Mal wieder nur ein Schmerz der bleibt. 

Weil Worte verlogene Schweine sind. 

Manchmal ist man gezwungen. Gezwungen los zu lassen. Gezwungen zu vergessen. Da ist der Schutzwall den du mühevoll hast zerfallen lassen, einfach weg. Der ist weg denn du spürst da plötzlich wieder das was du eigentlich meiden wolltest. Schmerz. 

>>Bevor du etwas bekommst musst du auch immer erstmal etwas geben.<<, sagt deine Freundin zu dir, als du ihr alles erzählst. Alles was war und ist, zwischen ihm und dir.

Sie kennt dich. Sie weiß wie du bist. Dass du gern viel hättest, selber aber kaum geben kannst, nicht weil du nicht willst, sondern weil du nicht kannst. Oftmals verstecktest du dich in deinem Panzer um sicher zu sein, vor dem Schmerz der folgen könnte.

Was aber wenn du nun gegeben hast. Zu viel Gefühl. Zu viel Hoffnung. Wenn du gegeben hast ohne zu bekommen, weil dein Instinkt dir sagte da stimmt was nicht. Aber was. Was stimmt denn nicht mit dem!? Wie also ist es möglich den Schutzwall wieder aufzubauen, die Mauer die du dir einst so akkurat und sorgfältig aufgestellt hast!? Und wie oft muss man immer wieder von vorne beginnen? Wie oft muss man tatsächlich geben um auch zu bekommen!? Vertrauen. Glaube. Liebe.

Gerade ist da keine Hoffnung nur der Schmerz der dir sagt dass du einfach nicht genug bist. Nicht genug um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nicht genug vielleicht sogar treu zu sein. 
Nachrichten wieder nur Nachrichten. Wischiwaschi. Schwammige Aussagen. Kein Ich mag dich. Kein Lass es uns wenigstens versuchen. Zu feige?

Kein Gefühl mehr intensivieren. Sagt er.

Aus Angst dass das Vermissen umso größer wird.

Nichts mehr aufbauen.

Nur die Couch und DVDs zum schauen. Quasi, so verstehst du diesen Wischiwaschi Text.

Film schauen.

Kontakt über das Jahr eher nicht. Zur Beziehung nicht bereit. All das liest du aus dieser schwammigen Mitteilung heraus.

Es kommt dir komisch vor. Es klingt zu sehr als komme ihm Amerika gerade sehr gelegen. Eine gute Ausrede. Kontaktabbruch erst wenn er fährt das möchtest du nicht. Das kannst du nicht. Selbst das zu schmerzhaft. Du musst es zerschneiden das Band was dich an ihn zu halten suchte. Und du musst aufhören immer Dinge schönzureden. Wenn Cut dann Cut sofort. Findest du.

Denn schön ist nur das Vergessen, was den Schmerz in Luft auflöst. Wenn es denn gelingt.

Adé. Sagen die Leute.

 Adé. Sagt die Zeit, und das Jahr was gar nicht schnell vergehen wird. 

Denn du wirst denken hier und da, nur an ihn. 

©Netti

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Ein kurzer Moment indem das Herz nicht mehr klopft. Es setzt aus. 1/2

