sehr. Er ist so zärtlich. Und ein paar Streicheleinheiten würden ja nichts bedeuten. Irgendwann döst du wieder weg und du wachst erst wieder auf, als du seine Hände auf deiner Brust spürst. Er liegt hinter dir, du vor ihm. Der Film ist längst zu Ende und es ist dunkel. Nur das Flimmern des Fernsehkastens und zwei klopfende Herzen, die im Takt zueinander schlagen. Er berührt dich weiterhin am Bauch, tastet sich zu deinen Brüsten vor, berührt sie sanft. Er knetet sie leicht und stöhnt. Es macht Lust auf mehr, mehr, mehr. Er stöhnt dir in dein Ohr, presst seinen Körper an den deinen. Ihr werdet wild und hektisch. Noah zieht dir die Hose ruckartig aus. Reißt dir deine Jacke von dem Körper.
Jetzt trägst du nur noch Slip und Shirt. Er selbst ist noch vollständig bekleidet. Als du so entkleidet bist, deine Nacktheit spürst, gehen dir plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf. Sie wirbeln um dich herum und kommen nicht zum Stillstand. Du kannst sie nicht halten, schon gar nicht verdrengen. Du denkst alles und nichts. Der Genuss und die Lust weicht über in Panik. Es passiert genau, was du nicht erreichen willst.

Denn was du willst ist eine ganz normale Freundschaft zwischen Mann und Frau. Glaubst du. Ärgerlich versuchst du abzuschalten und Spaß zu haben, loszulassen, doch es gelingt dir nicht. Noah versucht dich zu küssen, aber du drehst den Kopf weg.
Also wendet er sich deiner Gesichtshälfte zu, atmet in dein Ohr, erst leise, dann wird sein Stöhnen deutlicher, lauter und fordernder. Er drängt dich an die Lehne des Sofas, hält deine Hände über deinen Kopf fest umklammert und lässt dich nicht los. Seine Zunge umspielt dein Ohr und versinkt sich dann darin. In dir drin beginnt es zu pulsieren. Lustwellen umspielen dich und sein erigiertes Glied zuckt lustvoll an deinem Körper. Du beginnst zu zerschmelzen, doch gleichzeitig versuchst du dagegen anzukämpfen.

Dich zu wehren. Es ist ein Kampf mit deinem Inneren. Du reißt dich von ihm los und springst blitzschnell auf.
Einerseits willst du ihn spüren, andererseits willst du es nicht.
Was ist nur los mit dir????
Du verstehst nicht und auch er sieht dich mit seinem Hundeblick fragend an. Verwirrt, durcheinander, verletzt, wütend und enttäuscht.
Du bist den Tränen nahe und du weißt, dass er mehr möchte, mehr als nur körperliche Nähe, auch du sehnst dich in Wirklichkeit nach mehr, kannst es nur nicht fassen, nicht halten, möchtest es von dir schieben, ganz weit weg.

„Was ist denn jetzt mit dir los?“, er verlangt eine Antwort. Seine Augen hoffenden Ausdruckes.

„Es tut mir Leid! Ich kann nicht! Man, verdammt ich will keine Beziehung mit dir, begreif das doch mal!“ , schreist du ihm schluchzend ins Gesicht.

„Davon war doch jetzt gar nicht die Rede!“ ,schreit er zurück, „Mensch, lass dich doch einfach mal fallen! Lass dich gehen! Du willst es doch auch!!? Du hast es doch genossen, oder nicht!?“

Das ist dir alles schon wieder zu viel. Tränen rinnen dir über das Gesicht und du musst schluchzen. Du siehst ihn an. „Tut mir Leid, ich muss jetzt sofort hier weg!“ Du stürmst aus der Tür, schnappst deine Sachen im Flur und lässt ihn einfach so stehen. Die Haustür fällt krachend ins Schloss.

