Hab kurz an dich gedacht.

Du musstest sie füllen, diese Leere in dir, die Wut und den Drang ihm zu schreiben, denn das hätte gar nichts gebracht.

Deine Gedanken schweiften also urplötzlich um zu ihm, den Fotografen, immer mal wieder taucht ein Bild von ihm auf, platziert sich in deinem Kopf. Lang ist es her. So richtige Wut ihm gegenüber hast du nie empfunden, nur unendliche Traurigkeit darüber, wie das mit ihm und dir letztendlich ausging. Heute könnte dein Verständnis ihm gegenüber größer nicht sein. Du kannst dich in ihn reinfühlen, weißt nun wie er sich fühlte damals, wie es ihm ging. Auch du warst und bist in einer ähnlichen Situation. Dir ist klar geworden, dass man manchmal nichts für sein Handeln kann, wenn der Kopf eine Sprache spricht, die man selber nicht versteht. Trotzdem hättest du dir gewünscht, dass er sich dir anvertraut, aber er konnte nicht, das verstehst du, immerhin kannte er dich nicht gut, verlor das Vertrauen in die Menschen und letztendlich Sich selbst. Du denkst an ihn, und musst ihm folgen diesem Impuls, denn dich interessiert gerade sehr wie es ihm geht, was er so macht, ob alles gut ist bei ihm. Du schreibst und schickst ab, ohne zu bereuen. Du erwartest nichts. Kurze Zeit später eine Antwort, von ihm, den Fotografen. Er sei überrascht, dich zu lesen, er dachte er höre nie wieder etwas von dir. Kurz bist du verwirrt über diese Aussage. War es eine Frage mit einem Punkt, oder eine versteckte Anschuldigung, ein verstecktes Ausrufezeichen, was eigentlich meint: „Du solltest doch nicht..!“ Dein kurzes Unbehagen darüber verdrängst du und siehst es als das an was es ist: Eine schlichte, harmlose Feststellung ohne Unterton. Du hast so viele Fragen und endlich darfst du wissen wie es ihm geht, du bist froh zu hören dass seine Nachricht so positiv ausfällt. Es geht ihm gut! Ziemlich gut! Ihr sprecht nicht über das Vergangene, es ist vergangen gehört nicht mehr ins Hier und Jetzt. Er möchte viel wissen von dir, klingt ehrlich interessiert. Du erzählst nur die die halbe Wahrheit. Es geht dir ja gut, vergangenes muss er nicht wissen, du hättest Angst, dass er sich sonst zu viele Gedanken macht, als Kopfmensch so wie du weißt, möchtest du nicht riskieren ihn runterzuziehen. Es ist vorbei.

Seine Entschuldigung überrascht dich. Und es ist schön, dass ihr die alte Wunde heilen lassen könnt. Auch wenn du nie böse warst, nur ein bisschen verletzt über seinen Abgang bist du froh, dass er einsichtig ist. Du nimmst seine Entschuldigung an, was ihn freut. 

Schade, dass nicht alles was kein positives Ende nahm in deinem Leben, wieder gut gemacht  werden kann. Es gehören zwei einsichtige Parteien dazu, aber leider gibt es die nicht immer. Oftmals kam man dir im Falle einer Aussprache mit Pöpeleien, Ignoranz oder Feigheit. Aber es ist dir wichtig dass du zumindest versucht hast das was war aus der Welt zu schaffen, damit die Wogen geglättet, und Altlasten abgewurfen werden konnten. Auch wenn es in diesem Fall keine Aussprache war, die der Fotograf mit dir führte, bat er dich um Vergebung. Und dass du diese auch Annehmen konntest bedeutet dir so unglaublich viel. 

Nach dieser Konversation per WhatsApp fühltest du dich ein Stück weit entlastet. Es würde das Leben so viel leichter machen, wenn wir öfters den Mut hätten um Verzeihung zu bitten und vergeben könnten, auch wenn man sich nicht sofort dazu in der Lage sieht, bleibt es einem Selbst doch frei zu entscheiden wann es möglich ist. 

Schade, dass nicht alle so viel Größe besitzen. Der Fotograf hat dir hiermit erneut bewiesen dass er ein Herz hat, auch wenn er selbst es damals nicht mehr spüren konnte. Du bist froh, dass du dich nicht in ihm getäuscht hast und dein Menschenverstand zumindest einmal im Leben seinen gesunden Dienst erwies.

