Augenblicklich.

>>Können wir…, ich meine.. 

Kannst du.. das irgendwie vergessen? Bitte?<<

Dunkelbraune Augen schauen dich an. Bittend. Flehend fast schon. Du weist wovon er spricht. Du weist was er meint. Er spricht von seiner Äußerung des Nichtwissens ob das du und er zu einem wir werden kann. Nichtpassend, unpassend. Verschieden. Zu verschieden. Schon jetzt? Begreifen konntest du das nicht.

>>Echt jetzt!?<<, hättest du am Liebsten gebrüllt.

>>Dein scheiß Ernst!?<<, in sein Gesicht geschrien.

Stattdessen sprachst du von Chillin. Druck nehmend. Laufen lassend. Aufgeben? Bevor es beginnen konnte!? Vergiss es!

„Ja. Ja, ich will.“

(Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Blöd? Blöd.)

-Dann eben:-

>>Ja. Ja, ich werde versuchen das zu vergessen!<<

Er küsst dich. Mit seinem Mund auf deinem. Du schmeckst Emotion, so viel davon in seinem Kuss.

©Netti

Advertisements

Far away, die Sicht auf ein Wiedersehen.

Potter ist nicht mehr im Lande. Natürlich nicht. Du musstest ihm absagen, die Gelegenheit auf ein erneutes Treffen mit ihm wurde im Sande erstickt, von der Arbeit welche dir die Luft zum Atmen nimmt. 

Dabei wolltest du ihn gern sehen.

Ihn gern küssen, wie einst.

Du wolltest mal wieder unbeschwert mit ihm Lachen, einfach den Moment empfinden, abseits von Arbeit und stressigen Menschen um dich herum.

Potter nahm es gelassen.

Du nicht, innerlich warst du am Platzen. Gereizt, genervt und auf 180. Aus der Traum von einem Kuss der schon zu lang zurückliegt. 

„Wolltest du nicht herziehen?“, fällt dir wieder ein.

„Mit der Suche musste ich stoppen.“, schreibt er.

„Zu viel Finanzamtrückzahlungen. Aber aktuell suche ich wieder. 

Dann können wir uns ganz oft treffen, uns verlieben und ein richtiges Paar werden.“, schreibt er.

Ähem, hustest du, aber schreibst es nicht. Jah nee, ist klar.

„Dann mach halt hinne, mit der Wohnungssuche. Weißt ja. Verlieben und so..!“, schreibst du ihm, noch bevor er es wieder vergessen haben könnte.

©Netti

Zwischen Illusion und Wirklichkeit.

Da kommt plötzlich einer daher, der lange, lange nachtragend war. Damals hast du ihn versetzt. Zu Recht, du wolltest ihn in die Schranken weisen. Denn nur wer Potter heißt, darf sich nicht gleich automatisch scheiße benehmen. Zuletzt war der Respekt eher etwas karg ausgeprägt. Blieben nur seine eigenen Waffen, die, von dir angewandt, etwas anrichten konnten. Es wäre eure dritte Verabredung gewesen. Irgendwann hatte er sich mal wieder eingekriegt. Er lobte deine Haare auf deinem Whatsapp Bild, du befandest seine als eher nicht so cool, weil einfach zu lang. Er trägt Dutt. So wie du. Wobei.. Sagt man auch bei Männern Dutt? Oder nennt sich das dann irgendwie anders!? Immer mal wieder sind es nur diese kurzen Austausch-Worte welche sich auf eure Bilder beziehen. Kein zusätzlicher Smalltalk, nichts. Für beide völlig okay.