Irgendwann hast du vergessen, dass deine Vergangenheit dich doch mal wieder einholen könnte. Nie hättest du gedacht dass du dir selber dieses Grab schaufelst, in dem du einst schon mal hineinblicktest, von oben herab. Schuld daran ist nur diese blöde App, die mit dem Fingerwisch, in denen du Herzchen verteilen und Leute wegwischen oder zu dir hinwischen kannst. Du blätterst dich also durch die ganzen Gesichter durch, möchtest nur  kurz vorbei schauen, mal hallo sagen, oder auch nicht. Du wischst also nach links, ein X, und das Bild verschwindet in der hinterletzten Versenkung. Du musst ein bisschen lachen, über die zum Teil sehr ulkigen Profilbilder. Es gibt auch Bilder die machen dir Angst, so gruselig sind die, weil es Leute gibt die sich dort halbnackt darstellen. Du gibst dir maximal 5 Tage für diesen Spaß den du einfach nur mal testen magst. Ein bisschen rumschreiben, das machst du doch so gern. Mehr willst du auch gar nicht. Nur schreiben. Dann folgen ein paar normale Fotos. Von Männern die ganz gut anzuschauen sind, ein freundliches Lächeln haben. Du wischst also freudig nach rechts, ein paar Mal hintereinander, du bist da gerade so drinne, als ein Bild auftaucht und du beinahe weiter wischst. Nach rechts. Wodurch am Ende ein Match entstehen könnte. Wenn die Person auch nach rechts wischt (sozusagen das Gefällt mir dieser App) dann entsteht ein Match und beide finden sich total toll. Dein Finger bleibt noch gerade rechtzeitig in der Luft verharren, es fällt schwer dem Verstand zu sagen dass der Finger jetzt nicht wischen darf, gar nicht. Du realisierst sofort als das Foto auf dem Display deines Handys vor deinen Augen auftaucht. Das Herz setzt aus. Es schlägt nicht mehr. Du hörst auf zu atmen, hast vergessen wie das geht. Du blickst in die Augen dieses Bildes, du blickst in die Augen des Mannes, der dein Herz mit Füßen zu Boden trat. Der Fotograf schaut dir mit einem falschen Lächeln ins Gesicht. Sofort bist du wieder gefangen in dem Moment an dem alles begann: 

Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1/11

Der Moment, der nicht nur eine Hoffnung entstehen ließ, sondern auch noch zerstörte, mit jedem erneuten Treffen was folgte…
Du verharrst mit dem Blick auf diesem Bild und seinen Augen die so viele Halbwahrheiten erzählten. Du verharrst und kannst es gerade einfach nicht fassen. Dann zwingst du dich. Und du schließt die App, du drückst sie weg um den Wischzwang zu umgehen. Wischen. Keinesfalls darfst du bei diesem Bild, bei ihm, den Fotografen, wischen, schon gar nicht nach rechts. Für den Augenblick hast du diese App geschlossen, und du musst das erstmal sacken lassen, denn jetzt gerade fühlst du dich ein bisschen verarscht.

©Netti

Es vibriert, pulsiert, und wächst.

Es brütet in dir. Haftet. Frisst sich fest, auf den Ausbruch wartend. Du musst dich schütteln, Gänsehaut umgibt deinen Körper. Du fröstelst und schwitzt. Wahrscheinlich beides zusammen. Und als du die Augen aufschlägst weißt du, dass das Monster wieder ausgebrochen ist. Denn du spürst, wie es vibriert, es pulsiert zerstörerisch und wartet auf seinen Einsatz sich zu vermehren und zu verbreiten. Du spürst wie es wächst, wie es lebt, wie es sich ernährt von deiner körperlich emotionalen Schwäche, denn du bist gerade sehr angreifbar. Den Spiegel meidest du, denn du weißt auch so wie der Ausbruch Gestalt annimmt, du erkennst auch ohne in den Spiegel zu blicken was dieses Monster aus dir macht. Du überlegst dir mit dem Messer die Lippe abzuschneiden, denn dort sitzt es. Immer nur. Nur dort. Wieder ist es ein langwieriger Prozess, das Monster wieder loszuwerden, doch ganz los wirst du es nicht. Niemals. Es schlummert, in dir, Tag für Tag, Nacht für Nacht und es wartet auf deine schwachen Momente. Und dann schlägt es zu, es ernährt sich von den Zeiten in denen du dich schon wunderst dass deine Beine dich überhaupt noch tragen, so schwach läufst du daher. Dann bricht es aus. Du bekämpfst das Monster. Immer wieder, neu. Mit deiner Stärke die du wieder zu festigen versuchst, sie duftet stark und intensiv, du beträufelst das Monster ein wenig damit, und obenauf tupfst du etwas Durchhaltevermögen, ein weiß-pudriger Film bleibt an den Lippen haften. Kosten darfst du nichts davon, denn du weißt wie das schmeckt, der Abgang ist bitter und zu viel davon Gift. Das Monster darf gerne sterben davon. Es kribbelt. Das ist das Zeichen dafür, dass es gegen deine Stärke ankämpft, es wehrt sich, gibt nochmal Gas um sich zu entfalten, aber das lässt du nicht zu. Der Kampf beginnt. Duellierend kämpfst du gegen deine eigene Schwäche an, um das Virus zu töten. So lange bis es austrocknet und verdörrt, weil es keine Tränen und kein Blut der Schwäche mehr schmeckt. Ihm fehlt die Flüssigkeit, nichts wird mehr zugeführt. Dann erst lässt das Kribbeln, Spannen und Schmerzen nach und du kannst wieder atmen. Doch richtig aufatmen kannst du erst, wenn keine Rückstände mehr auf deinem Mund zu erkennen sind, keine Bläschen, nässend und pulsierend, keine Kruste, welche sich von deinen Lippen zu lösen versucht, abgeblättert hängen Teile des Monsters ergeben nach unten. Du kannst erst aufatmen wenn keine Narben zurückbleiben, welche an das schmerzhafte Leid erinnern, und das Herpesvirus sich wieder in dein Innerstes verzieht um zu schlummern. Bis zum nächsten Ausbruch.

