„Mama, mach mal!“


~Manche Zeiten ändern sich eben nie.~

Man flennt weil man nicht weiter weiß. Man flennt weil etwas weh tut. Man flennt weil man sich ungerecht behandelt fühlt. Man flennt vor Trauer, Angst, Wut, Rührung, manchmal auch vor Freude.

Tränen bedeuten nicht, dass man schwach ist, sondern dass das Herz mehr fühlt, als es ertragen kann.

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Auch wenn sie heute kein Faschingstütchen auf dem Kopf trägt fühlt sie sich in die damalige Zeit zurück versetzt. Zu der Zeit, in der das Denken noch Mutti übernahm, zu der Zeit, in der Mutti noch alle Entscheidungen traf. Zu der Zeit, in der ihr Tränen liefen, weil Tütchen auf dem Kopf einfach scheiße waren, weiße Kostümchen und pechschwarze Perrücken dagegen sehr viel cooler. Schon damals wurde ihr klar: ~Scheiße hey, man kann halt echt nicht alles haben.~ Nur das warum blieb unbegründet.

Tränen kehren das Innen nach Außen, mehr Nähe geht nicht.

©Netti

Wie cool wäre es manchmal, wenn man einfach wieder Kind sein könnte, hat man die Zeit doch viel zu unbewusst wahrgenommen, stets strebte man nach dem Alter und bewunderte die Großen. Man wünschte sich endlich erwachsen zu werden, man sehnte den Augenblick herbei in dem man selber durfte. Alleine essen. Alleine laufen. Das erste Mal ja sagen, oder nein, wahlweise vielleicht. Man wollte so gern selber Entscheidungen treffen, keiner mehr der sagte: „Du darfst nicht zappeln.“, „Das wird aufgegessen!“, „20:00Uhr bist du zu Hause.“, „Erst Hausaufgaben, dann Spielen.“, „Fernsehverbot!“ Keiner der sagte: „Jetzt wird geschlafen!“
Diese Regeln haben uns Kindern System gegeben. Durch sie lernten wir das groß werden, das zurecht finden in einer Welt die aus Regeln und Zucht und Ordnung besteht. Heute aber ist man gezwungen sich dem System gegenüber zu stehen, ohne dass uns Hilfestellung geleistet wird. Man ist erwachsen und selber in der Lage Entscheidungen zu treffen, zu handeln.

Und doch gibt es immer mal wieder Momente in denen man ein bisschen verzweifelt, dann wird man zurückversetzt in eine Zeit, die längst vergangen. 
„Mutti, mach mal!“

©Netti

HerzSchweigen 2/2

Das Mädchen fror nach wie vor, es war ihr so kalt ums Herz, dass auch ihre Tränen an der eisigen Luft zu frieren begannen, und es entstanden gefrorene Rinnsale aus eisigem Salzwasser. Sie sehnte sich so sehr nach Wärme und Glück, dass sie fast schon nicht mehr wusste wie sie noch weiter machen sollte, mit dem Glauben in dieser Welt, die für sie nur aus Kälte bestand.

Sie fragte sich, wie das all die Anderen machten, das Lieben und Verlieben und Zusammenwachsen, kannten die denn alle gar keine Ängste!? Gab es denn bei denen so etwas gar nicht? 

Existierte das etwa nur in ihrer Welt!? Das Einzigste was bei ihr zusammenwuchs waren all die teilzersplitterten Ängste, die sich mit der Zeit die verstrich, immer mehr zu manifestieren schienen. Wie gern würde sie darauf scheißen auf all diese hirnrissigen Ängste. Aber das war nicht so leicht, denn ihre Gedanken mischten mit. 

So gab es nicht nur das Herz mit dem Bauchgefühl, sondern auch die Gedanken, die wie scharfe Pfeile um sich schossen. Sie verfehlten das Herz, denn das war ja zerschrumpelt, eine  ekelhafte Rosine, alt und verbraucht. 

>>Hör‘ auf dein Herz!<<

Sagten die Leute, als das Mädchen wieder einmal nach der Liebe fragte.

>>Dein Bauchgefühl wird dir sagen was richtig ist, was falsch.<<

Wieder konnte sie all das Geschwätz nicht begreifen. Ihr Herz verdorrt vor Kälte. Alles Narren. Dumme Menschen, vor Liebe erblindet.

Und das Bauchgefühl!? Was sollte das sein, wo doch das Herz nicht im Bauche lag, wohl aber unter ihrer Brust schlug, schlagen sollte, denn die Frequenzen des Herzens nahm sie nun kaum mehr wahr. 

Das Mädchen verzweifelte beinahe und zerbrach sich den Kopf, obwohl ihr Verstand sich dagegen zu wehren versuchte. Niemand dachte so blödsinnige Sachen wie sie.

Also setzte sie sich in die Bahn und fuhr einfach los, egal wohin, sie hielt es einfach nicht mehr aus in ihrem Kopf, das Mädchen flüchtete vor ihren Gedanken. Vor der Kälte aus ihrem Herzen.