Damals zerrte er dich auf die Bühne. Der Magier und Illusionist kurzum: Potter. Du kanntest ihn nicht. Bewundertest ihn nur heimlich aus der Zuschauermasse. Der Lichtkegel zeigte auf dich und dir schwante bitterböses. Du machtest dich so klein im Sitz wie irgend möglich. Er kam zu dir. Blieb stehen. Und nahm deine Hand. „Nee jetzt oder!?“, dachtest du und sagtest es laut. Potter hatte Großes mit dir vor, und du machtest dich richtig schön zur Feile. Du standest ihm auf der Bühne gegenüber, hattest keine Lust darauf, warst angespannt und genervt von dem Präsentierteller auf welchem du dich soeben zwangsläufig befandest. Sanft nahm er deine Hände und hielt sie fest. Er erzählte dir was gleich deine Aufgabe sei und er befahl dir deine Augen zu schließen. Du warst zu ungeduldig. Schautest. Und auch er schaute. Deine Augen. So blau. Seine Augen. So schwarz. Ihr ward euch so nah. „Schließ deine Augen!“, befahl er grinsend. Du gehorchtest, konzentriertest dich auf seine unsinnig mystischen Worte die er nun erzählte. Dann plötzlich überkam es dich, dieser Lacher, der sich die ganze Zeit schon in deinem Bauch wandt und kringelte, es platzte aus dir heraus, zu blöd war dir dieses Gezaubere, so ein Quatsch, aber eigentlich warst  du einfach nur nervös. Du hast so sehr laut und herzlich gelacht, dass die Tränen liefen, und du die Nase hochziehen musstest. Das Puplikum grölte vor lachen und fiel beinahe von den Sitzen, so lustig fanden sie dich, hahah. Alles wieherte und niemand konnte sich beruhigen, auch du nicht, dabei wusstest du nicht einmal warum. Der Magier, also Potter, versuchte das ganz clever zu umschiffen: „Ich weiß ja nicht was Sie gerade für Fantasien haben, aber..“

Applaus Applaus.

Froh warst du als sein Trick für welchen er dich „missbrauchte“ beendet war und du wieder auf deinen Platz durftest. Er führte dich, Hand in Hand, an all den fremden Gesichtern vorbei. Alberner Schmarrn. Aber irgendwie fandest du das toll. Deine damalige Chefin meinte Amor spielen zu müssen und in deiner Gleichgültigkeit hast du sie einfach machen lassen. „Wir finden ihn für Sie! Ich weiß wie er heißt! Ihr ward so süß!“ Sie hinterließ im Saal deine Nummer an ihn, Potter. 

Keine drei Tage später schrieb er. Und ihr habt euch bald getroffen, da er nicht mehr lang in der Stadt gewesen wäre. Ein schönes Treffen was in einem Desaster endete. Beidseitig. Der Kontakt danach blieb schwammig, beiderseits. Trotzdem habt ihr euch längere Zeit später nochmal getroffen. Ein lustiges zweites Treffen, mit einem noch immer sympathischen Mann. Aber eigentlich wusstest du nie wann er seine Kunst der Manipulation anzuwenden versuchte. Dennoch: Dieses Treffen kein Desaster, auch wenn er inzwischen Dutt trug. Ein bisschen was trinken, quatschen und Küssen. Dann Abschied. Er hielt deinen Schirm. Es regnete in Strömen. Ein Abschiedskuss, innig und heiß, auf bald, vielleicht. Beinahe vier Jahre sind vergangen.

Ich will dich treffen. Schreibt er.

Ich will dich küssen. Schreibt er. Du küsst so gut.

Deine Küsse schmecken immerzu nach mehr! Schreibt er.

Letzteres winkst du ab, die Gründe hierfür kennt er bereits vom ersten Treffen. Trotzdem interessiert er dich noch immer ein bisschen, der Mann außerhalb der Bühne, der Mann, welcher kein Scheinwerferlicht auf sich spürt. Der Mann mit seiner Anziehungskraft, seinem wunderbar bayrischen Dialekt und dem Charme, dem Humor und seinem Mund, der so gut küsst. Eigentlich ist er absolut nicht dein Typ. Eigentlich hat er alles was du eher nicht so sehr magst, z.T. optisch, wie innerlich. Und doch hat er was, was du einfach nicht benennen kannst.

