Flügelschlagen im Bauch.

Dieser Mann, der Schmetterlinge verteilen lässt, im Bauch und nicht nur da. Da ist Glück, welches sich ausbreitet im Kopf und Verstand, im Denken und Handeln. Die Schmetterlinge toben und flattern, wissen gar nicht wohin, sie knallen gegeneinander vor Aufregung und Nervosität. Nähe, so viel Nähe, dazwischen Hitze und Leidenschaft. Glück über die Chemie, die so wunderbar übereinstimmt. Dem Mund umspielt ein Lachen. Echte Münder. Echte Freude. Augen, die lachen, zusammen mit dem Mund. Keine getragenen Masken, um sich zu schützen. Dafür Küsse, welche ineinander verschmelzen, eins werdend. Die Schmetterlinge im Bauch sind kirre im Kopf, und gehen beinahe kaputt vor so viel. Vor so viel Glücksempfinden. 

Hin und wieder jedoch fürchten sie sich, die Schmetterlinge im Bauch. Dann halten sie inne, erstarren in ihren Bewegungen, blicken furchtsam um sich und erwarten Motten, welche ihren Platz einnehmen. Doch da sind keine. Eigentlich sind da keine.

©Netti

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Im Taumel der Erkenntlichkeit.

Mit diesem Beitrag möchte ich Danke sagen. Danke in Wort, Bild und Gedicht. All das was meine drei Blogs zu einem Ganzen werden lassen. Zu dem der ich bin.

401 Leser haben sich auf meinem Blog „WolkenKuckucksHeim“ zusammengefunden. 401 Menschen die sich untereinander nicht kennen, aber doch alle miteinander eines gemein haben. Sie folgen Empfindungen. Gedanken. Gefühlen. Verfolgen Texte und Worte. Erfunden oder selber erlebt. Real oder der Fantasie entsprungen. Niedergeschrieben hier. In diesem Blog. Für euch, in erster Linie aber für mich. Ich möchte teilen, mit euch, meine Liebe zur Sprache, zu den Texten und Worten. Man kann so viel ausdrücken, wenn man es schafft. Ich möchte euch hiermit einmal danke sagen. Danke dafür dass es euch gibt und ihr zusammen mit mir lacht und weint, ärgert und hofft, bangt, gruselt und fürchtet. Danke dafür, dass jeder von euch existiert. Manch einer laut und aktiv, der andere still und leise, unbemerkt. Egal ob sichtbar oder nicht, jeder von euch ist ganz besonders. Ohne euch wäre mein Blog nicht der, der er ist. Danke für alle lieben Kommentare, es freut mich immer wieder sehr zu erfahren was gefällt, was gern gelesen wird, was nicht, auch Kritik bringt einen weiter. Ein herzliches Danke an die Menschen, welche ich durch meinen Blog live begegnen durfte. Ihr seid eine Bereicherung, und ich hoffe der Kontakt bleibt konstant. Danke an alle liebevollen Mail-Kontakte, ihr bedeutet mir sehr viel, Mails und schreiben unter guten Freunden. Ein reger Austausch von Worten und Gedanken. Was will man mehr? Vielleicht kommt es zu mehr solcher persönlichen Treffen, indem man zusammen lacht, oder weint, sich ein Stück weit kennenlernt und in das Gesicht blickt, was hinter den Blogs verborgen ist. Ich freue mich auf weitere gefühlvolle, freudige und glückliche Jahre mit euch, und ich freue mich auf all jene Kommentare die folgen werden. Ich freue mich auf die stille Zustimmung von Lesern die sich bedeckt halten, ich schätze euch sehr, und fühle euer Interesse.

„Ein Blog kann nur leben
wenn er gefüllt wird mit Emotion,
mit Worten,
Fotografien und Inhalten,
entstanden aus Liebe.
Der Blog wächst durch Zustimmung,
durch Halt und Vertrauen.
So kann er reifen und gedeihen,
wie auch die Person hinter dem Blog.
Man fühlt sich verbunden mit Menschen,
so fremd,
und doch sind sie spürbar,
so nah.
Im Herzen tief verankert.
Es wird geweint zusammen,
Es wird gelacht zusammen.
Glück. Freude. Heiterkeit.
Gefühle welche (mit)empfunden und gelebt werden,
Immer wieder.
Neu.“

©Netti

Lauthals.

