Flügelschlagen im Bauch.

Dieser Mann, der Schmetterlinge verteilen lässt, im Bauch und nicht nur da. Da ist Glück, welches sich ausbreitet im Kopf und Verstand, im Denken und Handeln. Die Schmetterlinge toben und flattern, wissen gar nicht wohin, sie knallen gegeneinander vor Aufregung und Nervosität. Nähe, so viel Nähe, dazwischen Hitze und Leidenschaft. Glück über die Chemie, die so wunderbar übereinstimmt. Dem Mund umspielt ein Lachen. Echte Münder. Echte Freude. Augen, die lachen, zusammen mit dem Mund. Keine getragenen Masken, um sich zu schützen. Dafür Küsse, welche ineinander verschmelzen, eins werdend. Die Schmetterlinge im Bauch sind kirre im Kopf, und gehen beinahe kaputt vor so viel. Vor so viel Glücksempfinden. 

Hin und wieder jedoch fürchten sie sich, die Schmetterlinge im Bauch. Dann halten sie inne, erstarren in ihren Bewegungen, blicken furchtsam um sich und erwarten Motten, welche ihren Platz einnehmen. Doch da sind keine. Eigentlich sind da keine.

©Netti

Zwischen Illusion und Wirklichkeit.

Da kommt plötzlich einer daher, der lange, lange nachtragend war. Damals hast du ihn versetzt. Zu Recht, du wolltest ihn in die Schranken weisen. Denn nur wer Potter heißt, darf sich nicht gleich automatisch scheiße benehmen. Zuletzt war der Respekt eher etwas karg ausgeprägt. Blieben nur seine eigenen Waffen, die, von dir angewandt, etwas anrichten konnten. Es wäre eure dritte Verabredung gewesen. Irgendwann hatte er sich mal wieder eingekriegt. Er lobte deine Haare auf deinem Whatsapp Bild, du befandest seine als eher nicht so cool, weil einfach zu lang. Er trägt Dutt. So wie du. Wobei.. Sagt man auch bei Männern Dutt? Oder nennt sich das dann irgendwie anders!? Immer mal wieder sind es nur diese kurzen Austausch-Worte welche sich auf eure Bilder beziehen. Kein zusätzlicher Smalltalk, nichts. Für beide völlig okay.

Damals zerrte er dich auf die Bühne. Der Magier und Illusionist kurzum: Potter. Du kanntest ihn nicht. Bewundertest ihn nur heimlich aus der Zuschauermasse. Der Lichtkegel zeigte auf dich und dir schwante bitterböses. Du machtest dich so klein im Sitz wie irgend möglich. Er kam zu dir. Blieb stehen. Und nahm deine Hand. „Nee jetzt oder!?“, dachtest du und sagtest es laut. Potter hatte Großes mit dir vor, und du machtest dich richtig schön zur Feile. Du standest ihm auf der Bühne gegenüber, hattest keine Lust darauf, warst angespannt und genervt von dem Präsentierteller auf welchem du dich soeben zwangsläufig befandest. Sanft nahm er deine Hände und hielt sie fest. Er erzählte dir was gleich deine Aufgabe sei und er befahl dir deine Augen zu schließen. Du warst zu ungeduldig. Schautest. Und auch er schaute. Deine Augen. So blau. Seine Augen. So schwarz. Ihr ward euch so nah. „Schließ deine Augen!“, befahl er grinsend. Du gehorchtest, konzentriertest dich auf seine unsinnig mystischen Worte die er nun erzählte. Dann plötzlich überkam es dich, dieser Lacher, der sich die ganze Zeit schon in deinem Bauch wandt und kringelte, es platzte aus dir heraus, zu blöd war dir dieses Gezaubere, so ein Quatsch, aber eigentlich warst  du einfach nur nervös. Du hast so sehr laut und herzlich gelacht, dass die Tränen liefen, und du die Nase hochziehen musstest. Das Puplikum grölte vor lachen und fiel beinahe von den Sitzen, so lustig fanden sie dich, hahah. Alles wieherte und niemand konnte sich beruhigen, auch du nicht, dabei wusstest du nicht einmal warum. Der Magier, also Potter, versuchte das ganz clever zu umschiffen: „Ich weiß ja nicht was Sie gerade für Fantasien haben, aber..“

Applaus Applaus.

Froh warst du als sein Trick für welchen er dich „missbrauchte“ beendet war und du wieder auf deinen Platz durftest. Er führte dich, Hand in Hand, an all den fremden Gesichtern vorbei. Alberner Schmarrn. Aber irgendwie fandest du das toll. Deine damalige Chefin meinte Amor spielen zu müssen und in deiner Gleichgültigkeit hast du sie einfach machen lassen. „Wir finden ihn für Sie! Ich weiß wie er heißt! Ihr ward so süß!“ Sie hinterließ im Saal deine Nummer an ihn, Potter. 

Keine drei Tage später schrieb er. Und ihr habt euch bald getroffen, da er nicht mehr lang in der Stadt gewesen wäre. Ein schönes Treffen was in einem Desaster endete. Beidseitig. Der Kontakt danach blieb schwammig, beiderseits. Trotzdem habt ihr euch längere Zeit später nochmal getroffen. Ein lustiges zweites Treffen, mit einem noch immer sympathischen Mann. Aber eigentlich wusstest du nie wann er seine Kunst der Manipulation anzuwenden versuchte. Dennoch: Dieses Treffen kein Desaster, auch wenn er inzwischen Dutt trug. Ein bisschen was trinken, quatschen und Küssen. Dann Abschied. Er hielt deinen Schirm. Es regnete in Strömen. Ein Abschiedskuss, innig und heiß, auf bald, vielleicht. Beinahe vier Jahre sind vergangen.

Ich will dich treffen. Schreibt er.

Ich will dich küssen. Schreibt er. Du küsst so gut.

Deine Küsse schmecken immerzu nach mehr! Schreibt er.