Auf bald, Potter. Und lass doch bitte diesmal den Käse nicht einfach so verschwinden, mit diesem einen Wisch! (Wo war der denn nur abgeblieben, der Käsewürfel!? Blödsinn!) Käse ist zum Essen da!

©Netti

Die Distanz der Nähe.

Es ist spät. Vielleicht sogar nach Mitternacht. Du liegst auf der Couch. Noah sitzt neben dir. Gelangweilt von dem Twilight Film fällst du in einen traumlosen Schlaf. Nichts bekommst du mehr mit.

Er scheint die Chance zu nutzen, berührt dich, streichelt dich. Am Rücken von oben nach unten die Wirbelsäule entlang und fährt mit dem Finger den Bund der Hose nach, ganz sacht.
Dann wirst du wach. Geschockt reißt du die Augen auf, was er ja nicht sehen kann und hältst die Luft an. Eigentlich ist es ja schön. Du genießt es sehr. Er ist so zärtlich. Und ein paar Streicheleinheiten würden ja nichts bedeuten. Irgendwann döst du wieder weg und du wachst erst wieder auf, als du seine Hände auf deiner Brust spürst. Er liegt hinter dir, du vor ihm. Der Film ist längst zu Ende und es ist dunkel. Nur das Flimmern des Fernsehkastens und zwei klopfende Herzen, die im Takt zueinander schlagen. Er berührt dich weiterhin am Bauch, tastet sich zu deinen Brüsten vor, berührt sie sanft. Er knetet sie leicht und stöhnt. Es macht Lust auf mehr, mehr, mehr. Er stöhnt dir in dein Ohr, presst seinen Körper an den deinen. Ihr werdet wild und hektisch. Noah zieht dir die Hose ruckartig aus. Reißt dir deine Jacke von dem Körper.
Jetzt trägst du nur noch Slip und Shirt. Er selbst ist noch vollständig bekleidet. Als du so entkleidet bist, deine Nacktheit spürst, gehen dir plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf. Sie wirbeln um dich herum und kommen nicht zum Stillstand. Du kannst sie nicht halten, schon gar nicht verdrengen. Du denkst alles und nichts. Der Genuss und die Lust weicht über in Panik. Es passiert genau, was du nicht erreichen willst.

Denn was du willst ist eine ganz normale Freundschaft zwischen Mann und Frau. Glaubst du. Ärgerlich versuchst du abzuschalten und Spaß zu haben, loszulassen, doch es gelingt dir nicht. Noah versucht dich zu küssen, aber du drehst den Kopf weg.
Also wendet er sich deiner Gesichtshälfte zu, atmet in dein Ohr, erst leise, dann wird sein Stöhnen deutlicher, lauter und fordernder. Er drängt dich an die Lehne des Sofas, hält deine Hände über deinen Kopf fest umklammert und lässt dich nicht los. Seine Zunge umspielt dein Ohr und versinkt sich dann darin. In dir drin beginnt es zu pulsieren. Lustwellen umspielen dich und sein erigiertes Glied zuckt lustvoll an deinem Körper. Du beginnst zu zerschmelzen, doch gleichzeitig versuchst du dagegen anzukämpfen.

Dich zu wehren. Es ist ein Kampf mit deinem Inneren. Du reißt dich von ihm los und springst blitzschnell auf.
Einerseits willst du ihn spüren, andererseits willst du es nicht.
Was ist nur los mit dir????
Du verstehst nicht und auch er sieht dich mit seinem Hundeblick fragend an. Verwirrt, durcheinander, verletzt, wütend und enttäuscht.
Du bist den Tränen nahe und du weißt, dass er mehr möchte, mehr als nur körperliche Nähe, auch du sehnst dich in Wirklichkeit nach mehr, kannst es nur nicht fassen, nicht halten, möchtest es von dir schieben, ganz weit weg.