©Netti

Brief der Erinnerung

Lieber Fotograf,

Plötzlich weiß ich wieder wie sie klingen, deine Worte in meinem Ohr. Mit einem Schlag ist sie mir wieder so present, deine Stimme die so melodiös und tief in mein Innerstes dringt. Der tiefe, erotische Klang der mich kitzelt in meinem Herzen und nicht nur da, mein Körper spannt sich an, wenn ich daran denke wie du mich berührst, mit deinen Worten, jede einzelne Haare meines Körpers stellt sich auf. Dein Lachen welches deinen Mund verlässt, so herzlich, so echt. So echt, wie du neben mir gelegen bist, deine zärtlichen Hände streichelten vorsichtig meine Haut, deine Finger fuhren sanft über meinen Arm. Mein Herz hüpfte vor Freude und Aufregung. Dennoch verließen stumme Tränen der Trauer meine Augen. Wenn ich daran zurückdenke möchte ich mich verfluchen dafür, ich war dir so nah und gleichzeitig war ich es nicht. Deine wunderschönen Augen blickten mich beruhigend an, sie sprachen eine Sprache für sich, und doch spendeten sie mir unglaublichen Trost, unbezahlbaren Trost, dem ich dir so dankbar war. Du nahmst mich in deine starken Arme, deine großen Hände legten sich schützend um meinen Körper. Ich konnte deinen schnellen Herzschlag spüren, oder war es nur der meine, der sich auf dich übertrug? Zu gerne möchte ich die Zeit zurückdrehen, und die Tränen ungeweint machen.

Wir beide im Bett, nebeneinander,stundenlang schauen wir uns einfach nur an. Meine Hand welche sich einen Weg zu deiner Wange sucht um jeden Zentimeter deines Gesichtes zu erfühlen, nur die leichte Beleuchtung der Straßenlampe lässt einen Teil deines Gesichtes erahnen, doch im Geiste sehe ich dich komplett vor mir, mit all deinen Zügen, all deinen Malen und all deinem Glanz. Meine Hände fahren sanft über deine Augenbrauen entlang, vorsichtig und sacht, mit einem leichten Schleier der Zurückhaltung und Unterlassung, berührt mich dein Blick auf meinem Körper. Ein innerlicher Kampf. Sanft streiche ich mit meinen Fingern deine Arme entlang, deine Härchen stellen sich auf, und ich kann deine Gänsehaut sehen. Nun ist meine Hand an deinem Bauch, deiner Brust, liebevoll berühre ich deine Brustwarze. Kreisend umspielen meine Finger deine männliche Brust. Ich schiebe meinen Körper näher an den deinen, mich umgibt eine Welle der Lust. Noch immer machst du keine Anstalten dich zu rühren, doch ich höre deinen Herzschlag, der sich so laut an meine Hände drückt, du schluckst, dass kann ich sehen während dein Adamsapfel auf und ab hüpft, nur kurz, doch das ist mir nicht entgangen. Dein Duft hüllt mich in eine Wolke aus Lust und Anziehung. Ich verzehre mich so sehr nach dir! Meine Hände setzen ihren Weg fort, sie wandern nun weiter bis zu dem Bund deiner Shorts. Sanft fahre ich den Bund nach und schiebe meinen Finger nur minimal darunter, so dass du leicht zusammenzuckst. Habe ich dich mit der Hitze meiner Fingerspitze verbrannt? Ein leiser Laut entweicht aus deiner Kehle, den ich nicht zu deuten vermag, doch urplötzlich umgreifst du meinen so zierlichen und kleinen Körper mit deinen starken, beschützenden Händen. Nun liegst du über mir, deine Hände packen meine Arme und drücken sie an das Bettgestell,  ich spüre deine Lust, dein angespannter Körper drückt sich haltlos an den meinen. Du küsst mich. Atemlos. Gierig. Fordernd dringt deine Zunge in mich ein und umspielt meine Zunge mit stupsenden Bewegungen. Ich intensiviere den Kuss, indem ich sanft deine Unterlippe beiße, uns entweicht ein leises Stöhnen.

Die Fantasie ist ein Arschloch, wenn es um unterdrückte Gefühle geht! Hast du eine Ahnung, was du mit dem einen Kuss, damals, auf meiner Couch, in mir zum Rollen gebracht hast? Kannst du auch nur erahnen, was das in mir losgelöst hat? Ich fühlte mich schwerelos, wie eine Feder im Wind, dahinschwebend, egal wohin, hauptsache mit dir. Du hast mich so tief berührt wie schon lang keiner mehr. Dein Kuss schmeckte nach Leidenschaft, nach Geben wollen und nicht nur nehmen, er schmeckte nach Hoffnung und Herzrasen, doch mit einem Schlag kam die Bitterkeit und ich schmeckte Hass und Zerstörung, Wut und Berechnung. Und dann ein Splittern. Mein Herz zerbrach in 1000 Scherben, ein Teil davon bohrte sich in dein Gesicht, denn plötzlich verzog es sich zu einer verbitterten Grimasse.