Letzteres winkst du ab, die Gründe hierfür kennt er bereits vom ersten Treffen. Trotzdem interessiert er dich noch immer ein bisschen, der Mann außerhalb der Bühne, der Mann, welcher kein Scheinwerferlicht auf sich spürt. Der Mann mit seiner Anziehungskraft, seinem wunderbar bayrischen Dialekt und dem Charme, dem Humor und seinem Mund, der so gut küsst. Eigentlich ist er absolut nicht dein Typ. Eigentlich hat er alles was du eher nicht so sehr magst, z.T. optisch, wie innerlich. Und doch hat er was, was du einfach nicht benennen kannst.

Auf bald, Potter. Und lass doch bitte diesmal den Käse nicht einfach so verschwinden, mit diesem einen Wisch! (Wo war der denn nur abgeblieben, der Käsewürfel!? Blödsinn!) Käse ist zum Essen da!

©Netti

Traurige Wahrheit, oder schöne Einbildung!?*


©Moteens

Sie sitzt diesem Mann gegenüber. Er ist groß, muskulös und charmant. Erst gestern ist sie ihm begegnet, zufällig auf der Straße. Für einen kurzen Moment hat sie nicht aufgepasst, sie schaute im Laufen auf ihre vielen Einkaufstüten, prall gefüllt, und war in dieser Sekunde einfach abgelenkt, sie achtete nicht darauf wo sie hinlief. Dann prallte sie gegen ihn, er hatte einen Kaffee to Go in der Hand und kippte ihn ihr über die Hände, es war heiß, der wohl heißeste Kaffee den sie je spüren musste, wenn man bedenkt dass heißer Kaffee eher unüblich ist. Sie schrie kurz auf und er entschuldigte sich bei ihr, während sie sich zeitgleich bei ihm entschuldigte. Wie unachtsam von ihr! Er versuchte flink den Kaffee wegzuwischen, und fragte ob sie Schmerzen hätte, aber sie hatte keine, es war nur der kurze Schreck. Zur Entschuldigung wollte er sie einladen auf einem Kaffee am nächsten Tag.

Es ist heiß an diesem Tag und sie lassen sich von der Sonne erwärmen, die Strahlen der Sonne kitzeln sie im Gesicht. Nochmals entschuldigt er sich bei ihr, doch sie winkt ab, denn es war ja allein ihre Schuld, sie hätte besser aufpassen müssen. Sie unterhalten sich angeregt und lernen sich ein wenig kennen, so wie man sich in einer Stunde eben kennenlernen kann. Beide haben nur Mittagspause, sie müssen gleich wieder ihrer Arbeit nachgehen, er in einer Anwaltskanzlei sie als Redakteurin einer Zeitung. Sie nutzen die Stunde und lachen viel, sie verabreden sich gleich für den kommenden Abend. Er möchte sie in ein schickes Restaurant ausführen, schon jetzt überlegt sie, was sie wohl tragen soll. Sie verabschieden sich, auf morgen, Küsschen rechts, Küsschen links. Beide haben nichts bemerkt. Die Frau ein paar Tische weiter nimmt die Zeitung vom Gesicht und winkt den Kellner zu sich. Eine dunkel getönte Sonnenbrille bedeckt ihre Augen.

Er sitzt schon am Tisch und wartet auf sie, das Kerzenlicht erhellt seine markanten Gesichtszüge. Als er sie kommen sieht erhebt er sich sogleich. Zur Begrüßung gibt er ihr einen spontanen Kuss auf den Mund. Sie setzen sich nieder und erzählen viel, sie knüpfen dort an, wo das gestrige Gespräch endete. Der Kellner bringt die Karte und für beide einen Champagner. Mit einem innigen Blickkontakt stoßen sie mit ihren Gläsern an. Ein liebliches klirren ertönt. Beide sind sich schnell einig über Vor,-Haupt,- und Nachspeise, als der Kellner vor ihnen steht nimmt er dankend die Bestellung auf. Genüsslich nippt sie an ihrem Gläschen, während er sie interessiert beobachtet. Ein reizendes Lächeln umspielt seine Lippen. Der dunkle Drei Tage Bart gibt ihm einen verruchten Touch. Sie bemerkt seinen Blick, spürt ihn auf ihrer Haut, ein Kribbeln durchfährt ihren Körper. Ein lauter Knall lässt beide hochfahren.

Plötzlich wirkt er unruhig. Schnelle Schritte bewegen sich auf den Tisch zu. Stöckelschuhe klackern laut auf den Boden. Klack. Klack. Sie realisiert in dem Moment, als sie diese Frau sieht, die erst ihn wütend anfunkelt und dann sie. Die Frau ist außer sich, schreit wie eine Furie, als sie sieht wie er ihre Hände hält. Es schallt. Ein lautes Klatschen ertönt und hallt im Restaurant an den Wänden wider. Die Bewegungen rundherum frieren ein. Kein Scharren von Beinen und Rutschen von Stühlen mehr. Geschirr hört auf zu Klappern. Kein Klirren der Gläser, kein Gemurmel der Anwesenden. Blicke gerichtet auf das Spektakel vor ihren Augen. Drama. Senstaion. Sie weiß nicht wie sie sich verhalten soll, was tun, es ist ihr unangenehm, sie hat es doch nicht gewusst. Ist dies nun die traurige Wahrheit? Er ist vergeben? Die Frau knibbelt sich ihren Ring vom Finger und knallt ihn auf den Tisch. Etwas unnötig, denn die Ohrfeige ist mehr als deutlich. Mit ihren lauten Absätzen stolziert sie hysterisch aus dem Restaurant heraus. Die Tür knallt zu. Er blickt sie an. Sie blickt ihn an. Keiner sagt einen Ton. Noch immer ist rundherum Stille, als wollten alle wissen wie sie reagieren wird. Und er. Sie denkt alles und nichts, denn was war das hier gerade? Er ist offenbar verlobt, oder verheiratet, traurig, aber wahr. Kann sie auf etwas Hoffen worauf man aufbauen kann? Mit so einem Start? Er mag sie. Das zumindest möchte sie glauben. Aber er liebt seine Frau, das sagen seine Augen, in denen ein leichter Tränenschleier schimmert. Sie stellt das Glas auf den Tisch, ihr fällt jetzt erst auf, dass sie es die ganze Zeit über in den Händen hielt. Sie steht auf, schiebt den Stuhl an den Tisch und verlässt den Raum. Alles erwacht aus der Starre, es wird weiter gegessen und es wird weiter gelacht. So als wäre die Show nur eine Einlage des Abends, während die Gäste ihr Abendmahl genießen und auf einem Bissen Schweinemedallion herumkauen, der ihnen beinahe ihm Halse stecken geblieben wäre.