Gehab dich wohl, lieber Fotograf.

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Mal wieder nur ein Schmerz der bleibt. 

Weil Worte verlogene Schweine sind. 

Manchmal ist man gezwungen. Gezwungen los zu lassen. Gezwungen zu vergessen. Da ist der Schutzwall den du mühevoll hast zerfallen lassen, einfach weg. Der ist weg denn du spürst da plötzlich wieder das was du eigentlich meiden wolltest. Schmerz. 

>>Bevor du etwas bekommst musst du auch immer erstmal etwas geben.<<, sagt deine Freundin zu dir, als du ihr alles erzählst. Alles was war und ist, zwischen ihm und dir.

Sie kennt dich. Sie weiß wie du bist. Dass du gern viel hättest, selber aber kaum geben kannst, nicht weil du nicht willst, sondern weil du nicht kannst. Oftmals verstecktest du dich in deinem Panzer um sicher zu sein, vor dem Schmerz der folgen könnte.

Was aber wenn du nun gegeben hast. Zu viel Gefühl. Zu viel Hoffnung. Wenn du gegeben hast ohne zu bekommen, weil dein Instinkt dir sagte da stimmt was nicht. Aber was. Was stimmt denn nicht mit dem!? Wie also ist es möglich den Schutzwall wieder aufzubauen, die Mauer die du dir einst so akkurat und sorgfältig aufgestellt hast!? Und wie oft muss man immer wieder von vorne beginnen? Wie oft muss man tatsächlich geben um auch zu bekommen!? Vertrauen. Glaube. Liebe.

Gerade ist da keine Hoffnung nur der Schmerz der dir sagt dass du einfach nicht genug bist. Nicht genug um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nicht genug vielleicht sogar treu zu sein. 
Nachrichten wieder nur Nachrichten. Wischiwaschi. Schwammige Aussagen. Kein Ich mag dich. Kein Lass es uns wenigstens versuchen. Zu feige?

Kein Gefühl mehr intensivieren. Sagt er.

Aus Angst dass das Vermissen umso größer wird.

Nichts mehr aufbauen.

Nur die Couch und DVDs zum schauen. Quasi, so verstehst du diesen Wischiwaschi Text.

Film schauen.

Kontakt über das Jahr eher nicht. Zur Beziehung nicht bereit. All das liest du aus dieser schwammigen Mitteilung heraus.

Es kommt dir komisch vor. Es klingt zu sehr als komme ihm Amerika gerade sehr gelegen. Eine gute Ausrede. Kontaktabbruch erst wenn er fährt das möchtest du nicht. Das kannst du nicht. Selbst das zu schmerzhaft. Du musst es zerschneiden das Band was dich an ihn zu halten suchte. Und du musst aufhören immer Dinge schönzureden. Wenn Cut dann Cut sofort. Findest du.

Denn schön ist nur das Vergessen, was den Schmerz in Luft auflöst. Wenn es denn gelingt.

Adé. Sagen die Leute.

 Adé. Sagt die Zeit, und das Jahr was gar nicht schnell vergehen wird. 

Denn du wirst denken hier und da, nur an ihn. 

©Netti

Far away, die Sicht auf ein Wiedersehen.

Potter ist nicht mehr im Lande. Natürlich nicht. Du musstest ihm absagen, die Gelegenheit auf ein erneutes Treffen mit ihm wurde im Sande erstickt, von der Arbeit welche dir die Luft zum Atmen nimmt. 

Dabei wolltest du ihn gern sehen.

Ihn gern küssen, wie einst.

Du wolltest mal wieder unbeschwert mit ihm Lachen, einfach den Moment empfinden, abseits von Arbeit und stressigen Menschen um dich herum.

Potter nahm es gelassen.

Du nicht, innerlich warst du am Platzen. Gereizt, genervt und auf 180. Aus der Traum von einem Kuss der schon zu lang zurückliegt. 

„Wolltest du nicht herziehen?“, fällt dir wieder ein.

„Mit der Suche musste ich stoppen.“, schreibt er.

„Zu viel Finanzamtrückzahlungen. Aber aktuell suche ich wieder. 

Dann können wir uns ganz oft treffen, uns verlieben und ein richtiges Paar werden.“, schreibt er.