Lachen! Es ist schön, endlich wieder lachen zu können. Und es auch zu dürfen. Man lacht. Laut und echt und von Herzen, aus dem tiefsten Inneren heraus. Weil das Gesagte so viel Spontanität erzeugt, dass da Freude ist und ein kleines bisschen Glück, weil da jemand ist, der dich zum Lachen bringt, und es gern hat, wenn du es zeigst, dieses Lachen was ein echtes ist. Dreckig. Nicht schmutzig aber dreckig, denn Dreck gefällt ja. Den Männern. Und auch dir. Und da auch du ein kleines bisschen Kerl bist gesellt sich gleich und gleich nun mal gern. Und so darfst du einfach du Selbst sein, es ist kein Frage Antwort Quatsch,-sondern eine Unterhaltung die spaßiger nicht sein könnte. Und dann gehst du, weil du früh raus musst, um zu arbeiten. Es wird nach deiner Hand gegriffen und sie wird gehalten und gedrückt, ganz sanft. Auch wenn der Schweiß zwischen den Händen Schmatz Geräusche macht, die Hitze so spürbar. „Wenn das eklig ist..“, meint er nur lachend ohne zu Zwinkern, denn einseitiges zwinkern beherrscht er nicht, „…sag es bitte.“ Aber du findest es okay. Und das sagst du auch. Seine Hand in deiner. Und so lauft ihr die Straße entlang…, es ist dunkel und still und ihr braucht nicht zu reden, denn der Moment spricht in diesem Augenblick für sich. Auch wenn er schnell vorüber ist, hängt er doch noch lange nach..

©Netti

>>Man sollte öfters Lächeln, von Herzen, und es auch genauso meinen.<<

Feierabend. Du fährst mit der Karre schnurstracks nach Hause, es regnet schon den ganzen Tag, doch das tut dem guten Gefühl in dir keinen Abbruch. Im Radio läuft Sia mit „Fair Game.“ Es läuft rauf und runter, und noch immer hängt es dir nicht zu den Ohren raus, niemals wird es das, es trifft dich doch zu sehr. Du bist emotional so sehr im Lied gefangen, deine Stimme singt den Text lautstark mit, zum Glück hast du die Fenster geschlossen, dein Mund bewegt sich stumm für alle außenstehenden Passanten und Autofahrer, kein Ton dringt bis zu ihnen hindurch. Es ist dir egal was die anderen denken, denn heute ist ein guter Tag, das Leben ist schön! Du singst und singst und schreist all dein Gefühl aus dir heraus, als der grüne Ampelpfeil auf orange springt und dann nur noch die rote Ampel leuchtet. Sie brüllt dich an. Gleichzeitig bemerkst du den jungen Fahrradfahrer direkt vor dir, der soeben über die Straße laufen möchte, oder eher fahren, huch, wo kommt der denn her!? Dein Fuß tritt auf die Bremse um eine Vollbremsung hinzulegen. Du singst weiter und schreist und lächelst nebenbei dein entschuldigendes, niedliches Lächeln, denn du wolltest ihn jetzt echt nicht überfahren. Er lächelt sehr, sehr freundlich zurück, der Gute, und du lächelst weiter, im Sekundentakt lächelt ihr euch gegenseitig voll, er dreht sich nochmals zu dir um und lächelt, er lächelt und lächelt und du bemerkst, dass sein Lächeln sehr, sehr symphatisch ist. Auch du lächelst weiter irrsinnig vor dich hin, kannst gerade gar nicht aufhören damit, auch wenn der Radfahrer längst außer Sichtweite ist. Dieser Mensch hat dir keinen Stinkefinger gezeigt, nein, er hat dich angelächelt, ohne hämisch zu wirken, er hat gelächelt ohne ein Gegenlächeln zu erwarten, er hat nochmals gelächelt, auch wenn du aussahst wie Kackwurst heute und ihn fast umgenietet hättest, dieser Mensch hat gelächelt, trotzalledem. Und du!? Du hast zurückgelächelt.

©Netti

WörterUndGedankenLassenDichNichtLos..

…und das ist Gut so! Es ist gut, wie dein Kopf nur so erzittert von Gedanken und Ideen, Wörtern zusammengesetzt aus Buchstaben, entstanden in deinem Hirn. Deinem Hirn auf das du Stolz bist, endlich einmal stolz bist, weil es denkt und arbeitet, diesesmal mit dir, mit dir zusammen und nicht gegen dich. Du fühlst dich frei so lange du schreiben kannst, glücklich, berauscht, losgelöst, das Gefühl ist so groß, das hättest du dir niemals träumen lassen. Du bemerkst wieder einmal, dass Schreiben dein Leben ist und du nichts lieber tust als das. Du wüsstest nicht was du wärst ohne Worte, ohne Schrift.