Ein Schrei ließ sie aufschrecken, sie musste eingeschlafen sein, die Bahn fuhr nicht mehr, komisch sie stand an einem Waldrand. Es dämmerte bereits. 

Das Mädchen hob ihren Kopf und schaute nach rechts. Sie blickte in den Lauf einer Waffe. Das wäre die Stelle an der ihr Herz hätte aufhören müssen zu schlagen, man sagte dann >>ihr rutschte das Herz in die Hose<<, aber bei ihr rutschte gar nichts, sie spürte es nicht einmal mehr schlagen. Vielleicht war sie bereits tot.

Als sie den Knall hörte und Blut floss erschrak sie zwar, aber sie wusste einfach nicht wessen Blut das war, und was das hier alles gerade sollte, während ihr Körper einfach in sich zusammensackte.

©Netti

HerzSchrumpeln 1/2

Es war einmal ein Mädchen. Sie glaubte an die Liebe, auch wenn sie keine Ahnung hatte wie man diese definiert, kannte sie doch nur die Schreie und das Schweigen der Eltern, was folgte, nach einem Streit. Sie fragte sich wieso. So oft wusste sie nicht wie so etwas die große Liebe sein konnte. Dieses Wort verstand sie nicht, egal wie oft sie ihre Blicke im Duden unter dem L umherschweifen ließ. Sie fragte, egal wen sie traf, sie fragte nach der Liebe. Was das ist die Liebe. Und wie man sie bemerkt. Durch Schweigen etwa!? Sie mochte die Liebe nicht, wenn sie keine Antworten geben konnte. Sie fand die Liebe scheiße. Das Mädchen sehnte sich nach Sicherheit und ein bisschen heile Welt. Also schuf sie sich eine Bude aus Wörtern und Schriften, und so erzählte sie sich in eine eigene Welt. Voller Hoffnung und Zuversicht.

Sie ward größer und reifer und noch immer war ihr die Liebe fremd. Sie tauschte den Duden gegen Google und Wikipedia, sie las und las, aber begreifen konnte sie nicht.

Das Mädchen traf sich mit jungen Männern und schenkte denen ihr Herz, verschenkte es ohne es ordentlich zu verpacken. Kein Geschenkpapier. Kein Schleifenband. Sie hielt das rohe, schlagende und pulsierende Herz in den Händen. Die Männer erschraken und nahmen reißaus. Natürlich verstand sie nicht. Sie schenkte ihr Herz. Das ist es doch, die Liebe, das nennt sich doch verliebt, dem war sie sich sicher.

Immer wieder verschenkte sie ihr rohes Herz und wunderte sich über die Kälte die sie empfing. Sie kam einfach nicht dahinter. Die Kälte ließ sie frösteln und zittern, so derbe bis ihr der ziehende Schmerz die Tränen in die Augen trieb. Also musste sie etwas ändern, um nicht zu erfrieren und ihr kam eine Idee.

Sie klebte ein wenig Fell direkt um ihr kleines Herz, das sollte sie vor der Kälte schützen, so dachte sie. Doch mit der Zeit wurde das Fell immer dünner und die Kälte berührte es erneut. Zitternd schlugen ihre Zähne aufeinander und sie verlor an Gewicht.

Ihre hagere Gestalt schwebte durch die Zeit und traf nicht auf die Liebe sondern auf die Angst. Ihr Herz zerschrumpelte zu einer Rosine, denn wie sollte es sich nähren, wo doch in Kälte nichts gedeihen konnte!?

©Netti

HirnZerren.

Ekelhaft. Abartig. Gruselig.

Dieses Ziehen und Drücken. Zusammenquetschend alles noch existierende. Im Denken und Handeln eingeschränkt. Der Schmerz vergleichbar mit irgendwie gar nichts. Und doch sind Schmerzen alle gleich. Alle gleich eklig. 

Aber von welchem Schmerz man auch befallen ist, ist gerade der im Moment erleidende, immer der Schlimmste. Da sagt man: 

„Zahnschmerz!- Es gibt nichts Schlimmeres!“ Oder:

„Ein Ohr was nicht mehr hört weil vollgestopft mit Schmodder!?-Geht gar nicht!“ 

„Krampfendes Bein!? -Hilfe! Nicht dass das noch amputiert werden muss!?“

„Karussell im Kopf!? -Übel!“

„Kotzerei und Dünnschiss! -Grauenvoll.“ Wie besoffen am Wanken ist man dann. Hin und her. Und her und hin. 

„Herzschmerz!? -Das Schrecklichste ever!“ Etwas was man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünscht!

Irgendwie muss man sich aber doch immer wieder selber ermahnen: Chill mal! Das ist nur ein Kopfschmerz. Es gibt schlimmeres! 

Nur will einem dann trotzdem gerade nichts Schlimmeres einfallen. Ist alles ekelhaft. Egal was man erleidet. 