„Was ist denn jetzt mit dir los?“, er verlangt eine Antwort. Seine Augen hoffenden Ausdruckes.

„Es tut mir Leid! Ich kann nicht! Man, verdammt ich will keine Beziehung mit dir, begreif das doch mal!“ , schreist du ihm schluchzend ins Gesicht.

„Davon war doch jetzt gar nicht die Rede!“ ,schreit er zurück, „Mensch, lass dich doch einfach mal fallen! Lass dich gehen! Du willst es doch auch!!? Du hast es doch genossen, oder nicht!?“

Das ist dir alles schon wieder zu viel. Tränen rinnen dir über das Gesicht und du musst schluchzen. Du siehst ihn an. „Tut mir Leid, ich muss jetzt sofort hier weg!“ Du stürmst aus der Tür, schnappst deine Sachen im Flur und lässt ihn einfach so stehen. Die Haustür fällt krachend ins Schloss.

©Netti

Einsam.

Manchmal fühlt man sich ein bisschen verloren im Alleinsein, das Einsam lässt dich vereinsamen. Du sitzt auf deiner Decke im Park und genießt die Sonnenstrahlen, welche deine Haut zu wärmen beginnen. Du findest das Leben schön, jetzt gerade und in dem Moment, aber noch schöner wäre es, wenn du nicht so einsam wärst, denn der Platz neben dir auf deiner  Decke ist frei. Diesmal weht kein leichter Duft während einer sanften Brise zu dir herüber, welche in dir Übelkeit hervorruft. Du sitzt auf der Decke und legst dich hin, weil du bemerkst dass das Sitzen dir nicht bekommt, du möchtest viel lieber liegen. Also liegst du und du liest in deinem Buch, um dich der Einsamkeit zu entziehen, denn in dem Buch das du liest, sind alle gemeinsam einsam. Auch das Liegen bekommt dir nicht, dein Rücken schmerzt babarisch, also richtest du dich erneut auf. Seufzend musst du feststellen dass du keine zwanzig mehr bist, und das Altern, das fängt wohl mit dem Rücken an. Wie zum Protest zündest du dir eine Zigarette an. Du bläst den Rauch der Einsamkeit aus deinem Inneren heraus und blickst dich um. Auch hier ist es irgendwie einsam, du bist fast allein, aber das findest du gut, dass hier kaum Menschen sind, du kannst Menschen nicht ausstehen. Die sind immer so egoistisch und laut. Dein Blick fällt auf das Pärchen, das in naher Entfernung dir gegenüber sitzt, die beiden sind die einzigsten Leute hier im Park, zumindest so weit wie du blicken kannst. Die Beiden sind nicht einsam, die haben sich. Vielleicht sind sie auch kein Paar und führen keine Liebesbeziehung, aber irgendeine Beziehung haben sie zueinander. Sie unterhalten sich gemeinsam, wohingegen du dich mit dir selber unterhältst, einsam. Du hältst dich mit Selbstgesprächen bei Laune um die LangeWeile und Einsamkeit von dir wegzuschnipsen, wie die viel zu große Spinne die sich gerade einen Weg auf dich zubahnt, auch sie ist einsam. Du beschimpfst die Spinne und sie fliegt in hohem Bogen ins Grüne zurück. Verpiss dich Spinne, das ist die Decke der Einsamen Denker, vielleicht bist du einsam aber kannst du auch Denken? Du bist dir sicher die Gedankengänge der Spinne fokussieren sich fast ausschließlich aufs Fressen und Erschrecken. Du machst mir Angst, Spinne! Da bist du lieber einsam als mit Spinne zweisam. Inzwischen fummelt der Typ an dem Mädchen rum, jetzt wird es spannend, aber nicht für dich denn in deinem Kopf blinkt ein rotes „einsam“ auf. Also doch eine romantische Beziehung. Immerhin führst du eine romantische Beziehung mit dir Selbst. Du liegst im Bikini auf der Decke und machst Sachen, die dir Gut tun, die du gerne machst, auch einsam. Du liest ein gutes Buch, du trinkst Wasser mit einem Schuss Apfelsaft, und du rauchst. Du isst wunderbar gesunde Weintrauben und Knäckenbrot, auch wenn diese dir gleich wieder hoch kommen, weil besagtes Pärchen sich ziemlich eng aneinander kuschelt, du möchtest gar nicht wissen was die dort machen, denn sonst möchtest du das auch gern machen, aber Möp! Du bist ja einsam! Du könntest dich jetzt hier Selbst umarmen und loslegen aber das hebst du dir für später auf. Deine Beziehung zu dir Selbst ist so romantisch, dass du dir heute Abend eine heiße Wanne einlaufen lässt, mit Kerzen, die brennen nur für dich! Neben dir ein Gläschen Sekt, das hast du dir verdient, und dann, während dein Kopf ins Wasser gleitet, und deine Haare schwerelos zu schweben beginnen wirst du wissen: Einsam ist niemals wirklich einsam. Denn auch wenn dein Herz dir sagt, dass du einsam bist, weil da gerade niemand ist, der dir den Rücken einseift, dich so anblickt wie man jemanden anblickt der sein Ein und alles ist. Auch wenn da gerade niemand ist, der deinen Kopf in seine beiden Hände nimmt, und dich hemmungslos und gefühlvoll küsst, ist da noch immer dein Verstand, der das Herz beruhigt. Der Verstand spricht dem Herzen gut zu und sagt zu ihm:

>>Gib nicht auf kleines Herz! Schlag weiter! Hauptsache für dich! Und irgendwann, sehr bald schon, sind deine Narben der Tritte, Schüsse und Schläge verblasst und die Splitter fügen sich wieder zusammen. Zu einem Ganzen und du kannst all deine Liebe aus dir hervorbringen. Und die, mein kleines Herz, ist dann eben doch für die Ewigkeit.<< 

Du bist nicht einsam, weil das Herz und der Verstand miteinander arbeiten, da ist das Herz was dich am Leben hält, und der Verstand, der das Leben unterstützt. Und nur wenn beides zusammen wirkt öffnet die Liebe ihre Türen. Manchmal klemmen sie ein wenig, diese verdammten Türen, sie öffnen sich nur sehr, sehr langsam, doch dann schwingen sie auf mit einem Quietschen und Knarren, es erinnert an den Liebesakt der folgen wird. Und dann wenn die Tore offen sind, wirst du geblendet von dem Licht der Liebe, die gekommen ist um dich zu holen.

©Netti

Brief der Erinnerung

Lieber Fotograf,

Plötzlich weiß ich wieder wie sie klingen, deine Worte in meinem Ohr. Mit einem Schlag ist sie mir wieder so present, deine Stimme die so melodiös und tief in mein Innerstes dringt. Der tiefe, erotische Klang der mich kitzelt in meinem Herzen und nicht nur da, mein Körper spannt sich an, wenn ich daran denke wie du mich berührst, mit deinen Worten, jede einzelne Haare meines Körpers stellt sich auf. Dein Lachen welches deinen Mund verlässt, so herzlich, so echt. So echt, wie du neben mir gelegen bist, deine zärtlichen Hände streichelten vorsichtig meine Haut, deine Finger fuhren sanft über meinen Arm. Mein Herz hüpfte vor Freude und Aufregung. Dennoch verließen stumme Tränen der Trauer meine Augen. Wenn ich daran zurückdenke möchte ich mich verfluchen dafür, ich war dir so nah und gleichzeitig war ich es nicht. Deine wunderschönen Augen blickten mich beruhigend an, sie sprachen eine Sprache für sich, und doch spendeten sie mir unglaublichen Trost, unbezahlbaren Trost, dem ich dir so dankbar war. Du nahmst mich in deine starken Arme, deine großen Hände legten sich schützend um meinen Körper. Ich konnte deinen schnellen Herzschlag spüren, oder war es nur der meine, der sich auf dich übertrug? Zu gerne möchte ich die Zeit zurückdrehen, und die Tränen ungeweint machen.