Du wirst eine Nachtschicht einlegen müssen, um alles niederzuschreiben, aber das alles wird eine Weile brauchen, das ist mit heute nicht getan, nicht abgetan, denn daraus entsteht was, da bist du dir ganz sicher, diesmal wird das was. Diesmal wird das gut. Diesmal wirst du nicht abgelehnt. Diesmal nicht!

© Netti

Wenn die Wahrheit ans Licht kommt wird es dunkel. 6/11

Wenn der Glaube an etwas Berge versetzt, kann man vieles Schaffen. Man denkt, dass sich so ein bisschen Gefühl ganz easy unterdrücken lässt. Freundschaften sind prinzipell und sowieso viel, viel mehr Wert, als so ein Mann der sich Freund schimpft. Viel mehr als so eine Beziehung die schon morgen vorbei sein kann. Eine Freundschaft hält unter Umständen ewig. Wenn sie aus Geben und Nehmen besteht. Wenn sie besteht, ohne dass sie nur schlechte Gefühle mitbringt. Wenn sie besteht und es damit b.e.i.d.e.n. gut geht. Und nicht nur einem Teil. Nicht die Freundschaft zwischen zwei Frauen. Nicht die Freundschaft zwischen zwei Männern. Nein, eine Freundschaft zwischen Mann und Frau. Welche nur dann funktionieren kann, wenn beide sich auf einem Level befinden. Einem Level ohne Anziehung. Ohne den Wunsch nach einer Partnerschaft und insbesondere ohne Gefühle, die über das freundschaftliche hinausgehen. Dann. Und nur dann.

Das machst du schon, redest du dir ein. Du sagst dir, dass die Gefühle gegenüber dem Fotografen ja sowieso noch nicht so weit fortgeschritten sind. Redest dir ein, dass eine Freundschaft sowieso im Moment besser passt als etwas, was auf eine Beziehung hinauslaufen würde. Das Männchen auf deiner Schulter, mit den Hörnern auf dem Kopf, das raucht aus den Ohren heraus. Es stapft mit den Beinen und zetert und schreit. „Jaja, du spinnst ja. Rede dir selber so einen Schmarrn ein. Dummes, naives Ding! Du vergeudest deine Zeit, merkst du das denn nicht? Ihr kennt euch wie lange? Und er will dich immerzu sehen!? Wofür!? Er stiehlt dir deine Zeit, und dein Herz das hat er auch schon! Du dummes, dummes Ding. Und du merkst es nicht einmal! Du wirst…“ genervt schnippst du das komische Wesen mit deinen Fingern von deiner Schulter, bis es krachend auf dem Boden aufschlägt. HA! Du kannst mir gar nichts!

Eigentlich bist du mit deinen Freunden verabredet. Männliche Freunde, davon hast du recht viele. Und bisher gab es keine gravierenden Probleme. Es kann also sehr wohl funktionieren. Freundschaften zwischen Mann und Frau. Und du schöpfst Hoffnung. Leider treffen von besagten Freunden Nachrichten ein, es wird doch nichts, mit dem Treffen. Na toll. Du desozialisierst. Ach nee, moment. Du hast ja jetzt einen neuen Freund. Deprimiert teilst du deinem neuen Freund, dem Fotografen mit, dass du desozialisierend vor dich hingammelst, weil deine Kumpels dir abgesagt haben. Sogleich schlägt er vor, was mit dir zu machen. Du jubelst, innerlich. So ein Guter. Er ist vielleicht der beste Freund den du jemals hattest. Er schlägt vor, mit dir ins Kino zu gehen. Du stimmst freudig zu. Aber nicht zu freudig. Denn du bist ja nicht auf ihn angewiesen, auf ihn als Freund. Das wäre ja noch schöner. Schon jetzt fragst du dich was du anziehen sollst. Typisch Weib eben.