©Netti

Blutige Vernunft: oder einfach nur im Wahn gebadet.

Du kratzt. Weil es juckt. Du kratzt dich und kratzt und es tut so gut. Und dann durchzuckt dich ein kurzer Schmerz. Du hältst inne, schaust auf deine Hände und siehst Blut. Nanu? Du wunderst dich. Blickst verwirrt auf deine blutigen Hände, die soeben noch zum Kratzen genutzt wurden. Du fährst über die Stelle die juckt, aber sehen kannst du nichts. Nur spüren. Du spürst flüssiges, nasses, was deine Haut hinunter rinnt. Der Schmerz jedoch ist fortgespült, mit dem Blut welches dir den Körper hinab fliesst. Du tappst die Treppe hoch, schließt die Wohnungstür auf und  bemerkst dabei nicht wie du blutige Spuren hinterlässt, genau dort, wo du dich gerade befindest. Dein Shirt klebt an deinem Körper. Es ist nass, durchtränkt, nicht mehr weiß, sondern rot. Du ziehst es aus, stellst dich nackig vor den Spiegel und du erkennst wie Blut aus einer Wunde hervorströmt und zu Boden tropft. Tropf, tropf. Dein Kopf beugt sich nach unten. Staunend blickst du auf die Pfütze zu deinen Füßen, welche immer größer wird. Du könntest jetzt darin herum springen und eine ordentliche Sauerei veranstalten, könntest dich darin baden und erwärmen in dem Blut, dem Deinen. Du tappst hindurch, hinterlässt einen Abdruck aus den Spuren der Verwirrung. Ein Fußabdruck. Knallig. Rot. Und dann wird es plötzlich schwarz im Kopf und du fällst. Nicht hart. Sondern weich. Etwas hält dich auf.

©Netti

Was könnte im schlimmsten Fall passieren?

Dir laufen Tränen über die Wangen, die brennen und sind heiß. Das Laufen schmerzt, es ist als hättest du einen Marathon hinter dir. Es ist als wärst du lange Strecken gerannt und hättest zu  viel geredet dabei. Ein Gefühl wie abartige Seitenstechen, die entstehen weil du den Mund nicht halten kannst. Den Mund kannst du trotzdem nicht halten, die Lippen formen stumme Gebete an ein Wesen, dass in deinem Glauben doch nicht existiert. Aber es gibt Momente da wünschst du dir den Glauben, auch wenn es schwerfällt. Und dann formst du stumme Gebete der Bitte und des Hoffens, dass es einfach gar nicht so schlimm ist wie es wirkt, dass deine Einbildung viel größer ist als der Verstand und du dir Sachen nur einredest. Sachen, die gar nicht da sind, weil du einfach übertreibst. Du bildest dir den stechenden Schmerz ein, den du beim Laufen verspürst und das Gefühl der herannahenden Ohnmacht, verursacht durch intervallartige Panikwellen, in dir drin. Du bildest dir das Gefühl nur ein, dass dir die Luft nimmt zum Atmen, denn das Stechen drückt alles zusammen. Du bildest dir nur ein, dass das Atmen dir Schmerzen bereitet, denn es ist doch gar nicht so schlimm, das Atmen war bestimmt schon immer so. Doch die Tränen, welche sich in heißen Etappen aus deinen Augen fortbewegen die bildest du dir nicht ein, denn sie sind heiß und brennen auf deiner Haut.