Wir beide im Bett, nebeneinander,stundenlang schauen wir uns einfach nur an. Meine Hand welche sich einen Weg zu deiner Wange sucht um jeden Zentimeter deines Gesichtes zu erfühlen, nur die leichte Beleuchtung der Straßenlampe lässt einen Teil deines Gesichtes erahnen, doch im Geiste sehe ich dich komplett vor mir, mit all deinen Zügen, all deinen Malen und all deinem Glanz. Meine Hände fahren sanft über deine Augenbrauen entlang, vorsichtig und sacht, mit einem leichten Schleier der Zurückhaltung und Unterlassung, berührt mich dein Blick auf meinem Körper. Ein innerlicher Kampf. Sanft streiche ich mit meinen Fingern deine Arme entlang, deine Härchen stellen sich auf, und ich kann deine Gänsehaut sehen. Nun ist meine Hand an deinem Bauch, deiner Brust, liebevoll berühre ich deine Brustwarze. Kreisend umspielen meine Finger deine männliche Brust. Ich schiebe meinen Körper näher an den deinen, mich umgibt eine Welle der Lust. Noch immer machst du keine Anstalten dich zu rühren, doch ich höre deinen Herzschlag, der sich so laut an meine Hände drückt, du schluckst, dass kann ich sehen während dein Adamsapfel auf und ab hüpft, nur kurz, doch das ist mir nicht entgangen. Dein Duft hüllt mich in eine Wolke aus Lust und Anziehung. Ich verzehre mich so sehr nach dir! Meine Hände setzen ihren Weg fort, sie wandern nun weiter bis zu dem Bund deiner Shorts. Sanft fahre ich den Bund nach und schiebe meinen Finger nur minimal darunter, so dass du leicht zusammenzuckst. Habe ich dich mit der Hitze meiner Fingerspitze verbrannt? Ein leiser Laut entweicht aus deiner Kehle, den ich nicht zu deuten vermag, doch urplötzlich umgreifst du meinen so zierlichen und kleinen Körper mit deinen starken, beschützenden Händen. Nun liegst du über mir, deine Hände packen meine Arme und drücken sie an das Bettgestell,  ich spüre deine Lust, dein angespannter Körper drückt sich haltlos an den meinen. Du küsst mich. Atemlos. Gierig. Fordernd dringt deine Zunge in mich ein und umspielt meine Zunge mit stupsenden Bewegungen. Ich intensiviere den Kuss, indem ich sanft deine Unterlippe beiße, uns entweicht ein leises Stöhnen.

Die Fantasie ist ein Arschloch, wenn es um unterdrückte Gefühle geht! Hast du eine Ahnung, was du mit dem einen Kuss, damals, auf meiner Couch, in mir zum Rollen gebracht hast? Kannst du auch nur erahnen, was das in mir losgelöst hat? Ich fühlte mich schwerelos, wie eine Feder im Wind, dahinschwebend, egal wohin, hauptsache mit dir. Du hast mich so tief berührt wie schon lang keiner mehr. Dein Kuss schmeckte nach Leidenschaft, nach Geben wollen und nicht nur nehmen, er schmeckte nach Hoffnung und Herzrasen, doch mit einem Schlag kam die Bitterkeit und ich schmeckte Hass und Zerstörung, Wut und Berechnung. Und dann ein Splittern. Mein Herz zerbrach in 1000 Scherben, ein Teil davon bohrte sich in dein Gesicht, denn plötzlich verzog es sich zu einer verbitterten Grimasse.