Ihr trefft euch vor dem Kino. Er sieht gut aus. Seine Haare leicht feucht vom Regen. Du fühlst dich etwas overdressed mit dem knielangen grau-schwarzen Rock, deinem schwarzem Oberteil mit Ausschnitt, welches deine kaum vorhandenen Brüste ein wenig in Szene rückt. Deine langen Haare fallen leicht gelockt über deine Schultern. An den Füßen trägst du schwarze Stiefel, passend für ein matschiges Wetter wie dieses. Sogleich spielt er mit einem Spruch auf dein Shirt mit den Brüsten an, obwohl es eher klingt als gilt die Bemerkung den Brüsten mit dem Shirt. Verwirrt lenkst du von den Brüsten ab und konterst damit dass sein Rad wieder heile ist. Mensch, das ja ein Ding. Mal gucken wie lange. Haha. Naja, du kannst ja nicht ahnen, wie Recht du damit hast, irgendwie.

Das Kino ist nicht sehr voll, ziemlich klein und muffig. Spitze. Denkst du dir. Aber der Platz ist gut. Er hat den Film gewählt. Ein Horrorstreifen. Passt ganz gut. Du magst Horror. Die ohne viel BlutSpritz. Ihr schaut „The Visit“, welcher eher ein PsychoHorror ist. Ihr lehnt euch in die Sitze zurück und die Werbung zieht sich endlos in die Länge. Ihr redet nur gelegentlich, Wortfetzen, während der Spots. Der Film beginnt. Du findest ihn gut. Bisher fließt kein Blut, was optimal ist. Mit der Zeit wird es gruselig und du rutschst immer tiefer in deinem Sitz zusammen. Hältst die Hände vor die Augen, wenn es unheimlich wird. Der Fotograf neben dir richtet sich eher weiter auf. Seine langen Beine sind ihm im Weg und er weiß nicht wie sitzen. Du musst lachen. Und schon ist dir nicht mehr gruselig zumute. Es folgen Szenen, wo ihr euch kaum in den Sitzen halten könnt. Vor Lachen. Ihr lacht noch immer. Laut. Herzlich. Und echt. Obwohl die Leute um euch rum mit dem Lachen schon verstummen. Ihr lacht zusammen. Nicht jeder für sich. Recht positiv gestimmt verlasst ihr beide das Kino. Lustig war´s wa? Wieder müsst ihr Lachen. „Was war das denn? Ein Horror sicher nicht.“ stellt ihr fest. Nun seid ihr durstig und ihr besucht die Kinobar in der Seitenstraße. Es sind nur zwei weitere Plätze belegt. Ihr setzt euch an einen Vierer Tisch. Setzt euch einander gegenüber. Die Kellnerin ist flink und nimmt die Getränke auf. Du bestellst dir einen Sekt und er ein Bier. Ihr wisst nicht so recht wie ihr einsteigen sollt, ins Gespräch. In dir drin beginnt sich eine leichte Unruhe auszubreiten. Du bist nervös. Ihr stoßt mit euren Getränken an, doch er weicht deinem Blick aus. „Ey Hallo!!! AUGEN!“ Ihr lacht. Und er winkt ab. Sex wird sowieso überbewertet. Ihr trinkt an euren Getränken rum, aber du, du schüttest fast. Du bist so schrecklich hibbelig. Die funkelnden Augen, wenn er dich anblickt, denn die Kerze, die spiegelt sich wohl, sein Lächeln und die Fältchen um seinen Mund. Seine wunderschön geraden Zähne, mit der Lücke zwischen den Schneidezähnen. Kaum merkbar. Sein Stottern, wenn er spricht. Es steht ihm gut. Passt zu ihm. Es macht ihn nur noch sympathischer. Wieder bemerkst du wie unglaublich anziehend er auf dich wirkt. Du stellst fest, dass du gern alles von ihm wissen magst, ist es auch noch so schwerwiegend. Du möchtest einfach alles über ihn wissen. Er blickt dich an und überrascht dich.