©Netti

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* Dies ist mein erster Beitrag zum Aufruf und der Bitte um Beteiligung des Projektes von Moteens. Sie hat ein Projekt ins Leben gerufen, was sich „Gedankentausch“ nennt. Vorgegeben wird ein Satz, eine Überschrift, ein Wort. Alle die daran teilnehmen möchten, dürfen es. Es gibt keine Vorschriften, kein Muss, kein Soll. Es darf geschrieben werden frei von der Hand, was auch immer zum vorgegebenen Thema für Gedanken auftauchen. Einzig die Zeitbegrenzung zum Veröffentlichen sollte eingehalten werden. Der Sinn dahinter kein Anderer als der, sich mit all den Anderen auszutauschen. All jene, die daran teilnehmen veröffentlichen bis zum angegebenen Zeitpunkt seinen Beitrag mit der Verlinkung zur Seite von Moteens und verlinken ihren Beitrag in den Kommentaren zu ihrem Beitrag oder hinterlassen ihr eine E-Mail. Ich bin gespannt was für Gedanken zu den Themen noch so anfallen, sie werden alle unterschiedlich sein, alle speziell, jeder Beitrag für sich. Lehrreich, amüsant, traurig, zum Nachdenken anregend, lustig und fröhlich, alles was so ein Beitrag sein kann. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht heute zum ersten Mal daran teilnehmen zu dürfen, mit dem Thema: „Traurige Wahrheit oder schöne Einbildung!?“, und ich freue mich, Moteens, dass du mich direkt gefragt hast, ob ich Lust hätte mit dir diese Zusammenarbeit zu starten. Leider habe ich den ersten Gedankentausch verpasst, sodass ich meine Gedanken und den Beitrag dazu nicht mit euch teilen konnte. Aber es ist nie zu spät für irgendwas. Ich freue mich auf alles was kommen mag…….

Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft. Es setzt aus. 1/2

Irgendwann hast du vergessen, dass deine Vergangenheit dich doch mal wieder einholen könnte. Nie hättest du gedacht dass du dir selber dieses Grab schaufelst, in dem du einst schon mal hineinblicktest, von oben herab. Schuld daran ist nur diese blöde App, die mit dem Fingerwisch, in denen du Herzchen verteilen und Leute wegwischen oder zu dir hinwischen kannst. Du blätterst dich also durch die ganzen Gesichter durch, möchtest nur  kurz vorbei schauen, mal hallo sagen, oder auch nicht. Du wischst also nach links, ein X, und das Bild verschwindet in der hinterletzten Versenkung. Du musst ein bisschen lachen, über die zum Teil sehr ulkigen Profilbilder. Es gibt auch Bilder die machen dir Angst, so gruselig sind die, weil es Leute gibt die sich dort halbnackt darstellen. Du gibst dir maximal 5 Tage für diesen Spaß den du einfach nur mal testen magst. Ein bisschen rumschreiben, das machst du doch so gern. Mehr willst du auch gar nicht. Nur schreiben. Dann folgen ein paar normale Fotos. Von Männern die ganz gut anzuschauen sind, ein freundliches Lächeln haben. Du wischst also freudig nach rechts, ein paar Mal hintereinander, du bist da gerade so drinne, als ein Bild auftaucht und du beinahe weiter wischst. Nach rechts. Wodurch am Ende ein Match entstehen könnte. Wenn die Person auch nach rechts wischt (sozusagen das Gefällt mir dieser App) dann entsteht ein Match und beide finden sich total toll. Dein Finger bleibt noch gerade rechtzeitig in der Luft verharren, es fällt schwer dem Verstand zu sagen dass der Finger jetzt nicht wischen darf, gar nicht. Du realisierst sofort als das Foto auf dem Display deines Handys vor deinen Augen auftaucht. Das Herz setzt aus. Es schlägt nicht mehr. Du hörst auf zu atmen, hast vergessen wie das geht. Du blickst in die Augen dieses Bildes, du blickst in die Augen des Mannes, der dein Herz mit Füßen zu Boden trat. Der Fotograf schaut dir mit einem falschen Lächeln ins Gesicht. Sofort bist du wieder gefangen in dem Moment an dem alles begann: 

Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

Der Moment, der nicht nur eine Hoffnung entstehen ließ, sondern auch noch zerstörte, mit jedem erneuten Treffen was folgte…
Du verharrst mit dem Blick auf diesem Bild und seinen Augen die so viele Halbwahrheiten erzählten. Du verharrst und kannst es gerade einfach nicht fassen. Dann zwingst du dich. Und du schließt die App, du drückst sie weg um den Wischzwang zu umgehen. Wischen. Keinesfalls darfst du bei diesem Bild, bei ihm, den Fotografen, wischen, schon gar nicht nach rechts. Für den Augenblick hast du diese App geschlossen, und du musst das erstmal sacken lassen, denn jetzt gerade fühlst du dich ein bisschen verarscht.

©Netti

Lauthals.