Ähem, hustest du, aber schreibst es nicht. Jah nee, ist klar.

„Dann mach halt hinne, mit der Wohnungssuche. Weißt ja. Verlieben und so..!“, schreibst du ihm, noch bevor er es wieder vergessen haben könnte.

©Netti

Eigentlich.

Eigentlich fandest du ihn ziemlich cool.

Eigentlich fandest du ihn echt sympathisch.

Eigentlich war er charmant, witzig, und ehrlich.

Du  hast über seine Witze gelacht, eigentlich waren sie zum Brüllen. Zum Wegschmeißen.

Eigentlich dachtest du: Du und er. Das wird ganz großes Kino. Daumenkino. Wenn man so will. In 3D, vielleicht.

Eigentlich wirkten seine Augen fröhlich und echt, authentisch und interessiert.

Eigentlich hattest du Interesse daran ihn wieder zu sehen.

Eigentlich wolltest du ihn einfach nur kennen lernen.

Eigentlich hat er nur von sich gesprochen, und wenn er etwas fragte hattest du gerade mal zwei Sekunden Zeit um zu antworten. Dann piepste der Timer und er war schon wieder im nächsten Gedanken. Bei sich.

Eigentlich stört dich das nicht. Du hörst gern zu.

Eigentlich hattest du zu Beginn ein gutes Gefühl.

Eigentlich täuscht dich dein Gefühl nie.

Eigentlich gingen sie dir auf die Nerven, seine Nachrichten, die immer nur von sich sprachen. Eine nach der Anderen. Mit Halbherzigkeiten um sich werfend.

Eigentlich hast du nicht darauf gehofft, dass er nochmal fragen wird, nach einem Treffen, denn nach drei Tagen war das Gefühl schon kein gutes mehr. Von sich aus fragte er nicht.

Eigentlich merkst du wenn etwas komisch ist. Man hat dann einen Instikt, und der meldet sich zu Wort, eigentlich.

Eigentlich weißt du dass es nichts bringt sich Sachen schön zu reden, sich zu entschuldigen, für ihn, sich Entschuldigungen auszudenken, die sein Verhalten entschuldigen.

Er ist bestimmt krank.

Hat viel zu tun. Einfach keine Zeit für dich.

Er ist verreist. 

Oder armamputiert, deswegen kann er keine Nachrichten mehr tippen.

Er hat seine Stimme verloren, weswegen er auch nicht anrufen kann, und auch das Handy ist verloren, er hat es beim Kacken in der Toilettenschüssel versenkt und ausversehen runter gespült, zusammen mit dem Dünnschiss, den er immer schrieb. An dich.

Oder er ist gestorben.

Eigentlich ist er das auch. Für dich.

Du schaust im WhatsApp nach ob er online ist. Aber eigentlich siehst du das ja eh nicht, du hast diesen Stalkingscheiß abgestellt. Trotzdem siehst du dass er gerade online ist. Und dann siehst du plötzlich nichts mehr.

Eigentlich. Denn sein Bild siehst du noch immer. Affig irgendwie, dieses Bild. Aber eigentlich ist es das nicht.

Eigentlich geht dir das total auf die Nerven, das WhatsApp, dieser Typ, die Gedanken.

Eigentlich regt dich das nur so auf, weil der nicht mehr halbherzigen Müll schreibt, noch vor drei Tagen hatte er ganz ausversehen zwei falsche Socken an, eine war grün gepunktet, die andere blau gestreift, besser halbherzig als gar nichts, eigentlich, denkst du dir.

Aber eigentlich ist das auch wieder scheiße, denn halbherzig ist nur so halb und halb und nicht ganz und eigentlich ist das ganz schön blöd.

Eigentlich ist es an der Zeit die Nummer zu löschen. Also löschst du sie. (Nicht ohne sie dir vorher zu notieren, denn eigentlich hoffst glaubst du dass du sie nochmal wirst brauchen können.)

Eigentlich fühlt sich das echt gut an. Du bist sowas von konsequent und so sehr taff. Wahnsinn.

Trotzdem schaust du auf dein Telefon und wunderst dich, was das alles sollte, denn eigentlich war das so nicht geplant.

Aber du bist froh, dass du ihn los bist. 

Eigentlich.