Manchmal hilft es dir in Momenten der Panik und Angst, wenn du an eine Frage denkst, eine Frage die du für dich stets ehrlich und besinnt zu beantworten versuchst. „Was könnte im schlimmsten Fall passieren!?“ An Stelle von Krankheit jedoch verursacht die Frage meist noch mehr Unruhe, es entsteht Panik und Angst vor dem, wovor du dich am meisten fürchtest. Den Tod. Oftmals begleitet von einem langen Weg des Leidens. Du befürchtest also eher das Leiden, und eine Diagnose, die gestellt werden könnte, daran möchtest du gar nicht denken. Doch gibt es auch die Fehldiagnosen, die bereiten dir Wut und Ärger und bringen dir die Trauer zurück, die dich an deinen Papa denken lassen. Papa, der eine Fehldiagnose oder besser gar keine Diagnose erhielt, mit der schlimmeres hätte verhindert werden können. Also fürchtest du dich vor dem Gang zum Arzt, weil selbst Ärzte manchmal ahnungslos sind, so wie du. Du möchtest nicht operiert werden und dann im Koma liegen müssen weil dein zu kleines Herz das alles nicht verkraftet. Du möchtest nicht alles neu erlernen müssen, während dein Verstand viel zu klar mitspielt, oder auch nicht, vielleicht bist du dann ans Bett gefesselt, während du nicht merkst wie dir der Sabber vom Gesicht tropft, dann rückt das Unbekannte in immer weitere Ferne und der Tod wird zu deiner neuen Bekanntschaft, die du dann wohl machen müsstest. Du möchtest noch nicht sterben, dich von dem Leben lösen, denn du bist einfach noch zu jung dafür. Und du hast Pläne im Leben, wenn auch noch so unsichtbar wie die Luft die du kaum eratmen kannst, weil jeder Atemzug in deinen Nieren schmerzt. Was auch immer es ist. Alles wird gut, das redest du dir ein, weil alle anderen Gedanken unsinnig sind, denn du weißt ja inzwischen dass Gleiches Gleiches anzieht. Also denkst du nur gute Sachen, völligst positiv und du freust dich auf den netten, und sehr, sehr hübschen Urologen, der deine Nieren ganz fürsorglich, sanft und zaghaft abtasten wird, das Ultraschallgerät in seiner rechten Hand. Der Urologe, der dich dann lieb und nett anlächelt und sagt „Hey, alles gut, junge Frau, Ihre Nieren sind so wunderhübsch, genau wie Sie!“ und dann schickt er dich nach Hause und du kannst endlich wieder atmen, weil du durch die Angst in dir einfach nur verlernt hast wie das geht, das mit dem Atmen und den Schmerzfrei. Du wirst leben. Auch wenn das Unbekannte gelegentlich Angst hervorruft, ist es manchmal nur für den Moment des Nichtwissens. Sobald es bekannt ist, kannst du wieder lernen liebevoll damit umzugehen, und dann, dann wird alles gut. Du wirst weiter leben!

©Netti

Vom Aushalten und Warten.

Schon von Geburt an bist du auf Warten getrimmt. Du wartest darauf endlich aus dem Mutterkörper zu schlüpfen und zum ersten Mal tief und laut Luft zu holen und zu Brüllen und Schreien, aus Leibeskräften. Du lebst, wenn auch in einer kritischen Phase, doch du lebst und gleichzeitig wartest du darauf, endlich wieder selbstständig Atmen zu können. Du bist ein Baby, viel zu klein, deine winzigen Patschehändchen greifen durch den Ring des Inkubators, und wieder wartest du. Von nun an wartest du auf deine Mama die ihre Hand durch die winzige Öffnung hält, um dich zu berühren und dir zu sagen dass alles wieder gut wird. Wahrscheinlich aber wartest du nicht bewusst, denn dein kleines Hirn ist möglicher Weise noch nicht dazu in der Lage vom Warten und Nichtwarten und vom Denken und Nichtdenken zu unterscheiden. Also liegst du da einfach, dass ist gut, denn so wartest du auch nicht auf den Tod. Du liegst nur und schläfst, deine Augen vor Müdigkeit und Erschöpfung geschlossen und bald, sehr bald darfst du nach Hause.