Lachen! Es ist schön, endlich wieder lachen zu können. Und es auch zu dürfen. Man lacht. Laut und echt und von Herzen, aus dem tiefsten Inneren heraus. Weil das Gesagte so viel Spontanität erzeugt, dass da Freude ist und ein kleines bisschen Glück, weil da jemand ist, der dich zum Lachen bringt, und es gern hat, wenn du es zeigst, dieses Lachen was ein echtes ist. Dreckig. Nicht schmutzig aber dreckig, denn Dreck gefällt ja. Den Männern. Und auch dir. Und da auch du ein kleines bisschen Kerl bist gesellt sich gleich und gleich nun mal gern. Und so darfst du einfach du Selbst sein, es ist kein Frage Antwort Quatsch,-sondern eine Unterhaltung die spaßiger nicht sein könnte. Und dann gehst du, weil du früh raus musst, um zu arbeiten. Es wird nach deiner Hand gegriffen und sie wird gehalten und gedrückt, ganz sanft. Auch wenn der Schweiß zwischen den Händen Schmatz Geräusche macht, die Hitze so spürbar. „Wenn das eklig ist..“, meint er nur lachend ohne zu Zwinkern, denn einseitiges zwinkern beherrscht er nicht, „…sag es bitte.“ Aber du findest es okay. Und das sagst du auch. Seine Hand in deiner. Und so lauft ihr die Straße entlang…, es ist dunkel und still und ihr braucht nicht zu reden, denn der Moment spricht in diesem Augenblick für sich. Auch wenn er schnell vorüber ist, hängt er doch noch lange nach..