©Netti

…Wenn das Herzl aus der Starre erwacht. 2/2

Wie es begann…………

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft- Es setzt aus. 1/2

 

Noch immer kannst du es einfach nicht fassen, diese Dreistigkeit. Du kannst nicht fassen wie sehr man dir ins Gesicht lügen kann. Sein Bild auf dieser „Liebes“-App. Eindeutig er. Er, der Fotograf. Du kennst ihn, ihn und dieses Bild, was er auch im Whats App zur Schau stellt. Im „Suchfeld“ hast du deine Heimatstadt eingegeben. Von ihm persönlich weißt du, dass er umziehen wollte. Eigentlich. Eigentlich schon seit gestern. Viel mehr seit nun mittlerweile 4 Monaten. Und zwar weg. Weit weg. Weg aus deinem Sichtfeld. Weg von deinem Empfinden. Warum ist er also noch immer hier!? Und warum trifft man ihn in einer sinnlos App, anstatt ihm persönlich gegenüberzustehen, ausversehen. Zu gern hättest du ihm in sein Gesicht gesagt wie sehr erbärmlich du das Ganze findest, ihn, sein Verhalten, seine Unehrlichkeit, sein Auftreten. Zu gern hättest du ihm deine Hand ins Gesicht gedrückt, all deinen Ärger über ihn, der sich nun wieder anstaut in dir drin, wie eine tickende Zeitbombe, Luft gemacht. Aber nein, nein, du siehst nur sein Foto in dieser App, dieser beschissenen App die angeblich Leute vereinen soll, doch sie vereint nicht, sie zerstört und manipuliert, sie (ver)höhnt und vor allem wertet sie ab, den Mensch und die Person anhand eines Profiles, anhand eines Fotos. Du hast nur ein Rückenfoto drin, und eines mit nur einem halben Gesicht. Dein Profil lässt du frei, du möchtest selber entscheiden, wer was von dir erfahren darf, oder ob du überhaupt auch nur ansatzweise etwas von dir preisgeben magst, denn du erinnerst, du willst dich ja nur kurz mal umschauen und ein wenig schreiben, auch wenn du hinsichtlich eines Kennenlernens das persönliche Treffen bevorzugst, schließlich lebst du in keiner virtuellen Welt, in der man nur via Schriftverkehr miteinander kommuniziert. Du möchtest den jenigen welchen gegenüber stehen, im Angesicht zu Angesicht, Fragen stellend und Antworten gebend. Du weißt dass du von dieser App eigentlich nichts erwarten kannst.

Als du dich ein paar Tage von diesem ersten Schrecken erholt hast und du jegliches Wischen, sobald sein Foto aufkreuzte, umgangen bist, folgt sogleich der nächste Schock. Er war auf deinem Profil. Auf deinem Profil, auf dem es nichts zu sehen gibt, außer deine Rückansicht und dein halbes Gesicht. Deine Rückansicht, die er kennt. Dein Gesicht, das er kennt. So nah ist er gewesen, deine Tränen hat er dir aus dem Gesicht gewischt. Das Bild, welches er kennt, weil auch du dies auf deinem WhatsApp Profil spazieren trägst. Dein Herz stoppt wieder kurz, eine Sekunde nur, doch dann plustert es sich auf. Es pumpt, und pumpt sich voll mit Wut und Hass und Unverständiss. Vor allem das. Du könntest platzen jetzt gerade, hat er doch damals so sehr betont dass du ihn nie wieder sehen wirst, du nie wieder auch nur ansatzweise von ihm etwas wirst sehen und hören müssen. Warum? Du fragst dich was das soll, diese Art der Provokation. Du fragst dich was er damit bezwecken möchte. Aber besonders fragst du dich, weshalb er dich anlügt und dich hat so sehr begossen stehen lassen, hinter deiner eigenen Tür, die du ihm vor der Nase zuschlugst. Weshalb hat er nicht einfach eine stinknormale Aussprache gesucht!? Du weißt du hättest damals vollstes Verständnis für ihn aufgebracht, wahrscheinlich noch heute, du wärst ihm nicht einmal böse gewesen. Du hasst nur Unehrlichkeit, ewiges Hoffen und Nichtverstehen. Du magst es nicht dich in einer Schwebe zu befinden, keine Antworten auf all die Fragen in deinem Kopf. Du hättest ihm verziehen wenn er geht, ehrlich und mit erhobenem Haupt, doch nicht aber schleichend und mit Dreck werfend. Du hättest ihm verziehen wenn du Gründe gehabt hättest, die sein Verhalten erklären und dir sagen dass es einfach nicht an dir liegt, sondern an ihm selbst, weil er es ist. Er ist das Problem. Damals wusstest du das aber noch nicht, dieser Prozess hat gedauert bis heute und noch immer kommt es dir vor wie eine minimalistische Art des Schönredens, doch innerlich weißt du, dass er es ist, das Problem und dass er vor allem eines ist: erbärmlich, weil er nicht einmal zu dem stehen kann, was er ist, um daran und damit arbeiten zu können. Stattdessen strotzt er nur so vor Selbstmitleid, das ist dir nun so klar wie der Himmel, wenn es mal nicht regnet und die Sonne strahlend hell am Himmel steht. Er bemitleidet sich Selbst. Wahrscheinlich noch immer. Du kannst jetzt einfach nicht anders.

