Was könnte im schlimmsten Fall passieren?

Dir laufen Tränen über die Wangen, die brennen und sind heiß. Das Laufen schmerzt, es ist als hättest du einen Marathon hinter dir. Es ist als wärst du lange Strecken gerannt und hättest zu  viel geredet dabei. Ein Gefühl wie abartige Seitenstechen, die entstehen weil du den Mund nicht halten kannst. Den Mund kannst du trotzdem nicht halten, die Lippen formen stumme Gebete an ein Wesen, dass in deinem Glauben doch nicht existiert. Aber es gibt Momente da wünschst du dir den Glauben, auch wenn es schwerfällt. Und dann formst du stumme Gebete der Bitte und des Hoffens, dass es einfach gar nicht so schlimm ist wie es wirkt, dass deine Einbildung viel größer ist als der Verstand und du dir Sachen nur einredest. Sachen, die gar nicht da sind, weil du einfach übertreibst. Du bildest dir den stechenden Schmerz ein, den du beim Laufen verspürst und das Gefühl der herannahenden Ohnmacht, verursacht durch intervallartige Panikwellen, in dir drin. Du bildest dir das Gefühl nur ein, dass dir die Luft nimmt zum Atmen, denn das Stechen drückt alles zusammen. Du bildest dir nur ein, dass das Atmen dir Schmerzen bereitet, denn es ist doch gar nicht so schlimm, das Atmen war bestimmt schon immer so. Doch die Tränen, welche sich in heißen Etappen aus deinen Augen fortbewegen die bildest du dir nicht ein, denn sie sind heiß und brennen auf deiner Haut.

Manchmal hilft es dir in Momenten der Panik und Angst, wenn du an eine Frage denkst, eine Frage die du für dich stets ehrlich und besinnt zu beantworten versuchst. „Was könnte im schlimmsten Fall passieren!?“ An Stelle von Krankheit jedoch verursacht die Frage meist noch mehr Unruhe, es entsteht Panik und Angst vor dem, wovor du dich am meisten fürchtest. Den Tod. Oftmals begleitet von einem langen Weg des Leidens. Du befürchtest also eher das Leiden, und eine Diagnose, die gestellt werden könnte, daran möchtest du gar nicht denken. Doch gibt es auch die Fehldiagnosen, die bereiten dir Wut und Ärger und bringen dir die Trauer zurück, die dich an deinen Papa denken lassen. Papa, der eine Fehldiagnose oder besser gar keine Diagnose erhielt, mit der schlimmeres hätte verhindert werden können. Also fürchtest du dich vor dem Gang zum Arzt, weil selbst Ärzte manchmal ahnungslos sind, so wie du. Du möchtest nicht operiert werden und dann im Koma liegen müssen weil dein zu kleines Herz das alles nicht verkraftet. Du möchtest nicht alles neu erlernen müssen, während dein Verstand viel zu klar mitspielt, oder auch nicht, vielleicht bist du dann ans Bett gefesselt, während du nicht merkst wie dir der Sabber vom Gesicht tropft, dann rückt das Unbekannte in immer weitere Ferne und der Tod wird zu deiner neuen Bekanntschaft, die du dann wohl machen müsstest. Du möchtest noch nicht sterben, dich von dem Leben lösen, denn du bist einfach noch zu jung dafür. Und du hast Pläne im Leben, wenn auch noch so unsichtbar wie die Luft die du kaum eratmen kannst, weil jeder Atemzug in deinen Nieren schmerzt. Was auch immer es ist. Alles wird gut, das redest du dir ein, weil alle anderen Gedanken unsinnig sind, denn du weißt ja inzwischen dass Gleiches Gleiches anzieht. Also denkst du nur gute Sachen, völligst positiv und du freust dich auf den netten, und sehr, sehr hübschen Urologen, der deine Nieren ganz fürsorglich, sanft und zaghaft abtasten wird, das Ultraschallgerät in seiner rechten Hand. Der Urologe, der dich dann lieb und nett anlächelt und sagt „Hey, alles gut, junge Frau, Ihre Nieren sind so wunderhübsch, genau wie Sie!“ und dann schickt er dich nach Hause und du kannst endlich wieder atmen, weil du durch die Angst in dir einfach nur verlernt hast wie das geht, das mit dem Atmen und den Schmerzfrei. Du wirst leben. Auch wenn das Unbekannte gelegentlich Angst hervorruft, ist es manchmal nur für den Moment des Nichtwissens. Sobald es bekannt ist, kannst du wieder lernen liebevoll damit umzugehen, und dann, dann wird alles gut. Du wirst weiter leben!

©Netti

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5 Gedanken zu “Was könnte im schlimmsten Fall passieren?

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