Von diesem Anblick habe ich mich noch immer nicht erholt, noch immer bin ich nicht genesen von dieser herausgepressten Wut, wusstest du, dass die Wut, die du aussendest, auf dich selber zurückschiesst? Ich hätte auch am Liebsten geschossen, nicht mit Wut sondern mit kleinen Pfeilen der Vernichtung. So sehr hast du mich getroffen! Die Welt hat aufgehört, in dem Moment, sich für mich zu drehen. Das war rücksichtslos, von dir, denn auf einer Erde die sich nicht dreht kannst auch du nicht existieren, wusstest du das? Du hast dir somit dein eigenes Grab geschaufelt, auch wenn du der Erde dann gnädiger Weise einen Schubs des Wiederantriebs verpasst hast, ist sie doch aus dem Ruder geraten, besonders für dich. Also bedenke, mein Freund, was du tust, immer! Denn das Gute wie das Schlechte, es kommt alles zurück! Das Pech, und das Glück!

Dennoch vergeht kein Tag, andem ich nicht an dich denke. Ich frage mich wo du bist, und was du machst. Frage mich, ob du noch lachen kannst, so herzlich und echt, wie du mir dein Lachen schenktest. Oder hast du vielleicht verlernt wie man lacht? Ich könnte es dir nicht verdenken. Verschwendest du auch nur einen einzigsten Gedanken an mich? Immermal wieder erwische ich mich dabei wie ich dein Profil aufrufe, dann betrachte ich stundenlang dein Gesicht, ich zoome es ganz nah an mich heran, so nah dass ich deinen Mund beinahe berühren könnte, dich schmecken könnte und fühlen. Deine Augen, wie sie fast schon leer in die Kamera blicken, das ist die Stelle an der mir eine Gänsehaut über den Rücken fährt, weil die Augen mich genauso anblickten, als du sagtest ich solle mich nicht verlieben, in dich. Es ist zu spät. War es schon seit dem verdammten Fahrradunfall, und einmal mehr verfluche ich dich für deine Heldentat. Hättest du auch da nicht einfach selbstsüchtig handeln können? So wie in allem was daraufhin folgte? Du bist das allergrößte Arschloch in das ich mich je verlieben musste, und dafür hasse ich dich.

Ich hasse dich dafür, dass es mir trotzallem nicht egal ist, wie es dir jetzt geht. Und ich hasse dich dafür, dass du mich einfach so hast stehen lassen, vor meiner eigenen Tür, die ich vor deiner Nase zuschlug, um mich zu schützen.

Damals wollte ich dass du bleibst.

Heute möchte ich dass du gehst. Verschwinde!  Aus meinem Kopf! Aus meinem Herzen! Du hast dadrin nichts verloren.

©Netti

 

 

SprungHerz

Du musst schon wieder nur an ihn denken, an ihn, den Fotografen. Bald ist Silvester. Bald trefft ihr euch wieder. Wenn du dich bis dahin nicht in Luft aufgelöst hast, vor lauter Nervosität und Aufregung. Dein Herz springt Springseil. Schon jetzt! Auch wenn er nur zu dir kommen will, damit du nicht alleine auf der Couch pflocken musst, hoffst du trotzdem ein wenig, dass er zu dir kommt, weil er dich gern sehen möchte, um seine Zeit mit dir zu verbringen. Es wundert dich, dass sich immer wieder Hoffnung aufbauen kann, in dir und deinem schon verkrüppelten Herzen. Um daraufhin doch wieder zerstört zu werden. Immer wieder. Neu. Bis zum nächsten Hoffnungsschimmer. Warum macht der Mensch sich immerzu etwas vor? Warum klammert er sich an Fantasievorstellungen? Wozu soll das gut sein? 

©Netti