©Netti

Auf ein (Nimmer)Wiedersehen!? 2/2

Du sitzt in der Bahn auf dem Weg in die Stadt, denn der Mensch der dich bei der letzten Bahnfahrt ansprach, möchte sich mit dir treffen. Das Wetter ist schön, die Sonne strahlt mit ihrer Wärme und Freude durch die wenigen Quellwolken am Himmel. Du streckst dein Gesicht in Richtung des Lichtes und genießt in schweigsamer Vorfreude den herannahenden Sommer. Die Bahnfahrt verläuft ruhig. Auch wenn du eigentlich keine Lust hast, auf das Treffen mit diesem fremden Menschen, bist du doch ein wenig aufgeregt, weil du dich gleich unterhalten musst, du musst Worte finden, die du sonst nur schriftlich parat hast, du musst Antworten finden, auf seine Fragen, die dich in die Enge drengen werden. Du bist etwas zu früh, denn du möchtest nicht gleich hinhetzen, zu dem Treffpunkt, ihr möchtet bei dem schönen Wetter ein Eis essen gehen, und gemütlich in der Sonne ausharren. Also hast du noch etwas Zeit und du lässt dich nieder auf einer Bank, mitten in der Stadt, so kannst du ganz gemütlich die Blicke schweifen lassen und Leute beobachten, das machst du ja so gern. Beobachten. Nicht starren. Du zündest dir eine Zigarette an und reckst den Hals, dein Gesicht schaut genau in die Sonne, für einen kurzen Moment schließt du einfach nur die Augen, du denkst an nichts, sondern du fühlst die wärmenden Strahlen auf deiner Haut, du riechst die sommerliche Brise, die Sonnenmilch, und all die Dinge, die der Sommer mit sich bringt. Als du deine Augen wieder öffnest hast du das kurze Gefühl beinahe zu erblinden, Farben verschmelzen zu einem einzigen, blendenden Feuerball, die Menschen um dich herum sind plötzlich grün und rot, blau und gelb. Kleine Lichtpunkte tanzen vor deinen Augen, bunte Kreise bewegen sich durch die Lüfte und schweben leise und leicht hinauf in Richtung Himmel, bis sie mit der Sonne verschmelzen und Eins werden. Dein Blick bleibt an einer Taube haften, welche ihren Weg durch die Menschenmassen bahnt, sie ist dreckig und doch erstrahlt ihr Gefieder in den schillerndsten Farben. Eigentlich hasst du Tauben, doch gerade in diesem Moment fühlst du dich irgendwie mit ihr verbunden, mit dieser einen Taube, ihr Kopf schimmert lila, vielleicht ist das eine besondere Taube, die sich suchend auf dem Boden nach etwas zu Fressen umblickt. Ihr Schnabel pickt immer wieder in den Asphalt, in der Hoffnung auf etwas Essbares zu stoßen, was die Passanten achtlos haben fallen lassen. Die Taube läuft eiligen Schrittes und völlig planlos durch die Gegend, der Kopf ruckt in schnellen, kurz abgehakten Bewegungen vor und zurück. Wahrscheinlich gibt sie gurrende Laute von sich, wäre es etwas leiser könntest du es sicher hören, doch die Laufgeräusche, das Menschengemurmel und die Straßenmusikanten verschlucken den Moment. Die Menschen achten nicht auf das kleine Wesen am Boden, es muss Acht geben, dass es nicht überrannt wird, läuft hin, her, hin, her, hin, her. Und hin und her und hin und her. Hin. Her. Kurz empfindest du Mitleid gegenüber diesen Geschöpfes, doch auch Bewunderung. Es fasziniert dich, wie planlos und doch vorsichtig es sich fortbewegt. In dieser Hinsicht kommt es dir vor wie ein Abbild deiner Selbst. Wahrscheinlich hättest du eine Taube werden sollen, wärst du nicht als Mensch auf diese Welt gekommen. Stattdessen lagst du im winzigen Brutkasten, -um dein eigenes Leben kämpfend. Das Einzigste was dieses Tauben-Wesen wahrscheinlich denken kann ist: „Hunger“. Auch dein Hunger meldet sich langsam bei dir zurück, du freust dich auf das Eis. Eine Nachricht blinkt auf deinem Handy auf, wahrscheinlich ist ihm noch nicht aufgefallen, dass du auch WhatsApp besitzt, was nicht weiter störend für dich ist. Er schreibt er ist schon da, steht vor dem Eiscafé, und trägt eine Jacke, blau. Wie auffällig, aber so kannst du wenigstens flink davon laufen, wenn du schon von weitem bemerkst, dass dieser Mensch so gar nicht geht. Du musst dümmlich grinsen, willst aber nicht oberflächlich sein. Die Jacke leuchtet grell, so dass es schon fast in den Augen schmerzt. Du läufst auf ihn zu und ihr begrüßt euch mit einem schüchternen: „Hey!“, während du  nervös vor ihm stehst. Er trägt eine Sonnenbrille um seine Augen zu verdecken, auch du verdeckst dein Innerstes. Möchtest ihm ungern deine Seele zeigen. Dennoch nimmst du die Brille ab und auch er tut es dir gleich. Flüchtig reicht ihr euch die Hände, wie man das so macht, als Begrüßung unter unbekannten Menschen. Ihr pflockt euch an einem freien Platz und schaut euch erstmal an, neugierig, vorsichtig. Dir selber ist es unangenehm, denn du hast keinen Schimmer ob du ihn gern anschauen möchtest, ob der Blick auch automatisch zu ihm hingleiten und an ihm hängenbleiben könnte, doch bisher hältst du seinem Blick nicht stand, immer wieder wendest du deinen Kopf ab und schaust interessiert in die Menschenmassen, die an euch vorbeieilen. Wo sie wohl hingehen? Der Mann neben dir hat ein nettes Lächeln, und freut sich, dich zu sehen. Deine Freude behältst du für dich, denn es ist dir irgendwie gleichgültig. Du freust dich dass die Sonne scheint, und die Strahlen dein Gesicht wärmen, während du es in die Sonne hältst und den Duft in dir aufnimmst. Ihr bestellt euch ein Eis. Du wie immer eine Eisschokolade, Veränderungen hasst du, weswegen du dich gern an Altbekanntes klammerst, es gibt auch einen Strohhalm, an dem kannst du dich festhalten. Auch darauf freust du dich. Der Mann zu deiner rechten grinst dich viel an, so groß ist seine Freude dich zu sehen. Er möchte vieles von dir wissen und auch wenn du nicht erzählen möchtest, du möchtest gerade viel lieber zuhören, gibst du nur das Nötigste von dir Preis. Wieder nervt dich diese Phase des Kennenlernens und der peinlichen Fragen. Du überlegst, wie es bei ihm war. Bei ihm den Fotografen. Und du stellst fest, dass das mit nichts zu vergleichen ist. Plötzlich bist du wieder traurig und irgendwie bist du dir fast sicher dass das mit dem grinsenden Mann hier nichts werden wird. Ein bisschen bist du enttäuscht von dir Selbst, aber auch erleichtert. Ihr redet eigentlich ganz angenehm, du bist froh wenn er erzählt, dann musst du nichts sagen und kannst zuhören, nebenbei löffelt ihr schweigend in eurem Eis und du hängst an dem Strohalm, klammerst dich dran fest um dich nicht zu verlieren, in ihm, den Fotografen. Als er wieder versucht die Sprache auf dich zu lenken, um Dinge von dir rauszukitzeln, fragt er eine Frage die an deinem Nerv zerrt und du überlegst aufzustehen und zu gehen. Er fragt, wo deine Eltern leben und ob sie geschieden sind, ob sie noch immer einen guten Kontakt zu einander haben, und ob sie im Guten auseinander gegangen sind. (Nicht weit von hier, ja einen Recht guten Kontakt, ja,ja im Guten Auseinander gegangen, das kann man schon so sagen..) Als du nicht mehr länger ausweichen kannst und dann noch mehr auf das Thema Papa eingegangen wird, er dich damit an die Wand drängt, dich umzingelt und dir beinahe ein Messer in die Brust rammt sagst du: „Hey ich mag da jetzt einfach nicht drüber reden! JA!?“ Das Ja brüllst du beinahe, es ist dir fast schon unverständlich, wie man einfach nicht checken kann, dass das Thema gerade gar nicht passt. Abweisender hättest du gar nicht antworten können. Er entschuldigt sich, ohne zu wissen wofür und du möchtest am Liebsten weinen, aber du lässt es bleiben, stattdessen wiederholst du das Spielchen mit der Sonne, sie wärmt dich ein bisschen, denn innerlich ist dir plötzlich eisekalt. Nachdem euer Eis aufgelöffelt ist spaziert ihr noch ein wenig durch den Park, der Wind pfeift in kalten Böen um die Ecke, während die Sonne an Wärme verliert, Quellwolken versperren immer wieder ihre Sicht. Er setzt sich auf seine Jacke und du dich auf deine Tasche, während du vorher die Zigaretten vor deinem Hintern gesichert hast. Du rauchst eine Zigarette, klammerst dich an ihr fest und pustest die blöden Gedanken aus deinem Hirn raus. Du bietest ihm auch eine an und ihr raucht zusammen, während er wahrscheinlich nicht nur seine Gedanken, sondern sein komplettes Inneres heraus pustet, so laut pustet der, irgendwie stört dich das. Auch würdest du gern allein hier sitzen, dich nerven seine Fragen die fragen was denkst du gerade? Du stellst fest dass es tatsächlich blöde Fragen gibt, nicht nur blöde Antworten, denn auf die Frage „Warum hast du eigentlich keinen Freund.“, gibt es nicht nur keine Antwort, sondern du möchtest ihm am Liebsten deine Faust in seine Fresse rammen. Wenigstens gibt er zu, dass das eine beschissene Frage ist. Trotzdem ist sie ganz nett die Unterhaltung die ihr führt, wenn du mal nicht sprichst, denn irgendwie ist dir nicht danach. Du (ver)traust ihm nicht, warum kannst du nicht benennen, wahrscheinlich hat der Fotograf dein Vertrauen gestohlen, und weggesperrt, sodass du da nie wieder drankommst. Nach der Zigarette rauchst du gleich noch eine, aber deine Nervosität und das schleichende Unbehagen lässt sich einfach nicht wegpusten. Du stellst dir vor wie du ihn öfter triffst. Und du fragst dich ob du ihn küssen könntest, wenn du wolltest, doch etwas in dir ist auf Ablehnung getrimmt. Dieses Grinsen… Während er sich leicht streckt blitzt sein kleiner, blasser Bauch hervor, leichte Härchen sind darauf zu sehen. Dieser Anblick nervt dich eher, als dass er irgendwas in dir bewirkt. Du kannst dir nicht vorstellen wie du ihm näher kommen solltest. Sein leichter Duft weht während einer leichten Brise zu dir rüber, und du weißt nicht ob du ihn als angenehm empfinden sollst. Irgendwie ist dir gerade ein bisschen schlecht von dem Duft. Er erzählt derweile dass er gern mal verreist, er möchte gern mal an den Nordpol in einer Hütte sein, dazu braucht er aber einen Aufpasser mit einem Gewehr, einen der sich auskennt, wegen der Eisbären. Die sind wohl ganz, ganz böse, und gefährlich und dem Bär interessiert das nicht, dass du ihn niedlich findest. Jetzt musst du lachen. Das erste Mal. Das findest du traurig, denn du lachst gern und bist eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch, wo dieser fröhliche Mensch wohl abgeblieben ist? Als es merklich kühler wird beschliesst du aufzubrechen, deine Zähne schlagen bibbernd aufeinander. Er bietet dir seine Jacke an, obwohl selbst er eine Gänsepelle auf der Haut spazieren trägt, also lehnst du dankend ab. Während ihr schweigsam den Weg zurück lauft, bleibt ihr an seiner Haltestelle unbeholfen voreinander stehen. Als er fragt ob ihr euch wieder seht wendest du kurz den Blick von ihm ab, innerlich befällt dich gerade eine Schweißattacke, du hast keinen Strohhalm, an dem du dich festklammern kannst. „Klar!“, sagst du ihm und ringst dir ein Lächeln ab, weil du gerade im Moment daran glauben magst, du magst gern selber an das Glauben, was du ihm ins Gesicht versprichst. Lächelnd schaut ihr euch an und er umarmt dich, irgendwie vorsichtig, so, als könntest du bei seiner Berührung zerbrechen, aber vielleicht würdest du das sogar auch. Du läufst los, ohne dich noch einmal umzudrehen, und trotz dass du dieses Mal keinen Rauch eingeatmet hast, pustest du endlich all die Anspannung aus dir heraus.