©Netti

Run through the dark.

Ein schwarzer Puma rennt durch die Nacht. Puma um den Körper, Puma an den Füßen. 

Schnell. 

Aggressiv. 

Atemlos. 

In den Ohren weiße Stöpsel. Guilty! Hell Yeah! Laute Töne durchströmen die Körpergestalt. 

Atmen. 

Schnell.

Laut. 

Stechen in den Seiten. Ziehen. Weiter immer weiter. 

Schneller.

Keine Pause.

Kein Halt. 

Verschwindet ihr Gedanken, verschwinde du halbherziger Mensch. Raus aus dem Kopf. 

Stechen. Quer durch den Körper, Atemnot. Halt! 

Arme auf die Knie und aufgestützt nach Luft schnappend, beinah schluchzend vor diesen Schmerzen aus dem Herzen. 

Der Puma trägt einen Dolch in sich.

©Netti

Mal wieder nur ein Schmerz der bleibt. 

Weil Worte verlogene Schweine sind. 

Manchmal ist man gezwungen. Gezwungen los zu lassen. Gezwungen zu vergessen. Da ist der Schutzwall den du mühevoll hast zerfallen lassen, einfach weg. Der ist weg denn du spürst da plötzlich wieder das was du eigentlich meiden wolltest. Schmerz. 

>>Bevor du etwas bekommst musst du auch immer erstmal etwas geben.<<, sagt deine Freundin zu dir, als du ihr alles erzählst. Alles was war und ist, zwischen ihm und dir.

Sie kennt dich. Sie weiß wie du bist. Dass du gern viel hättest, selber aber kaum geben kannst, nicht weil du nicht willst, sondern weil du nicht kannst. Oftmals verstecktest du dich in deinem Panzer um sicher zu sein, vor dem Schmerz der folgen könnte.

Was aber wenn du nun gegeben hast. Zu viel Gefühl. Zu viel Hoffnung. Wenn du gegeben hast ohne zu bekommen, weil dein Instinkt dir sagte da stimmt was nicht. Aber was. Was stimmt denn nicht mit dem!? Wie also ist es möglich den Schutzwall wieder aufzubauen, die Mauer die du dir einst so akkurat und sorgfältig aufgestellt hast!? Und wie oft muss man immer wieder von vorne beginnen? Wie oft muss man tatsächlich geben um auch zu bekommen!? Vertrauen. Glaube. Liebe.

Gerade ist da keine Hoffnung nur der Schmerz der dir sagt dass du einfach nicht genug bist. Nicht genug um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nicht genug vielleicht sogar treu zu sein. 
Nachrichten wieder nur Nachrichten. Wischiwaschi. Schwammige Aussagen. Kein Ich mag dich. Kein Lass es uns wenigstens versuchen. Zu feige?

Kein Gefühl mehr intensivieren. Sagt er.

Aus Angst dass das Vermissen umso größer wird.

Nichts mehr aufbauen.

Nur die Couch und DVDs zum schauen. Quasi, so verstehst du diesen Wischiwaschi Text.

Film schauen.

Kontakt über das Jahr eher nicht. Zur Beziehung nicht bereit. All das liest du aus dieser schwammigen Mitteilung heraus.

Es kommt dir komisch vor. Es klingt zu sehr als komme ihm Amerika gerade sehr gelegen. Eine gute Ausrede. Kontaktabbruch erst wenn er fährt das möchtest du nicht. Das kannst du nicht. Selbst das zu schmerzhaft. Du musst es zerschneiden das Band was dich an ihn zu halten suchte. Und du musst aufhören immer Dinge schönzureden. Wenn Cut dann Cut sofort. Findest du.

Denn schön ist nur das Vergessen, was den Schmerz in Luft auflöst. Wenn es denn gelingt.

Adé. Sagen die Leute.

 Adé. Sagt die Zeit, und das Jahr was gar nicht schnell vergehen wird. 

Denn du wirst denken hier und da, nur an ihn. 

©Netti

Die Möglichkeit des Kaputtschreibens.

Wenn geschriebene Worte die Macht haben zu zerschreiben war es nichts authentisches. Kein echtes Gefühl was Sinne benebelt und Glück hervorruft. Etwas in dir hat noch einen Funken Hoffnung, dass die Motten wieder weichen. Dein Kopf ist klar, dein Herz rein, denn bei dir sind keine Motten, nur Schmetterlinge. Noch immer. Die Motten im Gegenüber allerdings sichtbar, spürbar fast schon. Irgendetwas in dir sagt, dass sie wieder weichen werden. Diese Augen die dich anblickten mit so viel was sichtbar war, und spürbar, in ihm, den Anderen, das kann so schnell nicht verpuffen. Ausgeschlossen. Und wenn doch dann hat es nicht sollen sein. Somit würden die Schmetterlinge den Kopf einziehen, etwas traurig würden sie davon flattern, und das nächste Mal zurück kehren. Flügelschlagend. 

©Netti