Zu Hause jagt dich eine Krankheit nach der nächsten, bist anfällig und geschwächt, du wartest bis du ins Krankenhaus darfst und wieder zurück, denn dir fehlt deine Mama und die schützende Brust, die dich umgibt. Dein Kuscheltier in deinen Händen soll dir Trost spenden und Durchhaltevermögen, irgendwann ist die Zeit überbrückt und du bist wieder zu Hause bei deiner Familie. Auch sie wartet. Immer. Nur auf dich.

Du reifst heran und wirst älter, möchtest auch endlich laufen können und reden, das was all die Anderen so machen, du wartest darauf bis man es dir endlich beibringt.

Alle dürfen in den Kinderhort, doch du wartest darauf. Viel zu lang.

Die Einschulung naht, auch darauf hast du so lange gewartet, du musstest sogar noch ein Jahr länger warten, dieser blöde Schulranzen war dir einfach zu schwer, also wartest du ein Jahr länger, bis auch du endlich zur Schule darfst, und lernen. Lernen, was das Leben für dich bereit hält.

Du fühlst das erste Mal Schmetterlinge in deinem Bauch, die so irrwitzig durch dich hindurchsausen, es ist verrückt, so etwas hast du noch nie gespürt. Heimlich schreibst du deinen ersten Liebesbrief (Willst du mit mir gehen? Kreuze an, [ja] [nein] [vielleicht]) und steckst ihn in der Hofpause in die Federmappe des Angebeteten. Während der Schulstunde werden Stifte daraus entnommen und wieder reingelegt, doch der Zettel bleibt unentdeckt. Du wartest darauf, dass der Brief entdeckt wird und dir zurück gebracht wird. Du wartest auf ein Ja, oder nein, oder vielleicht. Das Warten wird zur Gewohnheit.

In der Schule schleicht die Zeit nur so dahin, plötzlich findest du Schule nicht mehr so cool, also wartest du jetzt einfach auf die Ferien, die sind ja bald, und dann kannst du endlich faulenzen. Und Gammeln.

Irgendwann springst du von Klasse zu Klasse, sitzt nicht mehr in der ersten, der zweiten oder der dritten, sondern in der neunten und das heißt warten. Du wartest darauf, dass du endlich weißt, was du werden willst. Werden möchtest. Welcher Beruf taugt dir? Du wartest auf die zündende Idee für das Schulpraktikum, was von dir verlangt wird, obwohl du einfach noch zu jung bist dafür, schon jetzt zu wissen, was du ein Leben lang mal machen willst.

Du wartest auf den ersten Freund, alle Anderen haben schon das erste Mal geknutscht und du schaust belämmert aus der Wäsche. Wie geht denn das, das mit dem Knutschen? Du wartest drauf, dass dir das auch mal endlich jemand zeigt.

Der erste Freund taugt dir nicht, vielleicht solltest du dich einfach trennen? Aber du hast nicht genug Mumm dazu, also wartest du vielleicht einfach drauf dass er das für dich übernimmt. Der macht das schon.

Endlich Prüfungen, du wartest zu lange darauf, möchtest sie endlich hinter dir haben. Du lernst, wahrscheinlich viel zu wenig und wartest nun auf die Ergebnisse. Du möchtest einfach nur bestehen!

Deine Ausbildungsbestätigung in deinen Händen vermittelt dir Freude und Stolz. Du kannst endlich was werden, etwas was du auch werden willst. Auch wenn du lange darauf wartest, dass du kannst was du machst, du musst es ja erst noch lernen.

Du wartest auf das erste Mal, alle Anderen haben das schon. Du wartest auf den Schmerz der durch deinen Körper strömt.

Als du das erste Mal im Auto sitzt um Fahrstunden zu nehmen bist du genervt, denn auf der Autobahn ist Stau und du musst warten bis der Verkehr wieder rollt.

Wieder stehst du vor den Prüfungen und du wartest darauf, dass du das Richtige von dir gibst, doch über deine Lippen kommt nur Müll. Viel Zeit verstreicht, und du musst lange darauf warten, dass du endlich deine Urkunde abholen kannst, deinen GesellenBrief mit dem Glückwunsch zum Bestehen.