©Netti

Wie war nochmal der Masterplan?

Du steigst nun schon leicht beschwippst aus der Bahn aus. Die Blase drückt, damn it, also hechtest du noch flink zum Bahnhof um eine Hütte aufzusuchen. Du willst zwei Euros in den Schrankenautomaten werfen, aber die Eule dahinter, welche die Hütten bewacht, mault dich doof von der Seite an. „Da geht nur ein Euro rein, junge Dame!“ Das schnallst du nicht, also beschließt du so zu tun, als sprichst du ihre Sprache nicht. Deine Hand nimmt die zwei Euros zum Schlitz und die Alte springt beinahe im Dreieck. „Hallo!? Sie müssen wechseln!“ Das kapierst du erst recht nicht. Ja wie sollst du denn jetzt bitte wechseln und vorallem wo? Du funkelst zurück. „Ja aber, wo denn bitte?“ „Na am Automaten.“, keift sie dich voll. Fragend schaust du sie an. Mit ihrem wurstigen Finger zeigt sie auf den blauen Wechselautomaten der 2 Euro in 1 Euros wechseln soll. Wie sinnlos ist das denn bitte. Als du endlich erleichtert bist, gehst du durch die Schranke zurück nach draußen, bloß weg hier, und schaust dich zu der Krähe um.

„Die Klapse hat heut Wandertag!“ „TSCHÜSSIIIIE!“, sagst du ihr zuckersüß ins Gesicht.