Du bist geladen. Auf 180. Möchtest Teller zerkloppen. Ihn. Du greifst dein Handy. Suchst seinen Namen bei WhatsApp und tippst wütend: „Du Arsch! Gehts no…“ Nein halt, du löschst. Nochmal.. „Weißte, du bist einfach nur erbär…“ Ach scheiße nee. „Ey! Du Vollhorst! Umgezogen!? Verarschen kann ich mich all…..“ Man! Du fährst dich kurz mal runter, denn du möchtest keinen Krieg, sondern eine Antwort, eine Antwort auf seine Doofheit. Also atmest du tiiiiiief durch, einatmen, ausatmen, hineinatmen in dein YEAH Powerhaus, und wieder ausatmen und dann tippst du völligst entspannt: „….Du gehst auf mein Profil obwohl deine letzte Aussage war: >Du wirst nie wieder was von mir hören und sehen!< Aha!? Ist mir aber gerade nicht so.. Du bist offenbar noch immer in der Stadt!?“ Du rechnest nicht mit einer Antwort, und doch lässt eine Nachricht an dich nicht lange auf sich warten: „Ja. Da muss ich sagen, dass man dich so sieht: Kein Kopf. Weiß ich aber davor nicht, dass es jemand ist, den ich kenne bzw den ich scheiße behandelt habe. Ich gehe demnächst weg. Korrekt.“ Eine schwammig daher geschriebene Aussage, die dir nur noch mehr Unverstädnis einbringt. Aber du belässt es dabei und schickst ihn wieder weg. Freundlich, aber bestimmt: „War ja kein Vorwurf, nur eine Verwunderung, nicht gleich garstig werden..!“ Du musst lachen. Nicht hysterisch sondern kopfschüttelnd, es ist einfach zu lächerlich, wie sehr er im Selbstmitleid versinkt. Dieses Lachen hilft dir, dich loszulösen, von ihm, den Gedanken an ihm und den Momenten die ihr miteinander hattet. Es hilft dir, dich zu befreien, endgültig, von ihm, den Fotografen.

Bevor du deine Spuren dieser App beseitigst, schickst du deine Nummer an einen Mann, der dich nett unterhalten hat, in der Zeit die du da anwesend warst. Sieben Tage lang. Ein Mann welcher zeitintensiv mit dir schrieb. Nett, authentisch, charmant und sehr, sehr humorvoll. Du hast keine Hoffnungen auf irgendwas, aber wenn es sein soll bleibt der Kontakt bestehen, wenn nicht, nicht. Er liest die Nachricht, und dann löschst du dich aus dieser App. Du kehrst ihr den Rücken und ihm, den Fotografen und du lebst einfach dein Leben mit allem was kommt, der Schmerz aus vergangenen Zeiten hat dich stärken lassen, du bist dir selber bewusst und gehst achtsam durchs Leben. Dein Bauchgefühl wird dich in Zukunft rechtzeitig auf Respektlosigkeiten und Fehlverhalten hinweisen. Es werden keine Tränen mehr fließen, denn du stehst da einfach drüber. Du wirst lachen, und weiter gehen, denn du kennst den Weg den du gehen willst, und der Weg ist das Ziel. Dein Ziel.

©Netti

hampelmann

Online.