Von diesem Anblick habe ich mich noch immer nicht erholt, noch immer bin ich nicht genesen von dieser herausgepressten Wut, wusstest du, dass die Wut, die du aussendest, auf dich selber zurückschiesst? Ich hätte auch am Liebsten geschossen, nicht mit Wut sondern mit kleinen Pfeilen der Vernichtung. So sehr hast du mich getroffen! Die Welt hat aufgehört, in dem Moment, sich für mich zu drehen. Das war rücksichtslos, von dir, denn auf einer Erde die sich nicht dreht kannst auch du nicht existieren, wusstest du das? Du hast dir somit dein eigenes Grab geschaufelt, auch wenn du der Erde dann gnädiger Weise einen Schubs des Wiederantriebs verpasst hast, ist sie doch aus dem Ruder geraten, besonders für dich. Also bedenke, mein Freund, was du tust, immer! Denn das Gute wie das Schlechte, es kommt alles zurück! Das Pech, und das Glück!

Dennoch vergeht kein Tag, andem ich nicht an dich denke. Ich frage mich wo du bist, und was du machst. Frage mich, ob du noch lachen kannst, so herzlich und echt, wie du mir dein Lachen schenktest. Oder hast du vielleicht verlernt wie man lacht? Ich könnte es dir nicht verdenken. Verschwendest du auch nur einen einzigsten Gedanken an mich? Immermal wieder erwische ich mich dabei wie ich dein Profil aufrufe, dann betrachte ich stundenlang dein Gesicht, ich zoome es ganz nah an mich heran, so nah dass ich deinen Mund beinahe berühren könnte, dich schmecken könnte und fühlen. Deine Augen, wie sie fast schon leer in die Kamera blicken, das ist die Stelle an der mir eine Gänsehaut über den Rücken fährt, weil die Augen mich genauso anblickten, als du sagtest ich solle mich nicht verlieben, in dich. Es ist zu spät. War es schon seit dem verdammten Fahrradunfall, und einmal mehr verfluche ich dich für deine Heldentat. Hättest du auch da nicht einfach selbstsüchtig handeln können? So wie in allem was daraufhin folgte? Du bist das allergrößte Arschloch in das ich mich je verlieben musste, und dafür hasse ich dich.

Ich hasse dich dafür, dass es mir trotzallem nicht egal ist, wie es dir jetzt geht. Und ich hasse dich dafür, dass du mich einfach so hast stehen lassen, vor meiner eigenen Tür, die ich vor deiner Nase zuschlug, um mich zu schützen.

Damals wollte ich dass du bleibst.

Heute möchte ich dass du gehst. Verschwinde!  Aus meinem Kopf! Aus meinem Herzen! Du hast dadrin nichts verloren.

©Netti

 

 

Im Fokus des Nichtbegreifens. *

Menschen bewegen sich hektisch um dich herum. Eine Mutter schreit ihr Kind an, weil es nicht hört. Quengelnd reißt es eine Schokolade nach der Anderen aus den Regalen. Eine Flasche Sekt zerknallt in 1000 Scherben auf dem dreckigen Fliesenboden. Kein Mensch kümmert sich darum. Alle laufen achtlos daran vorüber. Du schiebst deinen Einkaufswagen lustlos durch die Regale der FressFiliale. Eigentlich lohnt es nicht, für sich selbst einzukaufen und zu kochen, nur für sich alleine. Warum Essen, wenn der Magen nichts aufnehmen kann? Wieso Mahlzeiten zubereiten, wenn allein der Geruch in dir ein Gefühl des Würgens hervorruft? Dein Herz klopft bis zum Hals und du fragst dich, ob es schlimmer werden kann. Ist es möglich dass ein Herz von zu vielen Schlägen, durch die Brust preschen kann? Ein unsichtbarer Stacheldraht legt sich um deine Kehle. Einmal komplett herum. Und mit jedem starken Herzstoß bohren sich die Spitzen des Drahtes immer tiefer hinein in die Haut des zarten Halses. Plötzlich weißt du dass es immer schlimmer geht. Die Menschen um dich herum lösen sich beinahe in Luft auf. Verschwommene Gestalten schwirren durch die Gänge. Verzerrt und verzogen. Deine Augen fokussieren einen Mann, den du bis gerade eben noch dein Eigen nanntest. So zumindest kommt es dir vor. Die Trennung, welche gerade mal eine Woche zurück liegt. Kurt. Dir ist als springen die Fliesen unter dir auf. Ein Riss bildet sich nach dem Anderen und der Boden beginnt zu beben. In Kurt seinen Armen eine große, modisch gekleidete Blondine mit WalleWalle Haar. Sie kuschelt sich an ihn ran und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Kurt lächelt liebevoll.