Die Uhr verrät dass du fünf Minuten drüber bist, über der Zeit, nun musst du ranklotzen. Du sputest dich und rast über die Straßen. Hoffentlich ist er schon da. Du hasst es, wenn du diejenige bist, die warten muss. Aber auch er ist noch nicht da. Er, der Fotograf. Also läufst du noch etwas die Straßen hoch und runter. Von weiten siehst du ihn dann schon auf dem Radl angefahren kommen. Seine Jacke schwarz. Er lächelt dich freundlich an. Und du bist plötzlich wieder aufgeregt wie doof. Der Sekt dreht Kreisel in deiner Birne, aber angenehme, nichts schlimmes. Er entschuldigt sich, dass er zu spät ist und nimmt dich in die Arme. Das ist gut, dann musst du nicht all deinen Mut zusammenkratzen. Du bemerkst dass er erkältet ist, als er spricht. „Ohr nee, bist du krank oder was? Na suuper. Jetzt kann ich dich nicht mal küssen. “ Du lachst und er stimmt in dein Lachen ein. Er hat vergessen dich darauf hinzuweisen. Ihr geht die Treppen hoch und steuert die Ecke an, an der ihr zu eurem ersten Treffen Platz genommen hattet. „Wieder der Platz vom letzten Mal?“, fragt er dich. „Gern!“ Dieser ist sogar noch frei. Obwohl es ansonsten recht voll ist. Er deutet auf deinen freien Platz und ihr setzt euch einander gegenüber. Schon bringt die Kellnerin die Karten und fragt nach dem Getränkewunsch. Er bestellt kein Hefe Weizen, aber ein großes Radler und du bestellst keinen Sekt aber einen Prossecco. Nun hast du endlich die Gelegenheit, ihn dir genauer zu betrachten, denn du hast ihn nun schon viel zu lange nicht sehen dürfen, so lange dass du dein Zeitgefühl komplett aus den Augen verloren hast. Er trägt eine dunkelbeige Stoffhose und ein grob kariertes Hemd, was ihm unglaublich gut kleidet. Auf der Nase seine Brille, die du sehr an ihm magst. Er schaut schon scheiße aus. Also kaputt. Knülle. Erledigt. Müde. Tot. Seine Krankheit hat sich an ihn drangeheftet und frisst ihn auf. Weiche von mir. KKKkkkkkkkkkkkssssssssch. Du erfährst dass er müde ist, obwohl er bis drei geschlafen hat. Das erklärt alles, und er hätte sich am liebsten geohrfeigt dafür. Hätte er mal. Na wenigstens freut er sich, dass ihr euch trefft, sonst wäre er wohl im Bett liegen geblieben. Ihr schaut ewig, ewig und ewig in der Karte rum und könnt euch einfach nicht entscheiden. Ihr beide nicht. Die Kellnerin schickt ihr immer wieder weg. Ihr fragt euch gegenseitig über die Speisen aus, seid hinterher aber doch nicht schlauer. Dann irgendwann bestellt ihr. Du sagst ihm was er das letzte Mal hatte, denn das weißt du noch wie heute, und er bestellt genau das. Eine Salamipizza. Und du, du hast keinen Hunger, das hast du auch vorausgesagt aber er möchte dass du isst, denn alleine essen ist halt einfach scheiße. Du willst nicht so sein und bestellst dir eine Kartoffelsuppe. Da stehst du drauf und mehr würdest du auch einfach nicht runter bekommen. Ihr stoßt an mit euren Getränken und dieses Mal, heute, blicken seine Augen genau in die Deinen. In deinem Bauch schlagen die Schmetterlinge mit ihren Flügeln gegen deine Rippen. Es kitzelt und fühlt sich ein bisschen so an wie ein Flugzeug. Ein Flugzeug am Himmel, wenn es auf guter Höhe in ein kleines Luftloch gerät. Ein harmloses, leichtes, aufregendes Luftloch, was deinen Adrenalinspiegel in die Höhe schlagen lässt. Du möchtest unbedingt wissen wie es ihm so geht, und ob er tatsächlich bald fort geht. Er berichtet dass er noch keinen Praktikumsplatz hat, und so schnell geht er auch nicht, also auf jeden Fall nicht gleich zum 1.12, auch wenn er bis dahin gekündigt hat. Du bittest ihn darum dir zu verraten wie die Kündigung verlaufen ist und wie sie reagiert haben, die Kollegen und die Chefin. Du erfährst so viel und es freut dich. Es freut dich wie super ihr euch versteht, es freut dich, dass ihr euch tatsächlich was zu sagen habt, es freut dich, dass du dich wieder so unglaublich wohl fühlst in seiner Nähe. Hast du etwas anderes erwartet? Die Andere erwähnst du mit keiner Silbe und du hoffst dass auch er ihren Namen nicht in den Mund nehmen wird. Denn die Stimmung ist gerade sehr locker und flockig. Ihr lacht viel. Blödelt rum, habt Spaß. Zusammen. Wenn er lacht erkennst du dass er wirklich lacht, sein Lachen ist echt, das erkennst du an seinen Augen, denn dieses Mal lachen sie mit. Seine Augen lachen mit. Du kannst dich nicht erinnern, jemals mit einem Menschen so viel Spaß gehabt zu haben. Das Essen kommt schon bald und ihr legt los. Während des Essens führt ihr nur seichte Konversation, damit ihr euch nicht gegenseitig Krümel und Tropfen ins Gesicht pustet. Ihr lasst euch Zeit mit dem Essen, ihr sitzt ewig daran. Er hat keinen großen Hunger und auch du hast zu kämpfen, doch daran sind nur die Schmetterlinge Schuld in deinem Magen, welche er nicht mal ansatzweise erahnen kann. Als ihr das Besteck gelegentlich beiseite packt kommt die Kellnerin und macht von naher Entfernung Anstalten die Teller gern mitnehmen zu wollen. Aber hey,- du bist ja noch gar nicht fertig,-und löffelst fröhlich weiter. Ihr schaut euch an und prustet wieder los vor lachen. Hoffentlich hast du ihm nicht ins Gesicht gespuckt, etwas von der Suppe aus der Schale vor dir. Hängt dir jetzt etwa eine Kartoffel am Kinn? Irgendwann sitzt ihr vor leeren Tellern und so sitzt ihr ziemlich lange, doch an Unterhaltung fehlt es trotzdem nicht. Ihr bestellt noch eine Runde. Ihr redet und redet. Du bist glücklich, dass er so schnell nicht verschwinden wird, du hast was anderes erwartet. Er fragt dich, ob du mit ihm zu Kurt Krömer magst, doch du hast ja selber schon eine Karte, nur in einer anderen Stadt, was er bereits weiß. Doch wenn du nochmal für die Karte zahlen musst möchtest du das nicht. Denn billig ist der Krömi gewiss nicht. Es hat dich damals nicht überrascht, dass ihr den gleichen Comedian mögt, denn ihr lacht über die Selben Dinge. Dennoch freut es dich ungemein und du würdest dir nichts mehr wünschen, als mit ihm dorthin zu gehen. Er hat noch keine Begleitung und das soll auch so bleiben. Denn du bist es, den du an seiner Seite siehst. Du möchtest in sein Lachen einstimmen, du möchtest ihn glücklich sehen. Du möchtest einfach einen weiteren Tag mit ihn verbringen. Noch einen weiteren Tag, der dich glücklich macht, weil du bei ihm sein kannst. Du genießt jede Sekunde in seiner Nähe. Denkt er da genauso? Dein Getränk ist schon wieder alle. Also kommt Nachschub. Er fragt dich, ob er dich portraitieren darf und du glaubst dich verhört zu haben, beinahe verschluckst du dich an deinem Sprudelwasser. Was bitte? Er möchte gern eine Mappe anfertigen und Aufnahmen von dir haben, das heißt wenn du nicht noch immer beleidigt bist. Den letzten Satz überhörst du und du fragst nochmals nach, denn du bist dir einfach nicht sicher ob du ihn jetzt echt verstanden hast. Er setzt noch einen drauf und möchte die Fotos bei sich machen. Hä?  Er lädt dich zu sich nach Hause ein, da wo doch sonst nur die Andere war. Er möchte gern mit dir kochen, da du es nicht kannst kocht er halt, und dann, dann möchte er einen Film mit dir schauen. Scary Movie. Nicht nur einen Teil, am liebsten Alle. Auch wenn du Scary Movie nicht sehr magst, du magst nur den ersten Teil, bist du einfach platt. Du bist platt und kannst nicht anders als ernst zu nicken und ihm zuzustimmen. Es ist dir kackegal was für ein verdammter Film das ist, es ist egal was er so unbedingt mit dir schauen möchte. Du würdest alles mit ihm schauen. Auch wenn dir die Augen zufallen vor Müdigkeit, aber du würdest bleiben. Du würdest neben ihm sitzen bleiben, vielleicht auch liegen. Und es würde sich gut anfühlen. Und vielleicht sogar für ihn. Oh Gott, er mag dich echt bei sich haben. Die Kellnerin möchte euch schon mal abkassieren, das verstehst du ja gar nicht. Was ist denn das für eine Bedienung, und so unhöflich. Die versteht ja nicht mal seine Späße. Du würdest dich totlachen, vor Lachen, wenn du so einen Clown zu Gast hättest. Du würdest dich totlachen über seinen so herrlichen Humor, wenn du es wärst, die ihn bedienen würde. Aber du würdest ihm wahrscheinlich auch einfach nur um den Hals fallen, weil er klasse ist. Er lädt dich ein ohne irgendetwas vorauszusetzen und fragt dich nach deiner PIN, als er seine Karte in den Schlitz steckt. Ihr wiehert los. Als die Kellnerin mit dem Stock im Hintern wieder abdackelt zeigt er dir seine zwei Nichten aus seinem Portemonney. Und du bist gerührt. Du bist gerührt, dass er sich dir gegenüber so sehr öffnet. Du bist dir sicher, dass er ganz wunderbar zu seinen Mädels ist, mit Kindern ganz hervorragend umgehen kann. Plötzlich beschleicht dich ein ganz eigenartiges Gefühl, direkt aus deinem Herzen. Nein! Nein! Das kann darf nicht sein! Gänsehaut kriecht deinen Körper hoch. Er zückt sein Handy, denn nun möchte er dir noch mehr seiner Fotos zeigen. Noch mehr Fotos zeigen. Er zeigt dir so viel und du bist geplättet. Geplättet von so viel IHM. Von so viel Wissen über sein Leben, so vieles was du nun ableiten kannst, durch die Fotos, aber nicht nur das. Denn er erzählt. Er erzählt kleine Geschichten zu all den Fotos und du bist unglaublich gerührt. Du hörst ihm aufmerksam zu, möchtest alles speichern, und ja nichts vergessen, damit du weißt und auch behalten kannst was du all die Zeit so unbedingt über ihn erfahren wolltest, auch wenn das längst noch nicht alles ist. Du fragst nach, wenn du etwas näher erklärt haben möchtest, du hakst nach, wenn er etwas sagt, was du nicht auf Anhieb verstehst. Er ist ein guter Erzähler und sehr sehr geduldig. Ein wohliges Gefühl durchfährt deinen Körper. Er schaut dir intensiv in die Augen bis dir schwindelig davon wird.