Der Fotograf ist daueronline. Im scheiß WhatsApp. Du willst nicht stalken aber er antwortet einfach nicht auf deine Nachricht, die beinahe schon verjährt.

5 Tage.

Keine Antwort.

Du könntest die Wände hoch gehen, es wurmt dich so sehr. Magst gar nicht daran denken mit wem er so dauerhaft schreibt. Dennoch stürzen sintflutartig tausende an Bildern über dir ein. Zeile um Zeile tauscht er sich aus mit diesem Mädchen, was er erst vor kurzem kennengelernt hat. Jung, bildhübsch. Bilder, wie beide sich treffen und Dinge mit einander machen von denen du nur träumen kannst. Spaß haben, lachen. Miteinander. Sich näher kommen, Empfinden und Sein. Auch wenn es nur in deinem Kopf existiert gibt es für dich keine andere Erklärung für sein Verhalten. Distanz kann man nicht anders definieren. Distanz entsteht nur dann, wenn Interesse sich offenbar verflüchtigt. Du kannst das nicht aktzeptieren. Du kannst das nicht schon wieder einfach nur so hinnehmen. Er bedeutet dir doch so viel! Warum hat er nicht einfach Arsch in der Hose und sagt was Phase ist? Du verstehst das alles einfach nicht. Schon wieder diese Fragezeichen, welche dir irgendwann noch den Verstand rauben. Weshalb sucht er erst Freunde, wenn er sie dann in den Arsch tritt? Da nimmst du schon hin, dass er an mehr nicht interessiert ist und dann… UND DANN? Er würdigt nicht mal deine Freundschaft, verhält sich wie ein rießen Arsch. Heult dir erst die Ohren voll von Freundschaft und fehlender Freundschaft, dabei ist er es der an jeder Hand wohl gleich ein Dutzend hat. Du sitzt auf deiner Couch und könntest Dinge zerschlagen über diese Ungerechtigkeit. Es macht dich so wütend, seine Launen, welche sich abwechseln wie Tag und Nacht, Winter und Schnee, Sturm und Hagel. Am liebsten würdest du den Silvesterabend aus deinem überquellenden Hirn löschen, seine Nähe und Zuneigung, die er dir gegenüber zeigte. Am Liebsten möchtest du verdrengen, dass er der Mann ist in den du dich verliebt hast. Du möchtest ihn vergessen und den Tag des Shootings irgendwie rückgängig machen, doch du weißt dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Stattdessen stehst du wieder vor der Wahl: Ihn loszulassen, endgültig, oder weiterhin deinen Gram hinunterzuschlucken, um darauf zu hoffen, dass er irgendwann erkennt wer du wirklich bist. Dass du nicht bist wie die Anderen und nur oberflächliche Beziehungen, hauptsächlich Sex bevorzugst, sondern dass du eine Frau bist mit Charakter und Würde und an ihm und seiner Person interessiert bist. Du bist kein Objekt, kein Wesen was man erst benutzt und dann zu Boden wirft, wenn man es satt hat. Du möchtest ihn, als Menschen, so wie er ist, mit Haut und Haar, mit Narben und all seinen Macken. Sogar als Arschloch möchtest du ihn, wahrscheinlich gerade deswegen, obwohl du dich hasst dafür. Du würdest ihn sogar noch wollen, wenn er sein Augenlicht verlieren würde. Du hast Angst zu kämpfen, denn das ist nicht deine Aufgabe. Du hast Angst davor dass dein Herz sich dieses Mal komplett auflösen wird, und niemehr wieder hergestellt werden kann. Du bist dir sicher, dass er für dich nichts mehr übrig hat, wenn es denn jemals ein Empfinden wie Freundschaft gegeben haben sollte. Du hast Angst vor einem erneuten Faustschlag, mitten in dein schon zerschundenes Gesicht. Wie lange kann man ein Gesicht wahren, ohne dass es zerbröselt wie eine vertrocknete Rose!? Vielleicht solltest du ihm einen Brief schreiben, geht dir durch den Kopf, denn das Schreiben ist wohl das Einzigste was du beherrschst. Doch du hast keine Adresse von ihm. Du hast eine E-Mail Adresse, doch du weißt nicht, ob er deine E-Mail je erhalten, auch nur ansatzweise lesen würde, wenn er nicht einmal auf eine stinknormale WhatsApp Nachricht reagieren kann. Inzwischen hasst du WhatsApp wie die stinkende Pest und du verfluchst diesen hirnrissigen Menschen diese Erfindung publik gemacht zu haben. Auch SMS findest du dämlich, obwohl du das Schreiben liebst. Die Liebe jedoch liegt im Schreiben, nicht aber im Mitteilen und schon gar nicht im Stalken oder spionieren, denn so wolltest du nie sein. Automatisch mutiert man letztendlich zu einem hysterischen Hobbit mit Funken sprühenden Augen. Yeah! Und das alles ohne abzuschweifen.