Durch deine Adern pumpt Unverständnis, Verletzung, Schmerz, und Hass auf diese Schnepfe die so anders ist als du. Du fühlst dich alleine und verloren, am liebsten möchtest du dich in Luft auflösen, verschwinden, einfach nicht mehr sein. Stattdessen musst du in dieses Elend blicken, in den Schmerz den du am ganzen Körper durchleiden musst. Die Hülle deines Ich’s, das Etwas, was noch über ist von dir, streift durch den endlos wirkenden Gang. Im Vorbeigehen erfasst du eine Glasflasche, die Größte von allen, deren Inhalt eine flüssige, rote Substanz enthält. Auf der Flasche prangt das Bild einer Tomate. Du schüttelst. Schüttelst und schüttelst, kräftig, und aggressiv. Bis es dir vorkommt als entwickelt deine Hand ein eigenes Leben. Das Paar steht mit dem Rücken zu dir, somit wappnest du dich auf das was dir bevorsteht. Deine Hände fummeln an dem Schraubverschluss und mit einem leisen PLOPP öffnet sich der Deckel der Ketchupflasche. „Ey! Du hast da was, das mir gehört! Mädchen!“ Kurt und das Mädchen schauen dich an. Tränen der Ungläubigkeit verschleiern wässrig deinen Blick. Sein Gesicht wirkt hart, der Unterkiefer angespannt. In seinen Augen der blanke Hass. Das Mädchen blickt hochnäsig auf dich herab. Deine strähnigen Haare hängen dir fettig ins Gesicht. Mausgrau fühlst du dich in deiner Jeans, um Längen zu groß. Dein Körper wirkt mager und knochig. Noch bevor das Mädchen realisieren kann was geschehen wird, schüttest du ihr den Inhalt der Flasche in ihr perfektes Gesicht, mit ihren perfekten Haaren auf ihrer perfekten Kleidung. Die Masse macht ein schmatzendes Geräusch während es sich auf ihrem Gesicht verteilt, bis in ihr Haar, auf ihre Kleidung spritzend und tropfend. Rot. Knallig. Du schüttest so lange, bis sie leer ist, die Flasche mit der roten Tomate. Du legst deinen Kopf schief und bleibst einseitig grinsend vor ihr stehen, beide Arme hängen an deinem Körper herab. Nachdem das Mädchen sich aus ihrer Schockstarre befreit, öffnet sie den Mund. Ein gellender Schrei verlässt ihre vollen Lippen. Sie sieht aus wie ein abgeschlachtetes Schwein, während nur noch ihre Hülle durch den letzten Rest Würde zu überleben scheint. Über ihr Gesicht laufen Rinnsaale von klebriger Demut und das blanke Entsetzen. Ohne ein weiteres Wort drehst du dich um und läufst schlürfend durch die Gänge. Dein Wagen mit deinem Einkauf bestehend aus Wein und Schokolade, Eis und Taschentücher, Pflaster und Beruhigungspillen, steht mitten im Weg. Einsam. Verlassen. Du läufst daran vorbei, beachtest die Menschen nicht, deren wirre, entsetzte Blicke dich streifen. Du verlässt diesen Laden. So, als wäre einfach nichts geschehen.

  

*frei erfunden

©Netti