Scheiße. Dir wird grad irgendwie anders. Dein Kopf dreht grad, irgendwie ganz leicht. Obwohl dir schon die ganze Zeit sehr heiß ist, wird dir nun heiß und kalt, und das abwechselnd. Dir bricht leichter Schweiß aus, und dir wird schwummerig, im Kopf und nicht nur da. Deine Füße fühlen sich plötzlich so leicht an. Kackmist. Kipp jetzt hier bloß nicht um. Der Fotograf redet weiter und du nickst und nickst. Atme! Atme! Das du gern mal hyperventilierst weißt du seit deiner letzten Operation und das darf dir jetzt hier keinesfalls passieren. „Chill mal! Entspann dich! Sei locker! Alles gut. Alles easy. Alles cool!“, redest du dir innerlich Mut zu. Du atmest tief ein, die Luft hier ist aber auch zum Schneiden abartig.

Als du diese kurze Panikwelle überstanden hast bewirft er dich plötzlich mit Papierkügelchen, bestehend aus eurer Rechnung. Kugel Nummer eins  trifft in deinen Schoß. Nummer zwei landet in deinem Ausschnitt. ÄHM!? Ihr lacht lauthals. „Wie alt bist du man?“ Du klaubst die Kügelchen von deinen Körperstellen runter und schlägst ihn mit seinen eigenen Waffen. Welche ihn direkt an der Birne trifft. Es ist dir Schnitte, dass euch alle doof von der Seite anschauen, denn mit ihm kannst du sein wer du bist.

Du setzt seine Brille auf deine Nase, welche dir immer wieder hinunter rutscht.  Er schmunzelt und sagt, „Komm, gib mal dein Telefon, ich mach ein Foto, damit du siehst, wie´s ausschaut.“ Du bist verwundert über seine so freundliche Art. Was geht denn bei ihm? Du gibst und er schießt ein Foto. Und noch eins. Dann sagt er leise nur, du musst dich anstrengen damit du verstehst, aber du verstehst tatsächlich richtig, „Das ist süß.“ Süß? Die Schmetterlinge in deinem Bauch melden sich flügelschlagend zurück. Aufgeregt drehen sie ihre Runden. Versehentlich macht er ein Selfie mit deinem Handy. Ein Selfie von sich. Hä?

Irgendwann beschließt du, dass du los musst, denn du willst die Bahn nicht verpassen. Dieses Mal nicht. Du nimmst deinen orangenen Blazer. „Der ist schön! Ist er neu?“, fragend blickt er dich an. Also heute schießt er echt den Vogel ab. „Nö.“, sagst du ganz nebenbei.

Draußen weht euch ein kalter Wind um die Nase und Flocken wirbeln zu Boden. „OOOOHR Schnee!“ Der Fotograf guckt wie ein Kind. „Ähm!? Es hat heute schon mal geschneit.“ „Ah echt? Ja scheiße, da hab ich gepennt.“ Du stöhnst. So ein Idiot. „Ich kann dich noch zur Bahn bringen? Aber fahren lieber nicht. Nicht dass das Radl wieder kaputt geht.“ „Hah! Ähm nein, danke, geht schon. Diesmal bekomm ich das schon geschissen, das mit der Bahn. Zumindestens das.“ Er umarmt dich und fährt los. Ihr entfernt euch von einander. Er fährt in die eine Richtung, während dich deine Beine von ihm weg tragen, in die Richtung die zur Straßenbahn führt. Nun schneit es dicke Flocken. Schneeflocken bleiben an deinen Sachen hängen. Sie bleiben kleben an deiner Kleidung, verschmelzen mit der Hitze deines Haares. Du wirfst den Kopf nach oben und siehst, wie die Flocken auf dich niederfallen. Lautlos und hell. Fast blendend lassen sie sich auf deinem Gesicht nieder. Dich umgibt ein Glücksgefühl. Schnee! Schöner hättest du dir ein Ende gar nicht vorstellen können. Für ihn, den Fotografen.
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© Netti