Bei der Jobagentur möchtest du am Liebsten Töten, Massenansammlungen stehen in einer ewig langen Schlange, um an der Anmeldung zu warten. Du reihst dich ein, die Zeiger ticken lahmarschig voran. Als du bei der Dame vorne angelangt bist braucht sie ewig, um zu Erfassen was du möchtest. Du musst warten auf den Termin. Dich durch Zettelberge kämpfen und auf das Arbeitslosengeld warten. Hättest du das Geld von denen würdest du wahrscheinlich mit deren Geld losstiefeln und eine Knarre kaufen, oder etwas, was am Ende keine Sauerei veranstaltet. Du wirst behandelt als bist du assozial, so als bist du zu faul zum Arbeiten und zu dumm. Also wartest du auf den Zeitpunkt an dem du mal so richtig ausrastest.

Du wartest auf die Liebe, die wahre, denn das was bisher war, war alles andere als wahr, das war nur so halb und halb, überhaupt als Liebe definierbar? Du bist dir sicher nicht zu wissen was das überhaupt ist. Dein Herz wartet auf das Empfinden, was dir zeigt, was Liebe heißt. Liebe, die erwidert wird.

Du wartest auf den Tag und die Nacht. Und du wartest darauf, dass der Wecker klingelt, damit du zur Arbeit kannst um dir Brötchen zu verdienen, doch auch auf das Geld musst du erst noch warten, denn du musst ja erst noch dafür arbeiten. Du wartest auf das Klingeln an der Tür, mit dem Märchenprinz davor, der mit dem Gaul, doch wenn es klingelt steht da keiner, sondern nur der Postbote mit einem Paket für den Nachbarn. Der Postbote ist kein Prinz, sondern dick, schwitzend und stinkend und er beklagt sich über den 3.Stock in dem du wohnst. „Jeder Gang macht schlank!“, rufst du ihm provokativ in den Rücken. Du wartest auf die Sonne, die den Sommer ankündigt um die miesen und fiesen Gedanken zu vertreiben, stattdessen gibt es Gewitterwolken die sich immermalwieder bis in dein Hirn vorkämpfen. Du wartest auf ein Wunder, indem es Mittel gibt und Wege die Verhindern dass Menschen leiden müssen, an Schmerz, den körperlichen, aber auch den seelischen, denn manchmal da schmerzen Worte mehr als 1000 Schläge. Du wartest darauf dass du endlich wieder lachen kannst ohne zu weinen, aber manchmal, da vermischt sich das Lachen mit dem Weinen, weil es Momente gibt die erinnern lassen, an Zeiten die längst vergangen. Du wartest darauf dass der Schmerz und das Vermissen endlich ein Ende hat, denn die Empfindung über Verluste sind so tief in dir verankert. Du wartest darauf dass die Angst vor dem Tod, vor dem Nichtmehrsein sich in Luft auflöst und stattdessen ein Gefühl der Vorfreude entsteht, denn eigentlich weißt du wie das geht, das mit dem Sterben, du weißt wie das sich anfühlen muss, einfach nicht mehr zu sein, für einen Moment. Du wartest auf das Altern, nicht absichtlich, das Warten ist die Innere Uhr in dir, die tickt, ganz automatisch, einzelne Fältchen der Alterung umgeben dein Gesicht, besonders an den Augen, welche müde und erschöpft dreinblicken. Und irgendwann wirst du an einem Punkt sein, indem du auf das Sterben wartest. Auf den Tod. Schlussendlich ist dies das schlimmste Warten, denn es geht von einer tiefen Sehnsucht einher, einem „Ich kann nicht mehr.“ und einem „Ich will nicht mehr!“ Diese Momente hast du mehr als einmal miterleben müssen, als Beobachter, als Zuschauer. Und du selbst!? Kannst in jener Situation nur darauf warten, dass der Schmerz und das Leid endlich ein Ende hat, auch wenn dieser somit für dich nur umso größer wird.

Warten heißt aushalten und geduldig sein. Warten heißt mutig sein. Warten heißt aber auch Respekt zu haben, vor der Zeit und den Momenten, denn das Warten lässt sich nicht beschleunigen. Doch irgenwann hat auch das längste Warten mal ein Ende. Und das muss nicht immer schlecht sein..