„Wahrheit oder Pflicht!?“

„Wahrheit!“

„Wie alt warst du als sich deine Eltern von einander trennten?“

Ihr spielt dieses Spiel und du fühlst dich wohl dabei. Obwohl du es hasst. In der Schule damals gehasst hast. Du traust dich nicht Pflicht zu sagen. Aus Angst eine blöde Aufgabe zu bekommen, obwohl die wahrscheinlich kaum möglich wäre. Inzwischen seid ihr nur noch allein in der Bar. Du erfährst viel über ihn. Ihr bewegt euch im Wahrheitspegel. Ohne Pflicht. Denn nur im Dunkeln kommt die Wahrheit ans Licht. Du trinkst dir noch ein bisschen mehr Mut an, sei locker. Bei deiner Wahrheit wird er sexistisch, fragt Sachen die du jedem Anderen zu wissen verweigert hättest, wie:

  • Wie viele Männer hattest du
  • Wie viele Freunde hattest du
  • Wie lang gingen deine Beziehungen
  • Was ist deine liebste Stellung
  • Auf was stehst du im Bett
  • Bist du derzeit verliebt

An dieser Stelle musst du schlucken. Du sagst nein, ohne ihn direkt anzuschauen. Kommst dir selber jedoch sehr überzeugend vor. Bist du ja auch nicht. Nein, du bist nicht verliebt. Je länger du dir das einredest, desto überzeugter wirst du. Schnell kippst du dir noch einen Sekt hinter die Birne. „Nachschub“, wünschst du dir von der Kellnerin. Sie lächelt lieb und du fragst sie, wie lange sie geöffnet haben. Wenn wir gehen sollen.. Sie winkt ab. Als er fragt:

  • Hattest du schon mal einen One Night Stand

antwortest du ehrlich, wie auch zuvor, denn so bist du nun einmal und erzählst ihm von der schlechtesten Nacht deines Lebens. Bettgeschichten sind nichts für dich. Das kannst du einfach nicht. Dazu bist du viel zu sensibel, dazu musst du einfach ein Mü Gefühl für den Anderen übrig haben. Nicht nur scharf sein. Das allein reicht dir nicht. Du wirst erst scharf wenn dein Herz was empfindet. Wenn es sich windet im Takt und nicht mehr weiß wo oben ist, wo unten, wenn es mehr davon möchte, und es sich einfach nicht bändigen lässt.

Ihr schaut euch an, lächelt. Dir wird heiß, aber das muss wohl an dem Sekt liegen.

„Pflicht“, sagt er, ohne dass du den Mund aufgemacht hast, um ihn vor die Wahl zu stellen.

Krampfhaft überlegst du, was du ihm für eine Aufgabe geben könntest. Da siehst du die schiefen Bilder an der Wand, die wahrscheinlich so müssen.

„Häng die Bilder gerade!“, sagst du halb im Scherz mit einem Befehlston.

„Ja wie soll ich das denn machen!?“

„Das ist mir doch Wurst. Lass dir was einfallen. Geh in die Küche und bitte um einen Hammer.“

Ihr lacht. Und die Aufgabe hat sich von selbst erledigt. Also bist du dran. Weil du nicht so sein willst, dich nicht anstellen willst, nimmst du Pflicht. „Ich muss mal!“, kommst du ihm zuvor, um die Peinlichkeit des Spiels zu umgehen.

„Das trifft sich gut. Wenn du heraus kommst, trag an deinem Körper sichtbar Toilettenpapier.“

Der spinnt doch. Peinlich berührt gehst du zur Hütte, ohne dir was anmerken zu lassen. Als du wieder zum Tisch läufst ziehst du hinter dir ein längeres Stück Toilettenpapier her. Gut dass du betrunken bist. Du schaust so, als hättest du kein Toilettenpapier an dir. Muss ja die Kellnerin nicht wissen. Doch der Fotograf hat es schon gesehen. Er lacht. Und sieht echt süß aus dabei.

Wieder seid ihr bei Wahrheit angelangt. Auch du erfährst viel über ihn. Als du dran bist fragst du ihn ob er „tippen“ kann. Tanzen. Tippen halt.

„Ist das jetzt deine Frage?“ er lacht lauthals und schaut ungläubig. „Ich kann Foxtrott!“

Sogleich steht er auf und zieht dich an sich. Du beginnst ausversehen und stoppst als er tief in deine Augen sieht. „Ich führe!“ Und ihr tanzt. Mitten in dieser kleinen Bar. Inzwischen ist keiner mehr im Raum. Nur du und er. Und der Moment. Die Kellnerin blendest du völlig aus. Die Kellnerin, die hinter dem Tresen steht und für einen Augenblick vergisst, dass sie sich den Feierabend herbeisehnt. Die Kellnerin, welche gerührt ist, von eurem Anblick. Gerührt und Lächelnd blickt sie euch an. Wahrscheinlich glaubt sie ihr habt ein Date und nähert euch soeben an. Doch du weißt es besser.