Du könntest ihm also eine E-Mail schreiben mit all deinem Hirngesafte über Freundschaft, die fehlt, niemals nicht sein wird, weil es ganz und gar nicht das ist was du möchtest. Dann aber stehst du wieder da wo der Bus dich hat stehen lassen. Fortfahrend, ohne dich eines Blickes zu würdigen. Deine winkende Hand verschwindet in den Abgasen des Auspuffes. Zurück bleibt die Hülle deiner Selbst. Du stehst da ohne ihn. Dann ist es definiert, dann weißt du dass du das, was geschrieben steht nicht wirst rückgängig machen können. Denn er hat dein Zugeständnis schwarz auf weiß, nicht nur im Kopf, welcher vergessen kann und verdrengen, sondern auf Papier eines verdammten Rechners. Du möchtest jetzt gerne mal wissen was zur Hölle du schon wieder falsch machst. Du wirfst mit Kissen um dich, an denen er seinen Kopf platt gedrückt hat, wie oft das kannst du gar nicht mehr sagen. Dein Zeitgefühl ist völlig abhanden gekommen, es kommt dir vor als kennst du diesen Menschen nicht erst seit 5 Monaten. Tränen platschen unbeholfen zu Boden, aber du lässt sie da liegen. Morgen ist sein zweiter OP Tag, eigentlich hast du gehofft dass er sich bis dahin mal gemeldet hat, denn nun liegt es schon wieder an dir ihm etwas wie „Chakkaaa!“ zukommen zu lassen.

Möchtest du das? Du bist es allmählich Leid, den Hampelmann zu tanzen, also lässt du es einfach gut sein. Fürs Erste.
©Netti

Anteilnahme, unerwartet.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, wer in der Not zu dir steht. Der Fotograf meldet sich regelmäßig und fragt, wie es dir geht. Wie ihr vorankommt, mit allem. Da er sich mit dir treffen wollte, hast du ihm berichtet, was passiert ist und wie es dir geht, im Moment. Das Treffen fällt wohl erstmal flach. Trotzdem bot er dir seine Hilfe an, wollte sofort vorbeikommen. Du hast abgelehnt, da du bei deiner Familie bist. Es rührt dich so sehr, dass er sich nach dir erkundigt, das hättest du nicht vermutet, von ihm nicht. Du hast angenommen, dass du ihm egal bist, dass es ihn nicht einmal ansatzweise berühren wird, das Geschehen, was dich trauern lässt. Du hast ein „Sorry“ vermutet, ein „Das wird schon wieder.“ Doch was er dir entgegenbringt ist so viel mehr als das. Es ist echte Anteilnahme. Ein ernst gemeintes Beileid, auch wenn er deinen Papa nicht gekannt hat, was du sehr schade findest, denn du bist dir sicher, er hätte ihn gemocht, oder zumindest gerne kennen gelernt. Irgendwann.., vielleicht. Ihr kommt auf Silvester zu sprechen und du schreibst den Fotografen, dass du Silvester NICHTS machen wirst, NICHTS machen WILLST. Couchen und gammeln. Mehr nicht. „Allein?“ Wollte er schockiert wissen. „Allein.“ Daraufhin meint er, dass das doch nicht geht, er das nicht zulässt. Er wird zu dir kommen, notfalls schleift er dich raus. Wenn er meint, kann er das gerne tun. Aber du gehst NIRGENDWOHIN. Darauf freust du dich. Auf diesen Tag, an dem du einfach mal NICHTS machen wirst, am liebsten auch mit NIEMANDEM zusammen. Ausser mit ihm. Und nur mit ihm. Mit ihm, den Fotografen. Einfach NICHTS machen.

©Netti