…Denn du wartest auch auf den Brief, den du so lange erhoffst, es löst in dir innere Freude aus. Du wartest auf den Moment deine Familie wieder zu sehen, du verbringst so gern deine Zeit mit ihr. Du wartest auf den Feierabend, dann kannst du den sonnigen Tag noch genießen. Du wartest auf den tollen Film, der läuft gleich im Fernsehen, sicher ist der gut. Du wartest auf das unheimlich spannende Buch, du bist dir sicher dass es dir gefallen wird, der Erscheinungstermin ist schon sehr bald. Du wartest auf eine Freundin, die hast du schon so lange nicht gesehen. Du wartest auf den Urlaub und du freust dich, nur noch wenige Tage. Du wartest auf das Frei, dann kannst du machen wonach dir beliebt. Du wartest auf die heiße Wanne, die dich deine Beine genesen lassen. Und du wartest auf den Moment indem das Unbekannte zu etwas Bekanntem wird, die Vorfreude in dir macht das Warten zu etwas Erträglichem. Es ist aushaltbar.

©Netti

 

 

BlogAbschied? Nein. Aber Pause, auf unbestimmte Zeit.

Der Kopf schmerzt und ich bin müde all der Gedanken die mich umgeben. So vieles, ungreifbar, schwer und matschig, was mich nicht loslässt, denn es krallt sich fest, wie ein ekelhafter Tumor. Vergleichbar mit einem Tornado welcher in rasanter Geschwindigkeit auf mich zubraust. Haltsuchend klammer ich mich fest an etwas, was mir Sicherheit vorgaukelt, Erlösung, Hoffnung. Doch der Tornado kommt immer näher, und ich weiß er wird alles mit sich ziehen. Auch mich. Ich möchte gern Urlaub machen. Vor mir Selbst und meinen Gedanken. Vielleicht gelingt es mir indem ich aufhöre mich irgendwem mitzuteilen. Durch Fotos oder Geschriebenes. Wieviel von dem bin denn auch ich? Ist nicht alles nur Farce? Virtuelles Leben schränkt die Lebendigkeit ein. Mich. Gerade. Im Moment. Ich habe mich dem angenommen, um den erschreckenden Wahrheiten des Lebens zu entfliehen, es gibt hier kein Schmerz und kein Leid, teils hier, doch aber zumindest auf Instagram. Ich verliere mich in den Leben der Anderen, die so viel glänzender sind als das Meine. Fotos werden gezeigt aus Allerwelt. Staunend beobachtend was all die Menschen zu sein scheinen. Fotos werden geladen nicht wissend was das Ganze eigentlich soll. Bin das ich? Ist das mein Leben? Was ist denn mein Leben? Es lebt sich schnell, viel zu rasant, diese Schnelllebigkeit zieht in jeglicher Hinsicht an mir vorüber, nicht wissend wie sie aussieht die Möglichkeit, welche die Schnelligkeit zu etwas mehr Langsamkeit machen kann. 

Ich habe einst geschworen, hier im Blog, das Thema des Egoismusses wieder aufzugreifen.. Man ist umgeben von soviel Ich. Es erschreckt mich und stößt mich ab, gleichzeitig aber ist es wenn auch nur ein klitzekleiner, Moment des Abstandes. Vor mir Selbst und den stechenden Gedanken. Ich muss nichts sagen, einfach nur zuhören, das kann ich gut, mich mit dem Leben der Anderen beschäftigen, nur nicht mit dem Meinen. Ich muss keine Fragen beantworten auf die es keine Antworten zu geben scheint, denn mein Kopf der gibt davon keine her. 

Probleme interessieren keinen. Weinende Menschen? Die haben die Pest. Also verpisst euch.

>>Wie geht es deinem Papa!?<< 

>>Papa ist nicht mehr!<< 

Langanhaltende Stille.

>>Okay!? Gut, Themawechsel!<<

Was wohl passiert wäre hätte ich plötzlich angefangen mit heulen?

Im beinahe gleichen Atemzug erfahre ich von ihrer Schwangerschaft.

Also ist es Zeit. Zeit ein kleines bisschen Urlaub zu nehmen. Urlaub vor mir Selbst. Und meinen Gedanken. Besonders das. Ob das tatsächlich möglich ist, ist fraglich, doch ein Versuch wird mich nicht gleich umbringen. Wie lange das andauern wird steht in den Sternen, doch auch die Sterne leben schnell, und im Nu bin ich zurück, aus meinem Urlaub, vor mir Selbst.

©Netti