Als der Tanz endet bist du zurück in der Realität. Zurück auf dem harten Boden der Tatsachen. Er kann verdammt nochmal tippen. Denn du weißt, dass Foxtrott das Selbe ist wie 1,2 Tipp. Das macht es nicht leichter. Dass er tippen kann macht es alles andere als leichter. Denn dies ist ein Kriterium was ein Mann in deinen Augen zu können hat.

Tippen. Und dich führen dabei.

Die nächste Frage kannst du dir leider nicht verkneifen, doch als sie gestellt ist, ist es leider schon zu spät. Du weißt dass die Frage saudoof ist und du weißt dass du sie nicht hättest stellen sollen. Zu dumm, denn es ist nicht möglich diese Frage zurückzunehmen. Sie hallt schon wider zwischen den Wänden, und wahrscheinlich auch in seinem Kopf. In deinem hat sie sich festgekrallt. Bis ans äußerste der Gefühle.

  • Wenn Sie wieder ankommen würde, würdest du ihr eine Chance geben?

Du ärgerst dich über deine eigene Beklopptheit und fragst dich warum du dir das antust. Und wieso zum Henker. Wieso. Die Antwort kannst du dir denken, aber das möchtest du nicht. Schon wieder wird dir schlecht, wenn du an die Andere denkst. Natürlich stellst du dir vor, wie er statt mit dir, mit ihr hier sitzt, und sie unglaublich viel Spaß haben. So wie ihr. Hat er überhaupt Spaß mit dir? Nur ein winziges bisschen? Hat er auch mit ihr dieses Wahrheit oder Pflicht gemacht? Du machst dich mürbe, doch du kannst nichts dagegen tun. Deine Gedanken verschmelzen sich mit dem Alkohol, der Alkohol mit deinem Gehirn. Dein Mund öffnet sich um zu schließen. Die Stimmung kippt. Seine Antwort ist: „Ja!“ Er bestellt sich noch ein Radler, doch irgendwie ist der Wurm drinne. Ihr versucht das Spiel noch etwas aufrecht zu erhalten, doch es ist dir eine Qual so zu tun als hast du noch Spaß dabei. Als hast du jetzt noch Spaß dabei, wo du weißt dass er wahrscheinlich schon wieder nur an sie denkt, an die Vergangenheit. Anstatt einfach im Jetzt zu leben. Plötzlich fühlst du dich unwohl in deiner Haut und du möchtest einfach nur gehen. Das sagst du ihm auch, dass du gehen möchtest. Ihr bezahlt die Rechnung. Diesmal zahlst du, denn er hat schon das Kino bezahlt. Du trinkst den Rest des Glases auf Ex, was ja nicht mehr viel ist und rennst beinahe. Beinahe rennst du aus der Bar. Er ist verwundert und hat Mühe mit dir Schritt zu halten. 

Zum Abschied hebt er dich hoch und wirbelt dich fast durch die Luft. Du bist ja so schrecklich zierlich.

„Du ich muss jetzt echt los. Muss früh raus morgen!“

„Okay, meld dich bitte wenn du angekommen bist, ja!“

Du gibst ihm dein Versprechen und läufst schnellen Schrittes los. Weil du jetzt los musst, bevor du in Tränen ausbrichst. Denn du weißt nicht was du von ihm halten sollst. Von ihm. Dem Abend. Den Film, an dem ihr beide Freude hattet. Eurem Tanz. Seinen Blicken. Und die leichte Spannung, die du gespürt hast. Nicht nur beim Tanz. Bildest du dir das alles denn etwa nur ein? Was zur Hölle will dieser Mann von dir? Eine Freundschaft kann so doch scheiße nochmal nicht beginnen? So nicht. Du verzehrst dich nach ihm. Du denkst an ihn. Stündlich, minütlich, sekündlich. Fragst dich wie es ihm geht. Was er macht. Ob er an sie denkt, oder an dich. Ausnahmsweise mal an dich. Ja verdammt, du bist ratlos, und kannst einfach nicht sagen was das Beste für dich ist. Denn du weißt dass es schmerzen würde, ihn nicht mehr um dich zu haben. Es würde schmerzen, nicht mehr mit ihm zu lachen. Gemeinsam. Es würde dir weh tun nicht mehr zu Hoffen. Auf ein Happy. Ohne End. Weil es das einzigste ist, woran du dich im Moment klammern kannst. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Das hast du ja schon immer gewusst.

© Netti